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Ich sprach mit JSS - so ist ja nun wohl sein 'Trademark' - anlässlich der Veröffentlichung seiner neuen CD "Beautiful Mess", und der Wiederveröffentlichung von "Prism" und "Lost In The Translastion". Der Grund für mich, den Meister um ein Interview zu bitten, war die Verunsicherung, die die neue CD - die keine Rockmusik, sondern Soul und Pop beinhaltet - bei mir auslöste. Zuerst fand ich "… Mess" nämlich ziemlich entsetzlich, dachte mir aber: "Der Mann hat großartige Musik gemacht (soll heißen: großartige Rockmusik) und ist ein toller Sänger, wie kann es zu so einem Fehltritt kommen?" Wollte ich ihm also ursprünglich im Rahmen der gebotenen Fairness Platz für ein Statement bieten, so hatte ich meine Meinung über die CD zwischenzeitlich geändert (siehe Review). Dennoch war ich natürlich sehr erfreut über die Möglichkeit, mit einem veritablen Rockstar sprechen zu können (und als solches bezeichnen ihn seine Fans sicherlich).
Ich traf einen sehr angenehmen, offenen Gesprächspartner, der auf die Minute pünktlich verfügbar war und humorvoll auf meine Fragen einging. Ein Profi, wie er im Buche steht - und ein Mann mit Plan.
Wir sprangen dann auch sofort ins Thema, seine neue CD, und wie seine Audience, die doch wahrlich anderes von ihm gewohnt ist, damit umgeht. Er konterte das, indem er sagte, dass viele 'Rocker' auch diese Musik gut finden, es halt nur nicht zugeben. Das musste ich bestätigen: "I can buy into that, because when I listened to the CD for the first time I thought 'Oh, my goodness'. Then I listened to it for the second and third time, and then I started singing to it and thought 'Oh my, he got you!'"
Kurzer Einschub - wie wohl einige andere Sänger darauf reagiert hätten: "Ey, Peter, Deine neue CD is' irgendwie nich' so toll, aber ich hab' mich daran gewöhnt." Neben der Tatsache, dass ich meine Interviewtaktik und Wortführung noch einmal überprüfen muss, wäre das möglicherweise das sehr plötzliche Ende des Gesprächs gewesen.
Nicht so bei JSS - ja, das hätte er bei seinen eigenen Stars und Lieblingsbands auch erlebt; erst denkt man "Shit", und dann wächst die CD - 'grows on you', wie es so schön im Englischen heißt, und man mag erst das eine, und dann alle Stücke. Hängt eben vom 'Mood' ab, in dem man ist, und eine Musik, die man heute mag, mag man vielleicht morgen nicht, und anders herum. Es ist eine Frage des 'Time and Place', und wenn man älter wird, ändert sich die Erwartungshaltung; wenn man jung ist, kann schon ein einziges Riff genügen, um einen an die Musik zu fesseln; hört man das, bringt einen das sofort in die glücklichen Tage der Kindheit zurück.
Kann er sich vorstellen, dass eine CD wie "Beautiful Mess" sich so in das 'System' bei seinen Fans einarbeiten kann, dass man die CD in 10 Jahren noch hört? Ja, er glaubt fest an die Qualität des Albums und sein Plan war, eine CD zu machen, die eben solche Songs enthält, die den 'Test of Time' bestehen. Das Album ist seiner Meinung nach divers genug, um diesen Test zu bestehen.
Um mal über seine Karriere und Platten zu sprechen - wie viele Platten hat er gemacht oder war drin involviert? Letztes Mal als er gezählt hat waren es 60. Das hat ihm aber nicht zum Millionär gemacht. Sein Ziel war allerdings immer, Musik zu machen die ihm etwas bedeutete, auch wenn das Projekt, in das er involviert war, nicht unbedingt so toll gewesen ist - so nebenbei erfahren wir, dass auch ein JSS nicht alles für Gold hält, was in seinem Katalog glänzen mag.
Er möchte nicht, dass er als jemand gesehen wird, der sich nur auf eine bestimmte Musik eingelassen hat, und erwähnt QUEEN als eine Band, die sich nie auf nur eine Sache eingelassen hat - sie spielten alles von Pop bis Klassik, und wenn er sich auch nur als ein Bruchteil so gut sieht wie QUEEN, möchte er doch als ebenso divers gelten.
Aber er kann verstehen, dass er schon ein bisschen als ein Chamäleon rüberkommt, bei all den Bands und Musik in die er involviert war. Aber er will eben doch als jemand gelten, der neben aller Diversifikation auch als Meister seines Fachs gesehen werden. Wenn er etwas macht, will er es gut machen.
Sieht er sich als etwas wie ein Opernsänger, der in seiner 'Range' alles singen kann? Er möchte nicht ge-label-t werden, sondern als Sänger aller möglichen Musik gelten.
Wie glaubt er denn, dass seine Musik und Vielseitigkeit auf die Fans wirkt, die ja niemals sicher sein können, was als nächstes kommt. Wieder erwähnt er QUEEN, und zwar Brian May als massiven Influence in seinem Leben, der genauso denkt wie er: Mach was du willst, aber mach es gut und richtig! Er gibt zu, dass das für ihn das Leitmotiv in seinem Leben ist. 'Do your own thing, and do it right', und er ist in der glücklichen Position, dass ihm seine wirtschaftliche Situation im Augenblick - anders als vielen anderen Leuten - die Chance gibt, so zu denken und zu agieren.
Der Interviewer bleibt hartnäckig und denkt - na gut, wenn du nicht bei deiner eigenen Musik sagen willst, in welche Box du gehörst (und ehrlich gesagt, warum sollte er auch?), vielleicht erfahren wir durch deine musikalischen Vorlieben, wer du bist. Also? Aber nein, es hängt davon ab, in welcher Stimmung er ist, und dann hört er alles vom Pop bis 60ies Folk, kein besonderer Stil, den er immer hört.
Auf der Bühne: Ist es einfacher, Pop oder Rock zu singen? Als junger Mann, als er noch sein Handwerk lernte, hat er sich oft gefragt, warum bestimmte Leute eine Platte machen, die sie dann live nicht aufführen können: "If you can't do it live, don't do it in the studio!" Er macht seine CDs, vor allem was die Vocal Parts angeht, mit der Vorstellung im Kopf, diese Musik auch aufzuführen.
Bei der Tour: Was können die Fans erwarten - Musik wie "Beautiful Mess" oder Hard Rock? Er hat soviel Material mittlerweile 'Under his belt', dass seine Live-Performance aus vielen verschiedenen Quellen gespeist wird und nicht nur seine 'Hits' dargeboten werden. Er erwähnt Steve Lukather, der auf seiner letzten Tour auch nur seine eigenen Sachen und wenig TOTO gespielt hat. Und wenn Luke das kann, kann er das auch.
Natürlich wird "… Mess" dargeboten, und natürlich wird das auf der Bühne rockiger als im Studio. Er hat mit seiner alten Band acht Jahre zusammen gearbeitet, so dass er jetzt nach Leuten gesucht hat, die eine 'Rockband Plus' sind, also Rock und auch das neue Material spielen kann. Live soll das neue Material so dargeboten werden, dass die Leute nicht denken, die neue Band könne die neuen Sachen nicht spielen. Auf der Platte hat sein Producer fast alle Instrumente gespielt; live muss es natürlich nun anders sein.
Wer ist - siehe die neue CD - "the man on the mountain, smokin cigarettes and drinking gasoline"? Na ja, jeder eigentlich. Jeder hat schon mal auf diesem Berg gesessen, egal wie erfolgreich er war, nach unten gesehen und gedacht: Ich brauch' diesen ganzen Mist nicht. Recht hat er!
Warum wurden "Prism" und "Translation" neu aufgelegt? Na ja, da war so eine Nachfrage auf der Site, dass ihn die Company angesprochen hat, ob man die nicht einfach noch mal neu auflegen sollte, und er war einverstanden damit. Die CDs sind nicht remastert, nur um einige Tracks erweitert.
Erinnert er sich an die Sessions für "Translation"? Die ersten Stücke klingen so anders - warum? Es ist, sagt er, zwar dieselbe Backingband, aber Neil Schons Gitarre wurde auf den ersten Tracks später dazu gemischt, was der Grund sein könnte.
Auf "Translation" klingt es stellenweise so, als ob er die Vocal Parts komponiert hätte, und die Gitarrenparts im Mittelteil von jemandem anderen? Nein, er hat das alles schon geschrieben, aber wenn die Gitarrensektion kommt, muss der Gitarrist eben sehen, wo die Reise hingeht, und der war zu der Zeit eben daran interessiert, möglichst viele Noten in einen Takt zu kriegen. Manches hätte man wohl etwas 'lighter' haben können. Die von mir (JSS) gespürte Spannung zwischen Vocals und Guitarparts war nicht intentional, aber das kommt eben davon, dass Musik viele Interpretationsspielräume lässt, und man als Zuhörer bei guter Musik im Nachhinein 'nach-komponiert' und '-empfindet'.
Wo die Reise musikalisch hingeht, wollte oder konnte er nicht sagen - er will erstmal "Beautiful Mess" am Leben erhalten, denn immerhin hat es ja drei Jahre gedauert, bis die CD von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt gewachsen war.
Last but not least - his favourite Line Up:
Nuno Bettencourt (EXTREME) - ein sehr rhythmisch denkender Gitarrist.
Chad Smith (RED HOT CHILI PEPPERS) - can't get any tighter than that - Drums.
Marco Mendoza (Ted Nugent at all) - Bass, weil er so vielseitig ist.
Mit der Band könnte man Jazz, Metal - alles spielen. Malmsteen erwähnen wir noch als jemand, der in seinem Genre so wichtig ist wie Page in seinem. Malmsteen hat viele die ihn kopieren, aber er ist ein Pionier und 'Originator'.
Und wer ist sein 'Favourite Singer'? Freddie Mercury, weil er nicht bei einem Stil blieb, sondern vieles gemacht und probiert hat. Da musste ich doch noch fragen, warum er denn, der ja viele QUEEN Songs gesungen hat, nicht mit QUEEN zusammen arbeitet, denn Paul Rodgers und QUEEN passen aus meiner Sicht nicht so richtig zusammen. Er hat mit May darüber gesprochen, aber am Ende wollte May wohl etwas ganz Neues machen, und mit JSS hätte es vielleicht ein bisschen wie eine Queen Cover Band geklungen. Er gibt zwar zu, dass das jetzt stellenweise wie Rodgers und Backing Band klingt, mag aber andererseits viele der Songs auf dem neuen Album, insbesondere C-Lebrity und Say It's Not True, wo die Vocals von May und Rodgers gesungen werden.
Ich glaube zwar immer noch, dass ein veritabler moderner Heavy Metal-, Hard Rock- und Popsänger wie JSS den QUEEN-Job viel besser erledigt hätte, und auch bessere Kompositionen beigesteuert hätte, aber so ist es nun mal nicht gekommen. Auch gut, können wir uns an JSS Soloalben erfreuen, und seine Konzerte besuchen:
Apr. 01 - Headbangers Ballroom - Hamburg
Apr. 04 - Werkstadt - Witten
Apr. 07 - Rock Garage - München
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