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Poduene Blues Band:

Sofia/Bulgarien, Boogie Bar & Bierfest, 25. & 30.05.2001

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vaskothepatch@usa.net per Mail (bulgarisch und englisch)
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Adelina Schmidtlein per Mail (bulgarisch, englisch, deutsch)
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Adelina Schmidtlein
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Denkmal
Die Poduene Blues Band unter dem Denkmal - 118 KB
PBB und Katsata #03
Kamen Katsata & Poduene Blues Band - 145 KB
Drums
Emil & Vasko - 175 KB
Vasko Krupkata
Vasko Krupkata - 200 KB
Tsvary Kolev
Tsvary Kolev - 180 KB
Kamen Katsata #19
Kamen Katsata - 220 KB
Kamen Katsata und Meri Naceva
Kamen Katsata & Meri Naceva - 172 KB
Tsvary, Ecko & Vasko
Tsvary, Ecko & Vasko - 158 KB
Vasko & Fred
Vasko und das HoR lösen alle Probleme - 196 KB
BSP-Club
Der BSP-Club - 261 KB
Sofia/Bulgarien, 25. & 30.05.2001Bildergalerie

Besetzung:

Vasko Krupkata - Vocals, Harp, Guitar
Kamen Katsata - Blues Vocals
Svetoslav "Tsvary" Kolev - Guitar
Vesselin "Ecko" Ivanov - Bass
Emil Tasev - Drums

Es gibt Menschen, die behaupten, daß sie regelmäßig frühmorgens, kurz nach dem Aufstehen, den Blues bekommen. Das ist natürlich grober Unfug. Die haben höchstens einen Kater vom Abend davor.
Den Blues bekommt man nämlich generell nur abends. Und zwar bevorzugt in kleinen, gemütlichen Clubs, in denen die Luft dick, die Mädels hübsch und der Sound fett ist. Der Boogie Bar in Sofia ist so einer. Relativ neu, trotzdem urgemütlich und auf zwei Ebenen eingerichtet. Ab ca. 200 Besucher wird es eng, die hauseigene Soundanlage ist vorzüglich und für umgerechnet 3 Mark bekommt man einmal die Woche die beste und bekannteste bulgarische Blues Band serviert.

Um halb 11 ist die Bühne noch komplett leer. Ich habe leise Befürchtungen, schließlich kennt man Bulgarien. Was sind schon Ankündigungen, Termine oder feste Anfangszeiten?
Irgendwann kommen dann doch ein paar Leutchen, bauen ein Mini-Schlagzeug, 2 Verstärker, einen Bass, eine Gitarre und ein Mikro auf. Kurz nach 11 erscheint schließlich ein desperater Langhaariger mit Bandana, Lederhose, Fransenhemd und Weste, zusammen mit einem uralten, beklebten Gitarrenkoffer.
Schnell noch ein Bier und dann legt die Kapelle los. Das ist Soundcheck auf bulgarisch. Trotzdem ist der Sound von Anfang an gut und druckvoll.

Um das Publikum nicht zu überfordern, gibt es zuerst I just want to make love to you und den Drinking Women Blues. Und zwar in der Original Chicago-Version.
Vergessen ist die, für Mitteleuropäer, unlesbare Getränkekarte. Jim Beam heißt auch auf bulgarisch Jim Beam.
Mit Blues Bus folgt das erste Lied in bulgarischer Sprache. Ein witziger, flotter Rocker über das Gefährt des Bandleaders Vasko Krupkata. Wir hatten einige Tage später das Vergnügen, in diesem alten VW-Bus mitzufahren. Ein wahrer Blues Bus...
Krupkata bedeutet "Patch". So sieht Vasko auch aus. Wie ein Patchwork-Kunstwerk.

Bemerkenswert ist Sensitive Kind von J.J. Cale. Es wird von der Band sehr schön und intensiv gespielt. Beachtenswert ist die gefühlvolle Gitarre.

Kurzer Exkurs:
Seit 10 Jahren treibe ich mich in Bulgarien herum. Seitdem sind mir viele Bands und Musiker dort begegnet, die mich begeistert haben. Auffallend ist immer wieder, daß die Musiker sehr gut (ausgebildet) sind und vor allem, es wird mit viel "Seele" gespielt.
Ein Zitat von Vasko: In den Jahren nach der "Wende" (1989) hatten wir einen riesigen Hunger nach Rock & Roll. Es gab ja bei den Kommunisten nichts. Außer ein paar LP's von den Rolling Stones oder den Beatles und manchmal etwas von Deep Purple und solchen Bands, mußten wir uns alles auf dem Schwarzmarkt besorgen. Natürlich sind danach die Rockbands aus dem Boden geschossen.
Mittlerweile hat sich dieser "Boom" normalisiert. Wie überall, hat auch in Bulgarien MTV und Coca Cola zugeschlagen und mit gewaltigen Aufwendungen die Kids auf ihre Seite gezogen. Die Spice Girls, Britney und Robbie sind eben leichter zu vermarkten, als gitarrenschwingende Rocker.

Die Poduene Blues Band besteht aus 4 bzw. 5 Mitgliedern. Neben dem Drummer Emil Tasev, der auf seinem kleinen Drumset wie wild wirbelt und dem introvertierten Bassisten "Ecko" Ivanov, der offenbar aus der Jazz-Schule kommt, ist da noch der Gitarrist "Tsvary" Kolev. Ein ganz besonderer Fall. Minutenlang spielt er altbekannte Blues-Schemata, um dann plötzlich umzuschalten und den wilden Nugent-/Gibbons-/Winter-/Buchanan-Hexer rauszulassen. Ohne irgendwelche Effektgeräte, ohne 10.000 überflüssige Noten, einfach so, kommen Soli wie vom Fließband und zum abheben. Interessanterweise spielte er beim Gig in der Boogie Bar eine Gibson und 5 Tage später beim Open Air eine Fender. Beide absolut perfekt und knackfrisch.
Vasko Krupkata selbst (der eigentlich Georgiev mit Nachname heißt), ist ein Bluesrocker der alten Schule. Mit seiner, relativ hohen, angenehmen Stimme, klingen die Coversongs und die eigenen, bulgarisch gesungenen Nummern, wie direkt vom Mississippi oder aus Chicago. Dazu bläst er eine klasse Harp und spielt ganz hervorragend eine zwölfsaitige Gitarre (dazu gleich mehr).

Der erste Set, an diesem Abend in der Boogie Bar, blueste und rockte furios dahin (ich kenne natürlich die gespielten Stücke, aber da die meisten bulgarisch waren, macht es wenig Sinn, sie hier zu nennen). Zum zehnten Stück kam das fünfte Bandmitglied zum Einsatz. Kamen Kazata ("Das Faß", bürgerlich heißt er Doitchinov) enterte die kleine Bühne.
Der Mann ist nicht mehr ganz jung, wiegt ca. 120 Kilo und ist im Hauptberuf sicher Stadionsprecher bei Levski Sofia (die übrigens überlegen bulgarischer Meister wurden). Der Verein spart sich nämlich durch ihn die Stromkosten für die Verstärkeranlage. So eine Mordsröhre hört man selten. Er "singt" 3 Nummern, darunter Dock of the bay und setzt sich anschließend wieder an sein Tischchen und trinkt weiter. Absolut verschärfter Typ. Vasko erzählt mir später, daß Kamen nebenbei auch noch ein weltberühmter Kartenleser ist. Er kennt sozusagen jede Straßenkreuzung in jeder beliebigen Stadt Europas. Ausschließlich von Landkarten...

Ein Lied aus dem ersten Set muß noch erwähnt werden. Istorija s Kitara, zu deutsch Geschichte mit Gitarre, ist ein Lied vom wohl besten bulgarischen Sänger aller Zeiten. Georgi Mintchev, der im Februar leider verstarb. Wer auf Sänger der Kategorie Bob Seger steht, sollte Mintchev postum die Ehre erweisen. Kontakte zu Bezugsquellen stellen wir gerne her.
Vasko Krupkata hat Mintchevs wunderschöne Zwölfsaitige geerbt und sagte mir nach dem Konzert: "...there is a special spirit inside". Wohl wahr. Hoffentlich wird das Andenken Mintchevs auch von den anderen Erben so geehrt.

Nach kurzer Pause folgt der zweite Set. Gleiches Bild, es wird zwischen Standards und eigenen Nummern gewechselt. Bei den Coverversionen sticht Black magic woman besonders heraus.
Für mich als Premiere, werden zwei neue Lieder gespielt. Eines ist ein harter, rotziger Rocker, der kurz und schmerzlos als Boogie daherkommt und das andere ist das Titellied der kommenden CD Notschtni Peperudi (Nachtfalter). Eine Rockballade mit schönem, sinnbildlichen Text.

Und natürlich kommen jetzt die Hits der Poduene Blues Band. Immerhin gibt es die Band seit 1989 und sie haben in dieser Zeit viele Tapes und einige CD's eingespielt. Einige Titel wurden in den Jahren des Umsturzes und während der großen Krise 1995/'96 zu "Volksliedern". Manche wegen der witzigen Texte, andere wegen ihrer politischen Bedeutung. Zur ersten Kategorie gehört Njama Bira, mein Lieblingslied. Der schrecklichen Aussage "Es gibt kein Bier mehr", folgt nämlich das Happy End "Ima Bira!". Puh, grade nochmal gutgegangen.
Staria Rocker ("Alte Rocker"), Kade e kupona ("Wo ist die Party") und die anderen Hits werden von den Leuten mitgesungen.

Nach seiner "Tankpause" kommt auch Kamen wieder und röhrt sich die frisch geölten Stimmbänder fransig. Der Mann ist wirklich ein Naturereignis.
Bei zwei Nummern übernimmt Vasko das Schlagzeug (bis 1989 war er hauptberuflich Drummer) und zeigt, daß er auch richtig gut trommeln kann.

Insgesamt werden uns an diesem Abend 30 Lieder gespielt. Höchstens zwei davon sind mir persönlich etwas zu langweilig, weil zu slow-bluesig. Der Rest rockt und rollt. Man (und damit meine ich nicht mich als Deutschen) vergißt dabei die teilweise deprimierenden Zustände in diesem Land, hat Spaß, einige besinnliche Momente, jede Menge Lacher und öfter mal Gänsehaut, wenn mal wieder ein Solo direkt trifft.

Fünf Tage nach diesem Gig spielte die PBB zur Eröffnung eines großen Bierfestes in einem schönen Park in Sofia. Witzigerweise fand die Veranstaltung direkt vor dem riesigen Denkmal für die sowjetische Rote Armee statt. Wenn das die alten Machthaber noch erleben würden...
Das Set war stark umgestellt, es wurden jede Menge anderer Titel gespielt, der Sound war naturgemäß viel lauter und insgesamt kam alles eine ganze Ecke rockiger rüber. Die Stimmung war phantastisch, die Leute tranken, tanzten und sangen. Bei einem, von Kamen gesungenen, Titel kam eine weitere Sängerin (Meri Naceva) auf die Bühne und es wurde heftigst gerockt.

Im Anschluß an dieses Konzert lud uns Vasko noch auf einen Drink in sein Haus ein. Mit dem Blues Bus fuhren wir los und wurden von einem riesigen Bobtail, Vaskos Kindern (zwei extra-coole Rock & Roll-Kids) und Vaskos Frau unheimlich nett bewirtet. Wir haben bis spät in der Nacht über Musik, die Umstände im Allgemeinen, die Weltformel und sonstige alkoholische Getränke geredet.
Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch das Plumpsklo im Garten der Familie. Nicht nur, daß es "BSP-Club" genannt wird (die BSP ist die kommunistische Partei Bulgariens). Vasko hat es liebevoll mit Bildern und Memorabilia der alten Spaßverhinderer und Betonköpfe dekoriert. So hängen diese Gestalten nun da, wo sie hingehören. Auf dem Scheißhaus. Schade, daß es bei uns kaum mehr Plumpsklos gibt. Ich hätte da auch noch ein paar Portraits...

Sollte einem Leser irgendwann mal eine "Sofia Blues Band" begegnen: Hingehen! Unter diesem Namen spielt die PDB manchmal auch in Deutschland.
Zur Erklärung: Poduene ist ein besonders vernachlässigter Stadtteil Sofias. Hohe Kriminalität, große Armut und soziale Probleme (die dortige Bevölkerung ist stark von der Minderheit der Zigeuner geprägt) haben dieses Viertel zu einem Brennpunkt werden lassen.

Möglicherweise fällt an diesem Artikel auf, daß ich ein großer Fan dieser Band bin (wie auch von etlichen anderen bulgarischen Gruppen). Das will ich auch ausdrücklich betonen und gebe ganz offen zu, daß ich mich über neue Freunde dieser Bands und Künstler sehr freue. Mir ist natürlich die Problematik bewußt. Erstens gibt es eine Sprachbarriere und zweitens kommt man kaum an CD's dieser Bands ran. Logisch, bei WOM stehen die nicht im Regal. Sollte der eine oder andere Leser trotzdem Interesse an Tonträgern aus Bulgarien haben, bitte mailt uns einfach an. Wir sind gerne bereit, Kontakte, Quellen, Infos, CD's etc. zu besorgen.
Das Home of Rock sieht sich auch weiterhin nicht als Sprachrohr der Bon Jovis dieser Welt. Wir wollen den echten Rock & Roll featuren. Egal ob er deutsch, englisch, balinesisch oder eben bulgarisch gesungen wird.

Wir danken: Der Poduene Blues Band für ihre Unterstützung und die feinen Konzerte, Kamen für das Gespräch, Vasko für die Zeit und das Bier, Vaskos Frau für das Ertragen meines Gewichts, Vaskos Tochter für die Wegbeschreibung zum Klo & den Jungs und Mädels für eine lustige Nacht.

Fred Schmidtlein (Impressum, Artikelliste), Mai 2001

Bilder: Adelina Schmidtlein (Impressum, Artikelliste), Mai 2001

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