Der Klick auf ein Bildchen zeigt es in voller Größe in einem neuen Browserfenster.
|
Flyer 2003 - 91 KB
|
CD-Flyer 2003 - 29 KB
|
79 KB
|
56 KB
|
55 KB
|
50 KB
|
32 KB
|
25 KB
|
26 KB
|
25 KB
|
32 KB
|
16 KB
|
12 KB
|
28 KB
|
Flyer 2004 - 57 KB
|
|
| I survived Wacken! |
 |
100 Tonnen Stahl, 30.000 zahlende Besucher, zusätzlich einige tausend Pressevertreter, Bandmitglieder und Crewangehörige, 1200 Rettungskräfte und mit ca. 500 Mann soviel Security wie halt nötig. Insgesamt tummelten sich anlässlich des diesjährigen Wacken Open Air (Motto: 14 years louder than hell) 45.000 Menschen in der 1.800-Seelen-Gemeinde Wacken im Kreis Steinburg (Schleswig-Holstein) um zum 14. mal seit 1990 den Heavy Metal zu zelebrieren. Auf 4 Bühnen traten zwischen Donnerstag, 31.07.2003 und Samstag, 02.08.2003 rd. 60 Bands der Szene auf: Darunter alles vertreten von Mega-Acts wie SLAYER (USA) und TWISTED SISTER (USA) bis hin zu aufstrebenden Newcomer-Bands wie z.B. V8 WANKERS (D) oder PSYCHOPUNCH (SWE). Anhänger aller Sparten des Heavy Metal wurden dabei bedient: Power- und Speed Metal, Thrash Metal, Dark- und Death Metal, Black Metal, Deathpunk und Streetrock gaben sich ein friedliches Stelldichein ohne jegliche Ausschreitungen oder Zwischenfälle.
Kleines Kuriosum am Rande: Sogar auf dem Zeltplatz tummelten sich die Musiker. Die eigens zu diesem Zweck angereiste Band ERAZER (D) packte ihr Equipment aus, ließ den Generator an und erfreute die angereisten Camper mit einer nahezu 24-Stunden-Beschallung aus alten AC/DC-Songs (insb. Whole lotta rosie war fantastisch!). Nach langen und intensiven Diskussionen auf Seiten des Festivalmanagements wurde beschlossen, die Rocker gewähren zu lassen (Aussage der Veranstalter: "Wir sind ja selber noch Fans und freuen uns, wenn so etwas passiert").
Bewährt hat sich der Ablauf, von 11 bis 18 Uhr allen Bands nur 45 Minuten Spielzeit zuzugestehen, ab 18 Uhr dann 60 Minuten und später die volle Headliner-Spielzeit. So wird es über den Tag nie langweilig und die Schlagzahl von Bands, die sich auf den diversen Bühnen die Klinken in die Hand geben ist wirklich enorm.
Zum Glück ist es gelungen, die in den letzten Jahren stark kritisierten Überschneidungen etwas einzudämmen, lediglich die parallelen Gigs von den APOKALYPTISCHEN REITERN (D) und TESTAMENT (USA) waren ärgerlich.
Nur zwei von 61 Bands mussten ihre Auftritte im Vorfeld absagen: Wegen des Ausstieges ihres Sängers wurden für ICED EARTH schon vor Wochen die wiedervereinigten TWISTED SISTER (USA) engagiert. Aber selbst für den erst am Freitag abgesagten Gig der Death Metal Band SINISTER (NL), die sich auf dem Weg nach Wacken im Tourbus zerstritten und daraufhin ihren Gitarristen gefeuert haben, wurde Ersatz gefunden. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, da der Sinister-Gig der erste des Samstags (11.00 Uhr) hätte sein sollen und deshalb wohl jeder andere Veranstalter die Show einfach ersatzlos gestrichen hätte. Nicht so die Väter des Festivals Holger Hübner und Thomas Jensen: Eilends wurde nach Hamburg telefoniert und Sabina Claassen und ihre Kapelle HOLY MOSES herbei geschafft. Ohne Equipment angereist, durfte man sich bei den Kollegen bedienen und ein Feuerwerk aus legendären achtziger Jahre Thrash Metal Songs abfeuern. Dass zu Master of Desaster und Too drunk to fuck etliche hundert Fans vor die Hauptbühne kamen, spricht für die gute Kommunikation zwischen Fans und Management (im Jahr 2002 gab es einen Eklat, weil die Show der Band CANDLEMASS vorverlegt wurde und deshalb viele Besucher den Gig ihrer Lieblingsband verpassten.
Donnerstag, 31. Juli 2003
Ursprünglich als kleiner Bonus für die Frühanreisenden gedacht, hat sich der Donnerstag mittlerweile zu einem echten Highlight gemausert. Auf dem Billing fanden sich in diesem Jahr CIRCLE II CIRCLE (USA), ANNIHILATOR (USA), VICTORY (D) und RUNNING WILD (D), letztere nicht gerade auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Große Verwunderung allerdings, als nach VICTORY Klänge ganz anderer Art ertönten: Seit wann ist Motorcycle Man von RUNNING WILD? Seit wann singt Rolf Kasparek alias Rock'n Rolf in solch einer hohen Tonlage? Fragen über Fragen. Des Rätsels Lösung: Auf der Bühne standen SAXON (GB), die Helden der NWOBHM (New wave of british heavy metal)!
Eine Woche zuvor wurde im Rahmen des Auftritts zu den 100 Jahr Feierlichkeiten der Harley Davidson Werke in Hamburg die Idee geboren, in Wacken einen knapp halbstündigen Gatecrash-Gig zu spielen. Die Leute waren schier aus dem Häuschen! In Zukunft bitte mehr solcher Überraschungen!
Freitag, 1. August 2003
Freitag morgen, Wacken. Die Sonne brennt! Bei gut 30 Grad wurde der fröhliche Band-Reigen im Paulaner Biergarten (Bier 3 Euro, Leberkäs' 4 Euro, Haxe 6 Euro) bei einem Maß Bier und den Klängen der britischen Combo EXTREME NOISE TERROR (da ist der Name Programm!) eröffnet. Um 14.00 Uhr folgte dann das erste Highlight des Tages und für mich einer der Festival-Höhepunkte überhaupt: Die wiedervereinigten DIAMOND HEAD (GB) begeisterten die Massen mit ihren Klassikern aus der Frühzeit des Heavy Metal. Szenegrößen wie METALLICA geben DIAMOND HEAD stets als einen ihrer größten Einflüsse an (man coverte sogar einige Songs der Briten). Die Mannen um den agilen Brian Tatler gaben richtig Gas! Bei Klassikern wie The prince, It's electric und dem fantastischen Am I evil gab es kein Halten mehr. Da wippten selbst jene zum Rhythmus des Hard Rock, die sonst außer Nord-Norwegischem Black Metal und Splatter Movie Soundtracks nichts an ihre Ohren lassen. Groß!
Nahezu zeitgleich gab es auf der einzigen Zeltbühne (W.E.T.-Stage = Wacken Evolution Tent Stage) einen Streetpunk-Doppelschlag der Extraklasse: Die V8 WANKERS (D) und die Schwedenrocker aus Vesteräs PSYCHOPUNCH gaben sich die Klinke in die Hand und dazu auch noch richtig Gas! In Wacken ist halt für jeden was dabei. PSYCHOPUNCH glänzten nicht nur mit dem Songs ihres aktuellen Albums "The pleasure kill", auch die älteren Stücke, allen voran Back in the days wurden frenetisch gefeiert.
Und das gab's noch am Freitag:
SENTENCED (FIN)
Mit ihrer melancholisch-melodiösen Melange aus modernem Rock und düsterem Heavy Metal gehörten SENTENCED ebenso zu den Gewinnern des diesjährigen Wacken Open Airs. Im Vordergrund standen dabei die Songs der jüngeren Alben "Crimson" (2000) und "The cold white light" (2002). Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt bei dem Doppelschlag vom aktuellen Album Cross my heart and hope to die und Brief is the light.
TESTAMENT (USA):
Nach der Genesung des Frontmannes Chuck Billy von einer schweren Krebserkrankung zeigten die Bay Area Thrasher ein ums andere Mal, wo der Bartl den Most herholt! Die Bewegung, einst von Bands wie TESTAMENT und METALLICA angeführt, lebt! Und wer bei all-time-classics wie Over the wall oder Desciples of the watch nicht vor TESTAMENT auf die Knie fällt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen.
GAMMA RAY (D):
Die Hamburger um Kai Hansen (Ex-HELLOWEEN) haben sich und dem Publikum keinen Gefallen getan, indem sie den Set ihrer Tour "Skeletons in the closet" vortrugen (hauptsächlich sonst nicht live gespieltes Material): Ein klassischer Best-Of-Set hätte dem Wacken 2003 besser zu Gesicht gestanden, gerade vor dem Hintergrund der Tatsache, dass nicht nur die eigenen Fans vor der Bühne standen, sondern auch genrefremde Metalheads, die es zu überzeugen galt. Andererseits: Ich hätte nicht gedacht, die Hammerballade The Silence (vom 1989er Erstlingswerk "Heading for tomorrow") noch mal live zu hören zu kriegen.
Durchwachsen.
IN FLAMES (SWE):
Unter dem Banner der schwedischen Flagge zeigten die Göteborger, was im Heavy Metal Stand der Dinge ist. Wer innovativen und modernen Metal hören will, kommt an IN FLAMES nicht vorbei: Brutal und kraftvoll, dazu melodiös und nie in Klischees verhaftet (man kokettiert gelegentlich sogar mit elektronischen Sounds) wurde ein lupenreines Best-Of-Programm geboten: Episode 666, Only for the weak, Clayman, Colony und das fantastische Cloud connected (vom hervorragenden, stilprägenden 2002er Album "Reroute to remain") waren nur einige der Highlights. Exzellente Vorstellung. Für mich die beste Band des diesjährigen Festivals.
TWISTED SISTER (USA):
Den Abend beendeten die wiedervereinigten TWISTED SISTER, die schon beim diesjährigen Bang Your Head Festival für Furore gesorgt haben, mit einem Triumphzug. Nach dem Intro (AC/DC's It's a long way to the top (if you wanna rock'n roll)) fühlte ich mich unmittelbar zurück in die Achtziger katapultiert. Besser als bei Klassikern wie Burn in hell, Shoot 'em down, Destroyer oder We're not gonna take it war die Stimmung unter den Besuchern zu keinem Zeitpunkt des Festivals!
Schade, dass der Auftritt der Kapelle um Dee Snider (rosarot lackierte Fingernägel!) nicht mehr als ein reiner Retro-Act war, eine komplette Tour oder gar eine neue Platte sind nicht geplant.
Samstag, 2. August 2003
Nach dem Auftritt von HOLY MOSES (D) war das Motto "Wir warten auf SLAYER (USA)" den Tag über Ton angebend. Hervorzuheben sind lediglich die Auftritte von CARPATHIAN FOREST (N) und RAGE (D).
Während erstere eine gekonnte Mischung aus Black Metal und Rock'n Roll darboten und damit so überhaupt nicht in das Klischee Schminke drauf und spielen so schnell wie möglich passten, boten RAGE bodenständigen deutschen Heavy Metal vom Feinsten. Die erst seit 2 Jahren bestehende Band-Formation Peavy Wagner, voc. (D), Victor Smolski, g. (RUS) und Mike Terrana, dr. (USA) harmonierte hervorragend und machte so neugierig auf die neue, im September erscheinende Platte "Soundchaser", den Nachfolger des formidablen "Unity"-Albums (2002).
Nach dem Opener Don't you fear the winter folgte ein gelungener Querschnitt durch 20 Jahre Bandgeschichte, die man dem Shouter Wagner durch ein im Vergleich zu 1983 um ca. einen Zentner erhöhtes Körpergewicht zwar ansah, aber nie anhörte. Die fehlende Haarpracht, sprich Glatze, war allerdings gewöhnungsbedürftig.
Für viele der absolute Höhepunkt des Festivals: Der Auftritt der US-Thrasher SLAYER.
Für mich eigentlich nur aufgrund der Rückkehr des gottgleichen Drummer-Königs Dave Lombardo interessant, der nach seinem Ausstieg bei SLAYER einige mehr als respektable Leistungen abgeliefert hat. Unbedingt anhören: GRIP INC. "The Power of inner strength" (1995) und TESTAMENT "The Gathering" (1999)!
Und in der Tat: Der Mann trommelt wie bekloppt. Überhaupt konnte die Ur-Besetzung (Tom Araya, Jeff Hannemann, Kerry King, Dave Lombardo), die solche stilprägenden Alben wie "Reign in blood" (1986) oder "South of heaven" (1988) eingespielt hat, auf ganzer Linie überzeugen. Wacken drohte zu brennen, als das Quartett das legendäre, aber nicht unumstrittene Angel of death zum Besten gab. Ärgerlich: SLAYER neigten - für mich völlig unverständlich - zu divenhaftem Verhalten. Den Meet & Greet Point verließ man schon nach 15 Minuten wieder und hinterließ verärgerte Fans. Zusätzlich hat man es als einzige (!) Band nicht auf die Reihe bekommen, pünktlich anzufangen. Die Folge war ein um eine knappe Viertelstunde verkürzter Auftritt (eine Verlängerung der Spielzeit war nicht möglich, da das Folgeprogramm nicht in Mitleidenschaft gezogen werden sollte. Songs des aktuellen Albums "God hates us all" (2002) kamen deshalb etwas zu kurz.
Zum Abschluss zeigten SONATA ARCTICA (FIN), wie gut gemachter Melodic Power Metal klingen muss. Den Kollegen von STRATOVARIUS (FIN) und dem Helloween-Ableger MASTERPLAN (D) ist das leider nicht gelungen: Man überbot sich in Beliebigkeit und 08/15-Refrains, die man allesamt schon tausend Mal gehört hat. Gerade für STRATOVARIUS wirklich schade, denn das deutsch-finnische Quintett um Timo Tolkki hatte früher - insbesondere bis zum "Visions"-Album - richtig Biss!
Was ONKEL TOM alias Tom Angelripper (Kopf, Sänger und Bassist der deutschen Thrash-Metal-Combo SODOM) danach zum Besten gab, spottete jeder Beschreibung und trieb mich unverzüglich - und ohne ein letztes Bier - ins Bett. Da wurden bekannte oder vermeintlich bekannte deutsche Trinklieder wie Immer wenn ich traurig bin (trink' ich einen Korn), Einer geht noch oder Es gibt kein Bier auf Hawai durch die Heavy Metal Mühle gedreht. Fürchterlich! Aber da Herr Angelripper seinem Label GUN-Records mit diesem Mist mittlerweile richtig Geld bringt, kann er wohl nicht zurück.
Verpasst, verpennt, festgequatscht oder besoffen:
Wäre ich während der Gigs nicht jeweils gerade unpässlich gewesen, so hätte ich noch gerne über die folgenden Acts berichtet: SOILWORK (SWE), THYRFING (SWE), SUBWAY TO SALLY (D), NILE (USA), DARK FUNERAL (N), DIE APOKALYPTISCHEN REITER (D), ASSASSIN (D), LORDI (FIN), VADER (PL) und ROTTING CHRIST (GR).
Fazit und Ausblick
Alles in Allem ein runde Sache, aus den Fehlern des Jahres 2002 hat man gelernt und gerade logistisch eine Meisterleistung abgeliefert. Und das für einen, im Gegensatz zum Vorjahr nicht gestiegenen Ticketpreis von fairen 55 Euro (inkl. Camping)! Metalmarkt, Food- und Shopmeile haben das Angebot angenehm abgerundet. Die Klos waren - das muss noch erwähnt werden - super.
Spannendes Thema, das das gesamte Wacken 2003 begleitet hat: 2004 kommen die BÖHSEN ONKELZ (D)!
Die Stimmung auf dem Platz zu diesem Thema war schlecht, die Angst vor rechten, prügelnden Fans macht schon jetzt die Runde. Von Seiten des Managements verteidigt man die Wahl und beruft sich dabei auf den relativ reibungslosen Wacken-Gig der Onkelz von 1996 (damals war das Wacken allerdings noch nicht halb so groß, gerade mal 8.000 Besucher hatten das zweifelhafte Vergnügen).
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Onkelz-Fans, die in der Regel keine reinen Metal-Fans sind, und die übrigen Festivalbesucher vertragen. Erste Kompromisse wurden schon gemacht: So werden die BÖHSEN ONKELZ nicht (wie auf dem ersten Vorab-Flyer) ganz oben auf dem Plakat stehen. Zusätzlich wird ihr Gig bereits am Donnerstag stattfinden.
Bitte vormerken:
Wacken 2004 (15. Jubiläum!)
Vom 5. bis 7. August 2004
Come rain or shine,
Come hell or high water.
Das limitierte christmas festival package (inkl. Ticket, Camping, T-Thirt, und Gimmick) gibt's für billige 50 Euro unter www.wacken.com.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|