So, jetzt isser endgültig berühmt in Wendlingen, Plochingen, Köngen und dem unbedeutenden Rest von Baden-Württemberg, der Bayer Georg (das ist der Mann in dem Bild links), bisher bekannt als so ziemlich einziger ernstzunehmender Sänger, Songwriter, Anschieber im überschaubaren Southern Rock Universum Europas. Weil aber ernstzunehmende Musiker am liebsten gar nicht sooo berühmt sein wollen, hören sie lieber auf, bevor es zum kommerziellen Super-GAU kommen könnte und mehr als die beliebten Fan-Familientreffen unter Ausschluss der sonstigen Öffentlichkeit stattfinden.
Eigentlich ist diese Gefahr - grade im Southern Rock - gar nicht besonders groß (jedenfalls deutlich kleiner als die Ignoranz des Publikums) und deswegen hätte er gerne noch ein paar Jährchen dranhängen können. Aber er mag nicht mehr. Zu anstrengend sind die vielen Wochenenden on the road, der Trouble mit dem ganzen Drumherum und die lästigen Heerscharen von Groupies. Rockmusiker sein ist eigentlich eh nur eine Sache für Menschen unter 25, die sind noch belastbar. Und deswegen hat er in einem wunderschönen Zirkuszelt seinen Abschied gegeben. Und jetzt kommt's:
Das Zirkuszelt war voll bis obenhin mit Fans und Freunden von Georg Bayer (die er in dem Bild rechts grade sauber anschreit) und seiner Band LIZARD!
Vor einer Woche sprach ich noch vom unbeschreiblichen Konzert unserer Groovemonster aus Japan und Italien und schon folgt der nächste absolute Höhepunkt in meiner nun doch schon gut fünfundzwanzigjährigen Fankarriere. Was hab ich nicht alles gesehen. Bon Scott und John Bonham, LYNYRD SKYNYRD und BLACKFOOT, Johnny Winter und FOGHAT, Greti & Pleti und die Zwetschgenhausener Nasenbohrer. Und seit Jahren immer wieder LIZARD, die sich spätestens in ihrer letzten Inkarnation, seit 1995, zum besten Act Deutschlands entwickelt haben. Grob überschlagen 250 Gigs haben sie seitdem gespielt und trotz vieler desillusionierender Erfahrungen dürfte die Gesamtbilanz positiv ausfallen, immerhin kamen die beiden überragenden CDs "Southern Steel" und "Lonely Are The Brave" dabei heraus - frustrierte Menschen halten nicht so lange durch und sind dabei auch noch kreativ.
Wenn einer wie der Sänger von LIZARD geht, tut er das nicht in einem miefigen Club vor 56 Leuten sondern in stilvollem Rahmen, mit größtmöglichem Aufwand - z.B. einem Käsesemmel-Geburtstagskuchen mitsamt Kerze, von Bruce Brookshire himself überreicht - und unter Aufbietung aller zur Verfügung stehender Ressourcen.
Rahmen: Zeltspektakel Wendlingen, seit 1983 ein respektiertes Kulturevent in der Region.
Aufwand: Ein Fernsehteam in Regimentsstärke mitsamt Ü-Wagen und Equipment wie bei einem Fußballspiel, Licht und Sound in Präferenzqualität.
Ressourcen: Deutschlands zweitbeste Southern Band FLATMAN, der weltbeste Southern Rock-Entertainer Bruce Brookshire plus diverse frühere Mitstreiter.
Meine Freunde von FLATMAN werden verzeihen, wenn wir an dieser Stelle auf ihren Auftritt nur kurz eingehen. Der gewohnt dampfhammermäßige 3-Gitarren-Powersound mit großartigen Vocals und dem für mich bislang besten Thorsten Kossmann an der Leadgitarre. Und noch ganz viel Luft und Entwicklungsmöglichkeiten für weitere Großtaten. Entwickeln werden sich FLATMAN in den kommenden Jahren ganz sicher, denn Leader Stefan Kossmann wird künftig der Sänger von LIZARD sein und dabei so viel lernen, dass eine gegenseitige künstlerische Befruchtung unvermeidbar sein sollte. Stillstand wäre in diesem Fall tatsächlich Rückschritt und LIZARD hatten überhaupt keine andere Möglichkeit, als Stefan zum Nachfolger von Georg zu machen. Es gibt keinen besseren als ihn für diesen Job.
Unsere Leser werden verzeihen, dass wir an dieser Stelle auch nicht über leise vor sich hin heulende erwachsene Männer berichten, es gab sie an diesem Freitagabend im Dutzend billiger; was sind leicht ältliche Rocker mit (manchmal noch) langen Haaren und dicken Bäuchen doch für Weicheier...
Nur so viel dazu: Wer im Verlauf der Stunden dieses Konzerts nicht irgendwann ein Knödelchen im Hals hatte muss tot sein.
Wolfgang Rosner
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Helmut Kipp
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Treue Lizardisten wissen, dass sich seit einigen Jahren zwei phantastische Schlagzeuger bei den Konzerten abwechseln, diesmal spielten beide und zwar gleichzeitig. Was Wolfgang Rosner und Helmut Kipp dabei an Groove und Rhythmus zauberten schreit gradezu nach mehr. Ebenfalls doppelt besetzt waren die Tasten. Einerseits natürlich Klaus Brosowski, der wie immer furios aufspielte und andererseits Volker "Wolfman" Kunschner, der 1993 an der legendären BORDERLINE CD mit Moody, Marsden und DOC HOLLIDAY beteiligt war und in den letzten Jahren u.a. mit Rolf STAHLHOFEN auffällig wurde. Volker spielt die Hammond C3 wie kaum ein anderer und er macht als Krönung auch noch einen Handstand auf dem Ding. Sowas hab ich tatsächlich noch nicht gesehen. Großartig.
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Klaus Brosowski
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Volker "Wolfman" Kunschner
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Wie immer im Doppelpack natürlich Christoph Berner und Volker Dörfler. Über die beiden wurde im Home of Rock eigentlich bereits alles gesagt. Ohne den geringsten Zweifel sind die zwei das beste Gitarrenduo der Jetztzeit, punktum, Widerspruch kann nicht geduldet werden. Wenn sie sich überdies noch in einen Rausch spielen wie bei diesem Konzert, brechen alle Dämme und man kann ihnen irgendwann nicht mehr folgen, nur noch klatschen und Beifall schreien und hoffen, dass es nicht mehr aufhört. Unterstützung bekamen sie im Laufe des Abends noch von Bassist Ralf Mende, der irgendwann von Soundmann Achim Bosch vorzüglich am Bass abgelöst wurde und ersatzweise eine astreine Rock & Roll Gitarre spielte.
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Volker Dörfler
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Christoph Berner
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Im ersten Konzert spielten LIZARD ihr "normales" Repertoire, ältere und neuere Nummern, darunter Money World, Boys Are On The Road, Riding On A Train, Travelling Band, ein geniales One Of These Days (auch wenn ich das Stück auf CD nie mochte, live ist es über die Jahre zum Monument geworden) oder den Mega-Shuffle Don't You Know.
Im zweiten Konzert wurde Stefan Kossmann mit No Tomorrow, Dreams von den ALLMANs, Gimme Back My Bullets von SKYNYRD und My Fears Are Gone inthronisiert. Und im dritten Konzert dieses sagenumwobenen 8. Oktober 2004 wechselten die Besetzungen und über allem schwebte Bruce Brookshire, der Mann mit dem Kreuz um den Hals und der gottgegebenen Begabung, selbst wenn er auf dem Kamm blasen würde noch eine Party daraus machen zu können. Unfassbar was da ablief, mit normalen Worten nicht beschreibbar. So viele Gitarren, so viele Soli, so viel Southern Rock & Roll.
Natürlich gab es noch das vierte Konzert, die Josephine schaute vorbei, brachte die gar nicht so einsame Lonesome Guitar mit und am Schluss hätten es sicher viele gebraucht, bekamen es aber nur in Boogieform: Bring Me Some Water, mein All-Time-Georg-Bayer-Lieblingssong.
Auch wenn es das Ende einer Ära war, für dieses Konzert wird allen Beteiligten mein persönlicher Dank auf ewig nachschleichen. Ohne Euch wäre das Home of Rock nie zu dem geworden was es ist und ohne dieses Konzert hätte mir und sicher allen anderen Anwesenden etwas für die Ewigkeit gefehlt.
Und jetzt warten wir nervös auf die mitgeschnittene DVD!

Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Die Bilder in diesem Artikel und der zugehörigen Bildergalerie sind natürlich auf Modem-kompatible Größe komprimiert. Im Original ist die Auflösung und Qualität selbstverständlich viel höher. Wir bieten interessierten Lesern wie immer gerne an, bei uns die Originale gegen Auslagenersatz in Papierform zu bestellen.
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