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Interviewmarathon Teil 2 für Jörg und Metalharry. Nach dem Gespräch mit Joacim Cans ließ man die beiden auch noch auf die wehrlosen Alex Beyrodt und DC Cooper von SILENT FORCE los.
Home of Rock: Hi DC, Hi Alex. DC, wo kommst Du her?
DC Cooper: Pittsburgh, PA.
HoR: Und Du bist wegen der Show extra aus USA angereist?
DC: Yeah. Ich bin schon einige Tage hier, weil wir noch in Wuppertal geprobt haben.
Alex: Wir haben da einen festen Proberaum. Ist fest angemietet, da können wir immer rein. Einer von uns wohnt in Remscheid, einer in Wuppertal. Der Proberaum ist so halbwegs zentral.
HoR: DC, Du warst einer der Topkandidaten um Rob Halford bei JUDAS PRIEST zu ersetzen. Denkst Du, Du hättest einen guten Job gemacht?
DC: Ja, ich denke schon das ich das hätte. Ich war einer der letzten vier. Ich denke Priest wäre dann in eine andere Richtung gegangen, als sie es jetzt gemacht haben. Aber eigentlich wollte ich den Job gar nicht.
HoR: Ich denke Du hast einen total anderen Stil. Es gibt Ähnlichkeiten zu Rob in den Höhen, das ist es aber auch.
DC: Ja. Das ist richtig
HoR: Ripper hingegen war ja ein totaler Halford Clone. Selbst die Bewegungen hat er kopiert.
DC: Ja. Das ist auch sicher das was die Fans eher wollten. Das lustige dabei ist nur das Priest gesagt haben sie suchen gar keinen Sänger der wie Rob Halford ist. Und dann haben sie ihn angestellt. Ripper war noch nicht mal einer der letzten vier. Er hat kurz vor Schluss ein Videotape geschickt, und "Ah... das isser" haben die andern gesagt.
HoR: Wer waren die anderen drei?
DC: Ahhh... einen kannte ich nicht... den einzigen den ich kannte war Ralf Scheepers.
HoR: ... von PRIMAL FEAR.
DC: Yepp. Aber ich wollte den Job nicht. Zu der Zeit war ich bei ROYAL HUNT. Wir haben gut verkauft, gut getourt. Alles lief hervorragend. Ich denke nicht, dass ich Royal Hunt für den Job verlassen hätte. Ich wollte nur sehen wie weit ich komme. Es war ein Highlight meiner Karriere, ich war sehr geehrt vorsingen zu dürfen. Einfach in einem Raum mit Priest zu sein und deren Lieder zu singen.
HoR: Wo waren die Auditions?
DC: England. Aber ich wollte den Job echt nicht. Ripper, weißt Du... sorry Tim, ich mag Dich wirklich gerne... wird immer bekannt sein als der Mann der Rob Halford bei Judas Priest ersetzte. Bei jedem Interview wird man ihn fragen wie war's bei Judas Priest?
Eventuell wird er mal auf seine Weise berühmt. Aber auch ich bekomme immer noch Fragen nach Royal Hunt gestellt.
HoR: Hast Du die reunited Priest schon gesehen?
DC: In 2 Wochen sehe ich sie. In Pittsburgh. Habt Ihr schon?
HoR: Ja. vor einigen Wochen. War aber nicht wirklich toll. Die Chemie fehlte.
DC: Das ist bei vielen Reunion-Bands. Alex hat vorhin schon in einem Interview gesagt: Im Moment liegen die Jungs auf dem Hackbrett und haben die Chance Heavy Metal zu ändern. Wenn das neue Album rauskommt, und "it kicks ass"...
Alex Beyrodt: ... wird es die ganze Welt verändern.
DC: YES!
HoR: Bei uns laufen ja noch Wetten, dass nie ein neues Album kommen wird.
A.B.: Echt?
HoR: Yupp. So a la BLACK SABBATH.
Ihr habt ja auch All Guns Blazing aufgenommen! War das, um zu zeigen wie Priest mit Dir geklungen hätte?
DC: Ja, genau. Wir sind alle Priest Fans. Und mit dem Song haben wir gezeigt wie es wohl gewesen wäre.
Alex: Wir waren im Proberaum, und plötzlich stimmt DC die ersten Strophen an... Wir dachten nur: Geil! Dann haben wir angefangen das Stück live zu spielen. Meist als letzter Song.
DC Cooper singt
(anhören mit RealPlayer)
Irgendwann fühlte sich der Song dann an als ob er von uns wäre. Der nächste logische Schritt war dann den Song aufs Album zu packen.
DC: Das Problem ist, dass es uns als Band nicht sehr geholfen hat. Aber du lebst und lernst. Wir haben es halt getan.
[Wir fragen uns in der Redaktion die ganze Zeit, warum unsere beiden Abgesandten den armen DC Cooper zum singen in eine Blechbüchse gesperrt haben. Der Gesichtsausdruck von Alex Beyrodt spricht Bände...]
HoR: Okay, beenden wir das Thema. Warum SILENT FORCE als Bandname? Ihr seid definitiv nicht still.
DC: Das ist nur ein Wortspiel. Wir sind bei unseren Liveshows sicherlich eine Kraft. Wir versuchen soviel Energie in unsere Liveshows zu bringen wie wir nur können.
Heute Abend war der erste gemeinsame Liveauftritt seit November 2004. Wir haben eine kleine Pause eingelegt, mein Sohn wurde geboren Alex hat geheiratet und war mit seinem Firma beschäftigt. Unser Drummer hatte eine Rückenoperation. Aber die Auszeit hat meiner Meinung nach zu einem sehr guten Album geführt.
HoR: Ich habe noch nichts vom neuen Album gehört.
DC: Nicht? Da müsst Ihr aber Promos bekommen. Das müsst Ihr heute Abend im Auto hören wenn ihr nach Hause fahrt (leider waren aber keine Promos mehr da, und die Chronisten mussten zu den Tönen der neuen SAXON CD nach Hause brettern).
[Die Redaktion vermutet, es handelte sich um den Song "To hell and back again" und der ist mitnichten neu...]
HoR: Teilweise klingt Ihr ein wenig nach QUEENSRYCHE.
A.B.: Joooo... Jaaaa...
DC: Wir sind sicherlich von bestimmten Bands beeinflusst worden. Und wenn Du genau hinschaust, alle Bands auf dem Markt hören sich irgendwie wie eine andere Band an.
Die einzige Band die ich in den letzten Jahren gehört habe die etwas neues gemacht hat ist RAMMSTEIN. Irgendwie haben die Disco und Metal zusammengepackt. Als ich das zum ersten Mal gehört habe... Wahnsinn. Ansonsten kenne ich keine Band die wirklich originell ist. Jeder Rhythmus wurde schon gespielt.
HoR: Man kann die Musik nicht neu erfinden. Jeder junge Gitarrist ist von einem älteren beeinflusst.
DC: Genau. Die einzige Möglichkeit was neues zu bekommen wäre - das wird zwar nie passieren - wenn vierzehnjährige Kids die zusammen aufgewachsen sind eine Band gründen ohne jemals Radio oder Platten gehört zu haben und nur das spielen was sie fühlen.
HoR: Die müssten ja dann irgendwo in einem Loch gelebt haben.
DC: Ja. Genau.
HoR: Du magst also Rammstein?
DC: Ja. Absolut. Die sind brillant.
HoR: Kennst Du SUBWAY TO SALLY? Die machen auf dem neuen Album ähnliches. Mit mittelalterlichen Klängen vermischt.
DC: Nein, kenne ich nicht. Wie heißt das Album? Ich muss eh noch einige CDs kaufen bevor ich abfliege. Ich denke wir haben uns mit dem neuen Album auch von den anderen abgesetzt.
Das erste war ok, wir waren als Band neu zusammen. Das zweite Album war wesentlich besser, aber wir haben halt dieses Priest Cover draufgehabt, was überhaupt nicht geholfen hat.
HoR: Auch der Titletrack...
DC: Ja auch der war sehr Priest-like. Mit diesem Album jetzt haben wir uns selbst gefunden.
Für uns funktioniert es sehr gut, ich hoffe, jeder sieht das so, oder zumindest einige.
HoR: Welche Altersgruppen kommen zu Euren Shows? Eher die Älteren?
DC: Verschieden. Als wir 2004 in Atlanta, Georgia gespielt haben waren sehr viele junge Leute da. Ich gehe nicht zu vielen Shows, ich arbeite viel, produziere, ich war bei DREAM THEATER im Juni und 60 Prozent der Leute da waren 18-20 Jahre alt.
HoR: Viele alte Bands touren ja wieder in USA. POISON zum Beispiel.
DC: Ja. Poison machen das schon eine Weile, die waren auch einige Male in Pittsburgh. Die zähle ich auch unter Nostalgie. Die machen es wegen dem Geld. Sie haben ja auch keine neuen Songs, spielen nur ihre alten Sachen. Mann, ich will dich doch was neues hören!
HoR: Vor einigen Wochen spielten auf dem Rock Hard Festival einige alte Bands. METAL CHURCH, EXODUS, KROKUS waren klasse!
A.B.: ... die können echt spielen.
DC: Es liegt daran, wie viel Herzblut du reinlegst. Daran erkennst du auch ob eine Band spielt weil sie es liebt, oder nur des Geldes wegen macht.
HoR: Und welche Pläne habt Ihr jetzt? Promotion, Tour?
DC: Da musst Du echt die Plattenfirma fragen ob die was geplant haben. Was cool ist, ist dass wir in 1 oder 2 Wochen über die Website einen kostenlosen Song zum Download anbieten werden. Du kannst dir auch ein Cover runterladen und dir deine eigene CD basteln.
HoR: Dreht Ihr auch ein Video?
A.B.: Nein... das macht keinen Sinn.
DC: Nein...
A.B.: Weißt Du, so ein Video kostet soviel Geld, dann schickste es nach MTV und die schauen es sich noch nicht mal an!
HoR: Der einzige Sender in Deutschland der Metal Clips spielt ist VivaPlus.
A.B.: Ja... nachts um 12 Uhr...
HoR: Also jetzt steht dann touren, touren, touren an?
DC: Ja. Die Plattenfirma soll lieber das Geld für das Video in unsere Promotion stecken.
Anzeigen in Magazinen, Radio-Werbung und so was. Mit ROYAL HUNT haben wir glaub ich 4 Videos gemacht. Es hat Spaß gemacht. Es war cool. Bei einem hatten wir 80 Statisten. War klasse. Aber am Ende? Viel gebracht hat es nicht. In unserem Fall liegt es jetzt and der Plattenfirma und den Journalisten uns zu promoten. Wir tun unser Möglichstes zu helfen. Machen Interviews, ich setze mich in den Flieger und komme rüber wann immer es nötig ist. Aber den größten Teil den wir machen konnten haben wir jetzt erledigt.
HoR: Einige Tipps für Sänger? Gibst Du besonders acht auf Deine Stimme? Du rauchst, Du trinkst...
DC: Ich bin kein starker Raucher und kein starker Trinker. Na ja, heute Abend bin ich vielleicht ein starker Trinker... Das einzige was ich jemanden der Sänger werden will mit auf den Weg geben kann ist: Sei sicher, dass du tief in deinem Herzen spürst, dass du singen willst.
Du musst nämlich eine Menge aushalten - wenn du gut sein willst. Wenn du Spaß haben willst. Gut! Ohne Spaß geht's nicht. Es gibt auch eine Menge Druck. Du musst dir darüber klar sein, dass du für immer singen willst. Und dann auch machen musst.
Es gibt so viele Sänger da draußen. Ich bin ja auch Gesangslehrer, und was ich jungen Talenten sage ist: Werde eins mit Deinem Körper. Es geht nicht nur darum von hier zu singen (zeigt auf die Brust) oder von hier (zeigt auf den Kopf). Du musst den ganzen Körper benutzen. Wann immer du meinst du hast etwas gut gesungen, dann stoppe. Überlege dir, was genau habe ich jetzt gemacht. Wie hat es sich angefühlt. Und versuche es dir für später zu merken.
HoR: Seit wann singst Du?
DC: Seit ich 14 bin.
HoR: Und Du hast mit einer Lokalband angefangen?
DC: Mein erster Auftritt war mit meinem Onkel. Der hat mich singen gehört und gesagt komm mit.
HoR: Wer sind Deine Vorbilder?
DC: Da gibt's einige... meist die mit einem größeren Stimmumfang, wie Geoff Tate, James Taylor, Aaron Neville, ich bin ein großer Fan von Pavarotti.
HoR: Hast Du mal selbst versucht wie Pavarotti zu singen?
DC: Ich hab es sogar gelernt. In Pittsburgh und New York!
HoR: Nie Stimmprobleme gehabt?
DC: Vor einigen Jahren hatte ich Knötchen auf den Stimmbändern. Ich bin dann operiert worden. Das lag damals an meinem Livestyle. Zu viele Drinks, zu viele Partys, zu viel Sex...
Wir spielten damals 6-7 mal in der Wochen (es war eine local Band). Das war eine der schwersten Zeiten meines Lebens. Ich hatte keine Angst, dass ich sterben müsste oder so, aber ich wusste ja nicht ob ich noch eine Stimme hatte wenn ich wieder aufwachen würde. Es war eine 50:50 Chance. Es kann besser sein, es könnte auch das Skalpell ausrutschen. Ich musste sogar einen Wisch unterschreiben, dass ich das in Kauf nehme. Das war schrecklich. Weil das einzige was ich wollte war singen! Das ist mein Leben.
Seit das passierte sind einige Jahre vergangen, und seitdem bin ich von vielen Dingen nicht mehr so gestresst. Passe besser auf mich und meinen Körper auf. Grade eben war mir auch etwas schwindelig auf der Bühne. Da musste ich für einen Moment innehalten und was trinken. Ich bin noch nicht ganz fit, ist ja eine Weile her seitdem wir zusammen auf der Bühne standen.
HoR: Noch weitere Pläne? Ein Soloalbum?
DC: Ja, mein Soloalbum kommt bald. Ich mache so viele Dinge. Das ist das tolle an Alex, wir sind zwar eine Band und ich arbeite gerne mit Alex zusammen, ich arbeite aber auch gerne mit anderen Leuten zusammen. Ich muss ab und zu Abstand zur Band haben. Alex respektiert das. Viele Bands sehen das nicht gerne.
Auf der anderen Seite kenne ich Sänger, deren Namen ich jetzt nicht nennen möchte, die meinen Respekt verloren haben, weil sie so viele Projekte machen, aber nie mal eine eigene Band. Auch wenn Alex woanders mitspielen kann. Super. Mann sieht wie andere Bands arbeiten und kann daraus nur lernen. Und außerdem muss man ja auch Geld verdienen.
HoR: Wie liefen die Aufnahmen zum neuen Album?
DC: Gut.
HoR: Warst Du hier? Oder die Jungs drüben bei Dir?
DC: Das war eine Mischung. Getroffen haben wir uns, als wir die Basissongs aufgenommen haben. Wir haben viel gejammt. Jeder hat auch für sich gearbeitet, ich in USA, Alex hier. Gott sei Dank dem Internet oder Expressmail. Manchmal hat's auch 3 Wochen gedauert bis neue Ideen weitergereicht wurden. Das ist das Gute an Alex und der Band. Wir sind erwachsen und professionell genug um das zu tun was von uns erwartet wird. Wann immer ich rüberkomme, erwarte ich, dass die Jungs vorbereitet sind. Wenn ich ankomme will ich sofort loslegen können. Ich habe in USA geübt, die Jungs hier. Und es funktioniert bestens.
HoR: Vielen Dank für das Gespräch.
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