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BLACKFOOT waren für mich in den Achtzigern eine der wichtigsten Bands überhaupt. Leider war die Party schon wieder vorbei, als es mit "Highway Song - Live" eben erst richtig lustig wurde. Alles nach dieser bahnbrechenden LP war lau bis schlecht (an dieser Stelle sei auf die von Kollege Ruland hervorragend verfaßte History im Home of Rock verwiesen), Chef Rick Medlocke stieg 1996 bei LYNYRD SKYNYRD ein und ist dort bis heute ein wichtiger Bestandteil, die anderen Bandmitglieder verschwanden mehr oder minder in der Obskurität verschiedener Projekte, die allesamt nie richtig aus den Puschen kamen.
2004 plötzlich ging durch verschieden Internetforen die Meldung, daß es eine Petition zur Wiederbelebung der Legende BLACKFOOT gibt. Von wem diese Geschichten lanciert wurden und wie man sie bewerten darf... es spielt keine Rolle. Als Ergebnis stand jedenfalls schnell fest, daß BLACKFOOT mit den drei Originalmitgliedern Greg T. Walker (Bass), Charlie Hargrett (Guitar) und Jakson Spires (Drums) plus Bobby Barth (ehemals AXE und temporäres BLACKFOOT-Mitglied ab 1984) als Leadsänger und Gitarrist einen Comebackversuch starten.
Inzwischen ist bestätigt, daß die reformierte Band beim Sweden Rock Festival im Juni auftreten wird. Grund für uns, mit Bobby Barth ein längeres Gespräch zu führen. Es wurden viele Fragen beantwortet, einige (wenige) blieben allerdings auch unbeantwortet.
Home of Rock: Bobby, als Du im Juni 2001 bei der AXE-Tour das letzte mal mit uns gesprochen hast, sprachst Du von einem geplanten Akustikalbum mit AXE, hattest eine superspannende Autobiographie geschrieben (die Kollege Schneider in Teilen anläßlich des Interviews übersetzte), wolltest mit Deinem Studioequipment von Denver nach New Orleans umziehen und insgesamt schien es, als sei das Kapitel AXE noch lange nicht erledigt. Das Album kam nie, leider auch kein Buch mit Deiner Biographie und AXE ward nie mehr wiedergesehen. Was ist passiert, ist AXE endgültig Geschichte?
Bobby Barth: AXE liegt auf Eis, seitdem wir festgestellt haben, daß eine neue Platte ihre Herstellungskosten nicht einspielen kann. Die Mitglieder leben in verschiedenen Teilen der U.S.A. und es war nicht mehr kostendeckend, schon gar nicht, um eine neue CD einzuspielen. Grade für mich, ich habe mein eigenes Studio, war AXE einfach nicht lukrativ genug um wenigstens die Rechnungen zu zahlen.
I will never say never (wie viele Musiker haben diesen Satz schon verwendet? Red.), aber ich sehe keine neue Platte in der näheren Zukunft. Wir reden zwar öfter miteinander, aber jeder macht andere Sachen inzwischen.
HoR: Als Du 1984 erstmals bei BLACKFOOT eingestiegen bist, hatte Charlie Hargrett die Band gerade verlassen und wirkte auch auf "Vertical Smiles" nicht mehr mit. Du bist auf der Platte nur als Co-Autor von Ride With You vertreten - übrigens noch einer der besten Songs auf dieser schwachen Platte. Hattest Du keine andere Funktion?
B.B.: Ich war bei "Vertical Smiles" und "Siogo" mit im Studio, um bei verschiedenen Dingen zu helfen. Michael Osborne (Mitglied von AXE und 1984 bei einem Autounfall getötet - dazu später mehr; Red.) und ich waren dabei, ich war an ein, zwei Songs beteiligt (auf "Siogo" war es "Crossfire", ebenfalls noch eines der raren Highlights; Red.), wir halfen wo wir konnten und machten ansonsten Party.
HoR: Nachdem BLACKFOOT auseinandergefallen waren und Dein Soloalbum "Two Hearts One Beat" 1986 eher schlechte Kritiken bekam und floppte, warst Du mit RICK MEDLOCKE & BLACKFOOT wieder auf Tour. Warum warst Du nicht auf der 1987 erschienen LP?
B.B.: Die Wahrheit ist, und das habe ich schon oft gesagt, daß ich mich kaum an die Entstehungsgeschichte von "Two Hearts One Beat" erinnern kann. Ich hätte warten sollen, bis ich nach dem Unfall wieder völlig auf dem Damm war, aber das habe ich nicht getan.
(Michael Osborne und Bobby fuhren, beide in eher kritischem Zustand, durch halb Amerika, Osborne muß am Steuer eingeschlafen sein und sie prallten auf einen LKW. Osborne war sofort tot, Bobby überlebte schwer verletzt; Red.)
Ich habe dann mit Rick Medlocke bis kurz vor der Aufnahme seiner Platte gearbeitet. War beim Songwriting und den anderen Vorbereitungen dabei und bei der Tour vorher ebenfalls. Zu der Zeit ging es mir langsam besser und ich erholte mich von dem Unfall. Und ich wollte etwas anders machen. Es war eine tolle Band (u.a. Jerry "Wyzard" Seay von MOTHER'S FINEST, dessen Bruder Harold und Keyboarder Doug Bare, bekannt von u.a. John Mayall, Whiteface und Pat Travers), aber ich hatte mein Herz nicht so involviert wie es hätte sein müssen und wie ich es mit den Originalmitgliedern vorher getan hatte.
HoR: In Deiner Autobiographie schreibst Du eine Menge über Drogen und andere ungesunde Sachen. Ist darüber reden und schreiben so etwas wie eine Therapie oder Prävention für Dich?
B.B.: Ich sag Dir die Wahrheit über diese Zeiten: Ich war schwerst drogensüchtig, größtenteils um mir den Schmerz über den Verlust von Michael Osborne und AXE vom Leibe zu halten. Ich wußte das zu der Zeit nur nicht. Ich war die ganze Zeit auf Droge, auch noch während der Arbeit mit Angry Anderson (ROSE TATTOO; Red.). Ich hab nie wirklich damit aufgehört. Bis zum 05. Dezember 1990. Das war der letzte Tag.
HoR: Dann reden wir mal über die Gegenwart. Wer hat Dich gefragt, Mitglied bei den neuen BLACKFOOT zu werden?
B.B.: Alle drei, also Greg, Charlie und Jak. Sie riefen mich an und standen dann bei mir zuhause in New Orleans. Sie meinten, daß es die logische Konsequenz wäre mich zu nehmen, nachdem Rick Medlocke klar gemacht hatte, daß er nicht mehr mit ihnen spielen würde.
Rickey ist einer der besten Frontmänner im Business und ich kann und werde nie versuchen ihn zu imitieren. Ich habe den Jungs gesagt, daß wenn sie mich wirklich haben wollen, ich mich auf die Dinge konzentriere, die ich am besten kann. Und daß ich auf keinen Fall in die Fußstapfen von R.M. treten würde.
Wir hatten lange Gespräche über diese Dinge und haben beschlossen, es einfach mal zu probieren - herauszufinden, was wir musikalisch drauf haben. Dann saßen wir im Studio und haben tagelang gespielt. Greg sagte "Wir wußten nach 5 Minuten, daß die Band das Erbe gut verwalten wird. Es klingt exakt nach BLACKFOOT, natürlich mit einem anderen Sänger, aber die Power und Magie ist immer noch da."
HoR: Was natürlich zuerst von neutraler Seite bewertet werden muß.
B.B.: Ich hab es an anderen Stellen schon gesagt: Im Laufe der Zeit kam in der Presse und bei einigen Fans immer mehr der Eindruck auf, daß diese Band nur auf dem Talent einer einzigen Person beruhte. Ich glaube das einfach nicht! In dem Moment, wo du Jak, Greg und Charlie Train Train spielen hörst (wenn ich es nur schon hörte, Herr Barth!), weißt du einfach, daß diese Leute den Song damals gemacht haben.
Niemand kann R.M. ersetzen, aber ich war eine Zeit in der originalen Band und es sieht aus, als ob ich der richtige bin, die Lücke zu füllen.
HoR: Um ehrlich zu sein, als ich von dieser Internet-Petition hörte, hab ich direkt gedacht und gesagt, daß es eine blödsinnige Idee ist. BLACKFOOT war für über 20 Jahre weg und wir haben so viele völlig unsinnige Reunions in den letzten Jahren erlebt. Was macht Dich so sicher, daß es bei Euch klappt?
B.B.: Ich kann Dir sagen warum es klappt. Abgesehen von dem was wir erwartet haben, die Jungs, und zwar alle, spielen mit mindestens der gleichen Power wenn nicht mit mehr, als beim Ende der Band damals. Das ist selten, genau wie Du sagst, so viele ältere Bands würden sich selbst einen Gefallen tun, wenn sie einfach zuhause blieben. Aber uns hebt die Musik auf einen Level, der uns größer macht als wir einzeln in Wirklichkeit sind.
Wenn unser erster gemeinsamer Gig so gelaufen wäre, daß wir nicht völlig fertig von der Bühne gegangen wären, dann wäre das auch unser letzter Gig gewesen. Aber genau das Gegenteil ist passiert!
HoR: Hoffentlich liegt das nicht an altersbedingter Kurzatmigkeit.
Gibt es neue Songs und wenn ja, wie klingen die?
B.B.: Es gibt ein paar neue, ja. Einige haben Jak und ich bereits ca. 1986 für das nächste Album geschrieben, das dann ja nie erschien. Und einige brandneue Songs haben wir ebenfalls. Wir haben damals (1986) versucht, BLACKFOOT wieder mehr in die Richtung von "Tomcattin'" und "Marauder" zu bringen. Und diese alten Songs klingen genau so. Vergiß nicht, Jakson Spires war Songwriter bzw. Co-Songwriter aller BLACKFOOT-Songs.
HoR: Rick Medlocke sagte mir vor 7 Monaten, daß der Name BLACKFOOT ihm gehört. Ist diese Frage inzwischen geklärt?
B.B.: Das war eine rechtliche Frage. Wir gingen zu einem Gericht und waren glücklicherweise in der Lage, uns gütlich durch die Problematik zu arbeiten. So viel ich weiß, ist mit der Lösung jeder happy.
HoR: Und er hat gesagt, daß BLACKFOOT ohne ihn nicht die echten BLACKFOOT sind. Das ist ein Standpunkt, den man nicht unterschätzen darf. Gut, drei von vier Originalmitgliedern plus Du, als Mitglied der "zweiten Generation", ist nicht so schlecht. Aber jetzt gib uns doch mal die Begründung, warum wir nach Schweden fahren sollen und die 2005er Band als die "echten" BLACKFOOT abfeiern sollen!
B.B.: Ich verstehe seine Emotionen. Ich bin auch nicht sicher, ob AXE ohne mich AXE sein würden. Aber gleichzeitig würde ich, falls die anderen Originalmitglieder eine Reunion machen würden, mit meinen Kommentaren so lange warten, bis ich sie gehört hätte.
Wie ich schon sagte, ich glaube nicht, daß einer von uns sich 100% sicher war, daß es klappt. Jedenfalls nicht, bis wir zusammen gespielt hatten. Aber seitdem sind wir sehr sicher.
Du sagtest es, die originale Rhythmusgruppe plus die beiden Gitarristen, die mit R.M. zusammen auf der Bühne standen. Es ist nicht wie bei so vielen anderen Bands, bei denen 1 oder 2 Originalmitglieder dabei sind... oder gar keines. Bei uns erwartet jeder den Einen, der natürlich wichtig war. Aber ich singe ja auch ein bißchen. Und Gitarre spiele ich ebenfalls ein klein wenig... Wenn wir gedacht hätten, das Erbe dieser Band hinge nur an einer Person, dann wären wir nie zusammen auf die Bühne gegangen.
Ich denke, es ist eine überragende Band die überragende Songs spielt und die sie auch noch selber geschrieben hat. Es ist die Chance für jeden, diese Band mit allen Hits zu sehen, genau so gespielt, wie sie geschrieben wurden. Du weißt, es gab eine Menge Leute, die irgendwelche All-Star Bands zusammengestellt haben und unter anderem auch BLACKFOOT gespielt haben. Teilweise auch richtig gut. Aber nichts ist vergleichbar mit dem Erlebnis, Jak, Greg und Charlie zu sehen. Und für mich gilt: Ich tue das was ich immer bei BLACKFOOT gemacht habe, Gitarre spielen. Der einzige Unterschied ist, daß ich jetzt eben auch singe.
HoR: Was können wir bei den Konzerten erwarten? Einen schnöden Tribute an die alten Zeiten oder eine neue Band?
B.B.: Es funktioniert nicht, es einfach nur eine Tribute-Band zu nennen. Und es ist auch nicht wirklich eine brandneue Band. Wir spielen die Sachen, die wir als die besten betrachten. Die Songs mit dem größten Spaßfaktor in den frühen Jahren. Klar, die Spielzeiten bestimmen letztendlich, wie viele Songs wir spielen können.
Wir gehen zurück bis zu "No Reservations" und ich verspreche den Leuten, daß ich niemals versuchen werde, mir die Schuhe von Medlocke anzuziehen. Selbst wenn ich es könnte, was nicht der Fall ist. Ich meine, ich liebe seine Art als Frontman auch. Aber ich singe und spiele mir den Arsch ab!
Wenn die bisherigen U.S.-Shows ein Gradmesser sind, dann werden (in Europa) die allermeisten Leute sehr sehr glücklich nach Hause gehen.
HoR: Dein Wort in des Rockers Ohr... Wird es denn weitere Konzerte neben dem in Schweden geben?
B.B.: Ich denke schon. Es wird darüber verhandelt, aber es ist noch nichts fix. Zu früh.
HoR: Eine andere Sache ist die Website www.blackfootrocks.com. Da ist fast gar keine Info zu finden. Wer ist denn dafür verantwortlich?
B.B.: Wir hatten jemanden angestellt das zu machen. Aber die haben angefangen und nicht weiter gemacht. Nächste Woche (also ca. Mitte Februar 2005; Red.) geht eine neue Seite online. Das wird eine tolle Seite, mit einer Menge Stoff.
HoR: Laß uns doch noch kurz über die unfaßbaren Hinterlassenschaften in Deinem Online-Forum auf www.bobbybarth.com reden. Du und die Band werdet teilweise übelst beschimpft. Einen von denen fragst Du, ob er "Nalli" ist. Du meinst wohl Al Nalli? Wie kommt das denn, was ist passiert, daß Du vermutest, er schreibt solchen Mist?
(Al Nalli war über Jahre der Mann hinter BLACKFOOT und produzierte die meisten LPs. Außerdem spielte er bereits in den Siebzigern bei den Detroiter Rockern BROWNSVILLE STATION um Cub Koda eine wichtige Rolle und tauchte 2003 bei SKYNYRDs "Vicious Cycle" als "executive producer" wieder auf)
B.B.: No man, das war nur ein Scherz. Ich glaube nicht, daß Al oder irgendwer aus seinem Umfeld so etwas schreiben würde.
Eines von 100 Mails die ich bekomme, hat so einen Inhalt. Da meint halt jemand, ich würde versuchen Medlocke zu kopieren und versucht dann, irgend einen Mist über mich zu verbreiten. Meistens lade ich solche Typen zu einer Show ein und wenn sie danach immer noch so denken, dann geht das Bier auf meine Rechnung.
HoR: Danke Bobby!
Weitere Gedanken Bobbys über BLACKFOOT und die Reunion sollte man dringend auf seiner Homepage nachlesen.
In einer Email sagte Bobby mir, daß er doch sehr überrascht über die kontroverse Diskussion seiner Person sei. Und er sagte auch: "Jak, Charlie and Greg and a little bit me, have a right to play the music we love." Da hat er Recht. And now: Let the music do the talking and show us that BLACKFOOT still rocks!
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