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Konzertbericht:

Eric Sardinas

München, Backstage Club, 07.04.2003

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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Eric Sardinas
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Eric Sardinas
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München, Backstage Club, 07.04.2003

Eric Sardinas

Mr. Stylish im Jahr 2003. Oberflächlich betrachtet, könnte man meinen, es wäre das gleiche wie 2002 und 2001. Aber weit gefehlt. Kaum kommt Eric auf die Bühne, geht ein Aufschrei durch die ersten Reihen (also die Frauenplätze). Hat sich der Kerl doch tatsächlich seine schönen Locken weggemacht. Keine Panik! Abgeschnitten sind die Haare nicht, die Pracht wurde nur in schicke Zöpfchen geflochten. Und wieder ist ein Friseur reich geworden...

Rein von den Besucherzahlen gesehen (geschätzte 100 - für Montagabend nicht ganz schlecht), ist Sardinas jetzt wieder dort angekommen, wo diese Musik nun mal normalerweise stattfindet. In den Clubs nämlich.
Nach dem Rückenwind durch die Tour mit Steve Vai und etwas größeren Clubs bzw. mittleren Hallen im Anschluss, ist diesmal der schicke kleine Backstage Club Austragungsort. Einziges Manko dort: Die Bühne ist recht klein.

Aber auch musikalisch gibt es Neuerungen. An den Pauken sitzt mit Mike Dupke ein neuer Drummer - deutlich besser als sein Vorgänger übrigens - und inhaltlich tut sich ebenfalls was. Der Hochgeschwindigkeitsanteil in den Songs hat sich ein klein wenig in Richtung Blues verschoben. Vor allem im ersten Teil der Show zelebriert Sardinas etliche Nummern mit leicht (!) gedrosseltem Tempo.
Das heißt natürlich nicht, dass Sardinas jetzt Slow Blues macht. Nach wie vor ist Power pur angesagt. Aber man wird nicht mehr ganz so brachial vom Boogietrain überrollt. Das elektrische Dobro bestimmt selbstredend immer noch ca. 99,7% der Musik und immer noch hat auch die kleinste Note keine Chance nicht gespielt zu werden. Eric erwischt sie alle. Der Songaufbau ist also wie gehabt: Introsolo - 1. Strophe - Solo - 2. Strophe - Solo - Songende (inklusive Solo).

Eric Sardinas

Im Juli wird die nächste CD "Black Pearls" veröffentlicht. Produziert hat sie Eddie Kramer und möglicherweise hat der auch ein klein wenig Einfluss auf die neuen Songs genommen. Immerhin hat er in den letzten gut 35 Jahren von Hendrix über die Beatles zu Led Zeppelin, Kiss oder Triumph, so ziemlich mit allen großen Namen der Rock & Roll-History gearbeitet.

Ich weiß nicht, warum die Tour bereits jetzt, 3 Monate vor CD-Veröffentlichung (bei Favored Nations als neuer Company) stattfindet. Eigentlich wäre es schicker, die neuen Lieder bereits zu kennen, aber man kann durchaus konstatieren, dass sich einiges getan hat beim Meister der Überschall-Slide. Sogar einen leicht funkigen Song mit Hendrix-Appeal gab es zu bestaunen. Lenny Kravitz fiel mir spontan als Referenz ein.

Ansonsten rockt Eric den Blues immer noch wie kein zweiter Gitarrist auf der Welt, zumindest seit Johnny Winter alt und krank ist. Die Killer der ersten beiden Alben donnern, fetzen und kreischen genau wie früher, Langzeitbegleiter Paul Lorranger setzt solide wummernde Kontrapunkte am Fünf-Saiten-Bass und Eric selbst stampft, schreit und posiert wie gewohnt. Keinerlei Grund zur Beunruhigung für Freunde des ekstatischen Gitarren-Overkills also. Nur einige Zwischentöne sind etwas differenzierter geworden. Es gibt inzwischen das eine oder andere kurze Intermezzo mit heruntergeschraubter Lautstärke. Das ist nicht schlecht für die Konzentrationsfähigkeit des Zuhörers.

Eric Sardinas

Auf ein paar Showeffekte hat Sardinas auch verzichtet. Die Gitarre brennt nicht mehr, aber seinen Ausflug durch das Publikum lässt er sich nicht nehmen (selbstverständlich mit nacktem Oberkörper) und als Höhepunkt der Show ein besonderes Schmankerl: Er nimmt den Cowboyhut ab! Beinahe staunt man, darunter ist ein völliger normaler Kopf, kein Schraubgewinde für den obligatorischen Hut.

Im letzten Jahr hatte ich die Frage gestellt "Was kommt bei Sardinas als nächstes?". Jetzt wissen wir es. Etwas mehr Abwechslung, etwas weniger Überholspur und nach wie vor die energetischste Show im Bluesrock.
Vielleicht erleben wir irgendwann auch noch ein Sardinas-Quartett? Ein schönes Piano oder eine Hammond würde den Songs unter Umständen einen gewissen Ohrwurmeffekt verpassen. Bis dahin gilt: It's the player not the song.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 09.04.2003

Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.04.2003

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