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Mike Tramp

München, Garage, 02.10.2003

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Garage, München

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Fotos: Adelina Schmidtlein

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Mike Tramp
The Danish Rudeboys
Mike Tramp
Mike Tramp
München, Garage, 02.10.2003

Mike Tramp Mike Tramp hatte seine Berühmtheitsviertelstunde irgendwann Mitte, Ende der Achtziger mit den Pop-Metallern WHITE LION und als dieser Trend bald danach von den Grungern hinweggefegt wurde, war es auch mit den Auftritten der Dänen in den großen Hallen und Stadien vorbei. Tramp versuchte es mit FREAK OF NATURE, kam aber irgendwie nie so richtig aus dem Knick und dann war erst mal Pause, bis er sich besann und seit ein paar Jahren sein "eigenes" Ding durchzieht. Da er labeltechnisch mit UlfTone eine nette kleine Company fand, die zu seiner neuen Musik passt, und Tramp ein fleißiger Arbeiter ist, hat er sich in den letzten Jahren mit CDs und Tourneen eine kleine aber solide Fanschar erarbeitet bzw. aus früheren Zeiten zurückerkämpft.

Mike Tramp Nun also die Herbst-Tour 2003 und die Münchner GARAGE ist nicht voll, aber ordentlich besucht. Und jede Menge Mädels darunter, die zum Teil so jung sind, dass sie WHITE LION gar nicht kennen können. Offenbar ziehen die blauen Augen des sympathischen Nordmannes nicht nur olle Poserbräute an.

Mike Tramp Wie beschreibt man die Musik des Vierers am besten? Im Grunde ist Tramp nach wie vor ein Melodic-Rocker mit ausgeprägtem Hang zu super-eingängigen Popsongs mit Airplay-Widerhaken. Reduziert man diesen Melodic-Rock-Pop um die genreüblichen Luftblasen (also Keyboards, Chöre und Breitwandproduktion), ersetzt diese mit ein paar - selbstverständlich ebenfalls eingängigen - Heartland-Rock- und Americana-Einflüssen, mixt sie mit den besten Balladen aus der Vergangenheit und gibt als Sahnehäubchen einige Rootsrocker der Gegenwart dazu, dann hat man: Genau! Jon Bon Jovi meets Springsteen, so wie diese (gern) klingen würden, könnten (oder müssten?) sie in ähnlich kleinen Clubs auftreten wie Tramp und seine DANISH RUDEBOYS.

Mike Tramp Grundehrliche und bestens konsumierbare Musik also und Tramp manifestiert den von ihm gewonnenen positiven Eindruck mit netten Ansagen, viel Kommunikation mit dem Publikum und der wiederholten Beteuerung "we are here to play Rock & Roll".
Jeder hat von Rock & Roll eine andere Vorstellung und Mike sieht seinen heute eher in der Tradition amerikanischer Singer/Songwriter. Er und die Band verzichten auf großartiges Gepose, dicke Arrangements, übermäßige Härte und Instrumentalakrobatik und traben mehr als sie galoppieren durch 20 Jahre Tramp-History mit Blickrichtung nach vorne.

Mike Tramp 2 Stunden dauert das Konzert und von der allerersten WHITE LION LP (Broken Heart) bis zur neuesten Solo-CD (5 Songs) wird praktisch jeder Karriereabschnitt bedacht. Grade bei den alten Nummern liegt das Hauptaugenmerk eher auf den Balladen (Wait und When The Children Cry von "Pride", Broken Heart von "Mane Attraction" oder der Greenpeace-Tribute Little Fighter von "Big Game") und deswegen beschleicht mich, als Fan der kräftigeren Rock & Roll Sorte, zwischenzeitlich doch leichte Müdigkeit. Schöne Songs sicherlich, und grade durch die Entfernung des früheren Bombastes richtig angenehm, aber in solch geballter Form etwas anstrengend. Trotzdem finden sich genügend Fans, die ihre Feuerzeuge schwenken. Alles richtig gemacht also.

Mike Tramp Wer auf seinem linken Arm ein riesiges Phil Lynott-Tattoo spazieren trägt, kann kein schlechter Mensch sein. Pflichtgemäß streut Tramp in die gut krachende Zugabe Rockin' In The Free World (natürlich von Neil Young) auch ein paar Klassiker ein. The Boys Are Back In Town, It's A Long Way To The Top oder We Will Rock You im Americana-Gewand. Nette Idee. Bezeichnend allerdings, dass Rockin' In The Free World die härteste Nummer des Abends ist.

Mike Tramp hat sich von der Idee des Superstars längst verabschiedet. Das zeigt er auf seinen Platten und auch auf der Bühne. Lieber spielt er "Schrammelsongs" wie Mr. Death, Living A Lie oder I Won't Let Go aus jüngeren Jahren, als dass er sich für Haarspray-Partykracher a la WHITE LION 1987 hergibt (dementsprechend ist eine Reunion mit den alten Kollegen eher im Bereich des Wunschdenkens angesiedelt). Das ist okay und respektabel und wenn man bedenkt, dass er erst 42 Jahre alt ist, kann man sich noch auf einige künstlerische Ergüsse freuen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 03.10.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.10.2003

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