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Konzertbericht:

Eric Clapton

Supp.: Robert Randolph & The Family Band

Köln, Kölnarena, 15.04.2004

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Köln, Kölnarena, 15.04.2004

Zum dritten Mal innerhalb 5 1/2 Jahren gastierte Clapton in der KölnArena.
Love it or leave it: Entweder man akzeptiert die dortige schlechte Soundqualität (z.B. extremer Nachhall, der sich an den hohen Wänden und der Saaldecke reflektiert), die hohen 600er- oder 700er-Ränge (wenn man nicht das Glück oder den Fleiß des Frühaufstehers hat, sich die bühnennahen 200er-Ränge zu sichern) und die Eisschrankatmosphäre, die ich bisher leider zu oft erlebt habe.
Gut, ich hatte 200er-Karten im Unterrang und konnte ihn und seine wiederum exzellente Band aus einigen Metern Entfernung sehen und hören. In der Band diesmal wieder Nathan East (Bass) und Steve Gadd (Drums) sowie Chris Stainton (Keyboards), an der 2. Gitarre Doyle Bramhall (der 2001 im Vorprogramm spielte) sowie Billy Preston an den Keyboards (der 2001 auf der US-Tour schon dabei war). Wie 1998 diesmal wieder ein Mädels-Chor. Wie bei den beiden letzten Tourneen kam er mit einer neuen CD im Gepäck: Diesmal verneigte er sich vor Robert Johnson. Wer meinte, dass man deshalb etwas mehr vom Blues-Feeling zu spüren bekam (wie es die Londoner z.B. auf den hervorragenden Blues-Nights während seiner Auftrittsserien in der Royal Albert Hall seit Ende der 80er Jahre immer wieder mal genießen durften), der lag falsch. Während er 1998 sechs Stücke der "Pilgrim"-CD gebündelt am Anfang brachte und damit viele Zuschauern verwirrte (mich begeisterte), änderte er 2001 das Konzept in der Form, dass er nur noch 3 neue Songs in den Set einstreute.
Lediglich einer der 4 hintereinander gespielten Songs überzeugte 2004 LIVE wirklich (Kind hearted woman Blues). Größtenteils plätscherten sie so dahin (When you got a friend, Milkcow's calf blues) oder es war komplett deplaziert (They're red hot).
Weiterhin dieses Jahr neu im Programm war der Opener Let it rain, den der Soundmixer als Soundcheck benutzte.

Grottenschlecht war der Sound dennoch über weite Strecken: Von den Sängerinnen war fast nichts zu hören, vom Bass nur ein undifferenziertes Gewummere.
Schön (aber keine wirkliche Überraschung, weil schon seit Beginn der Europa-Tour vor 3 Wochen im Programm) waren die 2 Ausgrabungen aus den 70er Jahren: Walk out in the rain (vom "Backless"-Album) und Got to get better in a little while (Studio-Outtake des unveröffentlichten 2. Derek & The Dominos-Albums).
Der (seit der MTV Unplugged-Aufnahme) mehr oder weniger obligatorische Acoustic Set fiel in Köln (wie schon am Vortag in Dortmund) sogar komplett aus: Auch Change the world, die wunderschöne Single aus 1996, war ersatzlos gestrichen!
Ebenfalls (wie bislang sonst nur noch in Dortmund) fehlte ersatzlos I want a little girl vom "Reptile"-Album. Auch scheint er den Tod seines Sohnes (schon 13 Jahre her) endgültig verarbeitet zu haben: Tears in heaven fehlte.

Was brachte er sonst noch mit?
Mehr oder weniger ähnelte der Set den Shows der letzten beiden Tourneen: Hoochie coochie man, Bell bottom Blues (ich werde nie verstehen, warum er diesen Langeweiler des "Layla"-Albums seit Jahren spielt), I shot the Sheriff, Have you ever loved a woman (das war das Highlight des Abends!), Badge, Wonderful tonight, Cocaine und Layla (diesmal plugged).
Die Zugabe auch nix Überraschendes: Seine Hommage an CREAM (Sunshine of your love) und Got my mojo working. Bei beiden Songs spielte der Chef der Vorgruppe, Robert Randolph, seine Pedal Steel Guitar.
Apropos Robert Randolph: Ein technisch brillanter, überaus schneller Gitarrist, dem aber das gleiche fehlt, wie schon Robin Trower, Roy Buchanan oder Gary Moore: Die Seele, das Gefühl zur Musik. Die 35 Minuten seines Vorprogramms zogen vorbei, ohne dass ich danach sagen könnte, irgendwas wäre bei mir haften geblieben.

Weitere Negativpunkte zu Clapton: Im Vergleich mit den Japan-Shows Ende 2003 muß leider festgestellt werden, dass die Zusammenstellung der Songs und die Lust, die Setlist auch mal durcheinander zu wirbeln, hier in Europa weniger prickelnd und ausgeprägt ist. Die Japaner hörten keinen einzigen neuen 'Robert Johnson'-Song, kamen aber z.B. in den Genuß von Crossroads, Can't find my way home, White room (Wow!), Holy mother, Lay down sally, Bright lights big city (Wow!), Before you accuse me, Knocking on heaven's door (nochmal Wow!) und von 2 zusätzlichen "Pilgrim"-Songs.

Was für Robert Randolph gilt (Seele??), gilt auch für den Gitarristen Bramhall: Schnell, aber ansonsten??
Was Clapton an seinem Drummer Steve Gadd hat, ist mir ein Rätsel: Sein Stil paßt zu seinen früheren Chefs Paul Simon und Barbra Streisand, aber nicht zu Clapton. Man meint, er spiele ständig mit angezogener Handbremse. Ich mag Drummer, wenn sie wild sind (wer erinnert sich an The Animal aus der Muppet Show?) und schwitzen!
Lichtblick war Billy Preston: Was er aus seiner Hammond B-3 rausholte, war phantastisch.

Insgesamt waren die 105 Minuten im Vergleich zu 2001 schon langweilig: Clapton beschränkte sich auf das absolute 08/15-Standardprogramm. Im Vergleich zu 1998 fiel das jetzige Konzert sogar ziemlich mächtig ab. Man hatte den Eindruck, Clapton beschränkt sich aufs Notwendigste und spult seine Songs runter.
Warum er auf allen anderen Europakonzerten vorher (Ausnahme: Dortmund) oben genannte 2 Songs spielte und ab und zu seine Band (zu Willie and the hand jive) vorstellte, aber dies gerade in Köln nicht tat, ist mir ein Rätsel. Aber da kann man nichts machen, bei Bowie im Oktober 2003 ging's mir in der KölnArena ähnlich: An und für sich ein prima Konzert, aber vergleicht man die reine Anzahl und die Zusammenstellung der Songs mit seinen Konzerten in Paris, Berlin oder Wien, dann war die Enttäuschung groß. Haben die Stars was gegen Köln?
(Nichts was hilft - Red.)

Jürgen Preuß, (Artikelliste), 19.04.2004

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