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Rhythm & Blues Overkill:
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Viele Fans hatten ja Zweifel, ob nach dem Tode von Lee Brilleaux (7. April 1994, R.I.P), überhaupt noch ein Fortbestehen von DR. FEELGOOD möglich sein konnte. Zu sehr war Brilleaux der Doctor. Dem muss man natürlich dagegen halten, dass auch 1977, nach dem Ausstieg von Wilko Johnson, das Ende der Band prophezeit wurde. Heute Abend gibt's, wie schnell am Bühnenaufbau zu erkennen, keine Vorgruppe. Und das bisschen Equipment, das da oben steht, scheint auch sehr spartanisch für den Colos-Saal. Zumal die Bühne auch noch (nach vorne) vergrößert wurde. Recht bald kommen vier ältere Herren auf die Bühne, die man, würde man ihnen auf der Straße begegnen, heute Abend eher zu Hause auf dem Sofa sitzend oder bestenfalls noch im Pub an der Ecke ein Bier schlürfend vermuten würde. Einige Songs vom 2000er "Chess Masters" Album werden angekündigt (und auch gespielt). So richtig Stimmung (und Erinnerungen) kommt, natürlich, bei den alten Reißern wie My Baby Quits Me auf. Auch das Publikum steigert sich zusammen mit der Band immer mehr. An Bass und Schlagzeug verrichten Phil Mitchell und Kevin Morris, quasi schon Ur-Gesteine in der Band, einen absolut perfekten Job. Dermaßen tight spielen die Beiden zusammen - der "Tritt in den Arsch" ist fast spürbar! Vor allem Phil Mitchell hat auch noch einen Riesenspaß dabei, während Sänger Robert Kane nie müde wird das Publikum anzufeuern, mit Spagat und Karate-Tritten anheizt und sich zusammen mit dem abrockenden Gitarristen Steve Walwyn immer mal wieder auf die Knie begiebt. Dr. Feelgood's größter Hit dürfte wohl Milk & Alcohol sein, und mit diesem Pub-Rock-Klassiker beenden sie den ersten Teil ihres Sets. "We carry on with a Wilko Johnson number called: Going Back Home" leitet der Sänger den nächsten Klassiker ein. Es folgen Nadine und der Down By The Jetty Blues, bei dem Robert Kane unter Beweis stellt, dass er die Blues Harp bestens beherrscht. Während des Songs verabschieden sich fast alle von der Bühne - bis auf Steve Walwyn, der allein immer noch den Blues spielt, mal ruhiger und sanfter - mal hart und rockig, auf jeden Fall hält er die Spannung und die Begeisterung auf höchstem Level. Back In The Night und Roxette sind weitere Favoriten. Bei ersterem will das Publikum mit dem Singen des Refrains fast gar nicht aufhören. Ebenso bei der Feelgood-Hymne Down At The Doctors. Die Stimmung im Colos-Saal fordert natürlich Zugaben und schon bald erscheint Gitarrist Steve Walwyn um den Mad Man Blues einzugrooven. Das ihm dabei eine Saite reißt beeindruckt ihn nur wenig - Robert Kane übernimmt einfach an der Mundharmonika und liefert ein "Herzinfarkt"-Solo. Wahnsinn was der für eine Power hat. See You Later Alligator treibt nochmal die Stimmung bei den Zuschauern UND bei der Band an die oberen Grenzen. Ich meine: Wann hat man schon mal Bassist Phil Mitchell auf seinen Bassboxen stehen und rocken sehen? War also ein klasse Abend in Aschaffenburg und lässt hoffen, dass die Band im nächsten Jahr wieder kommt. Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 27.09.2002
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