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Konzertbericht:

John Mayall

Supp.: Wolfe

München, Georg Elser Halle, 06.04.2003

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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John Mayall
John Mayall - 34 KB
John Mayall & Buddy Whittington
John Mayall & Buddy Whittington - 28 KB
Wolfe
Todd Wolfe & Eric Massimino - 48 KB
Wolfe
Todd Wolfe - 37 KB
Wolfe
Todd Wolfe - 43 KB
München, Georg Elser Halle, 06.04.2003

John Mayall

Wisst Ihr, was ich gerne mal machen würde? Diesem hübschen Werbespotmädchen Heidi Klum die Gummibärchen zwischen ihren Zehen rausknabbern. Sieht ja auch wirklich zu putzig aus und der Spaß würde sicher in einer heftigen, ahem, Gummibärchenorgie enden.
Aber kann sich irgendwer einen Bluesmusiker mit Gummibären zwischen den Zehen vorstellen? Wo er doch kurz vorher barfuss durch Sümpfe gewatet oder tagelang in den Cowboystiefeln durch die Wüste gelaufen ist. Brrr.

Und schon sind wir beim Problem eines John Mayall Konzertes im Jahr 2003: Sauber ist es. Viel zu sauber. Gradezu klinisch rein und von Orgien so weit entfernt wie ich von Frau Klums Gummibärchen.

John Mayall wird bald 70 Jahre alt und seine Bluesbreakers gibt es fast 40 Jahre und in beliebig vielen Variationen. Die ganz ganz großen Namen der britischen (und später auch der amerikanischen) Blues- und Rockmusik haben in dieser Band gespielt und sind anschließend selbst zu Superstars geworden. Mayall selbst erarbeitete sich so - neben Alexis Korner - den Ruf des britischen Blues-Übervaters und mit zunehmendem Alter nimmt man ihn und seine Musik immer mehr als Legende wahr. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der kommerzielle Erfolg vor gut 30 Jahren seinen Höhepunkt hatte und Mayall seither entweder durch schwer verdaulichen Experimentier-Blues-Jazz (in den 70ern) oder durch einigermaßen unspektakulären Bluesrock aufgefallen ist. Mal mehr, mal weniger Rock, nette Platten wie "Road Show Blues" (live, 1981) oder "Wake Up Call" (1993), langweilige Platten wie "Stories" (2002) und dazwischen immer wieder Tourneen.

John Mayall

Die heutige Inkarnation der Bluesbreakers existiert so seit einigen Jahren und besteht aus braven, relativ unauffälligen Musikanten, die immer unter der Fuchtel des Chefs stehen. Vor allem Bassist Hank van Sickle groovt als vollkommen spaßfreie Zone stoisch vor sich hin, bewegt sich nicht und verzieht keine Miene. Ist Blues wirklich so ernsthaft?

Die beiden ersten Nummern bestreiten die Bluesbreakers ohne Mayall mit trockenem Bluesrock und trotzdem irgendwie mit angezogener Handbremse. Dann tritt der Altmeister der Selbstinszenierung auf, beeindruckt mit ärmellosem Shirt und erstaunlicher Fitness und legt zuerst mal ein hübsches Mundharmonikastück hin. Dann greift er in die Tasten und spielt einen hübschen Pianoblues und dann greift er zur Gitarre und spielt einen hübschen Slowblues. Und so weiter und so fort...

Was ist nun das Faszinosum John Mayall? Ist es die Ehrfurcht vor dem Alter? Der Respekt vor der größten Musikerschule der letzten 40 Jahre? Oder ist er doch nur ein britischer Blues-Imperialist? Gar ein Zwölftakt-Großgrundbesitzer, der seine Untergebenen ausbeutet und sich hemmungslos die schönsten Bananen der Bluesgeschichte aneignet und sie meistbietend auf dem Markt verkauft?
Dem reichlich anwesenden Publikum ist es egal. Man freut sich an den vielen blauen Tönen und an einigen unfallfrei überstandenen Soli von Gitarrist Buddy Whittington.

John Mayall

Man kann kaum unterscheiden, ob die gerade gespielte Nummer aus dem Jahr 1958, 1967 oder 2003 stammt. Irgendwie klingt alles gleich und auf wundersame Weise schafft es Mayall, seine Interpretationen von jeglicher Botschaft oder gar Revolution fernzuhalten. Seine Message ist nicht die der alten schwarzen Blueser, die über Lebensumstände sangen und klagten. Mayall besingt lieber seine Mundharmonika.
Er verpasst die große Chance, dem andächtig lauschenden Publikum ein paar Wahrheiten um die Ohren zu hauen. Weder zeigt er, wo der Blues wirklich herkommt, noch gibt er irgend ein Statement zur Welt im Jahr 2003 ab. Schade, mit 70 dürfte man sowas ungestraft und man würde es ihm aufgrund reichlicher Lebenserfahrung sofort glauben.

Also bluesen sich die Breakers solide durch ihr Programm, einzig Keyboarder Tom Cranning fällt ein paar mal mit schönen Soli auf. Mayall selbst macht immer noch eine gute Figur und ist kaum langsamer oder kurzatmiger geworden, beweist allerdings wieder, dass er kein guter Gitarrist ist. Dafür singt er nach wie vor klasse.
Nach 90 Minuten gepflegtem Blues mit wenig Rock ist Schluss und Band und Besucher sehen immer noch taufrisch aus. Gummibärchenblues...

Eric Massimino

Ganz anders das Vorprogramm. WOLFE haben die Gelegenheit wahrgenommen und sind nur ein paar Wochen nach ihrer eigenen Tour wieder in Deutschland. Bandleader Todd Wolfe ist zweifellos einer der besten zeitgenössischen Gitarristen und er kann sich in den zugestandenen 45 Minuten problemlos Gehör verschaffen. Naturgemäß besteht der Set mehrheitlich aus bluesigen Stücken, die Todd zusammen mit seinem kultigen Basser Eric Massimino und Drummer Dave Hollingsworth aber gründlich aufmischt.
Großartig sind die gemeinsam mit Sängerin Erin Perry gespielten Songs. Was für eine Stimme! Und wenn Todd gegen Ende zu seinem wunderbaren Wolfe Jam abhebt, ist die nüchterne Elser Halle mitten in den Südstaaten.

Es ist kein leichtes Brot, im Vorprogramm einer Legende aufzutreten, aber WOLFE haben die Chance souverän genutzt und sollten sich dadurch für ihre nächsten Aktionen ein größeres Publikum geschaffen haben.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.04.2003

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