| Ludwigsburg, Rockfabrik, 24.10.2007 |
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DEMON auf ihrer Abschiedstournee, wobei kein Grund besteht Trübsal zu blasen, da Dave Hill im
Interview das Thema ja bereits etwas
relativiert hat. Dennoch darf man sich das natürlich als langjähriger Anhänger der Band nicht entgehen lassen,
wenngleich es etwas wehmütig stimmt, wenn man sich vor Augen führt, dass die Briten 1989 fast an selber Stelle ihr
epochales Live-Album "One helluva night" vor einem stattlichen Publikum aufnahmen und nun in den winzigen Club 2
abgeschoben werden um dort ihr Gnadenbrot zu empfangen. Natürlich macht das angesichts der spärlichen Besucherzahl
durchaus Sinn, aber man zweifelt auch wieder einmal an der Gerechtigkeit der Rockgötter, wenn ein Act wie DEMON nie
wirklich den Durchbruch geschafft hat.
Ob TRI STATE CORNER diesem Schicksal entgehen können? Es wäre dieser jungen und sympathischen Band von ganzem Herzen
zu wünschen, denn sie sind originell und erfrischend anders als das Gros der gegenwärtigen Rockszene. Dabei ist ihr
Geheimnis ja so leicht zu durchschauen. Man schreibe einfach ein paar gute Songs in der Schnittmenge von Rock, Metal
und Prog und bringe sporadisch eine Bouzouki zum Einsatz, die für mediterranes beziehungsweise um genau zu sein für
griechisches Folk-Flair sorgt und TRI STATE CORNER mit einem Hauch Exklusivität umhüllt.
Die Band hat es mit diesem Sound nicht unbedingt leicht das DEMON-Publikum von sich zu überzeugen. Da treffen Welten
aufeinander und einige im Publikum könnten vom Alter her durchaus die Väter der Musiker sein. Doch TRI STATE CORNER
sind einfach eine bärenstarke Liveband, der es im Laufe des Sets gelingt die Kluft zwischen den Generationen zu
überbrücken und das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Das spricht für die Band, aber auch für das Publikum, das sich
von der Qualität beeindrucken lässt, auch wenn TRI STATE CORNER vielleicht nicht ganz den sonstigen Hörgewohnheiten
entsprechen.
Die eigenen Fans zu überzeugen und zufrieden zu stellen ist eine Sache, aber vor einem stilfremden Publikum zu
bestehen hat eine ganz andere Qualität. Deswegen verdienen TRI STATE CORNER an dieser Stelle höchsten Respekt.
Setlist: Perfect drug, A thousand pictures, Party tonite, Just bring it on, Saviour, Consumed, Where I
belong, Livin' in a fantasy
Auch bei der zweiten Band an diesem Abend greift das Motto: Dem Nachwuchs eine Chance. HEADRUSH - nicht zu verwechseln
mit den italienischen Melodic Rockern HEADRUSH - stammen wie
DEMON aus der Gegend um Stoke und sind auf spezielle Einladung von Dave Hill und seinen Mitstreitern auf dieser
Gastspielreise mit von der Partie.
Sie haben es wesentlich leichter als TRI STATE CORNER das Publikum von sich zu überzeugen, da ihre solide, wenngleich
unspektakuläre Mischung aus kernigem Heavy Rock und Sleaze einfach wie geschaffen für die Bühne eines kleinen - nach
den jüngsten Gesetzesänderungen nicht mehr - verrauchten Clubs ist. Man merkt HEADRUSH an, dass sie über ein nicht
unerhebliches Maß an Liveerfahrung verfügen. Die Posen sitzen, das Stageacting ist ansprechend und so kommt das
Publikum in den Genuss einer kurzweiligen und unterhaltsamen Show, selbst wenn das Songmaterial komplett unbekannt
ist.
Ob HEADRUSH allerdings eine größere Karriere beschieden sein wird, bleibt abzuwarten. Bei allem Respekt ist die Band
mit der gegenwärtigen stilistischen Ausrichtung kaum in der Lage der Szene neue Impulse zu geben und vergleichbare
Bands gibt und gab es bereits wahrlich genug.
Setlist: Wonderland, Blackheath, Blue skies in red square/Commercial dynamite, The spell, Remembrance
day, Sign of a madman, Standing on the edge, Life on the wire, Don't break the circle, Night of the demon, Into the
nightmare
Ich schreibe es als Fan wirklich nicht gerne, aber obwohl DEMON einen ordentlichen Auftritt hinlegen bleibt die Band
gemessen an ihrem Potential weit unter ihren Möglichkeiten. Von einer als Abschiedstournee deklarierte Konzertreise
erwarte ich schlicht und ergreifend mehr, als das was DEMON an diesem Abend abliefern.
Okay, die Setlist zeigt positive Ansätze, weil die wichtigsten Alben der Bandgeschichte zumindest mit jeweils einem
Stück vertreten sind, und man sich nicht nur auf die beiden kultigen Frühwerke "Night of the demon" und "The
unexpected guest" beschränkt.
Die vermeintlich unverzichtbaren Songs die scheinbar jeder immer wieder und wieder hören möchte haben Dave Hill und
seine Mitstreiter zielsicher auf die Setlist gepackt, dafür aber beim 'Beiprogramm' nicht immer ein glückliches
Händchen. Warum Blackheath und nicht Fever in the city? Warum überhaupt The spell, Sign of a
madman und Into the nightmare? Warum stattdessen nicht Time has come, No more hell on earth und
vielleicht Taking the world by storm und All England's glory? Warum verwurstet man Blue skies in red
square und Commercial dynamite als Medley, anstatt die Songs auszuspielen?
Womit wir beim leidigen Thema Spielzeit sind. Sorry, aber - und wieder verweise ich auf das Thema Abschiedstournee -
siebzig Minuten sind eine bodenlose Unverschämtheit. Von einem Newcomer mit entsprechend wenig Songmaterial kann man
das in Ausnahmefällen hinnehmen, nicht aber von einer Band, die drei komplette Konzerte hintereinander mit starkem
Material bestücken könnte ohne sich zu wiederholen.
Ich muss mich ernsthaft fragen, ob man sich im Lager der Briten vielleicht einfach zu wenige Gedanken im Vorfeld
dieser Tournee gemacht hat um sich mit einer wirklich beeindruckenden Show so zu verabschieden, dass die Vorstellung
diese Band nie wieder live sehen zu können den Fans auch wirkliche Schmerzen bereitet.
Zur Ehrenrettung von DEMON sei gesagt, solange sie spielen und was sie spielen geht eigentlich in Ordnung und wem es
nicht vergönnt war die Band zu ihrer Blütephase 1989/1990 live zu erleben, der geht wohl auch nach diesem Abend
durchaus zufrieden nach Hause. Der Gewinner des Abends sind für mich aber ohne jeden Zweifel TRI STATE CORNER.
Besonderer Dank an Biggy
(Brooke-Lynn Promotion) ohne die diese
Konzertberichterstattung nicht möglich gewesen wäre.
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