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Fotos: Adelina Schmidtlein
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Setlist
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| München, Monofaktur, 03.03.2005 |
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Wie viel Verachtung darf man Künstlern entgegenbringen? Wie viel Verarschung kann man als Kunde für 25 Euro Zutrittsgeld verlangen?
Die Grenzen sind offen. Dschungelshows, Big Brother und Die Burg sind out, jetzt steckt man Bands und Fans in ein stinkendes Rattenloch und quält sie mit schimmligen Wänden, Kakerlaken und einer Beschallungsanlage, die jeden Alleinunterhalter verzweifeln lassen würde.
Ja, doch, es ist immer noch Rock & Roll - die Musik für Kellerasseln. Nein, Fan erwartet nicht, dass ihm der rote Teppich ausgerollt wird. Sicher, man ist nach 25 Jahren in verschiedensten Locations abgehärtet und einiges gewöhnt. Ein Musiker wie Mitch Ryder hat sowieso schon so ziemlich alles gesehen, was es an Abartigkeiten in diesem Business gibt. Aber ein Konzert in der Münchner Monofaktur ist mehr als grenzwertig. Früher war der Laden in der Innenstadt mal ein chinesisches Restaurant, heute ist es ein abgefuckter Punk-Schuppen, mit allen Zutaten, die einen Club zum Albtraum werden lassen. Als Veranstalter sollte man sich schämen, seine Bands in einen solch verranzten Laden zu zwingen. Immerhin weiß man als Münchner mit wem man es zu tun hat, und der gemeinte feine Herr ist einschlägig bekannt für Abzocke und Katastrophenveranstaltungen.
Ein Busfahrer muß einem nicht leid tun, wenn er mit seinem Gefährt im Stau steckt. Es ist sein Job. Genau so muß einem ein Rocksänger nicht leid tun, wenn er mal keine vorgewärmte Klobrille im kuscheligen Warm-up-Room vorfindet. Wenn jedoch - nur um dem Veranstalter ein paar Dollar mehr zu verdienen - jeder Respekt auf der Strecke bleibt, sollte man sich als Band und zahlender Fan ernsthaft überlegen, einen großen Bogen um Städte mit solchen Rahmenbedingungen zu machen.
Manne Pokrandt
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Boddi Bodag
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Mitch Ryder zieht auch 2005 noch gut 150 Leute. Natürlich ist er wieder mit seiner deutschen Stammformation ENGERLING unterwegs, doch diesmal hat er anstatt des großartigen Showgitarristen und schwierigen Menschen Robert Gillespie den großartigen Virtuosen Steve Hunter dabei. Der spielte schon vor 35 Jahren in Ryders Band DETROIT, war 1998 ebenfalls mit auf Tour und wirkte bei Produktionen wie "Berlin" von Lou Reed oder "Billion Dollar Babies" von Alice Cooper mit, hat für Peter Gabriel, Jack Bruce, Tracy Chapman und viele andere gespielt und ist eigentlich eine Legende für sich. Als Belohnung durfte er nun in München in ständiger Todesgefahr schweben, denn die Lautsprecherbox über ihm wackelte dermaßen bedenklich, dass man sich um ihn und Keyboarder Boddi Bodag echte Sorgen machen mußte.
Hunter hat einen sehr spezifischen und individuellen Sound und stellt sich absolut in den Dienst der Band. Bis auf ein kleines Solo-Intermezzo rockt er, oftmals in Zwiesprache mit Heiner Witte an der anderen Gitarre, beeindruckend durch einen beeindruckenden Set.
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Steve Hunter
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Heiner Witte
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Mitch Ryder ist gerade 60 geworden. Er hat eine neue Hüfte, offensichtlich Schmerzen, und eine neu gewonnene Gelassenheit. Aus dem zynisch-witzigen und angriffslustigen "angry old man" mit politischem Sendungsbewußtsein ist ein entspannter Geschichtenerzähler geworden, der zwischen den Songs Anekdoten erzählt und sich lieber selbst auf die Schippe nimmt, als gegen Bush & Co. zu wettern. Resignation?
Jedenfalls findet sich kein War, kein Terrorist, Bang Bang und auch kein Soulkitchen im diesjährigen Programm. Dafür aber eine unerhörte Anzahl von live selten oder noch nie gespielten Songs, die sich bisher auf den Platten versteckt hatten oder gar nur als Single erschienen sind. Auf die ganz infernalischen Brüll-Songs verzichtete Mitch diesmal, und auch wenn dem ein oder anderen etwas fehlt, die Performance verliert dadurch nicht einen Funken ihrer Intensität - ein Mitch Ryder Konzert ist nach wie vor eine emotionale Berg- und Talfahrt (angesichts der furchtbaren Soundverhältnisse in diesem Club dürfte einigen Besuchern auch der Blutdruck deutlich geschwankt haben - eine junge Frau würde dann auch prompt ohnmächtig).
Jenny Take A Ride und Devil With A Blue Dress dürfen natürlich nicht fehlen, werden auch früh abgehandelt, aber Perlen wie Bare Your Soul, Everybody Loses oder Liberty kommen so neu, überraschend und erfrischend, dass man Ryder für seine Innovationsfreude nicht genug bewundern kann. Das Stichwort ist "Spannung". It Ain't Easy oder Red Scar Eyes erzeugen Gänsehaut, mit When You Were Mine hätte er vor 20 Jahren einen Monsterhit haben müssen, andere hätten ihn damit heute noch, Takin' All I Can und Betty's Too Tight (übrigens eine witzige Transenstory) lassen einen staunen und immer wenn die Band losläßt, wachsen die teils wirklich betagten Stücke zu ganz großer Rock & Roll-Unterhaltung. Blues, Soul, Funk oder Hardrock, mit dieser Band im Rücken klingt alles wie aus einem großen, dampfenden Topf mit ganz scharfem Chili con Carne.
Man hat Ryder selten so unternehmungslustig erlebt, seine Lust auf mehr ist ihm anzusehen, und wenn klappt, was uns seine Frau Megan freudestrahlend erzählt hat, werden wir noch in diesem Jahr eine faszinierende neue, alte CD in Händen halten. Das Passions Wheel dreht sich weiter, wenn auch nicht mehr ganz so rasend wie früher, dafür sind die hinterlassenen Eindrücke tiefer denn je.
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