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Dungen

Supp.: Travel Pussy

München, Atomic Café, 24.05.2006

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Fotos: Adelina Schmidtlein

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Dungen Setlist
München, Atomic Café, 24.05.2006

Wenn man bei einem Konzert steht, fliegen einem Schlagworte für den fälligen Bericht durch den Kopf - an manche davon kann man sich auch am nächsten Tag noch erinnern. Bei DUNGEN waren das unter anderem immer wieder die Begriffe EAST OF EDEN, PROCOL HARUM und London ca. 1968.
Das Atomic Café in München ist ein nahezu idealer Ort für solche Gedankenspiele, sieht es doch dort so orange und unfassbar schaurigschön retro aus, dass man sich als gut gehaltener Vierziger verdächtig oft an längst vergangene Zeiten zurückbesinnt. Allerdings ist das Restpublikum im Schnitt zwei Jahrzehnte jünger, geht tussigemäß nur zu zweit aufs Klo und befindet sich ansonsten auf einer nicht endenden Girliewanderung durch den Club (s.a. Stichwort "Krötenwanderung" bei Google). Man muss verdammt aufpassen, nicht aus Versehen eine zu zertreten, sieht aber interessante (Reinschwitz-)Handtäschchen und Kleidchen (aus Mamas Schrank?) zuhauf.
Travel Pussy Für die Musik interessieren sich derweil vorwiegend die Jungs, die meisten mit verwegenen Bärtchen und dem Mensa-erprobten Leidensblick des vierten Semesters. Allerdings nicht bei der Vorband TRAVEL PUSSY. Die mühten sich sechs Songs lang vor einem fast leeren Club ab und konnten mit ihrem studentischen Roots-Schraddel nicht wirklich begeistern.

Dungen DUNGEN sind eine ganz andere Gewichtsklasse. Der Vierer um Gustav Ejstes weckt mit dem ersten Ton Erinnerungen an ganz früher (auch mit dem ersten Blick, das Equipment ist "vintage" wie lange nicht mehr gesehen). Nicht, dass man den Film im Kopf jemals selbst erlebt hätte - wer hat schon PINK FLOYD mit Syd Barrett gesehen -, es sind wage Ideen von dem wie es hätte sein können, damals in den Beat- und Psychedelic-getränkten Clubs im Londoner Underground, als die späteren Rock-Monster noch hungrig und experimentierfreudig waren und mehr nach Garage als nach im Studio vergeudeten Millionenetats und zig #1 Singles rochen (riechen #1 Singles anders als andere?).
Allerdings spielen DUNGEN eher Kurzfilme, um nicht zu sagen Daumenkino. Die Szenen und Darsteller wechseln schnell, es wird zwischen CREAM, Hendrix, HAWKWIND, CAMEL, den oben bereits genannten und auch mal SOFT MACHINE hin und her geblendet, ohne aber jemals den Überblick über die Musik zu verlieren. Jam ohne Jam, völlig durchkonzipiert, trotzdem improvisierfreudig und, am wichtigsten, weder nervend noch von schlechtem LSD bis kurz vor die Wahnsinnsgrenze verzerrt. Die Songs der Schweden sind schlüssig, haben einen Anfang und glücklicherweise auch ein Ende, lassen "room to move", und sie haben etwas, das in der Neo-Psychedelicszene einzigartig ist: Amtssprache ist Schwedisch. Das klingt gut, exotisch und stört nicht, denn wer achtet beim Tanz schon auf die Texte.

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Dungen DUNGEN sind vorwiegend das Baby von Gustav Ejstes. Der begabte Multiinstrumentalist fegt über die Bühne wie ein nüchterner und hyperaktiver Jim Morrison, sieht natürlich gut aus, wechselt ständig zwischen Gitarre, Mikrophon, Orgel, Tambourin und Querflöte und lässt keine Gelegenheit zum wirkungsvollen Posen aus. Er kompensiert damit das eher statische Stageacting der restlichen Band, die aber zweifellos nicht minder talentiert ist und auf ihre Weise jederzeit alles gibt.

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Dungen Gitarrist Reine Fiske lässt mühelos ein Solo dem nächsten folgen, wechselt von Blues zu Heavy zu Jazz zu Psychedelik zu Folk und erweckt nie den Eindruck eines überambitionierten Gitarrenhelden, Basser Henrik Nilsson groovt druckvoll und Drummer Fredrik Björling swingt entspannt und mit sensationellen Rolls und Fills an seinem spartanischen Schlagzeug. Das Ergebnis ist richtige Musik und kein Retro-Flickenteppich, wie ihn manche britische Kapelle heutzutage auf dem Basar anbietet.
Noch eine Assoziation erlauben DUNGEN nicht: Es besteht keine Gefahr, von vertrocknetem Krautrock belästigt zu werden. Eher fühlt man sich an manche frühe Band aus dem Ostblock erinnert, allerdings ohne deren doktorandenhafte Kopiergenauigkeit. Die Schweden nehmen sich die Freiheit, mal einen Einsatz zu verhauen, mal mit Drumsticks herumzuwerfen, mal das falsche Effektgerät zu bedienen, oder einfach schief zu spielen, weil sich eine Saite an der Gitarre verabschiedet hat. Das hat nichts mit Unfähigkeit zu tun, es dokumentiert einfach die Frische und Unbeschwertheit der Band, eben die Garagen-Attitüde, die ihren Vorbildern vor langer langer Zeit abhanden gekommen ist. Nicht umsonst kommt Gustav aus der Hip-Hop Szene.
"Ta det lugnt" - nimm es leicht!

Ein cooles Konzert einer lässigen Band.

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Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.05.2006

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