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Tourposter - 62 KB
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| Dresden, Scheune, 16.05.2003 |
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Die Scheune ist ein Kulturzentrum mitten in der Dresdner Neustadt, das
neben einer Auftrittsmöglichkeit für kleinere Bands auch einen
spitzenmäßigen Biergarten beherbergt, den am heutigen Tage, bei
großartigem Wetter, doch deutlich mehr Leute besuchen als die ca. 20 -
30 Gestalten, die sich Baby Zizanie, und dabei mit Jim Thirlwell einen
der Pioniere des Industrial, anschauen wollen. Denn schon lange bevor es
Nine Inch Nails, Ministry (als Industrial Band) oder Sonic Youth gab,
hat der Australier, der außer Baby Zizanie noch u.a. die Projekte
Foetus, Steroid Maximus und Manorexia am laufen hat, schon in den frühen Achtzigern Klangfarben
entwickelt, die zwischen Traum und Albtraum pendeln und die oben
genannten Bands nachhaltig beeinflusst haben.
BABY ZIZANIE ist eine Kooperation mit dem Ex-COP SHOOT COP-Keyboarder Jim Coleman und
verbindet, meist improvisierte, elektronische Sounds und Samples mit auf
Leinwand produzierten visuellen Elementen.
Der Konzertsaal der Scheune ist, dem Auftritt angemessen, in eine dunkle
Clubatmosphäre getaucht, das Publikum lümmelt sich in etwas
ausgemergelte Sessel. Zunächst ertönt Chillout-Musik vom Band, während
ganze Trockeneiskaskaden ins Nachtblau des Clubs schießen. Irgendwann
bleibt das Band hängen - niemand kümmert sich, steigende Heiterkeit,
auch bei den kurz auf der Bühne erscheinenden Protagonisten, aber es
bleibt bei dem Endloston für mehrere Minuten, bis sich endlich jemand
zuständig fühlt - that's Avantgarde!
Als es dann nach einigem Warten auf der Bühne losgeht, bauen sich die
beiden Musiker mit ihren Laptops stehend vor einer (leider etwas
kleinen) Leinwand auf. Die Filme, die mit der Musik ein audiovisuelles
Gesamtkonzept bilden, erinnern manchmal an Aufnahmen von Ansichten
unterm Mikroskop oder wirken wie NASA-Filme (sind es vielleicht auch),
mehrfach erscheinen auch Infrarot-Pyramiden.
Zusammen mit der Musik, die
als eine Mischung von Brian Eno, Anne Clark (ohne Vocals), Trent Reznors
Nine Inch Nails und Philipp Glass, mit einer Prise Kraftwerk bezeichnen
lässt, gibt dies eine eindrucksvolle Performance. Jedenfalls wenn man
sich vollkommen fallen läßt und in die vielfältigen Sounds eintaucht,
die auch gesampelte Stimmen, manchmal geradezu ethnische Rhythmen und
manchmal Minimal Music, häufiger aber Industrial Passagen zusammenfügt.
Es gibt keine Songstrukturen, es ist alles im Fluss. Dass die Musiker
auch über ein gehöriges Maß an Humor verfügen, zeigt der plötzlich
auftauchende Sample von Bin i Radi, bin i König, das leider mangels in
Dresden vorhandener 60er-Fans eher auf Verwunderung stößt.
Nach einer guten Stunde sind Zuhörer wie Musiker von dieser intensiven
Mischung regelrecht erschlagen und ausgelaugt, alle müssen den Vortrag
erstmal setzen lassen (Dialog zwischen einem Besucher und Thirlwell: Besucher: "Oh I'm a
great fan of your music, I have all of Foetus. But one question - is it
a break now, or ist this the end of the concert? - Thirlwell: Ahhh,
that's the end").
Insgesamt eine wirklich interessante und im besten Sinne des Wortes
bewußtseinserweiternde Performance.
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