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Das war es nun, das Jahr 2004. 365 Tage sind wie im Fluge vorbeigezogen. 365 Tage, in denen Musik unser ständiger Begleiter war. Musik zu der wir feierten, tanzten, weinten, lachten, uns liebten, stritten und wieder versöhnten. Musik war ein wichtiger Teil unseres Lebens und an viele Momente werden wir uns in späteren Jahren mit Hilfe der Musik erinnern, die untrennbar mit ihnen verbunden ist.
Jetzt einen Blick auf die vergangenen zwölf Monate zurückzuwerfen, kann nur eine Momentaufnahme sein. Jeder kennt sicher die Erfahrung, dass er ein Album erst mit Jahren Verspätung in seiner ganzen Größe zu würdigen wusste. Warum sollte das sich auf einmal ändern? Genauso wird es Werke geben, die wenn sich der Reiz des Neuen etwas verflüchtigt hat, in einigen Jahren lange nicht mehr die gleiche Faszination ausüben werden, wie heute.
Trotzdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, noch einmal die Aufmerksamkeit auf einige Veröffentlichungen und Konzerte zu lenken, die sich 2004 aus der Masse hervorgehoben haben, in positiver, wie auch in negativer Hinsicht. Völlig subjektiv, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, einfach ein sehr persönlicher Rückblick auf die Edel- und Kieselsteine 2004.
Doch wo soll ich beginnen? Vielleicht am Besten mit der Band, die ich spontan und ohne zu Zögern seit mehr als zehn Jahren als meine absolute Lieblingsband bezeichen würde:
RUNRIG. Die schottischen Folk-Rocker erfreuten mich mit ihrem Live-Album und der
gleichnamigen DVD "Day of days", und auch wenn RUNRIG schon weitaus Besseres im Laufe ihrer mehr als 30-jährigen Karriere abgeliefert haben, kaum einer anderen Band gelingt es mich so emotional zu bewegen. Die einfachste Möglichkeit nach Schottland oder gar nach Skye zu reisen ist immer noch ein RUNRIG-Album aufzulegen, die Augen zu schließen und sich Stücken wie A reiteach, Proterra, Maymorning, Day of days oder Hearthammer hinzugeben.
Das am häufigsten gehörte Album war mit ziemlich großer Sicherheit das Ende 2003 veröffentlichte ADVERSUS-Debüt "Winter, so unsagbar Winter...".
Rosendorn und Susanne haben mit der Vertonung eines zwanzigteiligen Gedichtzykluses ein außergewöhnliches Kunstwerk erschaffen. Die musikalische Welt von ADVERSUS erscheint grenzenlos. Ohne Scheu strecken sie ihre Fühler in die verschiedensten Richtungen aus und erschaffen aus dark-wavigen, folkigen, mittelalterlichen, elektronischen und metallischen Stilelementen ein beeindruckendes Meisterwerk schwarzer Klangkultur, das durch seine liebevolle optische Gestaltung gekrönt wird.
FAUN nahmen mich mit ihrem ebenfalls Ende 2003 veröffentlichten zweiten Album "Licht" mit auf eine Reise in die keltische Anderswelt. Ein Ehrfurcht gebietendes Album voller Mystik und Leidenschaft, dessen mit mittelalterlichen Instrumenten erschaffener Pagan-Folk mit zum Besten zählt, was in dieser Richtung jemals veröffentlicht wurde. FAUN können sich jederzeit mit HAGALAZ RUNEDANCE messen. Eindringliche Musik für die magischen Stunden des Jahres.
Bei ihrem Konzert auf der Wäscherburg hinterließen FAUN ebenfalls einen starken und bleibenden Eindruck und sorgten für einen stimmungsvollen Abend.
UMBRA ET IMAGO lieferten mit ihrem Album "Memento Mori" die bisher überzeugendste musikalische Leistung ihrer Bandgeschichte ab. Geprägt vom weiter gereiften Songwriting, setzte sich bei Mozart und seinen Mitstreitern der Trend von weniger Elektronik und dafür der verstärkten Einsatz harter Gitarren fort. Einen Song wie Liebeslied, der allein schon den Kauf des Albums rechtfertigen würde, schreibt man auch nicht alle drei Tage. Für Gothic Rock-Anhänger ist dieses Album ein absolutes Muss.
Bei ihrem Konzert, in intimer Atmosphäre in der kleinen Röhre in Stuttgart, zelebrierten UMBRA ET IMAGO zudem eine beeindruckende Show, ein Festival der Sinne, das seinesgleichen suchte.
Einen weiteren Gothic Rock-Höhepunkt stellte sicher "Spells and ceremonies" von THE CASCADES dar, ein Album bei dem Rock in der Form harter Gitarren ganz groß geschrieben wird, und das düster-atmosphärische Element trotzdem nicht zu kurz kommt. THE CASCADES erfinden das Genre nicht neu, sind aber einfach spannender und
abwechslungsreicher als das Gros ähnlich gepolter Bands. Für Fans von SUNDOWN, SISTERS OF MERCY oder 69 EYES Pflicht.
In eine ähnliche stilistische Kerbe schlugen LACRIMAS PROFUNDERE mit dem ebenfalls sehr empfehlenswerten Album "Ave end". Auch hier spielten die harten Gitarren die erste Geige und sorgten für ein kraftvolles Düsterrock-Album, das mit
Astronautum, Sarah Lou, Amber girl oder Evade gleich eine knappe Hand voll potentieller Klassiker enthält, für die viele andere Bands ihre Seele an den Leibhaftigen verschachern würden. Hel(l)sinki ist drauf und dran seinen Status als Goth-Rock-Hauptstadt zu verlieren. Zumindest in diesem Jahr kamen die Highlights aus deutschen Landen frisch auf den Tisch.
Wenn wir schon gerade mitten in der 'schwarzen Szene' stecken, dann sollte auch noch eine der ganz großen Überraschengen erwähnt werden: DEIN SCHATTEN.
Dieter Bornschlegel, ein Urgestein der deutschen Rockszene, der bisher mit derartigen Klängen wenig bis gar nichts am Hut hatte, nennt sich nun 'bornzero' und veröffentlichte mit
"Das ewige Eis" ein Album, das durch seine Unbekümmertheit und Frische zu gefallen wusste. Von der Vielseitigkeit zwischen Atmosphärischem und Tanzbarem will ich gar nicht erst anfangen.
Bei MOSTLY AUTUMN stellt sich mir immer wieder die Frage, warum kaum jemand von dieser wirklich feinen britischen Band Notiz nimmt. Auch ihr starkes Album "Passengers"
konnte daran nichts ändern. Dabei ist ihre stimmige Mischung aus Folk Rock, Mainstream und dezenten progressiven Einflüssen wie geschaffen um breite Hörerschichten mit unterschiedlichen musikalischen Vorlieben anzusprechen.
Einfühlsame Balladen und eingängige Rocksongs, die unter die Haut gehen und trotzdem nie trivial wirken. Gerade in Zeiten, in denen Bands mit Sängerinnen schwer im Trend liegen, sollte sich eigentlich auch ein Publikum für Heather Findlay und ihre Jungs finden, die sie vom Stigma des ewigen Geheimtipps befreien.
Legt eine Band einmal ein wirklich herausragendes Album vor, wird es oft schwierig einen adäqauten Nachfolger abzuliefern. Diese Erfahrung mussten auch ADARO machen, deren
"Schlaraffenland" nicht an das phänomenale "Minnenspiel" heranreichen konnte. Trotzdem - und das spricht für die Klasse von ADARO - gehört das Album dank einiger großartiger Stücke wie dem todtraurigen Der Edelfalk (Es ist nit alle Lieb verloren), dem beschwingten Frau, du sollst unvergessen sein oder der ergreifenden Ballade Lieg still zu den Höhepunkten mittelalterlich inspirierter Musik des abgelaufenen Jahres.
Die Band des Jahres aus der Mittelalterszene war aber CULTUS FEROX - und da dulde ich keinen Widerspruch. Schon ihr Album "Wiederkehr" aus dem Vorjahr, hatte mit seiner traditionellen, paganischen Ausrichtung einen Heidenspaß gemacht. Das Mini-Album "Flamme des Meeres" bestach nicht nur durch die beigelegten Bernsteinsplitter, sondern auch durch eine modernere Mittelalter-Rock-Variante mit harten Gitarren und mitreißenden Electro-Dancebeats. Sehr viel besseres als der Clubmix von Guda vrede
schmeichelte meinen Ohren im vergangenen Jahreskreis nicht.

Zudem waren CULTUS FEROX auf der Bühne sowohl auf ihrer eigenen Clubtour, als auch wenige Wochen später als Support von UMBRA ET IMAGO der absolute Wahnsinn. Böse Zungen behaupten ja, mir hätte die Erotik der lasziven Tänzerinnen und ihrer Feuershow die Sinne vernebelt. Fragt einfach meine holde Elfe. Die bestätigt Euch die Klasse von CULTUS FEROX oder zumindest den
Reiz der gut gebauten Recken in Röcken.
QNTAL - Syrah - eine Stimme zum Verlieben. So muss eine Sängerin klingen, nicht wie ein röhrender Hirsch oder eine grunzende Sau. Eine Meinung mit der ich in der Redaktion ziemlich alleine dastehe. Bevorzugen die Kollegen doch eher Sängerinnen der Marke 'unter zwei
Pack Marlboro und ner Flasch Jack am Tag kriege ich mein Maul nicht auf'. Egal. Der Drache ist halt der Schöngeist und genau deshalb sinkt er vor QNTAL ehrfurchtsvoll zu Boden. [es fällt sooo schwer, darauf nichts zu sagen... so schwer... schwer... Die Redaktion ist betroffen]
Mit "Nihil" gab es zwar nur eine 4-Track-Single, aber die ließ mich jubilieren. Allein wegen des Titelsongs lohnt sich die Anschaffung. Besser funktionierte die Kombination aus mittelalterlichen Klängen und Electro selten zuvor.
Wenn HAGGARD ein Album veröffentlichen, dann kommt es auch in den Jahresrückblick! Das war bisher so und daran hat sich auch mit "Eppur si muove" nichts geändert. Basta! Das Münchner Black-Metal-Meets-Klassik-Ensemble hat seinen ureigenen Stil auf dem dritten Studioalbum weiter verfeinert und eine neue Perfektionsstufe erreicht. Man kann HAGGARD zwar stilistisch keine Weiterentwicklung attestieren, was auch nahezu unmöglich sein dürfte ohne sich vollkommen zu verbiegen, aber die beiden Welten Klassik und Black Metal verschmelzen bei HAGGARD immer mehr zu einer Einheit. Das Zusammenspiel wirkt schlüssiger, die Kontraste akzentuierter. Klasse!
Auf keinen Fall dürfen in diesem Jahresrückblick MOONLYGHT fehlen, meine persönliche Entdeckung des Jahres, obwohl deren Album "Progressive darkness"
bereits 2002 in Kanada veröffentlicht wurde, aber erst jetzt seinen Weg nach Europa fand.
Die Kanadier mischen völlig ungeniert Celtic Folk, progressiven Heavy Metal und Black Metal zu einem hochexplosiven Cocktail, dem sich der aufgeschlossene Hörer einfach nicht entziehen kann. Ein Album, das die breite Masse mit festgefahrenen Hörgewohnheiten
definitiv überfordert [er meint den Rest der Redaktion!], aber diejenigen, die sich auf diesen gewagten und durchaus extremen Sound einlassen werden es nicht mehr missen wollen.
Dann waren da ja noch ASTERIUS mit "A moment of singularity", eigentlich ein Überbleibsel aus 2003, aber einfach zu gut, um Euch in diesem Rückblick vorenthalten zu werden. ASTERIUS glänzen mit zwei Sängern: Andrash mit einer klassischen Heavy Metal-Stimme, Sir-I-us schwört auf Growls, Grunts und Gekeife. Dazu mag sich die Band stilistisch nicht limitieren und setzt auf eine brachiale Mischung aus progressivem Heavy Metal mit Anleihen bei den frühen FATES WARNING und symphonischen Black Metal. Das ist nicht sicher nicht der leichte Snack für zwischendurch, sondern eher das opulente Festmahl für Gourmets mit ausgefallenem Geschmack.
HAMMERFALL-Sänger Joacim Cans brachte seine eigene Band CANS und das Album "Beyond the gates" an den Start. Natürlich bietet die Scheibe traditionellen Heavy Metal, natürlich klingt das Ganze irgendwo nach HAMMERFALL, aber der gute Joacim präsentierte sich mit seinem Allstar-Line-up wesentlich gereifter, ernsthafter und erwachsener als bei seiner Stammband. "Beyond the gates" überzeugte durch tolle Songs, allen voran, neben Fields of yesterday und Merciless, das phantastische Dreams, das man nicht mehr aus dem Kopf kriegt, wenn es sich dort einmal eingenistet hat. Wäre schön, wenn Joacim sein Versprechen wahr macht und CANS keine einmalige Angelegenheit bleiben, oder wenn zumindest einiges von CANS auf die nächste HAMMERFALL-Veröffentlichung abfärben
würde.
Ein weiteres erstklassiges Metal-Album servierten uns NORDHEIM mit "River of death". Die Brasilianer entpuppten sich als glühende Verfechter leicht progressiven US-Metals in der Tradition von VIRGIN STEELE, CRIMSON GLORY oder T.T. QUICK, verfeinerten aber ihren traditionellen Sound mit grimmigen Death Metal-Growls und -Grunts. In Verbindung mit dem überzeugenden Songwriting waren sie einfach besser als weitaus nahmhaftere Kollegen.
Alben wie diese sind es, die mir als Home Of Rock-Redakteur besonders viel Freude bereiten. Bands, von denen man erst einmal überhaupt nichts erwartet und die einen dann durch Qualität und Originalität wegblasen. Bitte mehr davon!
Ach ja, MORIFADE. Eine tolle Band, die mit "Domi<>nation" auch ein starkes Album ablieferte. Aber was für ein Drama um die Besprechung. Das Problem: MORIFADE sind bei einem Label unter Vertrag, das keine Onliner bemustert. Für das Home Of Rock wollte die Plattenfirma die große Ausnahme machen, wenn wir dafür im Gegenzug wenigstens ein E-Mail-Interview mir der Band führen. Ich wollte die Scheibe unbedingt besprechen und habe es auch nicht bereut. "Domi<>nation" bietet klischeefreien melodischen Power-Metal mit leichten progressiven Einflüssen ohne (!) Kinderliedrefrains, dafür mit einer überzeugenden eigenen Note. Die Interviewfragen habe ich selbstverständlich auch abgeliefert. Auf die Antworten werd ich wohl bis zum Sankt Nimmerleinstag warten. Bis dahin werd ich mir zum Zeitvertreib noch ein paar mal "Domi<>nation" reinpfeifen.
Stichwort: Klischeefreier melodischer Power-Metal mit leicht progressiven Einflüssen ohne (!) Kinderliedrefrains, dafür mit einer überzeugenden eigenen Note. Und schon sind wir bei SEVENTH ONE! Die klingen völlig anders als MORIFADE, aber keineswegs schlechter.
"What should not be" ist ein Album, das Eure Aufmerksamkeit verdient. Zwar fehlen der Scheibe, abgesehen von How many years und Mercenary's call die überragenden Songs, aber das macht die Band durch eine durchgehend solide Leistung auf hohem
Niveau spielend wett.
Melodic Rock ist öde, seicht und langweilig. Das mag auf 90% der Veröffentlichungen zutreffen. Zum Glück gibt es aber immer wieder Ausnahmen. Den besten Eindruck hinterließen in dieser Sparte in diesem Jahr JADED HEART mit ihrem Album "Trust".
Abwechslungsreich, mit gesunder Härte gesegnet, konnte man zwar nicht am Thron der ganz Großen des Genres kratzen, aber - mal ehrlich - "Offering" (AXE), "Escape" (JOURNEY) und "Vital signs" (SURVIVOR) werden wohl auch noch nach tausend kalten Wintern die Maßstäbe setzen - aber "Trust" kam verdammt dicht ran. Da sei es auch verziehen, dass JADED HEART
mich live in Ludwigsburg nicht vom Hocker reißen konnten, was aber eher an der Location lag. Dass Michael Bormann und ich beim Smalltalk nach der Show nicht auf einer Wellenlänge lagen, mag an seiner oder meiner Tagesform gelegen haben. Schwamm drüber! Jemand der einen Song wie Anytime aufnimmt, dem kann man nicht wirklich böse sein.
Und die Verlierer des Jahres? Ganz klar AEROSMITH mit ihrem uninspirirten Sammelsurium an überflüssigen Blues-Standards "Honkin' on Bobo". Wolf Maahn verirrte sich auf seinen "Zauberstrassen" zwischen belanglosen Songs, kitschigen Plattitüden, Soulklängen fernab vom kernigen Rock lang vergangener Jahre und der neuen deutschen Rechtschreibung.
Alan Parsons ließ auf seinem Album "A valid path" seinen Filius mitwirken und wir mussten dafür stumpfes Tekkno-Gedöns erdulden.
Über einige Konzerte sollte ich noch ein paar Worte verlieren, sofern dies nicht schon in Verbindung mit ihren Alben geschehen.
ZED YAGO ohne Jutta Weinhold - zumindest live funktionierte das, und die Band sorgte für einen unterhaltsamen Abend in Der Halle in Reichenbach. Hat wirklich Spaß gemacht und viele Erinnerungen an die 'Good ol' days' of Heavy Metal' wieder an die Oberfläche gebracht. Schade nur, dass wir immer noch vergeblich auf die angekündigte neue CD warten.
Die kam stattdessen von Jutta als WEINHOLD. Nur da gab es keine Tour. Tja, hier ZED YAGO live, dort WEINHOLD mit "From heaven through the world to hell""
nur aus der Konserve. Die beiden im Clinch liegenden Parteien wissen hoffentlich, was wir 2005 jeweils von ihnen erwarten.
Kurz, aber intensiv präsentierten sich MEGAHERZ beim s.a.d music showcase in Ulm. Was für ein Brett, zwischen alles zerschmetternden Metal-Gitarren und brachialen, tanzbaren Beats. Mit Sicherheit das Konzert, das mich am Positivsten überraschte. Die 'richtige' Tour im März, bei der die Band ihr neues Album "Fünf" vorstellen wird, ist nun natürlich ein echter Pflichttermin.
Sommerzeit - Festivalzeit. In erster Linie bedeutet das Balingen und das Bang Your Head Festival, das sich wieder einmal als Vorzeigeveranstaltung entpuppte. Das besonders Erfreuliche in diesem Jahr: Keine einzige Band lieferte einen Auftritt ab, den man als Totalausfall deklarieren konnte. Sicher, Alice Cooper hat man schon spektakulärer
erlebt, ICED EARTH boten für einen echten Headliner zu wenig und KINGDOM COME können mildernde Umstände für sich in Anspruch nehmen. Wenn Geoff Tate es nicht mehr stimmlich bringt, dann darf man von QUEENSRYCHE keine Wunderdinge erwarten, GOTTHARD waren dann doch überraschend rockig und UFO... ja UFO, die spielen halt seit 1978 immer die selben
Songs.
Ohne die starken Auftritte von BLAZE, PRIMAL FEAR, CHILDREN OF BODOM und überraschend Sebastian Bach herabwürdigen zu wollen, MAGNUM stellte sie alle in den Schatten. Die Bombast-Melodic-Rocker spielten auf wie einst im Mai zu ihren besten Zeiten. Schade nur, dass die für Herbst angekündigte Hallentour bisher nicht zustande kam.
Das Deep Impact Festival in München stand ganz im Zeichen des Melodic Rock und normalerweise hätte das Line-Up die entsprechende Zielgruppe in Massen anziehen müssen. So erlebten nur knappe zehn Hundertschaften die überflüssige FATE-Reunion und dass Lenny Wolf von KINGDOM COME scheinbar bei jedem Open Air krank ist, oder einfach nicht mehr singen kann. Bei DARE kommen die keltischen Folkloreeinflüsse wesentlich mehr zum Tragen als auf ihren Alben und das kam trotz strömendem Regen verdammt gut. PRIMAL FEAR sorgten härtetechnisch für das Kontrastprogramm und überzeugten wie so oft.
TNT ließen ihren Gurken-Gig von Balingen 2003 vergessen und GOTTHARD... ja, GOTTHARD nutzten die Headliner-Position um ihr Programm mit zusätzlichen Balladen aufzufüllen. Hätte nicht wirklich sein müssen.
Sitzen ist für'n Arsch! Unter diesem Slogan machen immer mehr Fangruppierungen gegen die zunehmende Versitzplatzung in Fußballstadien mobil. Dass die Bestuhlung von Rockkonzerten auch auf Kosten des Spaßes und der Stimmung geht, musste ich 2003 bei RUNRIG in Edinburgh schmerzlich feststellen. In diesem Jahr wurde ich mit dieser Unsitte bei Moya Brennan in Balingen und bei BLACKMORE'S NIGHT in Esslingen konfrontiert. Entsprechend verhalten fiel dann meine Begeisterung für diese Auftritte aus.
Dass FAUN auf der Wäscherburg trotzdem mein Wohlwollen fanden, unterstreicht nochmals die Livequalitäten der Münchner Pagan-Folker.
SUBAWY TO SALLY waren im LKA in Stuttgart an sich nicht schlecht und boten eine beeindruckende Show. Allerdings wurden die Feinheiten im Klanggewand,
die SUBWAY TO SALLY vor einigen Jahren noch auszeichneten, gnadenlos von harschen Beats plattgewalzt. Weiterentwicklung hin, Zeitgeist her... hier opferte eine Band ihre Individualität, Filigranität und Mystik zugunsten brachialer Härte. Kann man mögen... muss man aber nicht!
Jetzt mag der eine oder andere berechtigterweise fragen, ob mir nicht mehr zu Konzerten in 2004 einfällt. Nein! Es machte nämlich überhaupt keinen Spaß, sich um Akkreditierungen zu bemühen, weil einfach zu viele Bemühungen ins Leere liefen.
DORO, HAGGARD, LACUNA COIL, NIGHTWISH, THERION, CRUACHAN, RUNRIG (2 mal), XANDRIA und RUSH fallen mir spontan ein, wo ich mir eine blutige Nase holte. Nicht aufgeführt sind mindestens nochmal so viele Bands, bei denen ich aufgrund der gemachten Erfahrungen mir den Aufwand, wegen Mangels an Erfolgsaussicht, gleich sparte.
Fakt ist einfach, dass Anfragen bei einigen ausgesuchten Plattenfirmen und Veranstaltern von vorne herein vergebliche Liebesmühe ist. Von einigen wird man schlicht und ergreifend ignoriert. Die machen sich nicht mal die Mühe einer Absage. Andere wiederum liefern wirklich abenteuerliche Begründungen für eine Absage. Den Vogel schoss dabei die für das Hohentwiel Open Air mit RUNRIG als Headliner zuständige Promotionagentur ab. Fünf Wochen lang wurde die Anfrage ignoriert. Drei Tage vor der Veranstaltung wurde, nachdem ich noch einmal nachhakte, die Anfrage mit der Begründung abgelehnt, sie benötigen das Akkreditierungskontingent für die lokale Presse.
Aha! Das ist in etwa so, als wenn man dem Kicker die Berichterstattung über ein Fußballspiel nicht ermöglicht und stattdessen das Hintertupfinger Abendblatt Exklusivrechte erhält. Das wollte ich nun genau wissen und erkundigte mich, ob es denn Sinn macht die Fachpresse und ihre interessierte Leserschaft auszuschließen und dafür das lokale Käseblatt, dessen Leser ohnehin über den Bericht hinweg blättern zu akkreditieren.
Die Antwort war der Hammer! "Ihr habt ja nicht mal einen Vorbericht." Ja, Himmelsackzement, frag ich denn aus Jux und Dollerei mit fünf Wochen Vorlauf an? Man kann doch über alles reden. Nur, einen Vorbericht auf Verdacht leiere ich mir nicht aus den Rippen, denn - jede Wette - dann wäre wieder das Argument mit der Lokalpresse gekommen. Da fragt man sich
manchmal wirklich: Geht es noch?
Auch nett: Der Veranstalter des Trifels Open Airs (wieder mit RUNRIG als Headliner) vertröstete mich auf das nächste Jahr. Aber gerne, nur spielen da auch wieder RUNRIG?
So hab ich eigentlich nur einen Wunsch für das Jahr 2005. Ich wünsche mir, dass in Punkto Konzertakkreditierungen die Zusammenarbeit mit Plattenfirmen, Promotern und Veranstaltern wieder wesentlich reibungsloser verläuft. Ansonsten kann es eigentlich wie gehabt weiter gehen.
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