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Hall of Shame:

50 Jahre Rock im ZDF

Mit den dritten Zähnen hört man auch nicht besser

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Unser Disclaimer

Das ZDF war ganz vorne mit dabei! 50 Jahre Rock und die Mainzelmännchen produzieren für ihr durchschnittlich gleich altes (und womöglich gleich inkontinentes) Publikum eine Jubiläumsgala. Oh mein Gott. Auch wenn man über das Alter keine Witze machen soll, DAS musste nun wirklich nicht sein. House Of The Rising Sun mit Geigen, Schubidugirls und Ian Anderson an der Querflöte. Dazu der penetrant grinsende Leslie Mandoki und diverse Musiker, die gesichtstechnisch definitiv beweisen, dass es Rock & Roll schon mindestens 150 Jahre geben muss. Außerdem war Burdon stimmlich komplett indisponiert (genau wie anschließend der früher grandiose Chris Thompson). Und ich lobe den Eric vor paar Tagen noch für seine neue Platte...
Himmel, warum tun die das? Nicht die vom ZDF, die können nicht anders. Auch nicht Gummibärenfresse Gottschalk. Mann, der ist doch nur etwa 10 Jahre älter als ich (gut, ein paar Millionen schwerer auch), aber das ist doch kein Grund, die Musik, für die wir uns noch vor ein paar Jahren mit unseren Erzeugern gefetzt haben, zur Peter-Frankenfeld-Samstagsabendunterhaltungsrevue zu machen. Okay, gibt wieder Bares. 99% seines üppigen Salärs sollte man ihm allerdings wegen Inkompetenz, Peinlichkeit und offensichtlicher Trunkenheit während der Arbeitszeit wieder abziehen. So viel Dummfug über Musik, Musiker und Drogen kann man nüchtern gar nicht verzapfen.

Aber was geht in diesen Musikern vor? All dieses Night of the Proms-Gesockse verunstaltet unsterbliche (und gruseligerweise zum Teil auch noch ihre eigene) Musik zu aufgequollener und nicht mehr wiedererkennbarer Leberwurst in Tonform. Ekelerregend.
Dazu noch ein wenig B-Prominenz wie die offenbar von akuter Kehlkopfdiphtherie befallene "Johnny Walker" Tyler (dagegen ist Dan McCafferty direkt ein Wiener Sängerknabe), BAP dürfen Born To Be Wild "rocken" (der Zusammenhang BAP-STEPPENWOLF kann nur im Karneval oder dem F.C. Köln begründet sein) und die unvermeidlichen SCORPIONS säuseln direkt nach einer sicherlich gutdotierten Rede von Ober-Rock'n'Roller Gorbatschow ihr... Ihr wisst schon. Das mit dem Gepfeife. Anschließend durften sie noch einen neuen Schubidu-Song schmettern (O-Ton Meine: "Die Scorpions haben mal wieder die Hardrockaxt ausgepackt"). Das einzige was sie dabei ausgepackt haben ist eine gradezu unfassbar alberne Text-Keule a la "remember the good times when the sex was free...". Genosse Gorbatschow, bitte stecken sie die Kerle in den Rock & Roll-Gulag!
Hinfort mit Euch, Ihr Millionäre, Heuchler und Stümper! Kill Fuck Die (W.A.S.P.).
Ach ja, meine All-Time-Lieblinge STATUS QUO waren auch dabei. Scheiße auch, ich hasse Euch dafür! Und geh dann trotzdem wieder zum nächsten Konzert. Depp der ich bin. 30 Jahre Rock & Roll machen dämlich.

Leserinnen und Leser, ich schäme mich für die Musik die ich da hören musste! Es ist mir so peinlich. Music was my first love. Klar, auch John Miles, dieser peinliche Tonverweser, war anwesend. Ich fürchte, Musik wird auch meine letzte Liebe werden. Aber nicht diese (Musik natürlich, nicht Liebe)!
Hey, alt und grau gewordene "Rocker" im Anzug, mit Geigen im Hintergrund und ganz offenbar ohne jede Erinnerung an das was sie vor Jahrzehnten mal waren, kotzen mich an! Fernsehleute, die uns weismachen wollen, dass dies die Essenz aus 50 Jahren (warum zum Geier eigentlich genau 50?) Rock ist, kotzen mich noch mehr an. Sagt mal, Ihr Spießer, wer hat denn erzählt, dass Shakin' Stevens (!!) ein wichtiger Bestandteil zeitgenössischer Musik ist? Mensch, geht mir vom Leib mit Eurer widerlichen Anbiederung ans Karl Moik-Publikum. Und die Firmen, die diesen Mist gesponsort haben, dürfen von mir aus bei der nächsten Pleitewelle auch gleich mit über den Jordan gehen. Ihr habt nix kapiert. Gar nix. Und Eure zur Sendung erschienene Doppel-CD könnt Ihr Euch mit oder ohne (Kopier-) Schutz wohin stecken. Wer das kaufen sollte, steht auf einer Stufe mit den Konsumenten der beliebten Kuschelrock-Bravo-Hits-Dance-Knüller-Ballermann Auswürfe.

Rockmusik war immer dann gut, wenn sie aus dem Underground kam. Wenn sie angeeckt ist bei den Bewahrern des guten Geschmacks, wenn Väter zu Berserkern wurden und Mütter um ihre Kinder Angst hatten, wenn kreative Menschen spannende Sachen gemacht haben und verwirrte Sektierer vor den Konzerthallen Flugzettel verteilt haben, auf denen vor dem Teufel gewarnt wurde. Innovative und/oder geile Musik gibt es heute noch genau so wie früher, manches verstehe ich nicht - muss auch nicht sein, dafür ist die jüngere Jugend zuständig - anderes mag zwar altmodisch sein, verkörpert aber nach wie vor den Geist und den Sinn des Rock & Roll. Die meisten in dieser Sendung anwesenden Protagonisten verkörpern allerdings nur noch Establishment und Stillstand. Die paar wenigen Sympathieträger und heute noch kreativen Musiker die da waren, wurden als Playbackaffen verheizt.

Dazu kam in dieser unsäglichen Sendung ein fahrlässiger Umgang mit der Historie. Die letzte echte Revolution mit Langzeitwirkung im zeitgenössischen Rock & Roll, Punk, wurde in einem einzigen Nebensatz abgehandelt. Die paar wesentlichen Entwicklungen in den Achtzigern wurden ignoriert und zu den Neunzigern fiel dem ZDF Eminem ein. Na bravo. Hauptsache, Schleimbeutel Peter Kraus war dabei. Aber wo war Frau Biederhamster, die Metal-Schnitte und Zukunftshoffnung?
Im deutschen Southern Rock Forum wurde gar von der "Beerdigung der Rockmusik" gesprochen. So weit würde ich nicht gehen, immerhin wird ein anständiger Rockfan nicht gezwungen, sich solchen Dreck anzuschauen bzw. anzuhören. Aber ein wenig streng riechen tut die Chose schon. Leider nicht nach Schweiß, Bier und Sex...

Gutes hat das ZDF der Musik mit diesem Mist nicht getan. Im Gegenteil, der noch des Denkens mächtige Altfan wendet sich mit Grausen und Nachwuchs gewinnt man so ganz bestimmt nicht. Und von einer Illusion dürfen wir uns verabschieden: Die (öffentlich rechtlichen?) Fernseh- und Radiomedien sind zu einer vernünftigen Darstellung von Rockmusik nicht (mehr) in der Lage. Außer vielleicht mitten in der Nacht um 3 im Rockpalast oder in sonstigen Nischen. Und auf das Gottschalk-Elend verzichten wir künftig lieber. Gell, Rockfan!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.04.2004

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