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Man wird nachdenklich, in diesen Tagen. Draußen regnet es und kalt ist es auch, drinnen muss man schon um 6 die Schreibtischlampe einschalten. Aber das alleine ist es nicht, viele Dinge gehen einem im Kopf herum.
Da wird zum Beispiel ernsthaft diskutiert, ob das unwürdige Hartz-IV Staatsalmosen gemäß den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst werden soll. Zur Erinnerung: Erfunden wurde dieses Armutszeugnis von einem gewissen Peter Hartz, Mitglied der SPD und der IG Metall, geständiger und lachhaft milde bestrafter Veruntreuer von Firmengeldern, Dauerkunde der brasilianischen Nutte Joselia R., natürlich auf Kosten seines damaligen Arbeitgebers VW. Nach solchen Menschen werden bei uns Gesetze benannt.
Nebenher marodiert ein Bundesinnenminister mit Verfolgungswahn durchs Grundgesetz und will demnächst mit seinem Rollstuhl unsere Festplatten platt fahren. Wäre man nicht Agnostiker, der Gebetsteppich läge schon schützend über den heimischen Datenträgern.
Komische Zeiten sind das. Dabei sprechen wir Dummerjans doch eigentlich nur von Musik, derer es in diesem Jahr außerordentlich wenig auf den Bühnen, dafür um so mehr auf Tonträger gibt. Sicherlich überaus erfolgreich und millionenfach verkauft. Wie sagte die Verkaufsstatistik neulich noch überdeutlich aus: Weitere 20% Umsatzrückgang im ersten Quartal 2007, die legalen Downloads legen zwar massiv zu, können aber den Einbruch der physikalischen Tonträger bei weitem nicht kompensieren.
Die Entwarnung kam vor knapp zwei Monaten: "Der Erfolg des Musik-Download-Geschäfts geht dabei nicht auf Kosten des physischen Tonträger-Marktes. Hier ist insgesamt eine leichte Aufwärtstendenz zu verzeichnen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005 sind die Zahlen aktuell zwar schwächer, im April und Mai nahm der Absatz allerdings wieder zu. Dadurch wurde im zweiten Quartal 2006 ein Umsatzplus von 1,14 Prozent und 4,61 Prozent Mengenzuwachs erreicht." Gelobt sei der Mai. Und: "Die Fußball-WM habe gezeigt, dass sich physische Singles auch heute noch hervorragend verkaufen, so Timm [das ist ein Schlipsträger von media control; Red.] im pressetext-Gespräch. Die einzelnen Kick-Hits wurden sehr stark über den Weg der traditionellen Tonträger an die Konsumenten gebracht." [Quelle: Media Infodienst]
An dieser Stelle der Tipp für alle jungen Musiker: Macht Kick-Hits! Fußball-, Handball-, Ruder- und Turn-Weltmeisterschaft sind zwar vorbei, aber es kommt ja bald die Rad-WM in Stuttgart. Da muss nur noch ordentlich Testosteron in den Song, schon wuppt das Ding mühelos auf Platz 1, noch vor Jan Ullrichs Hymne "Ich bin EPO, EPO, epochal".
Mann Gottes (sagt der ungläubige Johannes), haben die denn alle den Schuss nicht gehört? Noch nie wurde so wenig "reguläre" Musik verkauft, noch nie hatten wir so viele (und gute) CDs auf dem Tisch, die abseits der lächerlichen Vermarktungsschiene liefen. Keine GEMA, keine GVL, auf media control ist ohnehin gepfiffen. Untergrund, Underground, ist unser Business, keine "Kick-Hits". Menschmeier.
Doch die Menschen bewegt mehr als banale Pop- und Rockmusik. Eva Herman ist raus! Die hat in ihrem 48jährigen Leben noch nie einen Knall gehört, jetzt hat sie ihn schriftlich. Wer rindviehig Frauen in "die traditionelle Rolle als Frau und Mutter" scheuchen möchte, wer Männer diskreditiert, die Frauen als Partner, Kollegen, Chefs, Freunde oder Saufkumpane ganz natürlicherweise genau so anerkennen oder verachten wie männliche Exemplare, und wer schlussendlich die "Wertschätzung der Mutter" im Dritten Reich in der heutigen Zeit vermisst. bitteschön. Haben wir für solche geistigen Totalschäden bestbezahlte Jobs im gebührenfinanzierten Fernsehen übrig? Hinfort mit solchen Sektierern/innen.
Aber es geht noch weiter. Werner Schnappauf, Bayerns Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und erfolgreicher Bärenjäger und Gammelfleischverwalter, geht als Hauptgeschäftsführer zum BDI. Das ist der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. und demzufolge naturgemäß ein hemmungsloser Kämpfer für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Ein wunderbares Amt, Herr Schnappauf, Sie können ihr formidables Wissen direkt einbringen. Und alles im Namen des eigenen Geldbeutels. Es hat sich also nichts geändert. Nun ja, doch, Nachfolger im Ministeramt wird Markus Söder, der servile Speichellecker von Edmund Stoiber.
Der Söder hat übrigens ein uneheliches Kind. Saubermann, feiner.
Dann wäre da noch der Beckstein, Günther. Der wird bald Ministerpräsident Bayerns und will Internierungslager für "Topgefährder" einrichten und vor allem endlich die Bürgerinnen und Bürger vom äußersten rechten Rand stärker in die CSU-Politik einbinden. Das ist gut, dann müssen unsere Freunde mit den Glatzen nicht mehr auf zugigen Stadtplätzen gegen Pfeifkonzerte der linken Gegendemonstranten ankämpfen, sondern können direkt hinter Beckstein hermarschierend den nächsten Aschermittwoch in Passau begehen. Liberalitas Bavariae.
Ganz nebenbei erwähnt hat unser Lieblingsreaktionär Ted Nugent soeben eine affengeile neue CD veröffentlicht. Ist es nicht absurd? Auf der einen Seite bejammert man unsere heimischen Strohköpfe und gleichzeitig feiert man einen solchen Hirnbeiß seit drei Jahrzehnten immer und immer wieder. Rock & Roll macht dumm.
Apropos Strohköpfe. Da meldet sich der sozialdemokratische Polit-Zausel Wolfgang Thierse neulich zu Wort und stellt radikal fest, dass Hetzjagden auf ausländische Mitbürger gaaanz schlecht sind. Und zwar für den Wirtschaftsstandort Deutschland! Diagnose: Geistiger Brechdurchfall. Man sollte ihn mit dem Baseballschläger durch Berlin jagen und hinterher fragen, ob die Platzwunden und blauen Augen für ihn oder den Wirtschaftsstandort schmerzhafter sind.
Aber wenigstens verbietet die Justizministerin Zypries demnächst den freien Verkauf von waffenfähigen Chemikalien, damit schlimme Jungs keine schlimmen Bomben bauen können. Ob die Frau wohl schon mal von Mehlstaubexplosionen gehört hat? Bald ist es vorbei mit Kuchen und Plätzchen, liebe Hausfrauen, Mehl darf nur noch grammweise und gegen Vorlage einer politischen Unbedenklichkeitsbescheinigung vom nächstgelegenen Militärstützpunkt ausgegeben werden.
Man könnte noch Stunden und Seiten weiter lamentieren, aber es macht keinen Sinn, schließlich haben wir unsere Politiker mehrheitlich selbst gewählt, unser Grab eigenhändig geschaufelt. Nur ein kleiner Gedanke noch, denn heute ist der 11. September. Ihr wisst alle noch, wo ihr gewesen seid, heute vor sechs Jahren? Ich schon, auf dem Weg zum amerikanischen Konsulat nämlich, ein Visum beantragen, als das Mobiltelefon klingelte und ich zufällig gerade an den Büros einer befreundeten Agentur vorbeiging. Auch bei denen lief natürlich ein Fernseher, beide Türme standen noch. Ich rannte zurück nachhause, der erste Turm war inzwischen zusammengebrochen.
Der Zeitabstand ist mittlerweile groß genug, um die Veränderungen auf der Welt und im täglichen Leben seither sehen zu können, aber heute wird wohl einmal mehr nur den Opfern gedacht, Politiker werden unsägliche Reden halten, Kriegstreiber die Notwendigkeit des Kampfes gegen den Terrorismus betonen, niemand wird wohl darüber nachdenken oder gar laut sagen, dass erst unsere, natürlich einzig richtige, westliche Lebensweise all dies möglich gemacht hat. Schade eigentlich, aber vielleicht hinterfragt wenigstens jemand, warum der meistgesuchte Terrorist aller Zeiten, Osama bin Laden, noch immer auf freiem Fuß ist. Könnte es sein, dass da jemand sein sorgsam aufgebautes Feindbild hegt und pflegt, damit der Krieg um Macht, Geld, Öl und Weltherrschaft noch ein Weilchen weitergehen kann?
Übrigens, meine Mutter bekommt jetzt 95 Cent mehr Rente. Jeden Monat.
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