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Warren Haynes

Gov't Mule

"Nichts ist unmöglich"

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Fotos: Adelina Schmidtlein

Warren Haynes vor dem Mikro zu haben ist schon ein besonderes Highlight. Allzu viele in unseren Breiten gemachte Interviews gibt es bekanntlich nicht und demzufolge wussten wir auch nicht wirklich was uns erwartet. Doch nach einem zur Bandprobe umfunktionierten Soundcheck und gedünstetem Fisch zum Abendessen saß uns ein entspannter und aufgeräumt wirkender Supergitarrist gegenüber, der redefreudig und konzentriert plauderte und sich über einige Zeitschriften aus Italien und Frankreich freute, die ihm mein diesmaliger Kollege Fabio Drusin von der Band W.I.N.D. mitgebracht hatte (in Italien wird dieses Interview im Jam-Magazin erscheinen, bei den Fragen werdet Ihr also immer wieder "Jam" lesen). Fabio und Warren kennen sich seit etlichen Jahren, aus Interviews für italienische Magazine und auch über die jeweilige Zusammenarbeit mit Johnny Neel, und so konnten wir das Gespräch über verschiedene Anknüpfungspunkte führen - was natürlich dazu führte, dass aus einem "normalen" Interview recht schnell ein kleines Anekdoten-Kurzpassspiel wurde. Es macht Spaß, den Leader einer meiner Lieblingsbands zum Hardcorefan mutieren zu sehen. Thanks, Brother!
Uns überraschte Warrens Überraschung über den Erfolg der bisherigen GOV'T MULE Konzerte in Europa im April dieses Jahres und jetzt im Spätsommer. Lest selbst:

Warren Haynes

Warren Haynes: Wir wussten ja überhaupt nicht was uns erwartet beim ersten Europatrip. Es war völlig überwältigend. Das Publikum war phantastisch, wir wurden super empfangen, deswegen haben wir uns wirklich beeilt wiederzukommen.
Jam: Aber Italien steht nicht auf der Liste...
W.H.: Ne, diesmal nicht, aber wir wollen wieder hin. Mailand war wundervoll. Wir versuchen so viel wie möglich abzudecken, aber alles geht leider nicht gleichzeitig.

HoR: Ihr wusstet nicht was Euch in Europa erwartet? [Sorry, aber Verkaufszahlen und Fan-Feedback sollten doch wohl bekannt sein]
W.H.: Überhaupt nicht. Keine Ahnung, ob zum Beispiel viele oder wenige Leute kommen, ob sie unsere Musik überhaupt kennen und dann waren die meisten Venues größer als wir dachten und das Publikum viel mehr als wir erwarteten. Die Leute kannten die Songs, sangen mit, wir haben in ihren Gesichtern gesehen, dass sie alle Songs sofort erkannten, gleich beim ersten Ton. Mich hat das völlig begeistert.
HoR: Dann war diese Unsicherheit der Grund für die nur wenigen Konzerte? Ich meine, für die Fans wären mehr Gigs doch deutlich angenehmer und vor allem billiger, sie müssten nicht durch halb Europa reisen.
W.H.: Für uns wär's ja auch billiger. Diesmal ist der Grund nicht mehr die Unsicherheit, diesmal ist es einfach ein Zeitproblem. Wenn wir nach Amerika zurückkommen, hab ich grade mal einen Tag frei und dann startet schon die nächste Tour mit der ALLMAN BROTHERS BAND. Wir versuchen wirklich, so viel Zeit wie nur irgendwie möglich hier zu sein. Vielleicht, hoffentlich schaffen wir es nächstes Jahr für eine längere Tour.

Jam: Lass uns mal über Deine Vergangenheit sprechen. Was waren die Einflüsse in den ganz frühen Tagen, wann hast Du angefangen?
W.H.: Ich hab als Sänger angefangen. Da war ich ungefähr 7. [was natürlich bitterböse Gedanken an einen von Heintje gesungenen "Thorazine Shuffle" weckt... Red.]
Die erste Musik bei der mir die Haare auf den Armen standen war schwarze Gospelmusik. Das wurde damals im Radio bei uns in North Carolina gespielt und das hat mich schwer beeindruckt. Ab dem Moment wollte ich Sänger werden. Dann kamen Leute wie James Brown, Sam & Dave, THE FOUR TOPS, Ottis Redding und so weiter. Irgendwann brachte mein ältester Bruder eine LP von SLY & THE FAMILY STONE mit und das war eine Mischung aus Soul und Rock. Ich hab mich also entschieden ab sofort Rockmusik zu hören, also Leute wie Jimi Hendrix oder CREAM und deswegen bin ich Gitarrist geworden.

Jam: Was ist der wichtigste und schönste Aspekt am neuen Line-up von GOV'T MULE?
W.H.: Die Freiheit. Wir können jetzt wirklich machen was wir wollen und wir wissen, dass wir dabei völlig sicher sind. Verstehst du, wir können uns [musikalisch] hinbewegen wohin wir wollen und wir finden auch den Weg wieder zurück. In dieser Besetzung müssen wir vor keiner Musik Angst haben. Andy [Hess; Bass] und Danny [Louis; Keyboards] sind so phantastische Musiker und dadurch ist die Band jetzt (wieder) auf einem Niveau, das man möglicherweise nie mehr erreichen wird.
Es ist anders als früher, keine Frage, aber in einigen Belangen ist es einfach besser. Wir spielen und spielen und spielen und wir werden immer besser als Band. Natürlich ist der gemeinsame Startpunkt das Material, das in der Zeit mit Allen Woody entstanden ist, aber ich bin sehr stolz darauf, wie die Band heute klingt. Es fühlt sich verdammt gut an, mit dieser Band rauszugehen.

HoR: Wir konnten Euch vorhin beim Soundcheck beobachten. Ist es schwer für Deine Kollegen, Dich zufrieden zustellen?
[Wie oben bereits erwähnt, war der Soundcheck im Grunde eine Probe. Die Band spielte 45 Minuten wieder und wieder einen brandneuen Song und Warren dirigierte dabei die Band, unterbrach immer wieder, erklärte seine Vorstellungen und ließ Matt Abts, der ja nun beileibe ein famoser Schlagzeuger ist, und Danny Louis fünf, sechs, sieben Mal kleinste Kleinigkeiten wiederholen. Auch wenn die Band auf der Bühne improvisiert, also jammt, hinter jedem Song, jedem Break oder Solo steht eine ganz klare Konzeption - und Warren Haynes ist unzweifelhaft der musikalische Direktor.]
Warren Haynes W.H.: Mmmmh, nein. Nein nein, nicht wirklich. Wir haben vorhin einfach was Neues probiert und versucht, es in verschiedenen Varianten zu spielen. Bei den beiden letzten Shows hatten wir keinen Soundcheck [es waren Festivalauftritte in Holland und Spanien] und normalerweise üben wir jeden Tag. Heute und morgen [in Köln] haben wir die Möglichkeit, ein wenig zu üben und zu probieren. Wenn wir nicht üben können, fehlt uns irgendwie etwas.
Jeder in der Band fühlt sich richtig gut und wir wollen einfach alles ausprobieren. Da gibt es keine individuellen Egos, wir sind vier Freunde die versuchen das Bestmögliche zu machen.
HoR: Ist das Normalität, dass Ihr neue Songs sozusagen live on tour einstudiert?
W.H.: Ja ja, manchmal schon. Danny und ich haben am Arrangement von dem Song den ihr gehört habt im Bus gearbeitet. Andy und Matt haben wir nur davon erzählt und heute war eben die erste Möglichkeit, das Ding zu spielen. Ich weiß nicht, wann wir die Nummer zum ersten Mal vor Publikum spielen, vielleicht noch bei dieser Europatour - im Moment ist es halt nur eine neue Idee [die allerdings erstaunlich ausgereift und für G.M.-Verhältnisse ausgesprochen hitverdächtig klingt; Red.].
Ist doch klar, dass es besser ist, wenn man länger Zeit zum Üben hat, aber wir müssen eben nehmen was wir kriegen.

Jam: Ein ganz interessantes Projekt von Dir war seinerzeit die Soloplatte "Tales Of Ordinary Madness" von 1993. Kannst Du uns ein wenig über die Entstehung erzählen?
W.H.: Die meisten Songs von dem Album waren damals schon etliche Jahre alt. Ich hatte die Pläne für ein Soloalbum schon seit ungefähr 1987 oder '88. Das war etwa in der Zeit, als mich Dickey Betts anrief und mich in seine Band holte [was das sehr gute Album "Pattern Disruptive" 1988 zur Folge hatte]. In der damaligen DICKEY BETTS BAND waren Johnny Neel, Matt Abts und Marty Privette am Bass dabei. Wir sind mit der Band drei Jahre getourt, nahmen die Platte auf, für die ich übrigens einige Songs geschrieben habe, und das hat mich von meiner eigenen Platte abgehalten. Wir waren damals wirklich sehr beschäftigt. Als das vorbei war, wollte ich eigentlich an meinem Album arbeiten, aber dann reformierten sich die ALLMAN BROTHERS und wollten mich dabei haben. Also war ich wieder verhindert für meine eigenen Sachen und es hat letztendlich bis '92 gedauert, bis ich mich dranmachen konnte. Im Ergebnis war also ungefähr die Hälfte der Songs schon alt.
Ich habe ja während den ganzen Jahren immer Songs geschrieben und als wir dann endlich im Studio waren, hatte ich ungefähr 18 Songs. Die gab ich Chuck Leavell und er sollte dreizehn oder vierzehn für das Album raussuchen [11 wurden veröffentlicht; Red.]. Ja, so war das damals.
Jam: Hast Du Pläne für ein weiteres Soloalbum?
W.H.: Schon, ich will auf jeden Fall wieder ein Soloalbum machen. Allerdings weiß ich nicht, ob es noch mal in die gleiche Richtung geht. Vielleicht wird es etwas mehr Acoustic-beeinflusst. Weißt du, wenn ich ein neues Soloalbum mit der Band machen würde, dann wäre es ja ein GOV'T MULE Album und kein Soloalbum mehr.

HoR: GOV'T MULE ist für die Fans ein verdammt teures Hobby. Andauernd neue Platten, die dann auch noch in den verschiedensten Ausführungen, DVDs und und und... von den ganzen Trader-Konzertmitschnitten geschwiegen.
W.H.: Na ja, die müssen ja nicht alles kaufen... [sagt es und lacht...]
HoR: Tun sie aber.
W.H.: Es ist echt unglaublich. Wenn wir Fans treffen, haben die oftmals ganze Ladungen von unserem Zeug dabei. Ich finde das persönlich sehr bewegend. Tolle Fans. Für solche Menschen lohnt es sich, Musiker zu sein, es zahlt sich aus.
[Warren meint das nicht monetär, das ist seinen Worten ganz deutlich zu entnehmen; Red.]
HoR: Ist es nicht manchmal etwas zuviel des Guten? Also nicht nur für die Fans, auch für Dich, immerhin bist Du ja auch recht gut beschäftigt mit GOV'T MULE und den ALLMAN BROTHERS.
W.H.: Also die letzten vier Jahre sind wirklich die arbeitsintensivsten meiner Karriere, wahrscheinlich sogar meines ganzen Lebens. Aber es sind auch die besten Jahre meines Lebens.
GOV'T MULE bedeutet mir alles, die Band ist mein Leben, auch wenn die ALLMAN BROTHERS BAND nach beinahe 17 Jahren so etwas wie eine Familie für mich ist - ich liebe es mit der Band zu spielen. Aber G.M. ist eben etwas, was wir begonnen haben, was wir aufgebaut haben und was Bestand hatte, nachdem die ALLMAN BROTHERS beschlossen hatten aufzuhören.
Ich will es nie erleben und werde es nicht zulassen, dass GOV'T MULE nur noch die zweite Geige in meinem Leben spielen.

HoR: Viele Fans sind beinahe enttäuscht, wenn sie einmal im Monat zum Kiosk gehen und die aktuellen Musikzeitungen kaufen und ausnahmsweise Deinen Namen nicht bei irgend einem Projekt entdecken. Du bist sozusagen omnipräsent. Wie schafft man das?
W.H.: Im Prinzip heißt es, dass ich keine Zeit für mich selbst habe. Ich bin kaum zuhause, sehe meine Familie so gut wie nie und so weiter. Auf der anderen Seite muss man manchmal eben die Möglichkeiten wahrnehmen, wenn sie sich bieten. Ich bin in einer überaus kreativen Phase, schreibe viele Songs und habe auch viele, die noch nicht aufgenommen sind. Und ich bin dankbar für diese Situation, es kann sich schließlich auch ändern.

Jam: Deine Texte sind sehr "deep and dark". Wo kommen die Einflüsse her, liest Du zum Beispiel viele Bücher?
W.H.: Ich lese natürlich viel, aber ich lese wenig wirkliche "Dichtkunst". Das hab ich als junger Kerl gemacht. Ich lese viel, hm, ich nenne es Flughafen-Literatur. So Zeug, das man im Airport einfach so mitnimmt. Nicht unbedingt schlechtes Zeug, aber eben nicht Faulkner oder Hemmingway.
Jam: Du magst Charles Bukowski?
W.H.: Sehr. Bukowski starb, als ich "Tales Of Ordinary Madness" machte, daher der Titel, die Platte ist ihm gewidmet.
Es ist so, dass viele meiner damaligen Sachen gewisse Ähnlichkeiten mit seinen Spätwerken hatten. Viele Leute haben dann gedacht, die Platte wäre so etwas wie ein Tribut an sein Leben oder so, aber das ist natürlich definitiv falsch. Ich wollte mit dem Titel einfach nur Danke sagen.
[Es folgt eine Beschreibung seines derzeitigen Lieblingsbuches. Dabei handelt es sich um einen Autor namens John Kennedy II, der noch vor Veröffentlichung dieses Erstlingswerkes Selbstmord beging.]
Wenn ich heute William Faulkner lese, dann macht das Sinn. Als Kid hab ich das doch gar nicht kapiert. Manchmal sind meine Texte auch von Leuten wie John Steinberg beeinflusst [Warren sagte Steinberg, aber ob er dabei nicht John Steinbeck meinte?], aber normalerweise schreibe ich einfach über das Leben.

Jam: Hast Du eine spezielle Vorgehensweise beim Songwriting? Schreibst Du die Texte in bestimmten Momenten, also wenn Du grade gut drauf bist oder irgendwie depressiv?
W.H.: Also ich schreibe keine Songs wenn ich happy bin. Da hab ich dann andere Dinge zu tun, hahaha. Meistens schreibe ich irgendwann um 4 oder 5 in der Nacht, also wenn normale Menschen schlafen. Das ist dann normalerweise so, dass ich zuerst die Texte schreibe und später die Musik, vor allem bei den Balladen, die sind alle so entstanden. Manchmal passiert das auch gleichzeitig, ich schreibe einen Text und habe dazu sofort die Melodie im Kopf, aber nicht zu oft.
Neulich ist es mir passiert, dass ich zuerst die Idee eines Songs hatte und der Text erst später kam. Ganz ungewöhnlich für mich, hat aber in dem Fall funktioniert.

HoR: Du hast in den Achtzigern in Nashville gelebt und gearbeitet. Warum bist Du dort weg?
W.H.: Ach, Nashville... Ich bin ja aus North Carolina und da war Nashville die nahegelegenste Musikstadt, so ungefähr fünf Stunden mit dem Auto entfernt. Aber Nashville ist halt zu 80% Countrymusic und die restlichen 20% teilen sich alle anderen Musiken. Ich sag dir, in Nashville ist es ungemein hart, wenn man als Nicht-Countrymusiker ernstgenommen werden will. Das zieht dir wirklich jede Energie aus den Knochen und es ist fürchterlich frustrierend. Die ganze Mentalität... kein Mensch interessiert sich für einen. Die Entscheidung, aus Nashville wegzugehen und nach New York zu ziehen, war wirklich die einzig richtige. Rein musikalisch gesehen ist New York tausendmal offener als Nashville.
HoR: New York beeinflusst Dein Songwriting?
W.H.: Absolut!

Jam: Reden wir von der Bedeutung einiger Songs. Tastes Like Wine. ["Life Before Insanity", 2000]
W.H.: Hm, poetisch, nichts buchstäbliches, abstrakt, so ein heavy Song über jemanden, der die Liebe entdeckt. Ein Lovesong über jemanden, der überwältigt ist von der Liebe, die irgendwie seine ganze Welt verändert.
Jam: What Am I. ["Johnny Neel And The Italian Experience", 2004]
W.H.: Hab ich mit Johnny Neel geschrieben. Das ging damals sehr schnell, wir waren in Miami und nahmen "Seven Turns" mit den ALLMAN BROTHERS auf. Textlich geht es natürlich wieder um die Geschichte eines Mannes, der sich fragt was er ohne seinen Partner wert ist.
Längeres Schweigen, Warren überlegt...
Die Nummer hast Du mit deiner Band auch gemacht, oder?
Jam: Ne, Johnny hat ihn aufgenommen. Mit Streichorchester.
W.H.: Ach ja, genau. Klasse Version!
Jam: Strong Companion.
W.H.: Oh, Strong Companion ist ein alter Song den ich nie veröffentlicht habe. Larry McCray hat ihn aufgenommen. Larry hat auch als erster Soulshine aufgenommen. Wir sind seit vielen Jahren Freunde, er ist unglaublich talentiert und ein supernetter Typ. Er wollte Strong Companion aufnehmen und ich hab mich darüber gefreut. Ich mag den Song, es geht mehr oder weniger um jemanden, der viel durchgemacht hat und dann die wichtigen Dinge des Lebens erkannt hat.

HoR: Auch auf "Deja Voodoo" hast Du wieder mit Michael Barbiero im Studio zusammengearbeitet. Wie kommt diese lange Partnerschaft, schließlich ist er eher für seine Arbeit in anderen musikalischen Bereichen bekannt. [GUNS N'ROSES u.v.a.]
W.H.: Michael ist Teil der G.M.-Familie geworden, nachdem wir seit "Dose" zusammengearbeitet hatten. Wir vertrauen ihm völlig und er ist sicher einer der besten Tontechniker der Welt. Nach "Life Before Insanity" haben Michael und ich darüber gesprochen, irgendwann mal einen anderen Produzenten zu holen. Weißt du, damit man nicht plötzlich in der Falle sitzt und immer das gleiche macht. Aber dann starb Woody und wir machten dieses Ding mit den vielen verschiedenen Bassisten und es war extrem wichtig, jemanden wie Michael auf dem Produzentenstuhl zu haben. Bei "Deja Voodoo" wiederum war es so, dass Andy und Danny vorher noch nie mit Michael gearbeitet hatten, und wir dachten, dass die beiden diese Erfahrung machen müssen. Ich bin ziemlich sicher, dass wir bei der nächsten Platte einen anderen Produzenten haben werden. Just to keep it fresh.
HoR: Beeinflusst oder verändert Michael Euren Sound?
W.H.: Ähm, ich denke, er konserviert genau den Sound, den wir liefern. Das ist genau das Spezielle an ihm, er schafft es, die Energie einzufangen.

HoR: Was war 2001 der Grund, wieder bei den ALLMAN BROTHERS einzusteigen?
W.H.: Vor allem Allen Woodys Tod. Matt und ich haben damals tatsächlich nicht gewusst, ob es mit GOV'T MULE weitergehen wird und soll. Ich habe einige Monate nachdenken müssen, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, die Band weiterhin zu machen. Na ja, dann wurde Dickey Betts bei den ALLMAN BROTHERS gefeuert, und sie hatten überhaupt eine Menge Probleme, und Gregg Allman rief mich an und meinte "wir wollen dich wieder in der Band haben".
Wäre Woody nicht gestorben, ich wäre nie mehr zur ABB zurückgekehrt. Wir waren zu 100% GOV'T MULE und es gab keinen Gedanken an etwas anderes.

HoR: Ist die heutige ALLMAN BROTHERS BAND noch die gleiche Band wie früher? Von der neuen Besetzung natürlich abgesehen, ich meine vom Gefühl her.
W.H.: The band sounds amazing right now! Die Besetzung heute ist phantastisch. Es macht unglaublich Spaß, Nacht für Nacht. Vielleicht ist es die beste Besetzung aller Zeiten.
Jam: Absolut richtig! Ich hab es letztes Jahr in New York gesehen.
[An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Red.]

Warren Haynes Jam: Reden wir über Deine Meinung über einige Musiker. Gregg Allman.
W.H.: Gregg ist natürlich ein ganz großer Einfluss für mich, von Anfang an. Ich kenne ihn seit gut 25 Jahren, ich meine, wahrscheinlich hab ich mehr von ihm gelernt, als ich ihn noch gar nicht persönlich kannte, weil ich all die Platten auswendig gelernt hatte. Ich war ein riesiger ALLMAN BROTHERS Fan. Er ist historisch gesehen sicher einer der wichtigsten Sänger überhaupt. Diese soulvolle Stimme...
Jetzt, Jahre später, sind wir Freunde und Songwritingpartner, das ist doch toll.
Jam: Son House.
W.H.: Der personifizierte Delta Blues. Son, seine Stimme, ist DER Blues. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, musste ich feststellen, dass ich schon immer versucht hatte, so zu klingen wie er - ohne ihn überhaupt zu kennen. Er hat so viele Sänger beeinflusst. Hör dir John Fogerty an und du hörst Son House. Du hörst Son House bei unendlich vielen großen Sängern.
Die Tatsache, dass er nicht so populär wie beispielsweise Robert Johnson ist, hm, bedauerlich, aber nicht zu ändern. Meiner Meinung nach ist Son wichtiger als Robert Johnson.
Jam: Herbie Hancock.
W.H.: Mein Gott, sicher einer der allerwichtigsten für mich, ich höre ihn schon lange lange Zeit. Möglich, dass das MILES DAVIS QUINTET mit Herbie, Tony Williams, Wayne Shorter und Ron Carter meine absolute Lieblingsband ist. Diese Band ist das perfekte Beispiel für Improvisation.
Jam: Chris Whitley.
W.H.: Chris ist auch einer, den ich schon immer bewundert und seine Platten gehört habe. Inzwischen sind wir natürlich seit Jahren Freunde, haben oft zusammen gespielt etc. Er ist ein irre talentierter Songwriter, ein irre talentierter Sänger, ein einzigartiger Slide-Gitarrist. Chris ist einer von denen, die unbedingt mehr Beachtung finden müssten.

HoR: Ihr ändert Eure Setlist jede Nacht. Wie entscheidest Du, was wann gespielt wird?
W.H.: Das hängt grundsätzlich davon ab, was wir in den Tagen vorher gespielt haben. Also zum Beispiel heute: Wir werden nicht spielen, was wir gestern oder vorgestern gespielt haben und wir werden nicht spielen, was wir im April in Deutschland gespielt haben. Wir werden spielen, worauf wir Lust haben. So entscheiden wir das. Und wenn wir zum zweiten Mal irgendwo hinkommen, basteln wir natürlich eine komplett andere Setlist.
Ich weiß jetzt noch nicht, was wir nachher machen werden, das schreib ich gleich noch zusammen.
Jam: Es gibt einige Setlists, die haben mit Soulshine begonnen. Ich finde, das ist der perfekte Einstieg in ein Konzert.
W.H.: Das ist ein paar Mal passiert, richtig. Aber nicht oft.
Jam: Meinst Du, es wäre möglich, vielleicht heute auch damit anzufangen?
W.H.: Hmmm, maybe. Es wäre eine Möglichkeit. Nichts ist unmöglich.

Ratet mal, mit was das Konzert zwei Stunden später begann! In solchen Momenten hat der Schreiberling mehr als nur einen Kloß im Hals.
(Hier klicken und den Konzertbericht lesen!)

Wir danken Jörg Timp von Starkult Promotion for making it happen, dem Tourmanager Brad für den netten Support & natürlich Warren Haynes für eines der angenehmsten Gespräche überhaupt.

Fabio Drusin (W.I.N.D.), 05.09.2005 (for Jam Magazine, Italy)

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.09.2005

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