|
Im Vorfeld der zu erwartenden Veröffentlichung ihres neuen Albums "Dark Angel" hatte ich das Vergnügen mit den beiden Röhren von SMOKE BLOW, Jack Letten und MC Strassenköter ein kurzes Interview in den Räumen von Nois-O-lution in Berlin-Kreuzberg zu führen. Jack Letten meint natürlich immer alles ernst was er von sich gibt.
Home of Rock: "Dark Angel" soll ja am 29.08. herauskommen. Was könnt Ihr dazu sagen, was ist anders im Vergleich zu "German Angst" (das letzte Album von SMOKE BLOW, Anm. d. Red.)?
Jack Letten: Also "German Angst" war eine sehr brutale Platte. Die Brutalität stand im Vordergrund, Gitarren im Vordergrund, Schlagzeug, der Bass und Gesang knüppeln bzw. schreien dagegen an und Gewalttätigkeit auf höchster Ebene. Aber dennoch mit Melodiösität versetzt, die aber leider etwas im Verborgenen liegt. Die neue Platte ist wesentlich melodiöser, poppiger, eingängiger, vielschichtiger und meiner Meinung nach auch interessanter.
HoR: Ja, fand ich auch. Sie ist wirklich ziemlich vielseitig, auch mit ein paar elektronischen Sachen drauf, das Intro und das Outro, und viel eingängiger, geradezu Pop. Produktionstechnisch seid Ihr auch "back to the roots" gegangen, habt auch relativ viel selber gemacht?
J.L: Ja.
HoR: Ulf Nagel auch wieder mit dabei, der war ja auch schon ganz am Anfang bei Euch.
J.L.: Ja, unser Papa sozusagen.
HoR: Wie darf man sich das vorstellen, wie läuft es bei Euch ab im Studio. Kommen die Songs schon quasi fertig mit ins Studio rein oder wird es dort erst entwickelt?
J.L.: Eigentlich beides. So etwa fünfzig Prozent waren fertig, die anderen fünfzig Prozent haben wir im Studio gemacht. Teilweise noch ein bisschen ausgefeilt. Das Grundding stand halt immer, so Leadgitarren und solche Geschichten oder die hundertprozentigen Gesangslinien, die sind dann oft einfach im Studio entstanden. So ist es dann einfach intensiver.
HoR: Du machst die Texte?
J.L.: Ich mache so etwa siebzig, achtzig Prozent der Texte und der Köter trägt dann noch seinen Teil dazu bei, indem er meine lyrischen Ergüsse durch sein proletenhaftes Getue herabzuwürdigen und runterzuziehen versucht, Du Arschloch.
(Protest von MC Strassenköter und kleine gespielte Kabbelei)
HoR: Die Gesangslinien sind auch so aufgeteilt, Du mehr den Gesang und Köter das Geschrei?
J.L.: Nicht unbedingt, an den meisten Refrains ist der Köter auch mitbeteiligt, um das Zeug anzudicken. Das hat er auch ganz gut gemacht, ganz gut hinbekommen. Das würde man gar nicht vermuten, bei einem solch grobschlächtigen Menschen, dass er tatsächlich auch etwas singen kann. Er ist aber durchaus für den harten Teil zuständig.
MC Strassenköter: Ja, das ist dann auch mein Job, die Schreigeschichten und Hardcoreteile.
HoR: Gerade auch vom Sound gefällt mir die Platte ziemlich gut, weil sie einerseits druckvoll ist, aber auch schön transparent...
MC S.: Ja, man hört mehr als bei der vorherigen...
HoR: Was sind Eure Livepläne für dieses Jahr? Mit den TURBO AC's seid Ihr unterwegs...
MC S.: So ist es, und mit MAD SIN und SIN CITY CIRCUS LADIES, genau.
J.L.: Ja, dann viele Einzelkonzert und ein paar Festivals, zu Ende des Jahres ein paar Einzelshows. Nächstes Jahr vielleicht eine kleine Headlinertour. Schau'n wir mal.
HoR: In Berlin seid Ihr im Rahmen der Popkomm, das ist schon mal gut, wenigstens ein gutes Konzert in der Zeit. Ansonsten ist die Popkomm doch ziemlich furchtbar hier.
MC S.: In Berlin waren wir da noch nicht, nur in Köln vor zwei Jahren.
HoR: Was gibt es momentan für musikalische Favoriten, das heißt was hört Ihr, wenn Ihr unterwegs seid?
MC S.: So im Bandbus eigentlich relativ wenig. Bei uns im Bus ist eigentlich Radio angesagt.
J.L.: Manchmal auch anderes, wir haben verschiedene Busse, manchmal haben wir auch CDs oder Kassetten oder eben die Radiokacke. Wir ärgern uns dann immer, wenn wir Radio hören müssen. Was Hörgewohnheiten zu Hause angeht, so AFI, ALKALINE TRIO, alles mögliche, breit gestreut.
MC S.: Auch gerne poppige Sachen wie THE SMITHS, oder solche Independent Sachen.
HoR: "Dark Angel" ist ja auch so ein bisschen Richtung Independent...
Was würdet Ihr mitnehmen, wenn es auf eine einsame Insel ginge? Fünf Sachen sind erlaubt.
MC S.:Die vier besten Freunde und meine Freundin, aber halt, dann wäre es ja keine einsame Insel mehr.
J.L.: Da ich ja keine Freunde habe: Meine Freundin, meine Tochter, meine Gitarre ein bisschen Schoki. und.hm..
MC S.: Vier Dinge reichen auch.
HoR: Du hast bei GENEPOOL mitgemacht. Ist da noch etwas zu erwarten oder warst Du nur auf der ersten Platte dabei?
J.L.: Ich will nicht ausschließen, dass ich live noch mal in Erscheinung trete, aber momentan bin ich auch mit SMOKE BLOW zu sehr eingespannt, immer viel zu tun (dazu hat Letten ja noch seinen Job als Kindergärtner, Anm. d. Red.). Dadurch ist die Sache etwas schwierig.
HoR: Ansonsten, weitere Pläne auf und abseits der Bühne?
J.L.: Ja, wir kucken, dass wir ein paar nette Konzerte abkriegen. Und versuchen dem Publikum so viel Spaß wie möglich zu machen, ist klar. Was jetzt die Platte und die Veröffentlichung angeht, steht noch in den Sternen. Wir haben dann vielleicht noch so eine Art Horrorhörspiel geplant, muss man mal sehen, ob sich das verwirklich lässt (klingt jedenfalls spannend, bei den Beteiligten, Anm. d. Red.). Ansonsten haben wir uns noch keine konkreten Gedanken gemacht, oder?
MC S.: Mal schauen, wie sich das alles entwickelt und dann kann immer noch darauf reagiert werden.
HoR: Und wo landet Holstein Kiel diese Saison?
J.L.: Oh ja, da sprichst Du ein interessantes Thema an. Es ist immer so ein bisschen schade. weil eigentlich ist das Umfeld bei Holstein wie geschaffen für die zweite Liga. Mal sehen, wie die Neueinkäufe da einschlagen. Es wäre schon ein Traum, wenn Holstein in die zweite Liga aufsteigen würde, da würde ich mir eine Dauerkarte holen. Aber meine liebsten Vereine, Holstein und der HSV, war immer gleich in den letzten Jahren, fangen meist gut an und nach der Hälfte brechen sie total ein, rutschen ins Mittelfeld oder die Abstiegszone und zum Ende der Saison schaffen sie es dann gerade noch so ins untere Mittelfeld. Das ist ein bisschen ärgerlich, aber wäre schon ein Traum, Holstein in der zweiten Liga, das würde auch die Wertigkeit von Kiel etwas hochtreiben, das wäre schon klasse. Ich habe die Jungs übrigens neulich im Wald getroffen. Frank Neubarth joggte an mir vorbei. Das kannst Du bitte als Überschrift nehmen: "Frank Neubarth joggte an mir vorbei." Und ich grüßte ihn mit einem herzlichen: Ey Macker.
(kurzer Exkurs zum HSV)
HoR: Was wollt Ihr noch an unsere Leser loswerden? Vielleicht Euer Lebensmotto?
MC S.: Carpe diem. aber das ist so platt.
J.L.: Doch, das lassen wir so. hört in die Platte rein, gebt ihr drei Anläufe und dann wird sie zünden. Dann knackt es bei Euch und Eurer Freundin und rappelt in der Kiste (lacht).
HoR: Und live zündet Ihr sowieso...
J.L.: Wir sind die Besten, nach wie vor und forever. Das ist mein Lebensmotto: Ich bin der Beste, nach wie vor und forever.
HoR: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit dem Album und auf Tour.
Vielen Dank an dieser Stelle auch an Arne und Ueli von Nois-O-lution, die das Interview ermöglicht haben.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|