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Puh, das war aber kein leichtes Jahr. Für fast niemand. Der Home of Rock-Wetterbericht vermeldet: Personelle Abgänge in der Redaktion - die allerdings nach gut 3 ½ Jahren völlig normal sind (bei Bands heißt es "musikalische Differenzen", bei uns "schreiberische" - good luck to you, und irgendwann kommen sicher auch eigene Ideen...), Zugänge in der Reaktion (bei Lesern, Bands und Medienpartnern), steigende Kreativität aller Kollegen plus exorbitant gute neue Mitschreiber (weit über 1.000 Artikel gingen in diesem Jahr online), allerdings auch vermehrte technische Probleme - die in einem krachenden Totalausfall über mehr als 2 Wochen gipfelten, Überarbeitung allerorten und dennoch die ungebrochene Freude an der Musik wegen der wir im Februar 2001 gestartet sind - that's Rock & Roll.
Es beginnt also soeben das 5. Jahr Home of Rock! Und daran ist Euer Interesse schuld. Durchschnittlich 50.000 Besucher lesen annähernd eine halbe Million Seiten in diesem "kleinen" Onlinemagazin. Und das Monat für Monat. Danke, danke, danke!
"Draußen" in der Welt ist auch viel passiert. Wirklich neu war davon kaum etwas. Höchstens die "Qualität" des Schrecklichen hat sich nochmals gesteigert. Kein Wort deshalb an dieser Stelle über Bush, Hartz, Bin Laden, Schröder, Tsunamis, Kriege, 1860 München und all den anderen Wahnsinn. Darüber macht sich hoffentlich jeder seine eigenen Gedanken.
Die Musik. Alles ist bunter, schöner, besser geworden. Downloadplattformen überall (oder sind die schon wieder alle pleite?), MTViva gehören endlich zusammen - niemand muss also mehr zappen um den selben Mist zweimal zu sehen, der Trend ging eindeutig hin zur Rockmusik, also weg vom Plastikdreck der letzten Jahre, Frau Biedermann ist der Wegweiser für die hartrockende Zukunft und sogar die Sieger irgendwelcher Castingshows machen einen auf Rock. Was will man mehr?
Fakt ist, die großen und viele kleinere Plattenfirmen sind in Umbruch und Auflösung begriffen (oder haben es bereits hinter sich), die Rock-Welt hat sich noch stärker in eine Zweiklassengesellschaft entwickelt - auf der einen Seite die paar wenigen (Hype-) Acts mit teilweise respektabler Musik (und Erfolgen), auf der andern, der schattigen Seite, die vielen vielen Bands im Untergrund, die noch mühevoller ums Überleben kämpfen mussten als in den Jahren zuvor. Der gesunde Mittelstand fehlt auch hier zunehmend und auf erschreckende Weise. Leere Clubs, bitterlich zäh in Eigenregie verkaufte CDs, Ignoranz von Seiten der Firmen und Medien und, schlimmer, Ignoranz von Seiten der Fans prägten das Jahr 2004.
Allerdings muss man differenzieren. Warum hat ein Onlinemagazin wie das Home of Rock einen solch immensen Erfolg? Warum haben die von uns beschriebenen Bands zu einem beträchtlichen Teil den ihnen zustehenden Erfolg nicht?
Ganz einfach: Home of Rock ist kostenlos (und gut). Konzerte, CDs, T-Shirts und Bier sind auch gut - aber eben nicht kostenlos. Wir haben oft über das Problem diskutiert, einziges Ergebnis ist, dass den Leuten zuerst die Kaufmoral und inzwischen auch die Kaufkraft abhanden gekommen ist. Wir reden nicht über astronomische Ticketpreise oder 35 Euro T-Shirts, wir reden von den (früher) ganz normalen alltäglichen Vergnügungen, die sich viele Fans einfach nicht mehr leisten können.
Historisch betrachtet, hat jede "harte" Zeit auch immer einen Aufschwung in Punkto Kreativität und Kampfeslust mit sich gebracht. Rockmusik IST kreativ und MUSS kampflustig sein. Sonst ist es Mainstream für den dekadenten Schnösel. Allerdings muss auch der Konsument seine Ohren aufsperren und neue Bands hineinlassen, sonst ist er selber ein festgefahrener Schnösel. Ich persönlich habe mich in diesem Jahr von einigen alten Helden verabschiedet (deren frühere Werke nichtsdestotrotz nach wie vor Meilensteine sind) und dafür ganze Paletten neuer großartiger Künstler entdeckt. Man muss dazu nicht mal seinen Geschmack verändern! In diesem einen Fall gilt tatsächlich das grauenerregende Unternehmensberatersprichwort "Stillstand ist Rückschritt".
Ich war bei vielen Konzerten (auch wenn es nicht so viele waren wie früher - auch hier macht sich die Rezession breit) und ich habe unvergessliche Abende erlebt, die die ca. 5.000 (gefühlt sind es mindestens 15.000) gefahrenen Kilometer millionenfach wett machen.
Die Highlights: Selbstverständlich die Auftritte meiner Freunde LIZARD, mit dem alles überragenden Abschiedskonzert von Georg Bayer am 08. Oktober in Wendlingen. Des war ja so schee... Und vor allem vor vollem Haus.
Zweites Monsterereignis war die unfassbare Performance meiner japanischen Lieblinge THE SAVOY TRUFFLE bei den Gator Partys Anfang Oktober. Zusammen mit VOODOO LAKE aus Italien und den deutschen BOOGIE HOOKERS. Unvergesslich und grandios!
Apropos Italien. W.I.N.D. überzeugten mich gleich dreimal mit ihrem blues- und southernrockigem Powersound.
Sehr bewegend war das Konzert der One-Woman-Show Barbara Clear in der Münchner Olympiahalle im April. Und ich freue mich bereits auf die Neuauflage in 2005.
Ganz zum Schluss des Jahres gab es mit MOTHER'S FINEST noch einen Höhepunkt der funkrockigen Art. Ganz ehrlich, das hätte ich der Band so nicht mehr zugetraut.
Eine tolle CD mitsamt Konzert lieferten SKEW SISKIN bereits im April ab. März und Mai standen im Zeichen zweier Jam-Konzerte: STRING CHEESE INCIDENT und STOCKHOLM SYNDROME luden zum Flug durchs Universum ein und konnten voll überzeugen. Mich jedenfalls, so viele andere waren ja nicht dabei.
Oldies der agilen Art: VANILLA FUDGE rockten im März wie die Pest und haben mir großen Spaß bereitet.
Derbe Enttäuschungen gab es auch. REBEL STORM lösten sich trotz ihrer phantastischen 2003er Tour auf, genau wie TWO MOON aus Franken, die für mich die dritte oder vierte deutsche Southernrock Hoffnung waren.
Ich konnte aus Termingründen nicht zu den Konzerten von Dan Baird, Eddie Stone und Johnny Neel, das ist wirklich ätzend.
Und dann natürlich die CD-Highlights des Jahres. Es ist immer schwer, aus den vielen CDs eines Jahres die paar Besten herauszusuchen. Oftmals bewertet man einen Langzeitbrenner unter und manchmal eine Eintagsfliege über. 2004 gab es viele gute und sehr gute CDs, aber nur relativ wenige wirklich herausragende. Woran liegt es? 1. Die Oldies kamen nicht mit Klasse übern Teich. 2. Die Youngsters kranken oft an den Problemen "mangelnde Erfahrung" und "mangelndes Geld für Produktion" oder an der kritiklosen Hinwendung zu grade angesagten Trends.
In einer meiner letzten Kritiken dieses Jahres hatte ich es geschrieben: Die Sieger des Jahres sind nicht die sattsam bekannten Namen aus U.S.A. oder England, die wirkliche Szene (in der für mich relevanten Musik - also straight forward Rock & Roll) ist längst woanders angesiedelt.
Obwohl, einige Amis und Insulaner haben schon die Kurve gekriegt. Bernard Allison, THE CRASHERS um Mauro Magellan, den Monsterdrummer von Dan Baird & den GEORGIA SATELLITES, mit einfach nur geilem Rock & Roll, Nathaniel Mayer, die "Neuentdeckung" des Jahres schlechthin, Steve Schuffert, der wieder ein Meisterwerk ablieferte und natürlich Pete Way mit seinen wiederauferstandenen WAYSTED.
Aber the rest of the very best waren die Bands aus Italien, Deutschland, Japan und vereinzelt Skandinavien: FLATMAN, BOOGIE STUFF, Sascha Gutzeit, JUDASVILLE, LIGHTNESS, SAVOY TRUFFLE, SMALL JACKETS, WICKED MINDS und W.I.N.D.
Die haben allesamt Platten abgeliefert, die für jeden Rocker Pflicht sein müssen. Also jedenfalls für die, die geschmackstechnisch so ähnlich wie ich gestrickt sind.
Einige wirklich wichtige Wiederveröffentlichungen gab es auch: ALLMAN BROTHERS BAND "Live At The Atlanta International Pop Festival" zum Beispiel. Oder Johnny Winter's furiose LP "Second Winter" mitsamt Live-Erstveröffentlichung. Natürlich die DVDs vom Rockpalast und die 4-CD-Box "Five Guys Walk Into A Bar" von den FACES und die JUDAS PRIEST-Box "Metalogy".
Zu sehen gab es natürlich auch jede Menge. Für mich in erster Linie die genannten Rockpalast-DVDs, LYNYRD SKYNYRD mit ihrer aktuellen DVD "The Vicious Cycle Tour" (beinahe die einzigen echten noch aktiven Oldies in meiner Aufzählung!), die ziemlich frische DVD von AEROSMITH, das absolut geniale Box-Set von LED ZEPPELIN, die (mit kleinen Abstrichen) tolle Box der ROLLING STONES und natürlich Harry Potter und die Herr der Ringe Serie.
Lange Rede, langer Sinn (kurze Haare, kurzer Verstand), 2004 hat sich einmal mehr fast alles um Musik gedreht, das wird sich auch 2005 nicht ändern. Im Home of Rock wird sich auch nicht viel ändern, wir bleiben offen für Rockmusik in jeder Form, werden sicher nicht zum Zentralorgan einiger weniger Lobbyisten, die sich durch eine negative Kritik gar schauderlich angepisst fühlen, und wir werden weiterhin subjektiv und inkorrekt über Rock & Roll reden. So ist das nunmal wenn man Fan ist.
Haut rein!
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