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Editorial:
Manchmal kommen sie wiederOder: Die hohe Kunst des Coverns |
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Wir befinden uns voll im so genannten RETRO-FIEBER. Längst verschollen geglaubte Sachen werden wieder zum Verkaufsrenner. Endlich kann er/sie die neueste Cover-CD mit einem Gläschen Tri-Top geniessen und das im trauten Nierentisch- und Flokati-Teppich-Ambiente. Und was dem gemeinen Pöbel lieb ist, kommt den Künstlern und Bands gerade recht. Alles fing mit der handwerklich perfekten aber ansonsten höchst überflüssigen BEATLES REVIVAL BAND an. Was als Live Act noch Sinn macht, weil es das Original längst nicht mehr zu sehen gibt, ist als Platte überflüssig wie ein Kropf. Warum die dritte Garde hören, wenn ich die erste Garde ohne Probleme kaufen kann. Doch das ist ja alles harmlos, gemessen am heutigen Stand der Dinge. Doch nicht nur die erste Liga (rein verkaufstechnisch) ist auf den teilweise lukrativen
Retro-Zug aufgesprungen. Demnächst steht uns ein neues Joe Bonamassa Album mit COVERS-SATT ins Haus. Hat der begnadete Gitarrist das wirklich nötig? Doch auch der gute Rock'n Roll bleibt nicht verschont. Paul McCartney's uninspiriertes Rock'n Roll Süppchen "Run Devil Run" ist gerade verkocht, da kommt mit "Good Rockin' Tonight" der nächste Oldie-Erguss aus den Rillen (siehe Review im HoR). Und dann gibt es da noch die Coversongs, die keiner erkennt. Gemeint ist die liebliche Rapper- und Hip(p)-Schrott Fraktion. Wer vermutet auch schon Bruce Hornsby oder POLICE hinter dem Computer-Sound-Gelärme. Das ist alles ärgerlich. Doch richtig gemein wird die Sache erst dann, wenn ganze
Band-Legenden aus ihren Gräbern geholt werden weil die große Kohle lockt. Das Beispiel T-REX macht Mut und läßt für die muskalische Zukunft hoffen. Wie gerne würde ich doch Buddy Holly oder Sam Cooke live sehen. Noch so ein Fall für sich sind CREEDENCE CLEARWATER REVISITED. Die durften den Originalnamen, Dank sei John Fogerty, doch nicht klauen. Manchmal gibt es eine Gerechtigkeit im Musikerleben. Das Projekt ging dann auch gehörig in die Hose. Das freut nicht nur John Fogerty. Wie sieht die Zukunft aus? ABBA und die A-TEENS sind ja zur Zeit nicht mehr angesagt.
Vielleicht werden bald die BEATLES in Form der B-TEENS auf unsere jüngsten Musikfans
losgelassen? Oder blüht uns eines Tages der COVER-MIX. Man nehme einen Teil Mr. Postman, zwei Teile Sweet Home Alabama und etwas Staying Alive. Fertig ist ein komplett neuer Song. Musiker brauchen nie mehr komponieren. Sie mixen sich einen neuen Song. Der Begriff Soundmixer bekommt eine völlig neue Bedeutung. Aber was mach ich mir eigentlich Gedanken. Die Musikindustrie hat bestimmt noch pfiffigere Gedanken parat. Doch bis es so weit ist, wird Robert Johnson's Crossroads noch weitere 300 x gecovert. Ich freue mich schon diebisch auf all diese neuen Versionen. Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 25.08.2003
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