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Home of Rock: Jeff, vielen Dank, dass du dich für ein Interview im HoR zur Verfügung gestellt hast. Es ist das zweite Mal, dass wir eine CD von HEART OF CYGNUS besprechen - zuerst "Utopia" und jetzt "Over Mountain, Under Hill" - und wir freuen uns, mit dem Komponisten dieser beiden herausragenden Prog Rock/Prog Metal CDs zu sprechen.
Du möchtest diese Kategorisierung im Hinblick darauf, ob sie wirklich eure Musik beschreibt, vielleicht später noch hinterfragen, aber vorher würde ich gerne einiges zum Background ansprechen. Ich habe im 'allmighty Allmusic Guide' sowohl nach 'Heart of Cygnus' (HoC) als auch nach Jeff Lane gesucht - und nichts gefunden. Kannst du uns also bitte erzählen, wer Jeff Lane und sein Partner in Crime, Schlagzeug-Wunder Jim Nahikian, ist und wie HoC entstand?
Jeff Lane: Jim und ich sind beste Freunde seit unserer Schulzeit. Nachdem wir von zu Hause ausgezogen waren, trennten sich unsere Wege erst einmal, wir hatten verschiedene Jobs usw. Schließlich spielten wir abends in Bands zusammen während wir tagsüber unseren Tagesjobs nachgingen. Im Mai 2005 waren wir beide diese Art Musik (zumeist Power Pop/Rock) leid, und ich setzte mich in meinem Studio zu Hause hin und schrieb den Track, der als Prelude auf "Utopia" enden sollte. Ich zeigte ihn Jim, und kurz danach entschlossen wir uns, dieser musikalischen Richtung zu folgen (und das ist 'my natural style of writing').
HoR: Was war die ursprüngliche Motivation für euch, Musik zu machen?
J.L.: Ich glaube, wir beide haben eine leidenschaftliche Liebe zur Bühne und zur Musik. Die ursächliche Motivation lag darin, dass wir niemanden sahen oder hörten, der den Musikstil spielte, den wir so lieben - unsere 'Favourites' eben, die Größen der vergangenen paar Jahrzehnte. Also entschlossen wir uns, das was wir hören wollten, selber zu schreiben (so gut eben möglich). Auch hatte ich das Gefühl, ein Talent, das mit gegeben war, zu vergeuden, wenn ich damit nicht etwas anfing. Das brennt halt irgendwie in dir, wenn das Sinn macht, wie eine große Leidenschaft.
HoR: Soweit ich weiß, gab es RUSH-Songs mit dem Begriff 'Cygnus' - kommt der Bandname daher, oder was bedeutet er?
J.L.: Tasächlich erwähnte Jim den Namen zuerst, wegen seiner Liebe zur Astronomie. Er nannte dann den Namen 'Hearts of Cygnus'. Und ich - klar, bei meiner Liebe zu RUSH - dachte natürlich sofort an "Heart of Cygnus", Teil einer Zeile von Cygnus X-1 auf "Farewell To Kings". Wir besprachen das und entschieden uns für HEART OF CYGNUS. Für uns hat dieser Name etwas geheimnisvolles und abenteuerliches, was sich hoffentlich auch in unserer Musik widerspiegelt - wir nehmen den Hörer mit auf ein Abenteuer.
HoR: Eure MySpace Site nennt Bands wie RUSH, KANSAS, IRON MAIDEN, LED ZEPPELIN, PINK FLOYD und KINGS X als Einfluss, und das hört man natürlich in eurer Musik. Ich finde aber, dass BOSTON fehlt, und die Art, wie Tom Scholz ans Musikmachen herangeht. Was ich meine ist: in beiden Fällen ist das keine jam-basierte Musik - ich kann mir Jeff und Jim nur schwer vorstellen, wie sie im Studio sitzen und sich dabei in die Songs hinein jammen. Vielmehr sehe ich ein Reißbrett als Ausgangspunkt. Gut, das kann nun mein Problem sein, aber wie geht ihr denn nun wirklich ans Songschreiben heran, vor allem, wenn man an die sehr verwickelte Struktur eurer Songs denkt?
L.L.: Das stimmt, das hast du sehr richtig gesehen! Ich denke tatsächlich manchmal, ich sollte BOSTON als einen meiner Haupteinflüsse nennen. Ich bin immer ein Fan der Produktionsweise und der Arrangements von Tom Scholz gewesen, genau wie von seinen Soli, Harmonien und seinen percussiven Rock-Rhythmen. Auch denke ich, da wir ein Zwei-Mann Recording Projekt sind (bislang!), dass wir hier eine weitere Ähnlichkeit mit BOSTON durch die vergleichbaren Umstände haben. Wenn ich schreibe, lege ich die Route des Songs fest und spiele meine Teile (Bass, Gitarre, Keyboards, Vocals als Demo), dann gebe ich das an Jim weiter. Er entwickelt die Drums und ich nehme das dann und mache es fertig. Zu dem Zeitpunkt wenn mein Demo fertig ist, ist es normalerweise sehr nahe an der fertigen Version dran, was die Arrangements, Orchestrierungen usw. angeht.
HoR: Habt ihr eure Songs schon auf der Bühne gespielt? Falls ja, war es einfach, Musiker zu finden, die das konnten, und war das Ergebnis ok? Falls nein, und wenn ihr überhaupt auf der Bühne spielen wollt - was ja nicht unbedingt sein muss - plant ihr, eine Band zusammenzustellen?
J.L.: Wir haben HoC Songs noch nicht live gespielt, obwohl wir mit unseren früheren Bands sehr häufig auf der Bühne gespielt haben. In der Tat finden wir es sehr schwierig, Musiker zu finden, die unsere Musik spielen können. Wir suchen zwar immer noch nach Bands, aber gleichzeitig denke ich darüber nach, eine Liveshow nur mit uns beiden (und dem einen oder anderen Computer) auf die Bühne zu bringen.
HoR: Wie haben die Hörer auf eure Platten reagiert, und wer, glaubt ihr, hört eure Musik überhaupt?
J.L.: Tja, weißt du, wir hatten sehr positive Reaktionen auf unsere Releases. Ich glaube wirklich, dass unsere Fanbase wächst. Unsere Zuhörerschaft rangiert von den Mid-Teens bis hin zu Leuten in den 40ern. Die Gemeinsamkeit ist, dass diese Leute Prog/Classic Rock und Metal... oder einfach kreative Musik mögen. Also, es hilft schon, wenn man die Musik als solches liebt und etwas geduldig ist, wenn man ein Fan unsere Musik ist oder sein will. *Lol* - Geduld deshalb, weil unsere CDs definitive keine zwei- oder vierminütigen Ear Candy Dinger enthalten. Und außerdem scheint es eine bessere Response auf unsere Musik in Europe als hier drüben in den USA zu geben, obwohl wir auch hier gute Kritiken hatten.
HoR: Wenn du heute nach vorne schaust, wird die Tatsache, dass du deine Fans und ihre Erwartungen nun kennst, deine Musik beeinflussen, oder sagst du: "Hey, ich bin auf einer musikalischen Reise - kommt doch mit…!"
J.L.: Gute Frage … ich denke sicher, dass ich auf einem musikalischen Trip bin und die Freiheit beim Schreiben brauche. Andererseits denke ich natürlich, dass wir, wenn wir einen bestimmten Sound entwickelt haben, den Fans das geben sollten, was sie erwarten. Irgendwie muss es da eine Balance geben. Beispiel: wenn ich je meinen sollte, ich müsste einen Walzer schreiben, wäre ein HoC Album bestimmt nicht der richtige Platz dafür!
HoR: Ihr seid bei keinem Label - wollten die nicht, oder wolltet ihr lieber unabhängig sein, auf die Gefahr hin, weniger zu verkaufen als wenn euch ein großes Label unterstützt?
J.L.: Ich glaube, die Plattenindustrie hat sich sehr in den letzten fünf bis zehn Jahren geändert. Was mich angeht, denke ich, sie suchen mehr nach Pop-Radio Typen. Und die, die unsere Bands signen würden, suchen wohl mehr nach dem Typ Band, der oft auf Tour geht. Irgendwann wollen wir schon mal bei einem Label unterkommen, aber bis dahin konzentrieren wir uns darauf, alleine weiter zu kommen und irgendwann einmal zu touren.
HoR: Gut, lass uns nun über die CD sprechen. Ich denke, ich sag dir einfach, was ich beim Anhören der CD gedacht habe, und du kommentierst das dann vielleicht.
1. Das ist kein Konzeptalbum, obwohl einige Tracks musikalisch gesehen oder durch die Lyrics zusammengehören.
J.L.: Richtig. Kein Konzeptalbum, aber man könnte es "Themed" nennen. Mit Ausnahme von Blue Planet haben die Tracks ein Fantasy/Adventure-Thema.
HoR: 2. Das Album hat drei Teile. Teil eins besteht aus den Tracks 1-4, die durch die Story und den multi-riff-based Songwriting-Approach zusammengehören. Mountain stellt Leute in einem Sturm, die Schutz suchen, dar; Hill sieht sie in ihrem Unterschlupf und wie die Goblins (Kobolde) planen, sie zu fangen um ihr Schicksal zu besiegeln. Black Riders schließlich, vom Text her vielleicht ein etwas anderes Thema - obwohl das Setting dasselbe zu sein scheint - beschreibt, wie diese Reiter die jagen, die dem Ruf des Rings ('Lord of the Rings'?) folgen und ist von der musikalischen Struktur her den beiden ersten Tracks ähnlich. Dieser Teil des Albums schließt mit The King And His Steed ab.
J.L.: Ja, die ersten drei Songs waren von 'The Hobbit' und 'Lord of the Rings' (ich bin ein Rings-Fan seit meiner Kindheit) inspiriert. The King And His Steed basiert interessanterweise auf den ersten Riffs, die ich als Teen geschrieben habe. Der Song passt musikalisch zu den anderen drei Tracks.
HoR: Diese Tracks erinnern an "Utopia", oder zumindest ist die Musik ähnlich - Riffs werden eingangs der Songs gespielt (ich habe sechs in der ersten Minute von Mountain gezählt), die dann modifiziert und im Laufe des Songs wiederholt werden. Eine sehr mathematische Vorgehensweise des Songwritings - Jeff Lane der Architekt.
J.L.: Das ist schon ähnlich, aber das Ziel war tatsächlich, dass die beiden ersten Songs zusammen gesehen werden sollten und dass Black Riders und The King And His Steed eher alleine stehen. Sie komplementieren einander aber definitiv.
HoR: 3. Der zweite Teil besteht aus den Songs 5 bis 8 und basiert auf der nordischen Sagenwelt. Musikalisch sind die Songs sehr viel weicher, und The Mountain King ist ein echtes klassisches Musikstück, wundervoll geschrieben und performed, irgendwo zwischen KANSAS (erster Teil) und RUSH (zweiter Teil). Alles in allem sehr "Jeff Lane, der emotionale Musiker".
J.L.: Danke! Ich fühle mich - wie viele Musiker - von der nordischen Sagenwelt, wie du es nennst, angesprochen. Lost At Sea ist von einem Artikel inspiriert, den ich vor anderthalb Jahren gelesen habe; dabei ging es um die Restauration eines Wikingerschiffs in Dänemark. Erik ist von einem 1958er Film mit Kirk Douglas in der Hauptrolle - "Die Wikinger" - beeinflusst.
The Mountain King ist einer meiner Lieblingssongs. Interessant daran ist, dass ich den in der letzten Minute schrieb. Wir hatten uns entschlossen, zwei bestimmte Songs nicht mit auf die CD zu nehmen, und daher musste ich noch einen Song schreiben. Ich ließ mich einfach so von meinen Gedanken tragen und schrieb das Stück in wenigen Wochen. Ich muss mich auch bei Jimmy Page und John Paul Jones bedanken... aus irgendeinem Grund war The Rain Song bei dem Song meine Inspiration.
HoR: 4. Revelations ist vielleicht Part 3 und sticht musikalisch etwas heraus, obwohl das Thema 'stürmisches Wetter und schaukelndes Schiff' wieder erwähnt wird.
J.L.: Ach, dann hast du die Limited Edition CD mit Revelations, einem Coversong von Bruce Dickinson, eigentlich recorded und performed von IRON MAIDEN. Die sind eine unserer Lieblingsbands, und daher wollten wir das als Tribute an MAIDEN spielen.
HoR: Da auf der CD ja nun alles von Metal bis zu Classic Heavy und Prog Rock enthalten ist - wo siehst du deine Band, welche Aufschrift enthält die Box, in die ihr passt? Kommt das auf deine jeweilige Stimmung an, oder hältst du es eher mit Freddy Mercury - Now I'm here, now I'm there…?
J.L.: Genau wie Freddy sagte: ich will in keiner Box sein. So viele Bands haben einen Sound und man kann kaum ein Stück vom nächsten unterscheiden. So will ich nicht sein. Und QUEEN, um dein Beispiel aufzugreifen, haben immer ganz viele verschiedene Stile gehabt, die zusammen einen fantastischen Sound ausmachen. Man sieht sie aber nicht als eine Ansammlung von Stilen, man sieht sie als "Queen".
HoR: Was kommt als nächstes - eine Tour, vielleicht sogar ein Album?
J.L.: Ja und ja! Wir beenden gerade das Songwriting für eine neue CD, eine EP mit dem Titel "Tales From Outer Space!" und werden die in den nächsten Monaten aufnehmen. Außerdem stellen wir eine Live Show zusammen und hoffen Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres zu touren.
HoR: Jeff, vielen Dank für deine Zeit und die Beantwortung all meiner vielen Fragen.
J.L.: Das ist schon ok - ich danke dir!
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