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My Morning Jacket

"Ich würde es Rock'n'Roll nennen..."

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Fotos:
Ralf Stierlen

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My Morning Jacket
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Nachdem MY MORNING JACKET nicht nur ein vorzügliches Album mit "It still moves" herausgebracht haben, sondern auch mal wieder außerhalb des amerikanischen Kontinents unterwegs waren (siehe auch Konzertbericht aus Berlin), hatte ich die Gelegenheit zu einem Interview per E-Mail. Sänger, Gitarrist und Mastermind Jim James war so nett, die von mir gestellten Fragen zu beantworten.

Home of Rock: Wie würdet Ihr den Sound von MY MORNING JACKET für jemand beschreiben, der Euch noch nie gehört hat?

Jim James: Ich würde es Rock n Roll nennen.

HoR: Sehr wichtig für den Sound von MY MORNING JACKET sind die Gesangseffekte. Kannst Du sie erläutern und wie werden sie auf der Bühne umgesetzt?

J.J.: Es ist Hall. Ich liebe sämtliche Arten von Hall und benutze sie auch, am liebsten natürlichen Hall, wie in einer Garage, einem Silo oder unter einer Kuppel. Da wir natürlich solche Dinge nicht mit uns herumschleppen können, müssen wir den Hall digital erzeugen, was aber auch Spaß bringen kann.

HoR: Euer letztes Album "It still moves" war Eure erste Veröffentlichung auf einem Major Label. Was war für Euch der Unterschied bei der Produktion im Vergleich zu vorher?

J.J.: Es gab keine großen Unterschiede, wir haben es am selben Ort aufgenommen, wir hatten ein bisschen neues Equipment und einen Techniker für die Aufnahme des Albums. Ich würde sagen, der größte Unterschied war, dass wir zuvor sehr viel live gespielt haben. Deshalb ist das Album eher wie eine Liveaufnahme.

HoR: Was bevorzugt Ihr: Die Arbeit im Studio um ein großes, möglicherweise zeitloses Album als Abbild Eures Schaffens zu kreieren oder Eure Musik live auf der Bühne zu spielen?

J.J.: Ich denke, es muss beides in der richtigen Balance sein. Wenn du ständig im Studio eingeschlossen bist, kannst du verrückt werden. Wenn du dagegen ständig tourst, kannst du erst recht verrückt werden.

HoR: Die Musik von MY MORNING JACKET wäre ideal als Soundtrack geeignet. Wenn Du die Wahl hättest, für welche Art von Film würdest Du gerne die Musik beisteuern?

J.J.: Ich liebe Filme und Filmmusik und hoffe, möglichst viele Soundtracks für alle möglichen Filme machen zu können. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich dazu die Gelegenheit bekomme.

HoR: Was für Musik hörst Du gerade? Gibt es irgendwelche Einflüsse auf Eure Musik oder Liveinterpretation durch andere Musiker?

J.J.: Alles kann ein Einfluss sein, egal ob es gut oder schlecht ist. Wenn ich etwas höre, das wirklich nervt, denke ich "Mann, ich will nicht wie das klingen" und wenn ich etwas schönes höre, möchte ich es als Anregung aufnehmen, etwas zurechtbiegen und für mich übernehmen.

HoR: Wie wichtig ist Euch der visuelle Aspekt bei Euren Shows?

J.J.: Nicht sehr wichtig. Ich wünschte, die Leute wären geblendet wenn sie zu einem Konzert gehen, so dass sie nur der Musik zuhören müssen. Ich denke, wenn dies der Fall wäre, gäbe es eine ganze Menge Bands, die dann weniger populär wären.

HoR: Seid Ihr zufrieden mit dem europäischen Publikum? Gibt es irgendwelche lokalen Unterschiede?

J.J.: Jeder Ort ist unterschiedlich, manchmal ist das Publikum ruhig und respektvoll, wieder andere sind sehr wild. Ich mag eine gute Balance, ein Publikum das bei den rockigen Stücken richtig wild wird und bei den langsamen Songs ruhig bleibt.

HoR: Was war der beeindruckendste Moment in Deiner Karriere als Musiker? Was ist, wenn wir von Musik sprechen, Dein Ziel für die Zukunft?

J.J.: Ich kann keinen einzelnen beeindruckenden Moment benennen. Ich mag einfach das Gefühl, dass du weißt, du kannst mit jemandem auf einer engen, persönlichen Ebene verbunden sein. Ich habe kein bestimmtes Ziel für die Zukunft, ich will das Gefühl haben, geleitet zu werden und hoffe, dass ich in der Lage bin, zu folgen.

HoR: Was ist Dein Kommentar zum heutigen Musikgeschäft?

J.J.: Ich bin kein großer Fan davon, es richtet sich zu sehr nach Mode, Schnickschnack und Medienrummel. Ich denke, dass war schon immer so. Ich war noch nie ein Fan des Musikgeschäftes. Ich sehe so viele großartige Musiker, die nicht wahrgenommen werden und andererseits so viele untalentierte Firlefanzgruppen, die auf eine Unmenge von Fans herabblicken können. Es ist einerseits ein sehr entmutigendes Geschäft, aber auf der anderen Seite macht es auch Spaß und ist eine Herausforderung, weil du deinen Gegner kennst, du weißt wogegen du bist und du möchtest es ändern und gibst dein Bestes dafür.

HoR: Was hältst Du vom Internet? Ist es für Dich als Musiker wichtig?

J.J.: Ja, das Internet ist sehr wichtig, gerade für kleinere Bands ist es ein hervorragender Weg für sich zu werben.

(Teilweise etwas freie) Übersetzung: Ralf Stierlen

Ein ganz herzlicher Dank gilt neben Jim James, der sich die Zeit zur Beantwortung der Fragen genommen hat, Ute Miehling von Strunz! Enterprises, ohne die dieses Interview nicht möglich gewesen wäre.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 18.11.2003

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