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SummerJam 2001Köln,
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Betrittst du am ersten Wochenende im Juli die Insel im Fühlinger See, Köln, stehst du plötzlich in einer anderen Welt. Bunt, farbenfroh, lustig, entspannt ... und .... laut.
Wenn du den Eingang mal gefunden hast!
Erster Rundgang so gegen 20.00 Uhr zur Orientierung:
Mein erster "Arbeitseinsatz" ist die Show der Nazarenes im Yellow Tent. Ich habe die in Schweden lebenden Eriträer erst vor kurzem in Augsburg erlebt. Mit der Atmosphäre hier beim Summer Jam war das allerdings nicht zu vergleichen. Es kommt halt einfach besser, wenn die richtigen Lichteffekte zu den sphärischen, beinahe meditativen Klängen der Nazarenes kommen und ein paar hundert Leute entspannt mitschwingen. Da tat es auch keinen Abbruch, dass einer der Brüder den Arm im Gipsverband hatte und deshalb statt Gitarre "nur" ein bisschen Percussion spielen konnte. Auf jeden Fall war dieser relaxte Sound genau das richtige für mich, um nach einem anstrengenden, heißen Anreisetag zu sagen "Ok, jetzt bin ich hier Summer Jam 2001!" Diejenigen, denen nach Party war, sind in eines der anderen Veranstaltungstents weitergezogen, ich dagegen bin in mein kleines Zelt gekrabbelt. Hypnotix wollte ich zwar endlich einmal live sehen, aber die Müdigkeit hat gesiegt. Mit Schlafen war allerdings auch nicht so sehr viel, weil aus dem nahem White Tent die Beats gar mächtig wummern und den Boden schier erbeben lassen. Macht aber nix, das ist halt Festivalatmosphäre, das gehört dazu. Und so ist es auch nicht wirklich ärgerlich, dass nach heftigem Regen in der Nacht schon morgens um 6:00 Uhr Getrommel vom Zeltplatz tönt. Kalte Dusche, Frühstück, Teambesprechung. Wer macht was, photographiert wo, interviewt wen. Spannende Angelegenheit! Ich komme mir direkt ein bisschen wichtig vor. Denn Dank Max und seinen guten Kontakten zum Veranstalter finden sich die Künstler beinahe alle brav zum Interviewtermin auf der RootZ-Couch ein. Der Samstagnachmittag gehört traditionsgemäß den deutschen Bands. Das Programm eröffnet am Mittag Dr. Ring Ding & The Senior Allstars. Das spare ich mir noch, weil ich die Jungs auch vor kurzem erst gesehen habe. Ich habe aber nur Gutes von der Show gehört und wie auch schon beim Junity Day tobt die Menge bei der unverwechselbaren Mischung aus Reggae, Ska, Rocksteady der Westfalen. Anschließend powern Seeed gewohnt mächtig los, als Anheizer ist wieder Black Kappa mit seinem roughen Dancehallsound dabei. Ihr Programm haben sie teilweise umgestellt, bringen nicht mehr nur Songs von der aktuellen Scheibe "New Dubby Conquerors". Bei all den vielen Auftritten, die Seeed seit Mai bewältigt, wäre sonst wohl auch schon die Band zu Tode gelangweilt. An "Dickes B" , das inzwischen wirklich Jeder kennt kommen sie natürlich nicht vorbei und daß die 11 Jungs In sind und beachtlichen Erfolg in der deutschen Reggaeszene haben, beweist auch der Riesenandrang beim anschließenden Interview. Ich trabe mit meiner Kamera zu Jan Delay, lasse mich mal überraschen. Und ich muß schon sagen, der Junge liefert eine tolle Show ab, macht klasse Stimmung, auch wenn er so schmächtig und käsebleich etwas verloren auf der Bühne wirkt. Spätestens bei "Ich will nicht, dass ihr meine Lieder singt" ist auch das Publikum voll dabei. Und trotzdem werde ich wohl kein Fan von Jan Delay. Ich kann mit seiner nöligen, nasalen Stimme einfach nicht allzu viel anfangen. Aber zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden. Auf Sly & Robbie mit Black Uhuru habe ich mich schon sehr gefreut, wurde allerdings ziemlich enttäuscht. Da fehlt es an Spritzigkeit und Engagement, das wirkt streckenweise schon beinahe gelangweilt. Und obwohl ich mit meinem On-Stage-Photopaß quasi hautnah dran war, wollte kein Funke überspringen. Der Frontpart war äußerst schwach, und Robbies Extravaganzen auf der Bühne zu beobachten, ist zwar mal ganz witzig, nützt sich dann aber auch relativ schnell ab. Lediglich die Soli von Sly & Robbie können die Stimmung etwas heben, ansonsten aber absolut nichts Neues von den vielumjubelten Reggaelegenden. Ich kann mich nicht einmal mehr so richtig erinnern, welche Songs gespielt wurden, das sagt wohl alles. Ganz anders ging es mir anschließend bei Morgan Heritage. Die Band hat mich im Frühjahr in München schon überzeugt und auch die Show beim Summer Jam hat es mir wieder angetan. Da gibt es eigentlich gar nicht viel zu sagen. Morgan Heritage sind Vollprofis, die wissen einfach, was sie auf der Bühne und mit dem Publikum treiben. Die wunderschöne Abendstimmung tat ihr übriges. Was gibt es aber noch besonders zu erwähnen: Mr. Mojo kam zu seinem Rap-Part mit verletztem Fuß am Stock nach vorne gehumpelt, LMS, , das junge Morgan-Trio bekam keinen eigenen Auftritt aber wenigstens Laza durfte unter dem Motto Geschwistersolidarität für 2 Songs mit auf die Bühne und "Papa" Denroy Morgan kam zum großen Finale im Freizeitlook auf die Bühne. Da musste ich ja schon schmunzeln, ist man doch eher das Uniform-Outfit von ihm gewohnt und dann steht der auf einmal in Shorts, knallgelben T-Shirt, Tennissocken und Turnschuhen da! Insgesamt kam diesmal ihr neues Album "More Teachings" mehr in den Vordergrund, aber zum Abschluß gab es, natürlich, "Don't Haffi Dread", mit Sicherheit einer ihrer besten Songs und immer wieder schön! Zum anschließenden Interview erscheint die Family fast komplett. Sehr ergiebig sind die Antworten der Morgans allerdings nicht, lediglich die Adresse ihrer Homepage müsste jetzt jeder beim Interview Anwesende im Schlaf aufsagen können. Den letzten Act des Tages auf der Hauptbühne hat Sizzla. Und da ist derartig die Hölle los, dass nun endgültig kein Durchkommen mehr ist. Drum laß ich Sizzla Sizzla sein, überlasse die Aktionen in den Tents meinen RootZ-Kollegen und ziehe mich dezent zurück. Hatten wir am Samstag mit dem Wetter noch richtig Glück und all die dunklen Regenwolken zogen am Fühlinger See vorbei, war am Sonntag endgültig Schluß mit lustig. Schon morgens um 8 war's kühl und windig mit Nieselregen. Wer allerdings Chiemsee Reggae Erfahrung hat, den kann das doch nicht wirklich umhauen. Und bis auf 2 richtige Wolkenbrüche am Nachmittag war's immer noch einigermaßen erträglich. Als Sixth Revelation, die am Sonntag das Programm eröffnen sollten, eintreffen, ist überall noch tote Hose und es dauert eine Weile bis alles organisiert ist. Die Band nützt den Vorteil, die ersten zu sein, für einen ausgiebigen Soundcheck und siehe da, kaum schallen die ersten Reggaeklänge übers Gelände, kommen die Leutchen dann doch aus ihren Zelten gekrabbelt. Und als mit Sixth Revelation um 12.30 das Sonntagsprogramm startet, haben sich schon wieder jede Menge Leute vor der Bühne versammelt. Die Jungs schaffen es mit einer hervorragenden Show und einer Mischung aus alten und neuen Songs auch sofort trotz schlechtem Wetter und einigen Festivalschädigungen für gute Stimmung zu sorgen. Und selbst die Local Crew Chefin Brigitte danced hinter der Bühne: " Eine Band, die mich am 3. Festivaltag schon mittags zum Tanzen bringt, alle Achtung, das will was heißen." Weil ich beim Interview mit Sixth Revelation noch Bilder mache, versäume ich Misty in Roots. Das wird aber beim Chiemsee Reggae Summer nachgeholt. Dawn Penn war ursprünglich für das Yellow Tent geplant und landete wegen der Absage von Luciano auf der Main Stage. Am regnerischen Sonntagnachmittag liefert die Reggae-Diva in ihren altmodischen Klamotten eine ebensolche Show ab. Die Ska- und Rocksteady-Songs klingen schon irgendwie etwas angestaubt und ihr Superhit "No, No, No" reißt's auch nicht wirklich raus. Gut, dass Frankie Paul die Regen-Stimmung vertreiben konnte. Das war nun wirklich eine schöne Show. Mit einer Mischung aus 80er Jahre Dancehall, Roots und einem guten Schuß Soul schuf der Jamaicaner innerhalb kürzester Zeit eine relaxte Atmosphäre. Das ist Musik zum Träumen und Entspannen. Und der fast blinde Sänger ist der beste Beweis, dass man auch ohne große Bühnenshow mit einer guten Stimme eine tolle Show machen kann. Farbenfroh und stimmgewaltig ging es gleich nach Frankie Paul mit Everton Blender weiter, er selbst ganz in Gelb, immer wieder wild mit seinem Stab fuchtelnd, die beiden Background-Sängerinnen in Rot/Grün. Everton Blender steht mit für den jamaicanischen New Roots der 90er und stellt das mit seinen Erfolgssongs "World Corruption" und "Blen' Dem" unter Beweis. Aber auch seine neueren Sachen lassen sich hören, allesamt natürlich geprägt von seiner ausdrucksstarken Stimme. Nach diesen positiven Eindrücken dachte ich nur noch Burning Spear könnte meine Stimmung noch steigern. Schließlich sollte es das erste Mal sein, dass ich DIE jamaicanische Reggaelegende live erlebe. Aber ganz ehrlich: Wirklich vom Hocker hat mich die Show nicht gerissen. Wie schon bei Black Uhuru fehlte mir der berühmte Funke, die Stimmung, bei der man einfach mittanzen muß. Abgekämpft und ausgelaugt wirkt Burning Spear auf mich oder ist es nach all den vielen Jahren etwa so etwas wie Bühnenmüdigkeit? Vielleicht gibt es aber auch einfach zu Viele, die ihren Stil sehr an Burning Spear angelehnt haben, als dass man noch das Gefühl hätte, gerade etwas Besonderes auf der Bühne zu erleben. Schade! Von Culture mache ich nur noch fix ein paar Bilder, schließlich muß noch gepackt, das Zelt abgebaut werden. Aber bei Culture habe ich sowieso das Problem, dass ich einen Song nicht vom anderen unterscheiden kann, weil zwar jedes Lied für sich ganz schön ist aber gegenüber den anderen zu wenig eigene Akzente setzt. Die Band wurde übrigens relativ kurzfristig engagiert, weil bei Lucky Dube Babylon mit seiner Bürokratie zugeschlagen hatte und er nicht alle notwendige Papiere bekommen konnte. Und noch eine Absage traf auf den Sonntag. Der Mann mit der Posaune Rico Rodriguez flog ganz kurzfristig aus dem Programm. Die Ursache hierfür konnten wir allerdings nicht ergründen. Als ich in unserem "Übertragungs"-LKW das Gelände am Fühlinger See gegen 22:00 Uhr verlasse, kann ich gerade noch ein paar Blicke auf das schöne Feuerwerk erhaschen, und dann ist der Summer Jam 2001 auch schon wieder Geschichte. Ein herzlicher Dank geht an die Veranstalter und Organisatoren des Summer Jam, die auch dieses Jahr wieder einen Riesen-Event ohne größere Katastrophen über die Bühne gebracht haben, und natürlich an Max mit seinem kompletten RootZ-Team ohne den ich diese Eindrücke so nicht hätte erleben können.
ID (Impressum, Artikelliste), 22.08.2001 | |||||||||||
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