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Gute Punkbands sind ja selten, und reine Mädelbands noch seltener. Da sich bei MONSTER MUD gleich beides vereint, nahm das Home of Rock natürlich die Gelegenheit wahr und führte ein Interview mit den Rockgören.
Die Vier nehmen kein Blatt vor's Maul! Lest selbst!
Home of Rock: Erzählt mal was zur Band, wann vom wem gegründet, spielt Ihr noch in Originalbesetzung etc.
Puck: Wir spielen jetzt seit letztes Jahr Dezember in dieser Besetzung. Zora und ich haben vorher in anderen Bands gespielt, wollten aber schon länger was zusammen machen. Ich hab dann Matrix für den Bass angeschleppt und Zora hat die Jule mitgebracht. Dann haben wir ein bisschen rumprobiert, ob wir musikalisch und persönlich zusammen passen. And here we are!
Zora: Mein persönlicher Wunsch war es schon immer, in 'ner reinen Frauen-Combo zu spielen, um dem extremen Männerüberschuss in der Musikszene mal 'n bisschen entgegenzuwirken. Es war allerdings gar nicht so leicht, andere Frauen zu finden, die selber Musik machten, und so spielte ich viele Jahre zusammen mit mehr Männern und wenigen Frauen in Bands.
Als Puck und ich uns kennen lernten, hatten wir beide ne Band. Einige Zeit später ging das mit meiner letzten Band in die Brüche, und so beschlossen Puck und ich uns endlich zusammen zu tun und ne Frauenband zu gründen.
Puck: Wodurch meine andere Band dann auch in die Brüche ging.
HoR: Wie seid Ihr dazu gekommen Musik zu machen?
Matrix: Ich mache Musik, seid ich denken kann. Das ist die beste Kunst, seine Erfahrungen und Gedanken gut verpackt zu verarbeiten. Und es macht höllisch Spaß!!!
Puck: Aus purer Langeweile. Als Matrix und ich damals im Osten groß geworden sind, war ja alles platt gemacht, womit man sich hätte amüsieren können. Da haben sich die Jugendlichen in obskuren Jugendbanden gesammelt und ganze Stadtteile verwüstet. Wir waren natürlich nicht dabei - wir haben direkt ne Band gegründet! Und dann hab ich meine Eltern ein Jahr lang genervt, dass sie mir ne verdammte E-Gitarre schenken sollen. Der Rest ist Geschichte!
Jule: Ich hatte großes Glück. Ich bin über unsere Schlagzeugerin Zora bei der Band gelandet und ich muss sagen, es war einfach saugeil! Die Mädels haben mich einfach mal machen lassen, so als Unerfahrene, das ist meine allererste Band, dafür bin ich ihnen echt dankbar, kein Leistungsdruck! Punkrock sag ich da nur!
Zora: Ich hab schon im Kindergarten Musik gemacht, nur die Instrumente habe ich immer mal wieder gewechselt - Glockenspiel, Gambe, Geige, Gitarre, Schlagzeug... jetzt auch wieder Glockenspiel, und Akkordeon.
Musik zu machen ist einfach geil, ich werde bestimmt nie damit aufhören!!
HoR: Wie läuft bei euch das Songwriting?
Matrix: Mensch Tommi! Ja wie läuft denn das Songwriting bei uns??? Denk
an unsern Vertrag... Das ist ein Prozess, in den alle mit einbezogen sind. Irgendwer hat eine
Idee und spielt sie in der Probe vor. Dann setzen wir uns dran und
basteln alles andere drum rum. Das machen wir auch oft zu zweit oder zu
dritt. Das hat den Vorteil, dass man nicht immer allein die ganze Arbeit
machen muss.
HoR: Wie kommen vier junge hübsche Mädels auf die Idee old schooligen Punk zu machen. Müsstet Ihr nicht eher Britney Spears nacheifern oder zumindest bei Bohlen die Superstar Search mitmachen?
Matrix: Britney ist nur ein weiterer Lemming des oberflächlichen körperlichen Schönheitsideals. Würde sie nicht berühmt sein, wäre sie nur wie die anderen "schönen" Mädels, die mich eher an einen Schluck Wasser erinnern, den man in den Ausguss kippt, damit man frisches nachfüllen kann. Ersetzbar und ohne individuellen Ausdruck...
Annie Lennox oder Shirley Manson (GARBAGE) - das sind schöne Sängerinnen, die auch etwas in ihrer Musik verkörpern.
Bei DSDS können wir nicht mitmachen - Dieter würde heulend auf dem Boden liegen, weil ich ein besseres Songkonzept entwickelt habe, als er für seine 0815-Chart-Lieder benutzt. Das einzige, was ich an dem Typen erstaunlich finde, ist seine Fähigkeit, aus jeder Scheiße Butter zu machen, auch wenn diese schnell wieder schmilzt...
Diese Sendungen suchen für sich perfekt zu modellierende hohle Marionetten, mit denen sie ihre musikalischen Experimente ausprobieren können. Wir würden rein äußerlich schon durchfallen - außerdem haben wir Sinn und Verstand, unser eigenes Ding zu machen. Wir sind nicht so masochistisch, uns von einer Jury und einem sadistischen Telefonvoting psychisch fertig machen zu lassen...
Puck: Was soll das heißen? Sollen wir jetzt auch fett, hässlich und schwanger werden? Die Entscheidung, für die Art von Musik die man macht, hat ja weniger mit "auf die Idee kommen" zu tun. Sollte man nicht einfach das machen, worauf man Bock hat? Wir haben halt auf das Bock, was du Old School Punk nennst. Wobei sich das ja nicht nur auf diese eine Richtung beschränkt. Wir sind gerade noch in der Entwicklungsphase und ein typischer MONSTER MUD-Stil wird sich nach und nach erst entwickeln, auch wenn die Richtung schon klar ist. Bei Bohlen könnten wir damit sicher nicht landen. Der sucht mit seinem Superstar-Kack nur hirnlose Marionetten, die seine ausgelutschten Songs trällern. Für so was sind wir nicht auf diese Welt gekommen. Da wäre der große Gott des Rock'n'Roll mit Sicherheit ganz schön sauer auf uns!
Jule: Nee, das ist doch keine Frage! Ich verbinde meine Attitüde mit der Musik und das trifft Punk-Rock! Der Rest klärt sich von selbst. Popsternchen wie Britney tun mir leid, zudem sind die Aussagen von den meisten Sternschnüppchen des Pophimmels so was von verzerrt und total unemanzipiert - tolles Vorbild! Das kotzt mich an.
Zora: Das ist ja wohl das Allerletzte!! Glücklicherweise gibt es neben dieser ganzen Superstar-Scheiße noch andere Möglichkeiten, Musik zu machen. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass es neben dem ganzen Mainstream noch Nischen gibt, in denen die Leute wirklich ihren eigenen Kram machen, ohne dass irgend jemand sagt, wie was zu klingen hat und welches Outfit Frau tragen soll. Und es ist verdammt wichtig, das an all die jungen, hübschen Mädchen weiter zu geben.
HoR: Wie eingangs schon erwähnt erinnert mich Euer Sound ein bisschen an
die RUNAWAYS. Die RUNAWAYS waren eine der ersten Casting Bands
(natürlich nicht so wie heute übers TV), aber Kim Fowley suchte damals
eine Mädchen Band, und hat auch das Sagen gehabt was Kleidung etc
anging. BIKINI KILL geben übrigens die RUNAWAYS als eine Ihrer
Einflüsse an.
Puck: Das mag ja sein, ich verurteile auch nicht Castings an sich. Es
gibt viele gecastete Bands und das heißt nicht automatisch, dass die
alle talentfrei sind. Mit DSDS hat eine neue, oder besser andere Ära von
Castings begonnen. Hier heißt es nicht mehr, die wirklichen Talente zu
finden, sondern es geht nur noch darum, möglichst viel Kohle zu
scheffeln. Und indem man es öffentlich macht hat man die Chance auf
super Einschaltquoten, je mehr Leute sich blamieren, umso besser. Ich
guck mir das auch gerne an, wenn sich irgendwelche Provinztussen da
hinstellen und loskrächzen, als ob gleich die Welt untergehen würde.
Ganz ehrlich, wenn ein Daniel Kübelböck oder ein Alexander mit dem
Persönlichkeitsprofil einer Scheibe Toastbrot es bis ins Finale schafft,
da muss ich mich doch schon fragen. Letztendlich würde niemand mit
echtem Talent sich solch einer öffentlichen Abschlachtung stellen und
sich von einem Dieter Bohlen, der weder Singen noch Gitarre spielen
kann, nur Müll produziert hat und dessen einziger Verdienst es ist,
dreimal die Woche in der Bild-Zeitung zu stehen, sagen zu lassen, ob man
Talent hat oder nicht. Wirkliche Stars werden nicht bei DSDS geboren.
Und das geht auch nicht über Nacht. Da muss man schon den steinigen Weg
gehen, wenn man es ernsthaft will. Man kann ja auch niemandem, der Arzt
werden will, in drei Wochen erklären, wie das funktioniert und dann ist
er Chefarzt im Krankenhaus. Zum Glück! Ich habe zu dem Thema gerade ein
sehr gutes Buch von Frank Farian, einem der erfolgreichsten Produzenten
der Welt, gelesen. Das kann ich nur empfehlen, es heißt "Stupid dieser
Bohlen".
HoR: Wie kamt Ihr auf die lustigen Namen? Ich dachte, so Pseudonyme sind seit den frühen 80ern wieder out?
Zora: Hää?? Wer sagt, das was out ist? Steht das in der Bravo?!
Matrix: Ich war ja für MATRIX' MUSIKANTENSTADL... ;o)))
Puck: Old School Punk und 80er! Damit wäre die Frage eigentlich schon beantwortet. Wen kümmert es, was in und was out ist. Wer bestimmt das? Die Bild-Zeitung? Die Bravo? Oder ist Stoiber vielleicht der geeignete Mann?
HoR: Ich lese doch keine Bravo. Wer sind Eure (musikalischen) Vorbilder?
Matrix: Die ÄRZTE bzw. Farin Urlaub selber - die Typen können mit jedem Musikgenre einen Hit landen und lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Wenn man sich die ganzen Alben von denen mal durchhört, lassen die wirklich fast kein Experiment aus: Rock, Pop, Schlager, Punk, Metal, Rap, sogar ein Song im Volksmusikstil - echt genial. Ich stehe eh lieber auf (witzig) hintergründige Texte, als stumpfe Parolen, die nur die Aggressivität anfeuern.
Die Inspiration kommt aus mehreren Musikstilen, genauso wie unsere Musik nicht nur eine Sparte abdecken soll. Es gibt für mich nichts, was langweiliger ist, als in jedem Song dasselbe 0815-3-Akkord-Gegröle anklingen zu lassen, nur weil man nicht genug Zeit oder Bock hatte beim Songwriting. Deswegen hasse ich auch diese Fließband-Alben aus den Charts: BANAROO mit "Banaroo's World', Alexander und "Alexanders Welt" - WOW!!!
Puck: Vorbilder in dem Sinne habe ich nicht. Es gibt ein paar auserlesene Bands und Künstler, die ich sehr gern höre. Dazu gehört auf jeden Fall erst mal Rio Reiser, der meiner Meinung nach der beste Texter und Komponist Deutschlands war. Ansonsten läuft bei mir momentan viel BACKYARD BABIES und BONES. Aber auch die Klassiker wie RAMONES, CLASH und SOCIAL DISTORTION. Grrrrr! Und bei den ÄRZTEN schließe ich mich Matrix gern an.
Jule: Ich mach mein eigenes Ding, aber die Musik, die ich so höre, beeinflusst mich bestimmt. Wir haben ja auch ein Cover von BIKINI KILL. Die Musik und die Einstellung von denen ist total o.k.!
Ich nehme mir Beispiele an allen möglichen lokalen geilen Frauen- und Schreigesängen und lerne für mich dazu.
Zora: Meine musikalischen Vorbilder sind vor allem NO MEANS NO, BUBONIX, SPERMBIRDS, DEAD KENNEDYS und IRON MAIDEN. Sehr wichtig sind für mich auch Bands wie RAZZIA und NEUROTIC ARSEHOLES. Genauso ein "Vorbild" ist für mich aber auch Camille Saint-Saens und andere klassische Komponisten. Hauptsache nicht zu einfach, immer schön frickelig und auf keinen Fall zu lieb!!
HoR: Gigs? Wie läuft's, wie ist die Resonanz?
Matrix: Das übliche: positive und negative. Wir sind ja auch noch in der Entwicklungsphase und wachsen mit jedem Konzert. Wir spielen seit fast einem Jahr zusammen und hatten schon drei Konzerte, da kann man keine Wunder erwarten. Aber man kann sehen, ob das Zusammenspiel der Bandmitglieder und das Songwriting funktioniert oder nicht. Ich finde, dass wir beide Kriterien sehr gut erfüllen, der Rest kommt dann von selbst. Bei den besten Bands kommen Textaussetzer oder musikalische Fehler bei ihren Liveauftritten vor - nobody is perfect!!!
Puck: Wir haben im Mai und Juni ein paar Gigs gespielt. Es hat total Spaß gemacht und man merkt, dass die Chemie in der Band stimmt. Und es rockt unheimlich! Wenn was schief geht, erhöht das nur die Spannung! Was wir nach den Gigs an Feedback vom Publikum bekommen haben war eigentlich durchweg positiv. Es ist cool, wenn die Leute das mögen, was du machst. Dann macht es plötzlich alles Sinn.
Zora: Bei dem Konzert in Köln mit BACK CHATS im ausverkauften Sonic Ballroom ging schon ganz gut die Post ab. Eigentlich wird's von Mal zu Mal cooler.
HoR: Was war Euer bester Gig bisher?
Matrix: Lux. Der Schweiß läuft am ganzen Körper herunter, das Adrenalin steigert die Stimmung! Das war voll geil!!!
Puck: Das war definitiv unser letzter Gig im Lux in Ratingen, wo wir zusammen mit MOLOTOW SODA gespielt haben. Das war die wirkliche Rock'n'Roll-Hölle! Und in unserem "Wohnzimmer", dem Sonic Ballroom war's natürlich auch super! Nä, Mädels?
Zora: Der letzte in Ratingen. Da hat echt alles gestimmt! Sogar mit Sauna inklusive. Also wer reich ist und das hier liest, kann ja dem Lux eine ausreichende Lüftungsanlage zukommen lassen.
HoR: Mit wem würdet ihr gerne mal auftreten?
Matrix: Einmal mit Elvis "Viva Las Vegas" - das wäre ne geile Sache. Aber als ich ihn neulich auf dem Ring traf, sagte er, dass er doch langsam zu alt wird für seinen berühmten Hüftschwung. Nix mehr mit Elvis the Pelvis!
Ich weiß, dass ich mit dem Wunsch in der Band alleine dastehe, aber wenn dann würde ich gern mit GARBAGE oder RED HOT CHILLI PEPPERS (z.B. auf einem Festival) spielen. Die wissen es, wirklich gute Konzerte zu machen und die Bühne zu rocken.
Puck: Die sind alle schon tot! Nee Quatsch. Udo Lindenberg, auch wenn mich jetzt alle für krank halten. Ist auch ein sehr cooler Musiker, der in seinem Leben viel erlebt hat. Ansonsten spiel ich immer gern mit anderen Bands zusammen, die nett sind und gut drauf.
Zora: Gerne mit den genannten Bands!! Vielleicht lassen sich die alten Herren von NO MEANS NO ja noch mal auf den Nachwuchs ein.
HoR: Pläne für die nächste Zeit?
Matrix: Dass das Leben weiter so entspannend und vielversprechend verläuft.
Puck: Kiffen, ficken, kiffen, ficken, kiffen, ficken. Und ganz viel spielen! Unter anderem werden wir in Mannheim beim Ladyfest spielen (www.ladyfest-mannheim.de). Darauf freuen wir uns schon ganz besonders.
Zora: So oft wie möglich spielen und bald ein neues Demo aufnehmen.
HoR: Habt eine Demo-CD, verschickt Ihr sie an Interessenten?
Puck: Anfang Oktober werden wir voraussichtlich ein Demo machen. Das kann man dann auch gern für zwei Eimer Matsch bei uns bestellen.
Die Kontaktadresse findet man auf unserer Homepage unter www.bonn-duell.de.
Zora: Da gibt es bald auch ein paar Stücke zum reinhören.
HoR: Ich danke Euch fürs Gespräch!
Also Leute, Matsch sammeln bis zwei Eimer voll sind und weiter Home of Rock lesen. Wenn es was neues von MONSTER MUD auf dem Weg zur Weltherrschaft gibt, erfahrt Ihr es hier zuerst!
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