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Moderate Pace

11 Fragen & 22 Antworten

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Als wir vor einigen Monaten die Band MODERATE PACE entdeckten und vom Southern- und Westcoast-Groove der Sauerländer auf Anhieb recht begeistert waren, mussten wir sie sofort in unseren "Lesen - Hören - Kaufen"-Shop stecken.
Die Jungs machen aber nicht nur gute Musik, sie haben auch einen expliziten Sinn für Humor.
Lest selbst, was Sänger Butcher und Basser J.T. Able zu sagen haben:

Home of Rock: 1. Welche Bands haben euch zum Musikmachen inspiriert oder sind eure musikalischen Vorbilder?

Butcher: Inspiriert haben mich vor allem alle Blues- und Gospelkünstler, die ich als Kind entweder von Platte kannte oder live gesehen habe, z.B. Mahalia Jackson (Platte) oder Champion Jack Dupree (live).
Als musikalische Vorbilder sind gitarren- und gesangsmäßig für mich persönlich natürlich Freddy King und B.B. King zu nennen.
Gesamtbandtechnisch gesehen liebe ich alte Little Feat-, Doobie Brothers-, Lake- und ZZ Top-Alben und komischerweise vor allem neuere Alben von Lynyrd Skynyrd und den Allman Brothers, aber auch die ersten King's X-Alben.

J.T. Able: Inspiriert haben mich Leute wie Marc Bolan und T- Rex, speziell am Bass Motown- und Stax- Musiker wie Duck Dunn und James Jamerson und songtechnisch alle, die es mit drei Akkorden wirklich sagen können, wie Tom Petty, Jagger / Richards oder John Fogerty.
Ich liebe Künstler, die unverwechselbare Stimmungen und Atmosphäre in Musik und Text erzeugen können, wie Joni Mitchell, Chris Whitley, Ben Harper, Willie Dixon usw.

HoR: 2. Was wollt ihr mit eurer Musik aussagen?

J.T. Able: Wir erzählen, sind musikalische "Anstreicher", schöne, große und einfache Bilder, bunt wie unser Leben. Im Beschreiben und Erzählen unserer Lebensstories stecken auch unsere Antworten. Wer aus ihnen etwas an Aussage herausfiltert, hat ähnliches Erleben, ähnliche Zusammenhänge. Das können und wollen wir nicht kalkulieren.
(Ganz offensichtlich ein Freund von Freud, der gute J.T. - die Red.)

Butcher: Ich liebe meine Frau und meine Tochter, brezel gern mit meinem Hardcore-Chopper und ein paar Kumpels durch diese einsame und verlassene Berggegend, die ich liebe und hasse. Manche Leute hier mag ich, manche überhaupt nicht, manche gehen mir mit ihrem Getue völlig auf den Senkel. Ich muss öfter raus, fahre auch allein durch die Gegend, mache mir meine Gedanken über das Leben in der Provinz, hocke ab und zu in Musikbars in den Städten und schaue mir alte und neue Blueskünstler an, sitze aber auch gern mit den anderen Eingeborenen in verlassen wirkenden Dorfpinten und haue mir gepflegt und mit großem Gelächter die Rübe zu. Abgesehen von ein paar Flirts hier und da ist es das, was hier passiert. Das kenne ich, darüber kann ich schreiben. Und viel mehr interessiert mich ehrlich gesagt auch überhaupt nicht.

HoR: 3. Was sind eure Visionen für die Band?

Butcher: Ich will spielen, spielen, spielen, am liebsten kleine, aber rappelvolle verräucherte Kaschemmen, wo die Kerle hinten an der Bar grölen und saufen und die Mädels vorne bei mir tanzen und ihre Hüften extatisch zur Musik kreisen lassen. Mehr will ich nicht.

J.T. Able: Visionen haben Hellseher und Politiker. Wir sind viel primitiver - let's get on that fuckin stage - anywhere!

HoR: 4. Welche Aussagekraft hat eure Musik? Warum sollte jemand euch und nicht jemand anderes hören? Wie unterscheidet ihr euch von den anderen Bands?

J.T. Able: Wir haben unsere Musik über etliche Jahre aus einem Schmelztiegel an Zutaten zusammengebacken - da findet fast jeder Rockmusikanhänger ein Stück darin, was ihm gefällt. Und zudem: Wir sind vor allem live und auf unserer neuen CD "Gasoline" so gut, dass wir Essig zu Wein machen können. Du magst am Anfang vielleicht nicht alles, aber am Ende wird es dein Lieblingsessen. MODERATE PACE - IT' S TASTY!
(Und beim Selbstbewusstseinstrainer war er auch! Die Red.)

Butcher: Genau.

HoR: 5. Was soll inhaltlich rüberkommen?

J.T. Able: Nicht mehr und nicht weniger als gute und spannende "3-Minuten"-Kurzgeschichten. Aus dem Leben - für das Leben. Wir sind positiv - auch wenn uns genügend auf die Eier geht. Es lohnt sich immer noch, etwas FÜR ein Publikum zu erzählen!
Wir sind am jetzigen Punkt, weil wir uns verdammt viel Mühe gemacht haben, um dahin zu kommen. Und es macht uns Spaß.

Butcher: Wer uns live sieht, weiß direkt, um was es geht: Es gibt eine schweißtreibende Show, es werden schöne und tragische Geschichten erzählt und auf der Bühne wird hart gearbeitet. Das mögen die Leute auf dem Lande. Da weiß jeder gleich, wo der Hammer hängt.

HoR: 6. Wie wollt ihr klingen?

J.T. Able: Wie ein '66-er AC Cobra 427 kurz vor dem Erreichen der Nenndrehzahl.

Butcher: Wie eine lässig vor sich hinstampfende Horde Harleys: Cool, aber kräftig, im Anzug bärig und selbst im Leerlauf ausreichend respekteinflößend.

HoR: 7. Was heißt das: Hot Rock? Beschreibt mal eure Musik.

J.T. Able: Heiß wie ein texanischer Barbecue ... geradlinig wie ein Highway im Mittelwesten ... erdig, wie eine Schlammschlacht in den Everglades ... schnell, wie beim Indy 500, aber manchmal auch gelassen, wie ein Spaziergang durch New Orleans ... witzig wie W.C. Fields ...

Butcher: Und was soll ich jetzt noch sagen?

HoR: 8. In welche Richtung soll es in Zukunft musikalisch gehen?

J.T. Able: Chuck Berry hat auf diese Frage mal gesagt: "Meine nächste Platte wird was völlig Neues sein - es geht um Autos, Mädchen - und Chuck Berry singt und spielt Gitarre."
Also, unsere nächste Platte wird mit Sicherheit etwas völlig Neues.

Butcher: Dem ist nichts hinzuzufügen.

HoR: 9. Wie hebt ihr euch von der Masse der anderen Bands ab? Was sind eure Stärken?

Butcher: Wir können als Truppe eigentlich ziemlich humorfreudig und ausreichend selbstironisch sein, ohne zwangsläufig bösartig sarkastisch zu wirken oder das Gesicht vor lauter Blödelei und Nichternstnehmerei dabei zu verlieren.
Wir sind vier Jungs im besten Mannesalter, die wissen, was sie wollen, und das merkt jeder Zuschauer oder Zuhörer eigentlich sehr schnell. Wir stehen mit beiden Füßen auf dem Boden, singen nur von Dingen, von denen wir was verstehen und wer sich auf uns einlässt, fährt nicht schlecht dabei. Wir sind immer unseren Preis wert.

J.T. Able: Wir sind exzellente Performer ... bei unserem Groove verwandelt sich Buttermilch in Bourbon ... unser Shouter bringt jeden Saal zum Toben ... unser Charme wird nur noch von unserer Schönheit übertroffen ... ... you know what I mean ...
(Und ob! Euer Sänger ist wie Claudia Schiffer. Und sie/er säuft wie Harald Juhnke, brüllt wie Schimanski in höchster Erregung und gleichzeitig tanzt ihr allesamt wie Michael Flatley...)

HoR: 10. Was kommt bei euren Live-Konzerten rüber?

Butcher: Von mir auf jeden Fall mindestens 3 Liter Spucke, wirklich unabsichtlich!

J.T. Able: Pure Energie, Leidenschaft, tanzbare Grooves, Spaß und Witz ... ...

HoR: 11. Die CD "Gasoline" kommt musikalisch recht geschlossen daher. Wie sieht es inhaltlich aus?

J.T. Able: Unsere musikalischen Ergüsse sind die gemeinsamen Schwingungen von 4 Leuten. Es ist ein brutal harter Prozess, es wie aus einem Guss klingen zu lassen.
Die Lyrics sind Lebensgeschichten von 4 Leuten - diese sind völlig verschieden, auch wenn manche Gemeinsamkeit bleibt. Davon leben wir - musikalisch eine Einheit, aber jeder erzählt SEINE Geschichten.
Sonst könnten wir den inhaltlichen Spannungsbogen "Motorräder- Mädchen - Macht - Medien - Metastasen" sicher nicht schlagen.

Butcher: Jeder Songwriter, ob nun Able, Greg oder ich, erzählen Geschichten aus ihrer eigenen Erfahrungswelt, die von den anderen aufgegriffen und gemeinsam musikalisch verarbeitet werden. Während sich meine Themenauswahl schwerpunktmäßig aufs Motorradfahren, wilde Party- und Rummachgeschichten und lautmalerische Erfahrungsberichte aus meinen Gefühlswelten beim Beischlaf beschränken, werden bei Greg oder Able öfter tragische Lebens- und Liebesgeschichten erzählt. Doch komischerweise ergänzen sich diese Themen recht prächtig, so dass man immer einen Komplettausschnitt unserer aller Leben vor Augen und Ohren hat.
Ihr habt somit alle an uns und unserem Leben teil und wenn die Show vorbei oder der CD-Player ausgespielt hat, zehrt eigentlich jeder, ob nun Musiker oder Zuhörer, zumindest noch ein paar Stunden von dem Erlebnis, in unsere seltsam schön-skurrile Rock'n'Roll-Welt mit eingetaucht zu sein.
Und immer wenn ich nach einem Konzert den Eindruck habe, die Musik hat mit mir gespielt und nicht ich mit der Musik, war es wirklich gut.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.02.2003

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