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Ulm, Roxy, 11.02.2004

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Dr. Feelgood
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Ulm, Roxy, 11.02.2004

Dr. Feelgood

"Speeding Thru Europe" heißt die aktuelle Live-CD und unter dem gleichen Motto steht die laufende Tour der Ur-Rhythm & Blueser DR. FEELGOOD. Vor knapp 30 Jahren haben sie ihre erste LP veröffentlicht und angesichts des fortgeschrittenen Alters könnte man meinen, dass "speeding" leicht übertrieben sein könnte. Jetzt weiß man aber natürlich, dass Dr. Feelgood heute nicht mehr die selbe Band wie damals ist, schließlich ist die heutige Besetzung - außer dem aktuellen Sänger Robert Kane - "erst" seit knapp 20 Jahren dabei. Kane wiederum ist der Nach-Nachfolger von Lee Brilleaux (verstorben am 20.04.1994), ersetzt seit 1999 Pete Gage und war vorher bei einer der vielen ANIMALS-Reanimationen tätig.
Speeden sie also noch, oder wird eher gemäßigt gewalked?

Dr. Feelgood

Vom ersten Song an ist eines klar: Überraschungen oder großartig neue Nummern wird es nicht geben. Von Roxette über She's A Windup, Baby Jane, Instinct To Survive, Down By The Jetty bis Back In The Night kennt man jeden Ton in- und auswendig. Milk & Alcohol kommt mittendrin, eigentlich wäre dieser größte Hit der Band ein potentieller Zugabensong, macht aber auch nichts, denn rocken und krachen tun die vier Briten sowieso immer.
Aber trotzdem, irgend etwas zündete an diesem Mittwochabend in Ulm nicht richtig. Das Roxy ist ein sehr angenehmer Club, leider wissen das die Ulmer vielleicht nicht, denn etwa 100 Besucher sind einfach zu wenig für eine ordentliche Rhythm & Blues-Party.

Dr. Feelgood

Ursachenforschung. Gitarrist Steve Walwyn ist zweifellos einer der heißesten Nummern im Pub-Rock-Bereich. Phil Mitchell hat geile Schuhe und legt mit seinem einfachen Bass zusammen mit Kevin Morris am Schlagzeug das exakt richtige Fundament. Robert Kane ist ein erstklassiger Sänger, Performer und Harpspieler - auch wenn mir seine Kickbox-Einlagen etwas auf die Nerven gingen - und zusammen machen sie überhaupt nichts falsch. Allerfeinster Rock'n'Roll, wie von den Doktoren gewohnt. Lag es also nur am spärlichen Fanvolk?

Dr. Feelgood

Mitnichten. Der gesamte Auftritt war eine Spur zu routiniert, zu oft in gleicher Form gespielt und das ellenlange Solo von Steve war zu unspektakulärer Blues, um das Publikum so richtig aus der Reserve zu locken. Das ist nicht falsch zu verstehen! DR. FEELGOOD sind auch 2004 noch eine grandiose Rock & Roll Band. Besser als all die gehypten "The-Bands" es jemals werden können (weil die in 2 Jahren wieder verschwunden sind), aber diesmal hat sich bei mir eine gewisse Langeweile - auf hohem Niveau - breitgemacht. Möglicherweise wirkt sich auch die Absenz neuer Songs negativ auf die Laune des regelmäßigen Konzertgehers aus. Es gibt eben schon zu viele alte Bands, die sich immer und immer wieder ausschließlich auf längst vergangene Meriten zurückziehen. Der Feelgood-R & B ist doch nicht so kompliziert, als dass man nicht den einen oder anderen neuen Einfall einbauen könnte. Oder?

Ergo: Bei weitem nicht eine der besseren Vorstellungen dieser Band. Gleichzeitig wäre es schön, wenn es eine handvoll junger Bands gäbe, die diese Musik auch nur ansatzweise so dynamisch und freudvoll zelebriert.

Lizard

Wo wir grade bei freudvoll sind. Wie können 45 Minuten Kurzprogramm einer Vorgruppe so richtig Spaß machen?
Zwei Möglichkeiten. Entweder das Mädel an der Bar ist so nett, dass man sich gern dort einparkt, ein paar Bier trinkt und Smalltalk macht (um an die Telefonnummer der Frau zu kommen) während sich die Kapelle auf der Bühne müht. Oder man wird von der Band auf einen Kurztrip abgeholt, der in dieser Dreiviertelstunde von den Blue Mountains in die Sümpfe von Florida und zurück nach Ulm führt. Dabei wechselt man ständig zwischen einem 59er Chevy, einer riesigen Dampflok, einem Gleitschirm und der Wells Fargo-Postkutsche als Transportmittel.

Ich schwöre, weder psychedelische Drogen noch übermäßiger Alkoholgenuss sind nötig, wenn LIZARD 2004 zu dieser Reise einladen!
Auch wenn es aus meinem Mund mittlerweile vielleicht langweilig klingt, diese Band ist das Beste, was wir in Europa in Sachen Twin-Guitar-Classic-Rock mit Southern-Roots besitzen. Und der größte Teil der angeblichen amerikanischen Originale darf sich warm anziehen.

Lizard

Wer bei all diesen Leckerbissen - sei es ein Piano-Intro oder ein mörderisches Gitarrenriff - keinen mehr hoch kriegt und wem bei all den vollkommen losgelösten zweistimmigen Soli keiner abgeht, dem hilft auch kein Viagra mehr. Tot, sagt man zu diesem Zustand.
Immer wenn LIZARD einen Vorprogrammjob erfüllen müssen, können sie so richtig unbeschwert auf die Bühne steigen und losrocken und es ist augenscheinlich, dass sie bisher immer den Hauptact in Punkto Spielfreude, Perfektion, Frische, Songauswahl und Groove geschlagen haben. Sorry, Ihr Doktoren, Hackebeilchen namens Molly und Manfred Männer, so ist das nunmal. Don't mess with a southern man, denn er könnte aus Deutschland kommen und sich als Eidechse tarnen!

Das heißt natürlich nicht, dass LIZARD als Hauptband schlechter wären. Mit so viel erstklassigem Material können sie auch 3 Stunden mühelos und ohne Durchhänger bestreiten. Aber in dieser Form komprimiert, kommen all die kleinen und großen Zaubertricks in Liedform noch besser zur Geltung. Es wird wirklich Zeit, dass die Welt da draußen endlich den Output dieser Band entsprechend zur Kenntnis nimmt und würdigt.
Nur mich kann die Band offenbar nicht leiden. Bring Me Some Water wurde aus dem Programm gestrichen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 13.02.2004

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