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Festival

Rototom Sunsplash 2002

29.06.2002

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Parco del Rivellino, Osoppo/Udine, 29.06.2002
27.06.2002 28.06.2002 30.06.2002 Festival-Impressionen

11:00 Uhr:

Die lokale Presse, der Messagero del Veneto, berichtet vom Auftritt von Gilberto Gil heute gegen Mitternacht. Es wird recht ausführlich auf seine Musik eingegangen und darauf hingewiesen, dass sein heutiges Programm Bob Marley gewidmet ist. Weiteres, also auch Berichte über die bisherigen Gigs, gibt es leider nicht. Schade. Geraldine, unsere Kontaktfrau, meint dazu, dass die lokale Presse kaum Notiz von diesem, doch recht bedeutenden Festival, nimmt.

15:30 Uhr:

Die Sonne hat uns wieder!!!!!
Die Zeichen stehen gut, dass wir heute einen tollen Festivaltag erleben werden. Die Sonne trocknet gerade die Schlammlöcher auf dem Gelände, die Hauptbühne ist repariert und die angekündigten Künstler sind zum Teil schon in Osoppo eingetroffen. Der Percussion-Workshop trommelt schon wieder eifrig direkt vor unserem Arbeitszelt und wird den armen Werner vermutlich bald in den Wahnsinn treiben.
Nach einer langen, langen Nacht (die Show von Luciano hat erst um 02:00 Uhr morgens begonnen) haben wir es heute etwas langsamer angehen lassen, lecker beim Äthopier Mittag gegessen und sind gerade dabei die Bilder von gestern Nacht zu bearbeiten. Die angekündigten spektakulären Bilder von Lady Saw und Luciano gehen bald online.

Ristorante Etiopia
Es schmeckt .....
Morgen geplant: Jamaica

18:30 Uhr:

Wie wir erfahren haben, werden Suoni Mudu, Gilberto Gil und Lucky Dube und eine weitere Band auf der Mainstage auftreten. Die anderen, Mika und Unidos do Berimbau, werden ihre Auftritte im Babylonia-Zelt absolvieren. Hintergrund ist, dass das Equipment aller Bands vor Beginn der Auftritte auf der Mainstage aufgebaut wird, die beiden Großen wohl sehr viel Equipment brauchen und für mehr kein Platz mehr ist. Zumindest steht ein Marshall auf der Bühne, nicht typisch für eine Reggae-Band.

19:00 Uhr:

Im Babylonia-Zelt haben Downtown Rebels, eine italienische Band, ihren Gig, die Texte zum Teil in Italienisch, zum Teil in Englisch, manche Songs Pop-orientiert.

21:40 Uhr:
Ein uns (noch) nicht bekanntes Arrangement macht es möglich, dass alle angekündigten Main Acts auf der Hauptbühne stattfinden. Also werden Mika und Unidos do Berimbau doch nicht ins Babylonia-Zelt verlegt.

22:00 Uhr:
Mika hat gerade den letzten Song ihrer Show angekündigt. Die Stimmung vor der Mainstage ist gut, alle freuen sich, dass die technischen Probleme wohl behoben sind und das Wetter wieder mitspielt. Die weisse Rastalady aus Belgien mit griechisch/russischer Abstammung gibt mit ihren rootsig/poppigen Songs ein gutes Debut in Italien. Ihre Schwester, die eigentlich den Part des Backgroundgesangs hat, zeigt der Posse, dass man Dancehall auch auf französich machen kann.

Unidos Do Berimbau Derweil verbreitet die 30-köpfige Crew von Unidos do Berimbau schon den ganzen Nachmittag gute Stimmung. Erst haben sie sich mit ihren Instrumenten dem laufenden Percussion-Workshop angeschlossen, dann sind sie im Corso trommelnd und tanzend über das ganze Gelände gezogen.
Die stecken so voll Musik und Temperament! Toll! Wir freuen uns auf mehr!

22:00 Uhr:
Unidos do Berimbau machen brasilianischen Karneval auf der Mainstage von Osoppo. Genial, was die italienische Sambaschule aus Trieste da aufführt. Man glaubt doch fast, man ist am Zuckerhut.
30 Percussionisten und Tänzerinnen mit einem Hauch von Nichts und Federn. Nach Lady Saw schon wieder ein Augenschmaus für die Männer! Aber da gucken auch die Mädls gerne hin, das bestätigt mir auch gerade die Severina!
Da ist die Audience auf jeden Fall gut aufgewärmt für Gilberto Gil. So wars geplant und das hat 100% funktioniert!
Damit dürfte wohl klar sein, wem die Festivalbesucher morgen beim Endspiel zujubeln werden. Sorry Rudi, aber ich glaube wir haben da keine Chance! Trotzdem freue ich mich schon drauf, wird sicher eine spannende Sache in dieser Atmosphäre, das Finale zu sehen.

23:53 Uhr:
Die gestrige Gewitterfront hat deutlich kühlere Luft in ihrem Gefolge. Es ist zwar nicht so kühl wie gestern um diese Zeit, aber ringsherum haben alle die kurzen gegen die langen Jeans ausgetauscht und die Pullover etc. übergezogen. Wir sind hier am Fuße der Alpen, etwa dem südlichen Gardasee vergleichbar und auch noch am Anfang des Sommers. Aber solange die Finger mitmachen, wird getippt.

00:20 Uhr:
Tja, die Kälte spüren wir hier in unserem Zelt, aber ganz sicher nicht die Leute vor der Bühne, wo die Show von Gilberto Gil gerade läuft. Das dürfte der bisherige Besucherrekord sein. Genauere Zahlen erhalten wir evtl. morgen.
Der brasilianische Superstar bietet grosses Entertainment. Er hat eine gigantische Crew dabei (u.a. 2 Mann Percussion, 2 Mann Keyboards, 3 Girls Background), die Sound erster Klasse machen und Gilberto Gil kennt man seine 60 Jahre kein bisschen an.
Er hat seine Show ja selbst als ein Bob Marley gewidmetes Projekt bezeichnet. Und er spielt sie alle, die grossen Hits von Bob: No Woman No Cry, Kaya, Buffalo Soldier etc., etc., und zwar sehr nah am Original.
Ich gebe zu, ich bin kein grosser Freund von diesen Bob Marley Cover Shows, hatte mehr brasilianisches Flair erwartet. Aber den Leuten gefällt es, es wird überall gesungen und getanzt. Und das ist schliesslich die Hauptsache.

00:30 Uhr:
Es scheint leider kein Festival zu geben, wo man diese Sätze nicht schreiben muss. Geraldine erzählt mir gerade, dass wohl etliche gefälschte Festivalbändchen im Umlauf sind. Die Veranstalter tun alles, um den Leuten ein tolles Festival zu bieten. Die Verkäufer wie auch die Käufer dieser Fälschungen sollten sich wirklich überlegen, ob es fair ist, diese Menschen um den Lohn all ihrer Arbeit und Bemühungen zu bringen.

01:44 Uhr:
Auch dies muss leider vermerkt werden: Bis jetzt sind vier Rettungswägen mit Blaulicht und Sirene an unserem Zelt vorbeigefahren. Die vergangenen Tage ist uns kein einziger Einsatz aufgefallen. Es mag aber sein, dass wir nicht immer alles mitbekommen haben. Heidi meint dazu, dass gestern ein paar Leute aus dem Babylonia-Zelt getragen worden sind. Aber es scheint wohl ohne Notarzt abgegangen zu sein. Hoffen wir, dass es sich heute um nichts Ernstes handelt.
"Unser Zelt" (zehn Meter im Quadrat) ist das Internet-Caffee des Festivals. Sechs PCs stehen für Surfer zur Verfügung (beim Siebten, einem Mac, hat das Netzteil nach dem Unwetter den Geist aufgegeben, das rauchende Ereignis wurde, nicht von uns, im Bild festgehalten), zwanzig Minuten kosten 2, eine Stunde 4 Euro. Durchaus humane Preise, wie mir Marco und Stefano versichern und nicht teurer als "Draussen". Unser Platz ist am rechten Ende der PC-Tische und, auch wenn doch einiges los ist, so werden wir in unserer Arbeit kaum gestört. Die Front des Zelts ist zu 80% eine Bücherauslage (Reggae, Reggae, Reggae - besonders toll ist das Geschäft nicht, wie ich höre) und links hat "Emergency" seinen Platz (eine christliche Vereinigung gegen Krieg, Ausbeutung und den Hunger).

01:50 Uhr:
Spät ist es auch heute wieder, aber dafür ist die Stimmung ausgezeichnet und Lucky Dube macht wie gewohnt eine tolle Show.
Wie immer bei ihm ist die Choreographie perfekt ausgearbeitet. Die Posse tobt, wenn er über die Bühne springt und seine Dreads fliegen oder eine perfekt synchrone Einlage mit den Backgroundgirls, Gitarristen und Bassisten kommt.
Seine Message gegen Gewalt und Korruption in seiner Heimat Südafrika wird vor allem von den afrikanischen Gästen bejubelt.
Mir persönlich fehlt bei seinen Shows immer ein wenig mehr musikalische Abwechslung.
Was soll man sonst noch zu Lucky Dube sagen? Schaut Euch doch einfach das Interview an, das ich 2000 mit ihm gemacht habe.

03:00 Uhr:
Unmittelbar nach der letzten Show war noch ein Feuerlauf irgendwo im Parco del Rivellino direkt vor dem Festivalgelände angekündigt.
Nachdem unser Auto sowieso eingeparkt war, haben wir uns also auf die Suche gemacht. Entdeckt haben wir dabei in einem kleinen Valley vor einem Seitengate eine total nette Hippiecommunity. Die haben da ein paar Verkaufsstände aufgebaut, natürlich lange nicht so schick wie auf dem Festivalbasar, dafür um so liebenswerter.
Auch spät in der Nacht haben sie noch fleissig frische Pizza gebacken.
In der Mitte des Geländes haben sich ein paar Leute um ein Lagerfeuer versammelt und mit ihren Trommeln stimmungsvolle Musik gemacht. Beinahe hätten wir die Sevi an diese kleine Community verloren, die wollte gar nicht mehr weg.

Gleich im Nebenvalley wurde derweilen der Feuerlauf vorbereitet.
Wir waren ja wirklich gespannt, weil dort so eine tolle Atmosphäre war. Aber diese Veranstaltung ging leider ziemlich nüchtern vonstatten. Sevi, die solche Ereignisse aus Bulgarien kennt, meinte das Magische haben völlig gefehlt. Und auch mir kam es mehr wie ein Motivationskurs für Jungmanager vor. Lustig war nur, als sich alle unter einem grossen Drachen versteckt haben und damit nochmal gemeinsam über die Glut gelaufen sind.

ID, (Impressum, Artikelliste), 29.06.2002

Werner Saumweber, (Impressum, Artikelliste), 29.06.2002

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