|
Festivalbericht:
Legends of RockEnnepetal, Haus Ennepetal, 04.04.2009 |
![]() |
|
|
|
Die Sonne steht hoch am Himmel, der FC Bayern steht kurz vor seinem Spitzenspiel gegen Wolfsburg und auf dem Parkplatz am Haus Ennepetal stehen Autos aus ganz Deutschland, aus Finnland, Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, aus Belgien und aus den Niederlanden - vor allem aus den Niederlanden. OUTBREAKBAND & BLUETREE
Los ging's um 13:00 Uhr mit der OUTBREAKBAND, die mit einem sehr höhenlastigen Sound und noch schlappen Besucherzahlen zu kämpfen hatten. Sie sollten allerdings auch nur einstimmen auf den folgenden Gottesdienst (!), bei dem Michael Bloodgood - der am Ende des Tages noch mit seiner Band auf die Bühne kletterte - die Predigt hielt. Humorvoll, mit Tiefgang und nicht zu sehr ins tiefentheologische abdriftend, vergingen die 30 Minuten. Dann wurde die Bühne wieder für Musik freigemacht. Die erste große Überraschung stand auf der Bühne: BLUETREE aus Belfast, die bei der CRN im letzten Jahr schon für Furore sorgten und nach lange nicht zu einer Legende gehören, mit ihrer Musik aber, die sich in einer Schnittmenge aus COLDPLAY und U2 und somit haarscharf an DELIRIOUS? bewegt, auch das ältere Semester begeistern konnten. Sympathisch und locker, die ersten zwei Stunden der LoR vergingen wie im Flug. MOCKING DEATH
Während BLUETREE ihrem Auftrittsende entgegen spielten, lärmten auf der "Unplugged Stage" die Lokalmatadoren MOCKING DEATH alles in Grund und Boden. Die Band, die aus den ehemaligen TRUST ROCKS entstand, gab ihr Thrash-Metal-Programm recht lautstark aber überzeugend ans Publikum weiter. Das dankte mit stehendem Beifall. HB
Weiter ging's auf der Mainstage mit HB aus Finnland, die auch auf der letzten CRN schon voll und ganz zu überzeugen wussten. Ihr symphonischer Metal mit Frauenstimme war schon der Reißer im letzten Jahr und ihre CDs waren innerhalb von Minuten ausverkauft. Nachbestellungen dauerten bis zu 3 Monaten und sie selbst waren vom Erfolg genauso überrascht wie der Veranstalter selbst. Aus den Ereignissen des letzten Jahres gelernt, hatte man diesmal ausreichend CDs und Merchandising am Start und konnte somit jeden Besucher zufrieden stellen. Genauso mit der Musik, die schon wesentlich agiler und lebhafter von der Bühne kam. Allerdings sei die Frage erlaubt, ob zwei recht lange Monologe innerhalb der 60 Minuten wirklich angebracht sind. Trotzdem gaben die Herren um Frontfrau Johanna und einen neuen Gitarristen einen soliden und überzeugenden Gig zum Besten.
Danach folgte ein Trio, bestehend aus Bass, Drums und Gitarre. VERRA CRUZ, zwar noch recht jung, aber trotzdem, was die Bühnenpräsenz angeht, legendär. Die drei groovten, bluesten und rockten sich durch ihren Gig, dass es eine wahre Freude war. Da blieb kein Bein ruhig und schnell hatte man den Saal im Griff. Hier wird hoffentlich in der Zukunft noch viel zu erwarten sein.
TOURNIQUET (unplugged)
Vor der "Unplugged"-Bühne versammelten sich die, die den Klängen von VERRA CRUZ nicht viel abgewinnen konnten. Das waren nicht viele, die aber bekamen TOURNIQUET in akustischer Variante um die Ohren gehauen. Dass die Herren absolute Ausnahmekönner ihres Fachs sind, steht außer Frage, immerhin hat man mit Ted Kirkpatrick einen Schlagzeuger hinter den Trommeln sitzen, der auch schon mal bei den Thrashern von SLAYER in die engere Wahl gezogen wurde. Sicherlich entfaltet sich der komplexe Sound nicht wirklich im entschlackten Gewand, aber beeindruckend war es allemal. Wäre da nur nicht die bange Frage, wo die ihren Bassisten gelassen haben.
AUDIOVISION
AUDIOVISION sind sicherlich keine Legende, aber mit Christian Rivel am Mikrofon hatte man eine Legende vorzuweisen. Immerhin war dies bis zum letzten Jahr der Sänger der skandinavischen Melodic-Metaller NARNIA, mit denen er eines seiner letzten Konzerte in Deutschland bei der LoR 2008 spielte. Was war anders im Gegensatz zu seinem ehemaligen Brötchengeber? Ehrlich gesagt: Nichts! Wer NARNIA kennt, weiß wie AUDIOVISION klingen, auch wenn Mr. Rivel das etwas anders sieht. Wie auch immer, es war ein solider und guter Gig, der einen Querschnitt des Schaffens ihres kahlköpfigen Frontmannes zum Besten gab, denn auch wenn er nicht mehr bei NARNIA singt, so ganz ohne die ein oder andere Perle geht es dann doch nicht. ![]() Nachdem das Sextett die Bühne wieder verlassen hatte, folgte das zweite Trio des Abends. GRAMMATRAIN aus Seattle. Genau zehn Jahre nach ihrer Auflösung (ihr Farewell-Album haben sie 1998 auf der CRN in Ennepetal mitschneiden lassen!) traten die Brüder Roraback in Ennepetal an, um in der Szene wieder mitzumischen. Denn, so versprach Gitarrist Pete Stewart, dies sollte kein One-Off-Reunion-Gig werden, sondern der Startschuss zur zweiten GRAMMATRAIN-Phase. Und so legten sie mit ihrer Mischung aus PEARL JAM, SOUNDGARDEN und METALLICA den Beweis an, dass mit ihnen in Zukunft durchaus zu rechnen ist. Im Mai folgt das Amerika-Debüt und im Laufe des Jahres eine neue CD. Einen kleinen Ausblick konnte man in den 60 Minuten ihre Showtime beguthören.
![]() Dann folgte das erste von vielen sehnsüchtigst erwartete Highlight des Abends. TOURNIQUET traten zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren in Ennepetal auf die Bühnenbretter. Ihre Mischung aus Frankenstein meets Beethoven hat allerdings einen Nachteil: sie funktioniert nur, wenn ein Bassist dabei ist. Und den hatten sie - genau wie bei der CRN 2007 - nicht vorzuweisen. Nachdem ihr eigener 4-Saiten-Zupfer krankheitsbedingt für längere Zeit ausgefallen ist, hatte der Aushilfsbasser seinen Anschlussflug verpasst und hing irgendwo im Universum rum. Somit wurde es wieder ein Gig von technisch sehr hohem Anspruch, allerdings ohne den nötigen Wumms unten rum. Schade, denn ich hatte mich sehr darauf gefreut, den vier Herren mal wieder bei der Arbeit zu schauen zu dürfen. Ein klein wenig machte man dann Boden gut, als man Oz Fox auf die Bühne holte und gemeinsam mit ihm und der Hymne seiner Stammband STRYPER To Hell With The Devil das Publikum auf den letzten Akt des Abends vorbereitete.
![]() BLOODGOOD waren letztes Jahr schon auf der LoR anwesend und zeigten allen Anwesenden, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist. Daran hat sich auch ein Jahr später nichts geändert. Nach einem äußerst belustigenden Soundcheck stiegen die Jungs um den Bassisten Michael Bloodgood in ihren Best-Of-Set ein, der nichts zu wünschen übrig ließ, außer dass er viel zu schnell beendet war. Was diese Herren, die inzwischen auch im Endfünfziger-Stadium angekommen sind, für eine Agilität und Spielfreude auf die Bretter legen, ist schon sehr erstaunlich. Diese Band hat nichts von ihren Glanzzeiten verloren: Ausstrahlung, Präsenz und Charisma - an denen kommt auch heute kaum eine Band vorbei. Die Band ist damals wie heute ein Erlebnis und mit Les Carlson hat man nach wie vor einen der besten Sänger, den die christliche Metalszene vorzuweisen hat. Mit Freudentränen in den Augen verließen viele glückliche und erschöpfte Fans die Halle, um noch lange mit den Aktiven des Tages zu reden oder Autogramme zu sammeln.
Inzwischen war auch über Ennepetal die Sonne untergegangen, genauso wie über dem FC Bayern. Der Parkplatz leerte sich, was blieb waren die müden Freiluft-Camper, die es sich mit ihren Schlafsäcken auf dem Parkplatz bequem gemacht hatten und so diese LoR beendeten. Noch mal ein Dankeschön an das Team um die Westermänner, die mal wieder einen unvergesslichen Abend im Haus Ennepetal veranstaltet haben. Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 15.04.2009
|
||||||||||||||||||||||||||
|
|