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Kurz vor ihrem Gig in der Grugahalle, als Support der diesjährigen HIM Tour, hatte ich die Möglichkeit mit NEGATIVE Gitarrist Larry Love zu sprechen. Gemütlich im warmen Bandbus sitzend, hatte er folgendes zu erzählen:
Larry Love: Ich hoffe, Dir macht es nichts aus, dass ich rauche?
HoR: Nee, kein Problem. Erzähl unserem Lesern mal was über die Band!?
L.L.: OK, Ich heiße Larry, ich spiele Gitarre. Ich bin, glaub ich, 2001 eingestiegen. Das da ist Christus [auf den am Nebentisch sitzenden Sir Christus zeigend], er spielt auch Gitarre und ist der Band kurz nach mir beigetreten. 2001 oder 2002, ich weiß nicht mehr genau. Dann gibt's noch Antti, den Bassisten, er ist schon lange dabei, 1999 oder so. Jonne, der Leadsinger und Jay an den Drums sind Gründungsmitglieder. Sie haben die Band 1997 gegründet. Und dann gibt's noch Snack an den Keybords, er ist der letzte der zu uns gestoßen ist, ich glaube das war 2003. oder so. [Christus amüsiert sich inzwischen königlich über Larrys Datengedächtnis]
HoR: Für eine skandinavische Band seid ihr ja recht bunt angezogen, nicht diese Bleiche und schwarze Kombination, die viele Bands heutzutage bevorzugen. Ihr erinnert ein wenig an HANOI ROCKS aus den 80ern.
L.L.: Wir haben sogar mit ihnen gespielt. Unser Outfit ist nichts geplantes, wir sehen einfach so aus. Manchmal trage ich auf der Bühne schwarz, manchmal bunte Sachen. Das ist mehr oder weniger Zufall.
HoR: Warum denkst Du, dass so viele Bands aus Skandinavien so pessimistisch in die Welt schauen? Ich meine euer Bandname ist NEGATIVE.
L.L.: [lacht] Yeah, ich weiß nicht. Vielleicht liegt's am Kaffee, der ist in Finnland sehr stark. Es gibt ne Menge depressiver Leute da, die 'ne Menge Alkohol trinken, es ist kalt draußen und dunkel. Wir Finnen sind halt dunkler als Leute anderswo.
HoR: Naja, LORDI sind ja auch nicht so depressiv wie HIM zum Beispiel, und ich sehe euch da ähnlich. Die Musik ist irgendwie "more happy".
L.L.: Wir sind beinahe die einzige richtige Rock'n'Roll Band in Finnland. Ich glaube deswegen verkaufen sich die Alben so gut. Natürlich gibt es noch mehr Rock'n'Roll Bands in Finnland, unsere Idole kommen aber aus den 80ern, AEROSMITH, SKID ROW, ALICE COOPER, GUNS AND ROSES, HANOI ROCKS, all so was. Das war nicht geplant so was zu machen, es ist einfach wie wir spielen. Und ich denke, dass jeder von unserem dritten Album überrascht sein wird. Es ist wesentlich melancholischer.
HoR: Melancholischer? Ich habe ja auch euer erstes Album, "War Of Love", das es nur in Finnland gibt, und ich denke, dass es ein sensationelles Album ist. Euer zweites Album ist wesentlich glatter, die Keyboards sind dominanter.
L.L.: Ja, das lag daran, dass Snack [(der Keyboarder)] zu dem Zeitpunkt der Band beigetreten ist, und wir waren so aus dem Häuschen darüber was er alles konnte, dass wir ihm auf dem Album einen größeren Rahmen einräumen wollten. Dadurch wurde das ganze wesentlich smoother. Aber das nächste Album wird wieder wesentlich rockiger, back to the Roots. Aber auch wesentlich schizophrener und die Texte sind ganz anders.
HoR: Nachdem SENTENCED nicht mehr da sind, wollt Ihr ihren Platz?
L.L.: Würde ich nicht direkt so sagen, aber so was Ähnliches. Sicherlich hat diese Band wunderschöne Songs gemacht, aber auf dem neuen Album können schöne Songteile sein, und plötzlich wird alles total crazy und richtig aggressiv.
HoR: Wann soll das Album rauskommen?
L.L.: Im August oder September.
HoR: Irgendwelche Pläne euer erstes Album "War Of Love" in Europa raus zu bringen?
L.L.: Hmmm. ich weiß nicht. ich wüsste nichts davon, aber frag unsere Plattenfirma. [und da die am Nebentisch saß kann ich sagen: Leider nein!]
HoR: Eure aktuelle Single ist vom ersten Album, und Inspiration ist ein fantastischer Song, ich liebe ihn!
L.L.: Ja?!
Sir Christus: Thank You.
L.L.: Deswegen spielen wir ihn auch andauernd bei den Liveshows. Ja, das ist ein toller Livesong.
HoR: Wie nehmt Ihr auf? Geht Ihr mit fertigem Material ins Studio.
L.L.: Ja, aber das wird dann meist noch mal geändert, der Produzent redet da mit.
HoR: Nehmt Ihr die Instrumente getrennt auf?
L.L.: Ja, jeder macht seinen Part für sich, und am Ende wird alles zusammen gemixt. Ich habe noch keinen kompletten Mix der neuen Platten gehört fällt mir grade auf.
HoR: Was bedeutet der Bandname NEGATIVE? [ürxs, dem Leser wird an dieser Stelle warm ums Herz und er lässt die Sonne ins Lesezimmer... Red.; Abt. Positives Denken]
L.L.: Ich glaube nicht, dass er irgendeinen tieferen Sinn hat, Jonne war 15 oder 16 Jahre als er sich den Namen ausgedacht hat. Ich denke es hat was mit der Einstellung als Teenager zu tun. In dem Alter ist alles Negativ. ich weiß nicht. frag besser Jonne! [lacht] Ist halt ein Name, macht sich gut auf dem Papier. Mann kann ihn sich gut merken!
HoR: Schon mal rausgeguckt? [ich zeige auf die im Regen wartenden Fans vor der Halle]
L.L.: Ja, klar. Looks nice!
HoR: Stimmt es, dass die Mädels ihre Freunde in eure Shows tricksen.
L.L.: Wie?
HoR: . in dem sie sagen, sie gingen zu einer TYPE O NEGATIVE Show?
[allgemeines Gelächter]
L.L.: Nee!??
HoR: Sogar ein Kollege von mir hat gefragt, ob ich Pete Steele interviewen würde.
L.L.: [immer noch lachend] Und was hat er gesagt?
HoR: Ich glaube, er kannte euch gar nicht.
[ wieder allgemeines Gelächter]
HoR: Das ist hier eh ein Problem, ihr lauft auf MTVIVA und seid somit für das Gros der Rocker gestorben. Ihr seid Chartmaterial. Popmusik sozusagen.
L.L.: Verstehe ich sogar. In Finnland ist es noch schlimmer! Hier gehen die Jungs ja noch ab. Aber in Finnland sind die Jungs noch schüchterner. Die wollen nicht zugeben, dass sie die gleichen Bands mögen wie die Mädchen.
HoR: Habt ihr denn keine Angst die "echten Rockfans" (was immer das ist) zu verlieren?
L.L.: Nein, weil ich so überzeugt von dem nächsten Album bin. Das wird ihre Augen öffnen. Das ist wieder ein echtes Rock'n'Roll Album.
HoR: Ich will Euch nicht den gleichen Weg gehen sehen wie THE RASMUS, die hatten hier ihre Hits hatten. Jetzt kräht zumindest hier kein Hahn mehr nach denen. Ich weiß allerdings nicht wie es in Finnland ist.
L.L.: Also, die sind noch recht groß, aber ich habe keine Ahnung was die an Platten verkaufen. Ich glaube aber, dass sie mit dem neuen Album nicht so erfolgreich sind wie mit dem letzten.
HoR: Ich war erstaunt, die auf dem Billing zu sehen.
HoR: Heute ist der erste Tag der Tour. Nervös?
L.L.: Nee, nicht nervös. Nur so ein irreales Gefühl. Mehr so "Was passiert heute Abend?". Aber ich denke es wird klasse.
HoR: Wie lang dürft Ihr spielen?
L.L.: So um 35 Minuten. Ich weiß nicht, wie strikt die mit der Spielzeit sind.
HoR: Ihr habt die anderen Bands noch nicht getroffen?
L.L.: Nein noch nicht. Ich war die ganze Zeit hier im Bus. Nur heute Morgen war ich drüben in der Halle.
Sir Christus: Heute Morgen??
L.L.: Ja, das war mein Morgen, weißt Du! [Allgemeines Gelächter]
HoR: Vor 2 Stunden oder was?
L.L.: Ja, so ungefähr. ich wollte was essen.
HoR: Habt Ihr auch noch nie mit den Bands in Finnland gespielt?
L.L.: Doch, mit HIM am letzten Silvester beim Helldone Festival in Tavastia, Helsinki. Und mit THE RASMUS, irgendwann als wir unser erstes Album raus hatten. Und wir waren der Support für THE RASMUS.
HoR: In Japan seid Ihr auch recht groß?
Sir Christus: Nee.
L.L.: Nicht mehr wirklich. Ist lange her, dass wir da waren, aber da waren die Läden voll, und die CDs verkaufen sich dort ganz gut.
HoR: Und die CDs haben Bonus Tracks.
L.L.: Ja. Die wollen das da so.
HoR: Warum?
L.L.: Weiß ich nicht, sind halt Japaner. [lacht]
[Nach einer kurzen Lektion in Internationalem Marketing von der zauberhaften Sylvie von Roadrunner Records wissen wir nun, dass die Japaner Angst haben, dass die wesentlich billigeren EU CDs importiert werden und der hausgemachte teure Krempel in den Läden liegen bleibt, also macht man spezielle Zusatzsongs]
L.L.: So, jetzt weiß ich warum.
HoR: Wieder was gelernt. Und Ihr verbringt jetzt euren Tag so, im Bus, rauchend [grade wurde wieder ein überfüllter Ascher gelehrt und gegen einen "Größe Suppenteller" ausgetauscht], Interviews gebend und auf die Show wartend?
L.L. & Christus: Im Prinzip schon.
HoR: Danke fürs Gespräch und viel Spaß bei der Show!
L.L.: Ich danke!
Einige Stunden später legten die Jungs dann einen geilen Set hin, ich freu mich auf das neue Album und die hoffentlich anstehende Tour im Herbst.
Special Thanks gehen an Sylvie Atterer von Roadrunner Records, die dieses Interview ermöglicht hat.
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