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Kurz vor dem Auftritt im Düsseldorfer Stahlwerk stand mir Gitarrist und Texter Bodenski Rede und Antwort. Und entlarvte zugleich, dass ich keine Flasche Bier ohne Öffner aufbekomme. Ja, es ist wahr, ich kann vor einer geschlossenen Pulle Bier verdursten. Aber Ruckzuck hatte Bodenski mir ein Fläschchen geöffnet und nach einem "Schluck zum Wohle" legten wir dann los:
Home of Rock: Ich habe grade schon Eric getroffen. Lutscht Fischerman's Friend. Stimme?
Bodi: Na, ob das was hilft. Seit Montag isser ein wenig angeschlagen. [Bronchitis hatte er, wie ich später erfuhr!]
HoR: Wie seid Ihr den mit der Resonanz auf das neue Album "Nord, Nord, Ost" bisher zufrieden?
Bodi: Also, man hat ja jedes Mal ein bisschen Bammel, immer wenn man mit 'ner neuen Platte kommt, und diesmal war es eigentlich so, dass wir uns ganz sicher waren, dass wir da einen guten Griff gemacht haben. Und die Resonanzen sind wirklich sehr, sehr gut. Die sind alle ganz glücklich mit dem Album, und der Fanclub hat gesagt "das ist so schön", deswegen sind wir alle recht entspannt.
HoR: "Engelskrieger" war ja nicht der typische STS Sound, und ich glaube, Ihr habt damit auch sehr viele Fans vergrätzt.
Bodi: Hmm.
HoR:Mir gefiel die Scheibe sehr, aber auch auf der "Engelskriegertour" sah ich nicht so viele typische STS Fans.
Bodi: Watt sind typische Subway To Sally Fans?
HoR: Mittelalterlich gewandet und schottenberockt?
Bodi: Ja. [lacht]
HoR: Ich bin grade mit S- und U-Bahn gekommen, man sah sofort, dass die meisten der Fahrgäste zu Euch wollten.
Bodi: Jaja. [drückt an seiner Iso-Getränk Flasche rum um das Zeugs in einen Becher zu bekommen]
HoR: Trotzdem erinnern auch auf dem neuen Album einige Passagen an "Engelskrieger".
Bodi: Ja, klar. Aber guck mal, ist ja auch so dass, sich die Fans manchmal falsche Vorstellungen davon machen. Man setzt sich ja nicht bewusst hin und sagt "jetzt wollen wir mal den Teil der Fanschaft überraschen", oder vergrätzen oder sonst irgendwie. Es ist uns so passiert, das Album. Wir waren in Dänemark die zwei Monate, wir hatten das Material, und haben daran gearbeitet und mit diesen Texten und mit der Musik die dann da war ist das Album halt so geworden. Und das war eine Entscheidung von allen die daran beteiligt waren. Wir hatten das Gefühl, dass die Songs, eben auch aufgrund der Themen die angesprochen wurden, das nicht so vertragen hätten. Also da noch Dudelsäcke oder so.
HoR: Sind ja auch recht harte Themen, die Ihr da angefasst habt.
Bodi: So 'ne Platte machste aber auch nur einmal. Und die Platte "Nord Nord Ost" steht unter 'nem ganz anderen Stern. Auch wie sie entstanden ist und auch welche Themen angesprochen werden. Die haben wir versucht in Musik umzusetzen und das ist auch ganz gut gelungen. Diese Reise durch die Seele, wenn du das so willst, durch die Gefühlswelten von Menschen, die kannst du natürlich ganz anders musikalisch instrumentieren, und das haben wir dann auch gemacht.
HoR: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Babelsberger Filmorchester? Zufall oder geplant?
Bodi: Nee! Wir haben ja schon immer versucht, mit Frau Schmitt und Gästen so'n etwas opulenteren Streichersound zu zaubern, und wie immer war es so, dass wir in Berlin produziert haben und in verschiedenen Studios waren, über einen langen Zeitraum, und Ingo, praktisch als Hauptproduzent, sich da auch einen Traum erfüllt hat. Sich gesagt hat, mal mit echten Streichern zu arbeiten, als das was wir vorher immer so zusammen gebaut haben, in dem Frau Schmitt mehrere Geigen hintereinander gespielt hat, oder noch ein Cellist was dazu spielt, da haben wir gesagt, schreiben wir mal richtig Partituren und mieten uns halt diese Babelsberger. Die sind ja bei uns am Ort, man kennt die ja, und das sind ja Profis und die Zusammenarbeit war echt super!
HoR: Und wie wollt Ihr das jetzt live umsetzen?
Bodi: Frau Schmitt spielt 3 Geigen gleichzeitig. [diese lacht grade herzhaft, da sie auch seit einiger Zeit im Raum ist.] . nee, da sind dann Samples an den ganz wichtigen Stellen, ansonsten braucht man das live auch nicht so.
HoR: Ansonsten wäre es sicher mal reizvoll, mit einem richtigen Orchester aufzutreten!
Bodi: Kann man nicht bezahlen! Die müssen irgendwo schlafen, die müssen irgendwas essen, die müssen untergebracht sein, also dett jeht echt nich.
HoR: Dann in Babelsberg!
Bodi: Ja, das kann man nur mal einmalig machen, außerdem machen das jetzt viele.
HoR: CORVUS CORAX.
Bodi: Ja SCHANDMAUL hat ja auch jetzt was mit Orchester.
HoR: Meinst Du, dass es einen Trend in der Mittelalterszene gibt, was einer macht machen alle? Als Ihr härter wart, waren es IN EXTREMO und z.B. SALTATIO MORTIS auch. Sind auch in die Richtung Neue Deutsche Härte gegangen.
Bodi: Neue Deutsche Härte. Mann, lange nicht mehr gehört. ist das wirklich noch ein Thema?
HoR: Ich denke schon! Ich persönlich denke weniger in Schubladen, was mir gefällt das höre ich. Aber meinst Du, dass es da einen Trend gibt? Wenn einer vor macht, machen die anderen das nach? Mit den letzten Alben sind alle wieder zurück zu den Roots.
Bodi: Schwer zu sagen. ich weiß nicht, wie weit wir andere beeinflussen, wir hören nicht bewusst die Kollegen und überlegen uns wie wir darauf reagieren. Gar nicht!
Wir haben ja doch sehr viel länger an dem Album geschraubt als die anderen. Wir haben zweimal verschoben, erst sollte es im Herbst kommen, dann im Frühjahr, dann ist es Spätsommer geworden. Ich denke mal, es hat immer damit zu tun, dass Bands, wenn sie wirklich anfangen Erfolg zu haben, sich nur noch um Musik kümmern und unterwegs sind und Festivals spielen, und dass man einfach ein anderes Lebensgefühl kriegt mit der Zeit. Ist was anderes, wenn du Hobbymusiker bist und nebenbei noch irgendwo im Laden arbeitest, oder so. Das drückt sich in der Musik auch aus. die irgendwann dann härter wird. Keine Ahnung. Rock'n'Roll ist kein Lehnstuhl, weißte!
HoR: Richtig! Ich sah da nur so eine Ähnlichkeit. Bei Euch aus dem Fanclub sind also nach "Engelskrieger" nicht 14.000 Fans ausgetreten, wie bei MOTÖRHEAD, nach dem sie "Another Perfect Day" rausgebracht haben.
Bodi: Nee!?? Echt? Nee, bei uns nicht. Aber so was macht mehr aus, denke ich mal, ist ja nun nicht ne musikalische Religion, sondern die Art wie wir überhaupt Musik anpacken, wie es auch mit den Texten zusammen funktioniert, das ist wohl was letztlich, finde ich, 'ne Band auch ausmachen sollte. Und nicht die Frage "Wie viele Dudelsäcke spielen sie?".
HoR: Ich habe auch damals in meiner Review geschrieben: "Sie sind immer noch STS".
Bodi: Klar!
HoR: Und wie werdet Ihr euch jetzt live präsentieren? Hart, wie auf der letzten Tour, oder kommen jetzt wieder mehr die Dudelsäcke zum Einsatz?
Bodi: Jaaaaaaaaaa. Also. ich spiele sehr viel Drille, jetzt in dem Konzertprogramm, das wir zusammengebaut haben. Wir hatten dann überlegt. also was wir jetzt machen ist auch so 'n bisschen. also wir wollen die Leute auch in den Arm nehmen und auch 'nen netten Abend haben. also nicht so sehr darauf rumreiten, dass wir alle mal sterben müssen und was sonst noch alles schlimmes gibt auf der Welt.
Und wir haben dann auch überlegt, wie ist das jetzt mit der neuen Platte, muss man davon alles spielen? Dann nimmt man sich erstmal drei zentrale Stücke und spielt das andere später. Dann hatten wir aber so 'ne Lust, diese Stücke auch live zu spielen, dass alle bis auf ein Stück auch im Programm drinne sind. Wir haben es halt über das ganze Programm verteilt, bis in die Zugaben rein. Und man merkt es gar nicht so richtig, dass es ein Tourprogramm zu 'ner neuen Platte ist, sondern das fügt sich alles homogen ein in die Titelauswahl die wir dann noch drum rum gebaut haben. Ist also ein Best Of von uns, mit Schwerpunkt neue Platte.
Und das geht wunderbar zusammen, wir haben ganz freche Sprünge da drin, wenn zum Beispiel ein Titel vom zweiten Album gefolgt wird von 'nem "Engelskrieger"-Song.
Kann zwar immer sein, dass Leute nach Hause gehen. mein Lieblingslied haben sie nicht gespielt, aber.
HoR: Ja, gut, bei Eurem Repertoire ist das aber auch schwer!
Bodi: 80 Songs oder so was. Aber wir sind jetzt ganz gut eingespielt und es macht Superspaß!
HoR: Wie kamt Ihr auf den Titel "Nord Nord Ost"? Nord ist klar, geht ja um Feuer und Eis, aber Ost?
Bodi: Ja, "Norden" klang uns zu doof, und wir sind ja ne Ostband. Irgendwie so 'ne Spielerei mit unserer eigenen Geschichte. Wir suchten halt einen Begriff für das Album, wo es halt um Kälte geht oder Feuer, ohne ein Element zu nehmen. Ohne mit Winterassoziationen zu arbeiten, eher einen Reisebegriff, eine Richtung. Und die Kombination Nord Nord Ost gefiel uns einfach. Ist ja auch griffig, irgendwie.
Zu dem Zeitpunkt muss Bodinski erstmal seine Iso-Getränk Flasche würgen, damit noch buntes Nass rauskommt und es folgt ein kleines Gespräch über Sinn und Unsinn dieser "Nuckel-Verschlüsse"
[Dat kann ich Euch sagen: Ein Riesenscheißdreck ist das mit diesen Idiotenstöpseln! Entweder du tröpfelst dir das Hemd voll oder du verdurstest. Gelobt seien Kronkorken! Red.]
HoR: Du schreibst ja immer recht tiefsinnige Texte.
Bodi: Danke!
HoR: . und mir ist aufgefallen Das Rätsel II.
Bodi: Datt is nicht so tiefsinning. (lacht)
HoR: . ist der nur aufs Album gekommen um live den Schrei zu zelebrieren?
Bodi: Gute Frage! Wir hatten die Idee so 'ne Fanhymne zu schreiben. Das kam aus soner Spinnerei die wir mal gemacht haben, weil wir immer mehr von Journalisten gehört haben "Ja, wie ist das denn eigentlich als Mitbegründer von so'ner Szene."?
Häh? Mitbegründer? Wir sind die Erfinder vom Ganzen! Und das wollten wir mal so zum Ausdruck bringen. Und dann kam halt die Zeile "Wer hat zuerst den Erdbeermund geküsst" und dann habe ich daraufhin alles mal so zusammengebastelt. Und mit dem Schrei. das war ja klar.
HoR: Und live kommt der ja eh.
Bodi: Live ist das ein Kracher!
HoR: Ja, das Ding bekommste nicht mehr aus dem Kopf. Und Sieben ist auch so ein Ohrwurm.
Bodi: Das braucht auch diese Platte! Klaren Weges zwischen Eis und Kälte und hygienisch find ich es gut auch zwei Songs zu haben, die die Platte ein bisschen auflockern.
HoR: Ja, wie Du schon sagst, die Texte sind ja auch wieder recht nachdenklich, von Tod und Sterben.
Bodi: Ja, et jeht eigentlich noch. (lacht)
HoR: Ihr habt Euch von eurem alten Schlagzeuger getrennt.
Bodi: (nachdenklich) Nee, er sich von uns.
HoR: Er sich von Euch? Nach.
Bodi: 8 Jahren.
HoR: Wie kam's?
Bodi: Also, wir hatten im letzten Jahr, als es darum ging die Platte vorzubereiten. zeichnete sich dann doch ab, dass wir da ein bisschen Schwierigkeiten haben und ein paar Zeitprobleme hatten und er hat dann, war ein purer Zufall gewesen, an einem Casting teilgenommen für diese BLUE MAN GROUP in Berlin.
HoR: Die mit den blauen Köppen?
Bodi: Genau! Die machen ja da so 'ne Show in Berlin. Da hat er sich beworben und ist genommen worden. Und die nehmen nur die allerbesten Leute! War für ihn natürlich ein Kompliment, er hat das parallel laufen lassen zu uns, und dann gemerkt, dass sich da für ihn Sachen anbieten, die er immer mal machen wollte. Nicht nur musikalisch, sondern auch sich nicht mehr an eine Band zu binden. Weisse? Wenn Du in einer Band bist, ist das Ding Nummer Eins, du musst alles andere dem unterordnen. Du kannst nicht mehr Workshops machen, und so. Und da er sich als Einzelmusiker auch mal anders ausprobieren wollte, er auch mal Workshops machen will, anderen Leuten was beibringen will.
Er hat's uns sehr lange vorher gesagt, und wir haben es lange Zeit erst mal geheim gehalten. Er hat uns ein Vierteljahr vorher gesagt "ich mach bis Jahresende, dann steige ich aus", so dass wir auch genügen Zeit hatten, noch 'nen anderen zu suchen.
Das war auch sehr schwierig, schwieriger als wir uns vorgestellt haben, aber man wird ja auch betriebsblind nach acht Jahren.
HoR: Der Neue ist ja wesentlich jünger als Ihr. Wie integriert er sich in eine Band, die schon so viele Jahre fast ohne Wechsel besteht. Ihr kennt Euch sicher alle sehr gut, wisst wenn einer schräg guckt, ihn besser nicht anzusprechen. Und dann jemand wildfremdes.
Bodi: Erstmal ist er als Mensch ganz wunderbar. Es gibt ja Leute mit denen es einfach funktioniert und die Chemie stimmt erstmal vom Grundsatz her. Und er ist ja kein Potsdamer, das heißt, wenn er hochkommt zum proben, dann wohnt er auch bei uns, Simon und mir. Und er ist ein Teil der Familie, der kleine Bruder oder irgendwie so was. Das konnten wir auch nicht planen, das hat sich einfach ergeben, und es funktioniert und mehr muss man dazu eigentlich auch nicht wissen. Ich meine, sicherlich, als wir darüber nachgedacht haben, ob wir ihn nehmen, gab es ein kurzes Innehalten, schon wegen dem Alter, aber das ist ja eigentlich nicht unser Problem, das muss der wissen.
Wir haben ihn dann gefragt, ob er bei uns spielen möchte, und da hat er gesagt "da muss ich erstmal 'ne Nacht drüber schlafen", um sich klar zu werden was das jetzt alles bedeutet. Er kann zwar toll trommeln, hat aber gar nicht damit gerechnet, dass er eine Chance hat. Und ich glaube, in der Art wie er sich dann auch dazu bekannt hat "zu wollen", da lag dann auch schon der Kern drin, dass er der Richtige ist.
HoR: Und Ihr habt große Castings gemacht?
Bodi: Ja, ohne Scheiß. Wir haben 20 Leute nacheinander angehört, nicht an einem Tag, wir haben mehrere Tage gemacht. Viele einfliegen lassen, erst natürlich aus dem Berliner Raum, da haben wir gemerkt: wird schwierig. Dann haben wir die Kreise weiter gezogen, und da haben wir echt ein paar Leutchen vortrommeln lassen. und da war nicht viel bei.
HoR: Und Michael hat auch schon vorher inner Band gespielt?
Bodi: Ja, klar.
HoR: Aber nichts bekanntes?
Bodi: Nee, der spielt in Bands seit er 14 ist. Kann schweinisch viel, hat auch immer viel Aushilfe gemacht, und in Coverbands gespielt, hat ein breites Spektrum, hatte auch immer das Ziel Profimusiker zu werden. Das war auch so'n Glück, dass er, trotz seiner Jugend und obwohl er sehr gut ist, noch nicht in einer festen Band war, mit Freunden, wo man sagt "Mensch, die kann man doch nicht im Stich lassen.", er hat sich eigentlich aufgespart für uns.
HoR: Cool! Was sagst Du denn zu dem politischen Schlammassel momentan?
Bodi: Warum müssen Musiker auch immer 'ne politische Meinung haben??
Ja, das Volk hat gewählt würde ich mal sagen.
HoR: Ja, keinen.
Bodi: Mir geht's ja auch so. Man fühlt sich ja von keiner Partei vertreten oder dermaßen angesprochen, dass man sagt, das muss jetzt sein. So isset irgendwie. Und die Sachen die hier passieren müssen, egal wer da jetzt sitzt, der wird es irgendwie anpacken müssen.
Wie hat die Bildzeitung heute getitelt? Die Rente wird erstmal auf Pump bezahlt? Ich hasse solche Leute, die mir vor 20 Jahren erzählt haben, dass die Rente sicher ist und heute in Talkshows sitzen und den Witzbold machen! Wie Herr Blüm.
HoR: Und Gysi und Lafontaine sind ja Träumer. Die haben auf dem Papier zwar nette Ideen, aber das lässt sich halt nicht verwirklichen.
[Heh! Obacht!! Der Korrekturleser ist Linkshänder!]
Bodi: Ich bin auch immer linkslastig gewesen, aber wenn da jetzt so'n Lafontaine mitmischt, so'n komischer Umfaller da. Nee!
HoR: Wir nennen den "Napoleon Reloded".
Bodi: (lacht) Ja! Der hat mir die Sache verleidet irgendwie, den halte ich für nicht wählbar.
HoR: Zurück zur Mucke! Ihr seid jetzt bei Nuclear Blast.
Bodi: Jo!
HoR: Nuclear Blast ist ja der größte Independent zur Zeit (um nicht zu sagen Major). Zufrieden damit?
Bodi: Ja! Ich sag mal, wir hätten es besser wissen müssen, aber man wird ja erst aus Schaden klug. Als wir vor ein paar Jahren schon mal eine Plattenfirma gesucht haben, weil wir bei der BMG vertragsfrei waren, war Nuclear Blast schon im Gespräch. Wir haben damals schon gesagt, dass das ne klasse Firma ist.
IST DAS JETZT EIGENTLICH ABSOLUT NOTWENDIG DAS IHR JETZT ALLE HIER RUMSITZT?
[inzwischen hat sich die gesamte Band in der Umkleide eingefunden, hören zu und machen nebenbei einen Heidenradau!]
Simon: Bleib cool!
Bodi: Ich kann mich dann nicht konzentrieren!
Also: Der Markus Steiger hatte ja damals schon seine Finger nach uns ausgestreckt und wollte uns haben. Wir haben dann damals gesagt "geh mal lieber zum Major, da können wir mehr machen und tun". Und dann kam's natürlich ganz anders. Die ganzen Majors sind alle zusammengebrochen, haben ihre Leute entlassen, Menschen mit denen man gestern noch verhandelt hat waren morgen nicht mehr am Arbeitsplatz. Und die haben uns dann einfach nur noch abgewickelt.
Und da ist Nuclear Blast jetzt die bessere Wahl. Leute mit Herzblut, die richtige Fans der Musik sind. Markus Steiger ist ein Fan. Das ist ein Luxus bei einer Plattenfirma zu sein, wo der Chef Fan von uns ist. Hatten wir noch nie! Ich glaube nicht, dass irgend einer bei 'nem Majorlabel wo wir waren unsere Musik gemocht hat! Die haben nur gesehen, dass es eine Menge Menschen gibt, die das gut finden, und haben das als Produkt angesehen.
HoR: Das sind alles Leute, die kommen von der Uni und vermarkten das halt. Die Musik und was wir darin sehen ist denen egal. Ich sehe das ja auch bei uns, heute noch mit einem telefoniert, morgen gefeuert.
Bodi: Ja ja. so kannste nicht arbeiten! Für eine Band ist das ganz, ganz beschissen.
HoR: Mal dran gedacht, den Sprung ins Ausland zu wagen? USA?
Bodi: Was heißt wagen? Wir sind für alles offen! Die Veröffentlichungspolitik von Nuclear Blast ist eh, dass die in ganz Europa das Dingen raushauen. Da mahlen die Mühlen aber anders, da müssen wir erstmal gucken. In der Szene sind wir sicherlich bekannt, müssen wir mal sehen ob die Leute sich dafür interessieren. Und da muss man dann Wege finden auch Kontakte mit dem Publikum aufzunehmen. Über Festivals vielleicht, oder eine Support Tour!? Das lassen wir erstmal auf uns zukommen. Wir würden es gerne machen, aber es ist natürlich auch klar, dass natürlich viel über die Texte läuft.
HoR: Und würdest Du Texte in Englisch schreiben?
Bodi: Ich kann gar nicht so gut Englisch, dass ich englisch texten könnte. Frage ist aber auch, ob man das muss.
HoR: Ich denke nicht unbedingt. RAMMSTEIN sind in USA und anderen Ländern ja auch ein Riesenerfolg. Die Amis blöken aber auch alles mit. Bei Euch läuft halt viel über die Texte, und dass man sie auch versteht.
Bodi: Dann muss man daran arbeiten, dass man dem Publikum auch erzählt worüber wir singen und nicht nur hinstellen und performen. Und Englisch, gut Weltsprache, aber verstehen denn alle Spanier, Italiener oder Franzosen und Griechen auch englisch?
HoR: Näh!
Bodi: Siehste! Die müssen sich mit den Texten in der eigenen Sprache auseinandersetzten können. Und ich glaube auch, dass wir bei unseren Fans hier wieder für Unmut sorgen würden wenn wir die verraten. dann geht das wieder los.
HoR: Und Du hast ein Buch veröffentlicht?
Bodi: Sozusagen. Ich bin von ein paar Leuten geschubst worden, "mach das doch mal", und habe im Prinzip mein Best Of zusammengestellt. Was ich halt so in den letzten 10 Jahren zusammengeschrieben habe. Es ist meine persönliche Auswahl, und was ganz interessant ist, ist einfach zu blättern. Auch durch die verschiedenen Jahre hindurch. Was sich alles so verändert hat, oder Themen die man mehrmals angepackt hat. So: Ach, da liegen fünf Jahre dazwischen aber das Thema war dasselbe!
Auch sind Texte in der Urform abgedruckt worden, die später gekürzt worden sind auf der Platte. Weil ich drei Strophen geschrieben habe und nur zwei wurden gesungen. Da kann man noch ein bisschen was entdecken an alten Songs, und dann gibt es noch den kompletten zweiten Teil, wo ich alles aufgearbeitet habe was so liegen geblieben ist.
Gereimtes und Ungereimtes, Sachen die nie für SUBWAY geschrieben wurden. Insgesamt ist das ein nettes kleines Büchlein geworden, was aber recht speziell ist. Es ist für Leute die wissen, dass ich die Texte mache für die Band und sich auch wirklich für Lyrik interessieren. Und das sind ja nur die wenigsten Menschen auf der Welt. Nicht alle lesen und von den Lesenden lesen die wenigsten noch Gedichte. Viele sagen dann "hach, schwieriges Thema" und so, dabei kann man Gedichte lesen wie ein Buch. Lesen, weiterblättern und einfach auf sich wirken lassen!
Das ist jetzt mein Baby, jetzt zurzeit, aber da hängt nicht groß irgendwas dran.
HoR: Wenn Du Texte schreibst, hast Du dann Eric und seine Stimmlage im Hinterkopf?
Bodi: Eric ja, Stimmlage nein. Die muss Ingo im Kopf haben, wenn er Songs schreibt.
Klar, natürlich, das ist schon eine Art Symbiose. Das muss ein Texter sowieso machen. Texten für etwas was gesungen wird, ist noch mal was anderes als wie einfach nur ein Gedicht zu schreiben. Weil bestimmte Worte einfach komisch klingen wenn man sie singt oder nicht funktionieren. Und da arbeiten wir ja schon seit Anfang zusammen, da ändern wir auch im Studio noch bestimmte Dinge.
Manchmal biete ich ihm auch was an und frage ihn dann "Magst Du das Wort Anglitz" singen? So 'n bisschen ein grenzwertiges Wort. Dann sagt er "Find ich schön", also mach ich mal. Probiere ich mal! Ich überlasse ihm auch manchmal die Entscheidung. Und das ist jetzt eigentlich ein eingespieltes Team geworden. Er hat ja auch diese Gestik in der Stimme, das Zielende, das Theatralische. Das macht ja auch alles die Band aus.
HoR: Ich denke auch nicht, dass es sonst noch einen Sänger wie Eric gibt.
Bodi: Glaub ich eigentlich auch nicht. Nee. Man kann ihn lieben oder hassen, aber oft sind die Sachen die polarisieren die die Bestand haben und interessant sind.
Ich glaube auch, weil wir am Anfang das Thema hatten, dass wenn wir uns nie verändert hätten und immer dieselbe Platte rausgebracht hätten, nur mit anderen Songs, weiß ich nicht ob es uns noch geben würde. Man muss sich auch immer wieder neue Fans erspielen, man muss dabei bleiben.
HoR: Ich hatte ja auch Eure Platten rezensiert, und habe gesagt, dass Ihr neue Ufer sucht, aber auch riskiert dabei auf die Schnauze zu fallen.
Bodi: Musst du, klar. Wenn du auf Nummer sicher gehst. manchmal habe ich aber auch das Gefühl, man kann es den Fans nicht recht machen. Ich habe auch irgendwann mal einen Eintrag bei uns im Gästebuch gemacht: "Ich fasse jetzt mal zusammen: Ihr wollt, dass wir uns verändern aber bleiben wie wir sind, ihr wollt, dass wir hart und weich zugleich sind, ihr wollt, dass wir ne Menge Dudelsäcke haben aber auch harte Gitarren, trotzdem muss alles auch noch akustisch sein."
HoR: Irgendwie geht das nicht.
Bodi: Wir tun unser Bestes.
HoR: Und als letzte Frage, Du kannst jetzt ein und für alle Male mit den Gerüchten aufräumen: Julia und die Räuber, spielt Ihr es noch gerne oder nicht?
Bodi: Ich muss sagen, ich habe meinen Frieden gemacht mir diesem Lied. Und eine Zeitlang hatten wir das Bedürfnis es abzustoßen. Aber man schneidet sich ja auch keinen Finger ab. Wir haben da alle unseren Frieden mit gemacht und wir spielen es auch wirklich gern. Wir lassen uns da auch ein bisschen bitten, es wird sicher nie mehr im regulären Programm kommen, wird immer im Zugabenteil kommen. Das ist sozusagen die Standarte, unter der sich die Fans versammeln, und als solches betrachtet ist es vollkommen legitim so 'n Lied zu haben.
HoR: Das ist wie bei den ONKELZ Mexiko, ohne das geht keiner nach Hause. Wenn Ihr Julia mal einen Abend nicht spielen würdet.
Bodi: Machen wir auch nicht! Höchstens mal bei Festivals, wenn die dann den Stecker ziehen, wenn wir dann zum Schluss spielen, da steht immer einer mit der Uhr, und wenn du dich dann vertust um 3 Minuten, dann biste weg. Das ist dann auch nicht böswillig, sondern hat dann nicht geklappt. In einem normalen SUBWAY Konzert wird es das Lied immer geben. Punkt!
HoR: Ich danke Dir!
Bodi: Hat Spaß gemacht!
Special Thanks an Kathy von Nuclear Blast, Frank Babrikowski, David Lotufo (for the the ride home) und natürlich Bodenski himself!
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