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Rich Hopkins
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Rich Hopkins & The Luminarios
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Michael Davis
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Ernesto Mendoza
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Da drunten, auf der langen dreckigen Strasse, wo Münchens schönster Stadtteil, Haidhausen, sein hässliches Gesicht aufsetzt.
Wo du aus dem Fenster schaust und in eine ekelhafte Tunnelröhre blickst, in der sich die Taubenscheiße stapelt und wo täglich 1.000 Züge vorbeirasen.
Wo die Baumafia einen scheußlichen Bürobunker neben den anderen baut, München soll ja schöner werden. Nur 500 Meter entfernt vom Junkietreffpunkt, wo die Mütter ihre Kinder im Sommer nicht barfuss laufen lassen, wegen der Nadeln.
Wo die letzten 3 Aufrechten (oder Überlebenden) aus dem ehemals gefürchteten "Schwarzen Block" immer noch unverdrossen Freiheit für Ulrike an die Wände sprühen.
Wo sich auch ab und an ein paar verblödete Skinheads mit halbkriminellen, halbwüchsigen Türken oder Albanern oder was auch immer prügeln und an den Türklingeln keine Namen kleben sondern Nummern oder gar nichts.
Wo vor 25 Jahren auch die ersten besetzten Häuser Münchens waren, heute hocken 20 Türken zu jeweils 800 Mark in den 3 Zimmer Wohnungen und der Hausbesitzer geht straffrei aus.
Da hat sich auch ein Refugium erhalten, das früher "Vielharmonie" hieß. Eine Kleinkunstbühne. Viele haben dort gespielt. Der Fesl, der Schoierer, sogar der Stan Webb (volltrunken) und der Stadtindianer Willy Michl und all die Münchner Kleinkünstler. Klar, damals war das Publikum noch dankbar für ein paar Lacher, ein paar "Ich pass mich nicht an"-Sprüche, und Bier für den halben Preis den es in Schwabing gekostet hat.
Jetzt heißt der Laden Club 2 (kennt eigentlich noch jemand die legendäre, gleichnamige Talkshow im österreichischen Fernsehen?). Es hat sich da drin nicht viel verändert. Nicht mal der Wandanstrich. Und ab 60 Leuten ist es voll.
RICH HOPKINS & THE LUMINARIOS spielen dort. Ich habe erst 6 Stunden vorher davon erfahren. Soviel zur Promotion in München.
Rich und seine Band sind fleißig. Viele Platten, dauernde Tourneen und das alles seit über 15 Jahren. Ob mit den SIDEWINDERS, den SAND RUBIES, oder jetzt mit den LUMINARIOS, immer hard working "Desert Rock".
Im Vorprogramm bringt er CONCEPCION ROMERO aus Paraguay mit. Sentimentale, spanisch gesungene Lieder. Ich versteh keinen Ton, aber der Mann hat was zu sagen. Und Rich liebt ihn, denn er ruft ihn im Lauf der Show zu sich auf die Bühne. Überhaupt, Rich liebt die Menschen. Die Tour steht unter dem Motto "Homeless people - Aid". Es wird Geld für Obdachlose gesammelt.
Es regnet.
Und als Rich Issac Hopkins mit seinen Luminarios auf die Bühne steigt und das Lied Have A Heart spielt, habe ich das Gefühl, dass ich heute keinen fröhlichen Abend haben werde. Staubtrocken, gefühlsecht, melancholisch. Aber seltsam. Mein Fuß wippt. Boiled Milk geht mir ähnlich rein.
Gewisse Labels reden immer von Gitarren Rock, Americana, No Depression und solchem Kram. Mir ist das völlig wurst. Entweder geht eine Musik an mich, oder eben nicht.
Trotz meinen offensichtlichen Defiziten, was die History von Rich Hopkins betrifft, bin ich von Beginn an begeistert. Bei Walk Away noch mehr, denn es knackt erstmals.
Und dann geht es sozusagen Schlag auf Schlag. Es wird immer heftiger, die Gitarren jaulen, Rich singt sich die Seele aus dem Leib, es wird gerockt.
Und damit sind wir bei einem Thema, das ein schwieriges ist:
Dem Gitarrenvirtuosen wird es sicherlich die Zehennägel aufdrehen, denn bei Hopkins wird nicht instrumental brilliert, sondern mit Leib & Seele gespielt (und ich meine gespielt). Man kriegt schräge bis schrägste Töne zu hören. Weder Rich, noch Ken Andree, an der Fender, sind begnadete Guitarheroes. Und genau deshalb ist diese Location, am Arsch von München, perfekt für diese Band. Da ist mehr Ehrlichkeit drin (und drum herum), als wir sie jemals bei einem Bon Jovi-oder Aerosmith Konzert im Olympiastadion zu sehen kriegen könnten.
So You Want To Be A Rock & Roll Star. Die Roger McGuinn/Chris Hillman Nummer. Ich habe 20 Jahre gebraucht, bis ich die Version von Patti Smith (s.a. Rockpalast) verstanden habe. Heute ist sie für mich so etwas wie die Zukunft des Rock & Roll. Bin ich zu spät dran?
Die Luminarios spielen auf jeden Fall eine Version, auf die die Byrds stolz wären. Genau so hätten sie diese Nummer gespielt, wenn die Technik es damals hergegeben hätte. Feedback, jaulende Gitarren und Gesang, der genau aussagt, was ein Rock & Roll Star erlebt, -leidet.
Warum kommt mir Townes van Zandt in den Sinn? Und Kurt Ostbahn?
At my window
Watching the sun go
Hoping the stars know
It's time to shine day dreams
Aloft on dark wings
Soft as the sun streams
At days decline
Oder
Mia san eigsperrt
A jeda wo a hingheat
Wo ois so, is wia sa se gheat
Und sunst is ned vü
Es woa nie ausgmocht
Daß des an wia uns wos ausmocht
Daß a goa no aufwocht
Und auf amoi wos wü
Draußen regnet es weiter. Und ich & die anderen 69 haben Spaß.
Concepcion kommt auf die Bühne und ein Mädel wird dazu geholt. Ein Tänzchen in Ehren.
Unglued (neu), Witchdoctor (alt). Es knallt. Schwitzig, staubig und mit aller Macht.
Michael Davis, ein Stoiker am Bass und Ernesto Mendoza, der Drummer, machen den entsprechenden Druck.
100 Minuten und dann Schluss. Neil Young hat öfter um die Ecken geguckt, es gab Songs, Rock, Dreck und Staub & Feeling.
Ich gehe raus auf die Strasse, die Orleansstrasse heißt, aber eigentlich nur nach Strasse aussieht, nicht nach Orleans.
Es regnet. Aber ich fühle mich gut und schnipp dem Penner am Ostbahnhof einen Fünfer in den Hut.
Setlist:
Have A Heart, Boiled Milk, Walk Away, Train Of Love, El Paso, Red River Saloon, Swollen Tongue, Shooting Star, Sincero Amor, So You Want To Be A Rock & Roll Star, Unglued, Wildhare-Lordsburg Blues, Witchdoctor
Ich danke dem Tourmanager Thomas Lingstaedt für die kurzfristig erteilte Nachhilfestunde. Vor, während und nach dem Konzert.
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