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In München gibt es eine Bäckerei namens PFISTER. Königliche Hofbäckerei sogar. Dieser Filialbetrieb verkauft täglich Tausende so genannter Kaisersemmeln. Dies ist (für die Nicht-Bayern) ein Brötchen. Außen knusprig, innen luftig, teigig und manchmal hohl.
Jedes Kind weiß, dass es in München auch den einzig wahren Kaiser gibt. Nämlich den Kaiser FRANZ. Geboren zu Giesing, mittlerweile wohnhaft in Kitzbühel (Österreich hat es ja auch mit den Blaublütigen), nebenberuflich Präsident eines Fußballvereins, Freizeitschriftsteller für die BLÖD Zeitung, Werbeträger ("ja is den heid scho Weihnachten") und vor allem: Namensgeber der oben genannten Semmel. Außen knusprig, innen luftig, teigig und manchmal hohl.
In den weiten Wäldern der Pfalz (s.a. Kurpfalz, div. Kaiser, Könige, Rote Teufel) haben sich vor einigen Jahren ein paar Desperados zusammengefunden.
Weil denen der Beruf des Bäckers zu anstrengend war (wer will auch täglich um 3 Uhr aufstehen), sie allerdings als Fußballer zu unbegabt waren, aufgrund ihres Dialektes nicht von Zeitungen als Kolumnisten angenommen wurden und das Mobiltelefon in dortigen Regionen erst seit wenigen Monaten bekannt ist (entsprechend kein Bedarf an Werbetreibenden bestand), haben sie sich entschlossen, MUSIK zu machen.
Hier erinnern wir uns an den Film "Caveman", in dem die Erfindung der Musik anschaulich dargestellt wird. 5 prähistorische Waldbewohner (ob es nun Pfälzer waren ist nicht überliefert) sitzen um ein Lagerfeuer, einer verbrennt sich die Finger, brüllt daraufhin, ein anderer pustet in sein Trinkhorn etc. In diesem Film spielt übrigens Ringo Starr mit. Auch ein Musiker.
Unsere Helden der Neuzeit machen allerdings weit modernere Musik. Mit strombetriebenen Gitarren, elektrischen Klavieren, und der Sänger spricht in ein Mikrophon.
Nach einiger Zeit des wilden Herummusizierens dachten sich die Protagonisten dieser Geschichte einen Namen für ihr Getöse aus. Weil Kürzel wie FCB, FCK, DKW, AOK, FBI etc. schon belegt waren, nannten sie sich kurzerhand DnD. Die sprachhistorische Entwicklung der Pfalz legt nahe, dass man den Namen DnD in der Region wie Dicht'n'Durch ausspricht.
Und dann haben die 5 ganz oft vor Freunden und Bekannten gespielt. Manchmal kamen sogar Fremde und zahlten einen kleinen Obolus. Kurz gesagt, man mochte diese lustigen Musikanten und sie haben sich gedacht, dass man doch so viele hübsche Lieder schon spielen kann und man die doch einfach mal auf einer Compact Disc verewigen könnte. Schnell in ein Tonstudio und die Lieder aufgenommen, eine kleine CD gemacht und dann mal gucken.
In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es eine große Firma. Die machen Arzneimittel. Mit gaaaanz viel Chemie drin. Das ist eine sehr große Firma. Da arbeiten viele Leute. Und noch viel mehr Leute schlucken die Tabletten von dieser Firma. Gegen Kopfschmerzen, gegen Durchfall, gegen Hirnsausen, gegen Kinder und manchmal sogar gegen Krankheiten.
Diese große Firma aus Amerika heißt übrigens fast so wie die Bäckerei in München.
In einer der alchemistischen Kammern dieser großen Firma wurde vor ein paar Jahren ein ganz besonderer Wirkstoff gefunden. Ein Wundermittel für die Männlichkeit. Wissenschaftlich heißt das: Ein Medikament zur Behandlung erektiler Dysfunktion beim Mann.
Wir nennen diesen Wirkstoff der Einfachheit halber "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif".
Gaaaanz viele Männer wollten diese Pille haben. Und die Firma, die so ähnlich heißt wie die Münchner Bäckerei, hat eine nigelnagelneue Fabrik gebaut und viele Millionen von der Pille herstellen lassen.
Berühmte Menschen haben dieses Ding gekauft. Meistens etwas ältere Herren. Außen (manchmal noch) knusprig, innen luftig, teigig und manchmal hohl. Prinzen (eingekauft, aber egal), Playboys (der letzte dieser Art ist Gunter Sachs, ca. 123 Jahre alt), Präsidenten von Fußballvereinen (die Tablette wirkt sogar bei Weihnachtsfeiern und mit Alkohol im Bauch), Musiker (sag mal einer dem Mick Jagger, dass man das Ding schlucken soll, sonst wird die Unterlippe so dick), Politiker (Verteidigungsminister springen seither in Swimmingpools, weil ihnen die Frauen nicht von der Pelle rücken) und so weiter.
Durch diese Erfindung wurden ganz neue Berufsgruppen erschlossen. So wurde das so genannte "Luder" erst dadurch möglich. Blondinen wurden (möglicherweise in der Bäckerei) erschaffen. Außen knusprig, innen luftig, teigig und immer hohl. Mit 2 Airbags und Stoßdämpfern. Ganz ohne Hirn, aber allzeit bereit.
Weil all diese abstrusen Geschichten, von Männern, die dieses "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" haben wollten, so lustig sind, haben unsere, weiter oben bereits erwähnten, Freunde aus den Pfälzischen Wäldern, ein Lied geschrieben und ihm den Namen "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" gegeben.
Etwas unhandlich war der Titel schon. Vor allem auf den kleinen CD-Hüllen musste man ihn sehr winzig drucken, damit er überhaupt Platz hat.
Da die Musikkapelle DnD (der Pfälzer sagt Dicht'n'Durch) eine ganz besondere Art Musik macht, nämlich den so genannten Fangk'n'Rock, haben sie einen netten Text zu dem Lied "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" gemacht. Der handelt von einem Typen, der eine dieser Tabletten zu viel geschluckt hat.
Diese CD wurde in der Folgezeit zu Dutzenden verkauft. Auch ich habe eine zuhause und sie gefällt mir. Manchmal, an schönen Tagen, leg ich sie auf und muss immer wieder über den Dialekt, die Texte und vor allem über "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" sehr lachen.
Nun hat die große Firma aus Amerika (Ihr erinnert euch, die die so ähnlich heißt wie die Bäckerei aus München), aus welchem Grund auch immer, diese CD mit dem Namen "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" in die Finger bekommen. Uih. Das hat einem Schlipsträger dort gar nicht gefallen. Da ist der gaaaanz böse geworden und sofort zu einem Rechtsanwalt gelaufen und hat gesagt: "Wir wollen nicht, dass diese Neandertaler mit unserer Pille "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" Geld verdienen. Los Herr Anwalt. Mach was!".
Bekanntlich sind Rechtsanwälte ein findiges Völkchen. Und schon hat der Herr Anwalt von der Firma aus Amerika (mit dem Namen, der ganz ähnlich einer Münchner Bäckerei ist) eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung geschrieben.
Da steht drin: "...verpflichtet sich...gegenüber...bei Zuwiderhandlung unter Ausschluss des Fortsetzungszusammenhanges fälligen Vertragsstrafe i.H.v. DM 10.010,00(in Worten: Zehntausendunzehn Deutsche Mark) zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr (Anm.: Prostitution?) die Audio-CDs mit der Bezeichnung "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" zu vertreiben..."
Erwähnenswert ist, dass die Herrschaften, die Medikamente zur Behandlung erektiler Dysfunktion beim Mann erfinden, und Wörter wie "Fortsetzungszusammenhanges" kreieren, bei "Zehntausendunzehn" scheitern.
Und warum überhaupt genau 10.010 Mark? Die ticken doch nicht richtig.
Außerdem will die große Firma aus Amerika auch noch die Namen derjenigen wissen, die die CD "Okasa brutal - Bitte schnell schlucken, sonst wird der Hals steif" herstellen, liefern und BESITZEN!
Nun, einen habt Ihr gefunden, Ihr Bäckerlehrlinge. Meinen Namen und Anschrift kriegt Ihr über das Impressum raus.
Weiter steht da: "...alle Gegenstände...sind bis zum 12. Dezember 2001 an die...zum Zwecke der Vernichtung herauszugeben".
Pustekuchen! Meine müsst Ihr euch schon selber holen.
Meine Damen und Herren. Leserinnen und Leser. Ihr habt jetzt viel hinter Euch. Aber all das ist wahr! Ein Multikonzern aus den USA meint tatsächlich, dass die Verwendung eines Namens (der sicherlich irgendwie geschützt ist) durch eine kleine Band aus der Pfalz, die von ihrer CD ein paar Hundert Stück verkaufen wird, für den Fortbestand dieser Firma gefährlich sein könnte. Na toll. Schon mal was von künstlerischer Freiheit gehört?
Ich will nicht über die Dämlichkeit einer solchen Aktion lamentieren, das sieht jeder normale Mensch ohnehin, aber, die Unterlassungserklärung wurde 1. mit einem äußerst strittigen zeitlichen Rahmen versandt, 2. an einen völlig falschen Empfänger (nämlich die Bookingfirma der Band) adressiert und 3. mit vollkommen unerfüllbaren (und absurden) Forderungen versehen.
Abschließend bleibt nur, zwei Aufforderungen auszusprechen:
Lieber Kaiser Franz, bitte wehre Dich endlich gegen die tagtägliche Verspeisung einer Semmel (außen knusprig, innen luftig, teigig und manchmal hohl), die Deinen Namen trägt.
Liebe Chemiker der Firma Pfizer, helft Euren Chefs und entwickelt Eure Pille neu. Denn Arschlöcher brauchen Zäpfchen!
Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste) 12.12.2001
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