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Wie geht es wohl weiter?

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Nein, die Frage ist nicht, ob es mit uns, also Dir, ihr, ihm, Euch und mir weitergeht, das tut es selbstverständlich. Die Frage ist: Wie geht es nun mit diesem Land und uns darin herumirrenden Tröpfen weiter. Weil, diese Erkenntnis dämmert so langsam in manchen Köpfen, die Weichen sind überhaupt nicht gut gestellt.
Das ist schon lange so, Misanthropen datieren den Anfang vom Ende auf den 1. Oktober 1982, den Kohl-Tag, aber spätestens seit dem 27. September 2009 stehen die Signale endgültig auf "Entgleisen". Das war der Tag der, haha, Protestwahl. Der Tag, seit dem sich die Freie Demokratische Partei als Volkspartei bezeichnet. Der Tag, an dem 30,7% der wahlberechtigten Deutschen entweder Horst Schlämmer oder überhaupt nicht gewählt haben. Der Tag, an dem die ehemalige Volkspartei SPD endlich die Quittung für Gerhard "Gazprom" Schröder, ein Heer gesichtsloser Karrieristen und den Verlust jeder Volksnähe und Sozialdemokratie in der so genannten Großen Koalition (und vorher) bekam. Der Tag, den Oskar Lafontaine sicherlich in seinem nächsten Narzisstenbuch als persönlichen Einmarsch in Rom selbstbejubeln und sich gleichzeitig für seinen Rückzug aus der Parteiführung seiner Linkspartei rechtfertigen wird. Der Tag, an dem das Windei Seehofer final als solches abgewatscht wurde - handgemachte bayrische Ohrfeigen haben einen mächtigen Wumms. Und es war der Tag, an dem sich das verbliebene Stimmvieh vor lauter Verzweiflung eigenhändig bis zum Hals in ein Loch bestehend aus Mief, Muff, Sumpf und Schlamm eingebuddelt hat, ohne auch nur eine Sekunde die Personen Merkel, Westerwelle etc. zu hinterfragen.
Herbert (Wehner) im Himmel, möchte man rufen, was hättest Du mit solchen Figuren wohl gemacht? Wäre Dir das konformistische Kohl-Gewächs Merkel eines deiner Schimpfwörter wie "Beamtenkuh", "Dampfnudel" oder "Übelkrähe" wert gewesen? Hättest Du Westerwelle überhaupt wahrgenommen, oder ihn einfach in die Rubrik "Lackschuh-Panther" abgelegt? Was hättest Du mit diesem "Parteifreund" Matschie aus Thüringen angestellt, wenn er zu deinen Lebzeiten mit der CDU angebandelt hätte, nur um seine Provinzfürstenmachtposition zu erhalten? Das alles wissen wir nicht, also ist es egal. Wichtiger ist, wie es wohl weitergeht.

Die Versprechen (und demzufolge Lügen) der Siegerparteien werden schnell aufgedeckt, abgehakt und erledigt sein. Umfragen zufolge haben ohnehin nur 16% (!) aller Bürger an die Märchen vor der Wahl geglaubt. Warum wohl haben trotzdem fast 44 Millionen Menschen ihre zwei Kreuzchen gemacht?
Die Grünen wollen im Saarland die "Jamaika-Koalition" errichten, also ein Regierungsbündnis aus CDU, FDP und ihrer Partei, die in ihrem Grundsatzprogramm u. a. ganz eindeutig die Abkehr vom Atomstrom festgeschrieben hat. Nun ja, mag man denken, das Saarland hat ja auch weniger ein Atom- denn ein Kohleproblem. Ökologisch nachhaltig ist Kohle auch nicht, und was aus dem Thema "Soziale Grundsicherung" in Verbindung mit der FDP wird, steht nicht in den Sternen, es steht in Brehms Thierleben, Kapitel "Raubtierkapitalismus". Das Tier von Brehm schrieb sich wirklich mit h.
Die Grünen sind sowieso ein Kapitel für sich. Der Vorsitzende Cem Özdemir war einmal ein, na ja, wilder junger Mann, danach leistete er sich den peinlichen Fauxpas eines Kredits von einem PR-Berater und war Teil des Bonusmeilen-Skandals, bei dem beruflich abgewickelte Flugmeilen später für private Reisen verwendet wurden. Inzwischen tritt der Schwabe in einer derart unerträglich staatsmännischen Manier auf, dass man sich einen Steine werfenden Joschka Fischer zurückwünscht.
Über viereinhalb Millionen Deutsche haben Grün gewählt, lassen die sich eine Koalition mit dem Klassenfeind, auch wenn es nur im winzigen Saarland ist, gefallen? Oh, ihr Basisdemokraten, wann wacht ihr endlich auf und erkennt, dass es der gesamten Politikerkaste ausschließlich um Macht und Pfründe geht, keinesfalls um Demokratie, Änderungen in den Köpfen oder gar Zukunftsvisionen?
Da wir ein Musikmagazin sind, sei folgender Vergleich erlaubt: Würde ein Hardrocker freiwillig zu einem Konzert von Britney Spears gehen, nur weil sie ihm beim Kartenkauf ein 'Bedingungsloses Grundeinkommen' in Form von wöchentlichem Geschlechtsverkehr mit ihr verspricht? Ficken mit Britney ist so viel wert wie soziale Gerechtigkeit mit Guido, Grundsatztreue mit Cem oder Einbremsung wahnsinniger Manager mit Angela. Nichts also.

Gleichzeitig zum Unheil mit unseren Spitzenpolitikern gibt es Menschen, die Millionen von Euros scheffeln und weder sich noch ihren Verstand und schon gar nicht ihre Zunge im Griff haben. Ein glänzendes Beispiel ist das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank Thilo Sarrazin. Dieser SPD-Parteibuchträger sticht schon seit längerer Zeit als ganz besonderes Arschloch (andere nennen ihn Provokateur oder Querdenker) aus dem faden Einerlei der Tagespolitik heraus. Zum Beispiel entwarf er einen Ernährungsplan für Hartz-IV-Empfänger (unter 4 Euro pro Tag; und zwar gesund und wertstoffreich) und empfahl Arbeitslosen Pullover statt Heizung. Bizarre Äußerungen eines Vollidioten, könnte man sagen, wenn der feine Herr nicht regelmäßig nachlegen würde. Kürzlich äußerte er sich zum Migrantenproblem, und sagte für Flachdenker vordergründig gar nicht so falsch, dafür umso populistischer, dass "ständig neu produzierte Kopftuchmädchen" für eine Integration von Ausländern kontraproduktiv wären. Der Zentralrat der Juden braucht sich da gar nicht so aufregen, denn rassistisch hat Sarrazin das sicher nicht gemeint, nur hat er leider überhaupt nichts verstanden. Die grundsätzlich empörten Zentralräte auch nicht. Richtig wäre nämlich: Kleine Kopftuchmädchen werden nicht "produziert", sie werden von den Lebensumständen geschaffen, und für die sind unter anderem Menschen wie Sarrazin verantwortlich, denn der war sieben Jahre Finanzsenator in Berlin und tat sich vor allem mit Kürzungen im Sozialbereich in der bankrotten Stadt hervor. Hätte er mal was für die Armen getan, am besten im Bildungsbereich, liefen heute ganz sicher etliche Kopftuchmädchen weniger durch Berlin. Stattdessen hat er sich mit bis zu 46 Nebentätigkeiten persönlich bereichert. Liebe Güte, wie vielen deutschen und ausländischen Familien könnte mit Sarrazins Kohle so geholfen werden, dass die Kids Deutsch lernen, Abitur und Studium machen können und nebenbei noch zu hilfreichen Gesellschaftsmitgliedern werden, die ekelhafte Sozialschädlinge wie eben jenen Thilo Sarrazin mit dem Kehrbesen ans nächste Fließband zur Wechselschicht jagen. Oder zum Mindestlohn zu McDonald's an den Grill. Soll sich dieser Schmarotzer doch von 4 Euro am Tag ernähren, wenn ihm der Job am Bau nicht gefällt.
Mehr als die Hälfte aller Deutschen findet Sarrazins Äußerungen übrigens richtig. Denkt doch einfach mal nach, Landsmänner.

Das Thema war "Wie geht es weiter?", doch eine optimistische Antwort ist schwer bis unmöglich. Ein Jahr nach dem weltweiten Finanzcrash zahlen amerikanische Banken höhere Bonifikationen denn je, die deutschen Banken werden nicht wesentlich nachstehen (jedenfalls was die Manager betrifft, die gemeinen Angestellten kriegen natürlich nichts), die Zukunft von zigtausenden Opel-Werkern ist ungeklärt, die Bankrotteure von Arcandor wickeln Karstadt und Quelle leise ab und schicken mehr als 80.000 Menschen aufs Amt oder wenigstens in eine ungewisse Zukunft, derweil Exempel an unterbezahlten Schwerarbeitern statuiert werden, die sich erdreistet haben, für den Müll bestimmte Brötchen oder Maultaschen im Wert von € 2,95 gestohlen zu haben. Was möchte man mit Kanaillen wie Middelhoff & Co. zur Strafe für Vernichtung von eigentlich nicht für den Müll bestimmtem Volkseigentum anstellen?
Nichts wird angestellt werden, im Gegenteil, mit Hilfe der neuen Regierung werden die Machtpositionen noch weiter manifestiert werden, das Kapital-Pack wird sich weiter am Buffet des untergehenden Schiffs gütlich tun, während Alte, Frauen und Kinder zuerst von Bord gehen - allerdings ohne Rettungsring.
Es bleibt die Frage, ob für das Volk der Grundsatz "You want it, you got it", oder doch eher "Denn sie wissen nicht was sie tun" gilt. Für Merkel gilt weiterhin, dass sie tun wird, was sie am besten kann, nämlich inhaltslose Reden in salbungsvollem Ton halten und ansonsten: nichts. Westerwelle wird als größter Poser in die Geschichte deutscher Außenminister eingehen, sein Fußvolk wird derweil größtmöglichen Schaden anrichten. Seehofer wird bis zu seiner Vertreibung aus dem Paradies der Bayerischen Staatsregierung jedem alles versprechen, selbstverständlich ohne irgendetwas zu halten. Die Roten werden die brutalstmögliche Opposition darstellen - und nebenbei die eine oder andere Vergünstigung in Anspruch nehmen, die schöne Sahra Wagenknecht und der eloquente Gregor Gysi wissen bekanntlich guten Wein und mediterrane Küche zu schätzen, und können sich die Leckereien im Gegensatz zu den meisten ihrer Wähler auch bequem leisten. Der Genosse (?) Kurt Beck wird (k)einen Klassenkampf bei den Verblasstroten ausrufen - und in seiner unnachahmlich provinziellen Art an den Konventionen und an der Genossin Andrea Nahles scheitern, während Cem Ö., der perfekte Migrant, weiter an seiner Berufung zum Bundespräsidenten der Jahre 2034 bis 2044 feilt und derweil für eine bessere Welt wirbt. Ihr wisst schon, ohne Atomstrom und so…

Ganz ehrlich, bei solchen Aussichten bleibt uns nur der Rock & Roll, sonst gehen wir ganz und gar kaputt. Also: Hold your head up!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.10.2009

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