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Jet

Supp.: The Virgins

Memphis, TN (USA), New Daisy Theatre, 13.04.2007

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Fotos: Marco Weiden
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Memphis, TN (USA), New Daisy Theatre, 13.04.2007

Pünktlich um 20.15 Uhr ging es mit THE VIRGINS aus New York City los. Eigentlich hatte ich keine Vorgruppe erwartet, aber sei's drum - 30 Minuten sind ja nicht so viel. Allerdings haben sie das Aufheizen für JET nicht wirklich hinbekommen, vielleicht lag das auch an einer gewissen Überheblichkeit der vier Jungs aus der großen Stadt. Ausgestattet mit Sonnenbrille, schrägem Baseballhut und Hawaiihemd wirkte das ganze mehr wie eine Schülerband, auch wenn der minimalistische Schlagzeuger (sein Set war höchstens so groß wie das von Charlie Watts) mir sehr gut gefiel und der Sänger (sorry, vorgestellt hat sich keiner, deshalb weiß ich keine Namen) mich stark an Ray Davies erinnerte.
Die Musik selbst war eine Mischung aus ein bisschen Punk, gemixt mit Reggae, Discoklängen, psychodelisch/schrägen Gitarren und noch einer Mischung Pop-Rock. Vielleicht soll das ja jeden ansprechen, aber leider tat es das bei keinem der Anwesenden so richtig. Was das Aufbauen einer 'Beziehung' zum Publikum betrifft bleiben auch noch viele Wünsche offen, vielleicht hätte das ja etwas geholfen, allerdings sollte man dazu dann hin und wieder auch die Leute vor einem einfach anschauen. Na ja, war ja nicht so lange, und da man heute zum Bier kaufen nicht ständig seinen Ausweis zeigen musste, konnte man sich auf diese Weise die Zeit bis JET etwas vertreiben.

Wie das New Daisy Theatre auf seiner Homepage anpreist, liegt es auf der schönen, historischen, sauberen und Verbrechen-freien Bealestreet, dem Zuhause des Blues und der Geburtsstätte des Rock'n'Roll, der kulturellen "Crossroad" von Amerika. Vielleicht hätten sie sich dann besser mal selbst ins rechte Licht gerückt, denn eigentlich ist die Halle wirklich klasse, denn das ehemalige Kino hat die Bühne am tiefsten Punkt des Raumes, und sie steigt nach hinten leicht an, so dass jeder gut sehen kann. Eigentlich. Allerdings wäre es dann auch wünschenswert, wenn die Musiker von vorne beleuchtet würden, damit man sie auch sieht. Das ist mir vor Monaten schon bei den STROKES aufgefallen, die Jungs hätten nach dem Auftritt an meinem Tisch sitzen können und ich hätte sie nicht erkannt, denn gesehen habe ich sie wirklich nicht.
Wenigstens sollte der Sound, anders als bei den STROKES (hierzu gab es keinen Bericht, denn ich habe den Ort des Geschehens damals nach 20 Minuten verlassen...), klasse werden. Zu erwähnen sei auch noch, dass man in dieser Örtlichkeit rauchen darf! Also keine Ausweiskontrolle und rauchen! Das stelle man sich mal vor.

Nach kurzer Umbaupause begannen JET ihren gut 75-minütigen Auftritt wie schon während der gesamten Tour mit Last Chance von ihrem Kracheralbum "Get Born" aus dem Jahre 2003, was die Stimmung in der Halle gleich um einiges in die Höhe schießen ließ.
Jet Mit Get What You Need von der selben Langrille blieb das Tempo angenehm hoch und Sänger/Gitarrist Nic Cester wagte seinen ersten Ausflug auf die Bass-Drum seines Bruders Chris. Beim dritten Song, Put Your Money Where Your Mouth Is vom aktuellen Album "Shine On", ging es dann einen Gang ruhiger zur Sache.
"Shine On" ist insgesamt ein wesentlich polierteres Album als sein Vorgänger, was wohl auch damit zu tun hat, dass in der Zeit zwischen den Alben der Vater der Cester-Brüder verstorben ist, dem auch der Titelsong gewidmet wurde. Grundsätzlich war es auch schwer "Get Born" zu toppen, denke ich.
Nach Holiday, zu welchem Chris Cester schon die Hüllen fallen ließ und "oben ohne" auftrat (zum Glück gibt es im New Daisy keinen Dresscode - dazu später noch eine Anmerkung), ging es für drei Songs wieder zum Material von 2003 zurück. Nach Take It Or Leave It gab Bassist Mark Wilson eine Einlage an der Harmonica zu Move On, die Einleitung zum ruhigeren Stück Look What You've Done wurde überraschender Weise vom Publikum alleine gesungen. Dieser Song erinnert mich in seinem Aufbau etwas an die "alte" THUNDER-Strategie der Halbballaden, die zum Ende hin dann immer noch an Fahrt aufnehmen und doch zum Kracher werden. In jedem Fall ein Abfeier-Song für das Publikum, bis dahin wohl der Höhepunkt.
Jet Allerdings nur bis dahin, denn nachdem Bring It On Back beendet war, war mit den ersten Tönen zu Are You Gonna Be My Girl klar, auf welches Lied die meisten Anwesenden gewartet hatten. Dementsprechend hatte Nic Cester auch keine Probleme im Mitsingteil kräftig unterstützt zu werden. Still stehen fällt zu diesem Song wirklich schwer.

Mit That's All Lies, das in der Liveversion zu Beginn und im Zwischenteil doch irgendwie an Big Fat Mama (STATUS QUO - muss ich das erwähnen) erinnerte, ging es wieder zu neuem Material. Nach einer anständigen Solo-Einleitung auf der Gitarre durch Nic kam dann der für mich beste Song des Abends: Cold Hard Bitch. Mit typischen Rock'n'Roll Lyrics und einem anständigen Grinsen im Gesicht, schien der Song auch der Band bis dahin den meisten Spaß zu bereiten, wobei man auch vorher darüber nicht klagen konnte.
Hervorheben muss ich wohl Schlagzeuger Chris Cester, der wie ein Tier sein Instrument bearbeitete und auch sehr engagiert und anständig (wie auch Gitarrist Cameron und Basser Mark) seine Gesangsparts meisterte.
Jet Dem AC/DC-lastigen Stand Up folgte dann passender Weise zum Abschluss des Sets Get Me Outta Here, was wohl keiner wirklich wollte, waren doch gerade mal 55 Minuten vergangen.
Nach kurzer Pause kam Nic Cester alleine mit Akustikgitarre zurück auf die Bühne, um die Ballade Shine On zum Besten zu geben. Das Tempo steigerte sich wieder um einiges bei Rip It Up, bevor Rollover D.J. noch mal viel Raum für Jams der beiden Gitarristen hergab und Nic Cester Zeit fand für Pete Townshends legendäre Windmühle.

Alles in allem ein sehr gelungenes Konzert, schnörkellos und ohne viel Brimborium (wie schon gesagt, ein bisschen mehr Licht hätte nicht geschadet) und auch wiedermal richtig Konzertstimmung mit nach Rauch stinkendem Shirt und keinen "Hinsetzen" Grölern wenn es mal nicht den Nummer-1-Hit aus der PA blies.

P.S.: Die Anmerkung kann ich mir nicht verkneifen, war ich doch einige Tage vor dem Auftritt in der Innenstadt von Memphis in einem Einkaufszentrum (oder einer 'Mall' wie man das hier nennt) mit einigen Restaurants, einem Kino und ein paar Boutiquen - bis Dezember auch noch mit einem Tower-Records-Laden, aber die gibt es ja nun hier nicht mehr.
Gibt es doch am Eingang tatsächlich ein Schild mit einem Dresscode! Ich dachte erst, das wäre ein Witz. Da lag ich wohl falsch. Unter anderem ist es verboten, in diesen gelobten Hallen zu kurze Kleidung zu tragen, wie auch zu 'taschige' (Hundert-Liter-Hosen fallen damit wohl weg - gefallen uns zwar sowieso nicht, aber trotzdem). Wie im Vatikan. Außerdem darf man keine Baseballkappe falsch herum oder schief aufsetzen. Und das im Land der Kappen. 'Strumpfmützen' sind auch verboten, ich denke da hätte auch Joe Satriani schlechte Karten gehabt.
Das war noch nicht alles, nur das was ich mir merken konnte, ich muss das wohl mal fotografieren. Aber was will man von einem Land erwarten, in welchem es per Gesetz verboten ist Alligatoren an Hydranten festzubinden. Kein Witz, dieses Gesetz gibt es in New Orleans und ihr könnt Euch nicht vorstellen, was man sonst noch nicht alles machen darf. Aber das nur am Rande...

Die Setlist:
Last Chance, Get What You Need, Put Your Money Where Your Mouth Is, Holiday, Take It Or Leave It, Move On, Look What You've Done, Bring It On Back, Are You Gonna Be My Girl, That's All Lies, Cold Hard Bitch, Stand Up, Get Me Outta Here
Zugabe: Shine On, Rip It Up, Rollover D.J.

Marco Weiden, (Artikelliste), 17.04.2007

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