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| München, Akademie der Bildenden Künste, 14.02.2009 |
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Und es ward Stille. SAHARA breitete sich aus in der Akademie der Bildenden Künste zu München, besser gesagt in der historischen Aula selbiger. Nun sagen böse Menschen schon lange, dass diese Akademie intellektuell einer Wüste gleicht, aber das ist natürlich Quatsch, eine unendlich lange Reihe großer und wichtiger Maler, Bildhauer und Hochschullehrer von Paul Klee bis Franz Marc, Wassily Kandinsky und Wilhelm Busch (!) hat die Akademie durchlaufen und hier und anderswo Spuren hinterlassen. Inwiefern die Hochschule heute noch relevant ist, bleibt der Bewertung späterer Kunstgelehrter überlassen, möglicherweise tummeln sich dort gerade die Meister künftiger Generationen. Am Samstag, den 14. Februar 2009 tummelten sich in der mit wunderbaren Gobelins behängten Aula allerdings eher die Vertreter der Generation "Ich war mal 68er". Und es ward Stille…
Auch SAHARA war mal eine (Schüler)band der "Bewegung", unter dem vormaligen Namen SUBJECT ESQ. gab es an gleicher Stätte ein Konzert im bewegten Jahr 1968 - für das beschaulich-konservative München muss dies einer Revolte sehr ähnlich gewesen sein, die beliebte "Bild" titelte ein Jahr später anlässlich eines "Notstandshappenings" in der Aula wunderschön: "Münchens Akademie in einen Schweinestall verwandelt!" Schade eigentlich, dass man seinerzeit zu jung war um selbst dabei gewesen zu sein. Auf SAHARAs Homepage sind entsprechende Bilder und Dokumente liebevoll zusammengetragen; ein Schmankerl, nicht nur für Studenten der Neueren Geschichte.
Aber noch ist nicht klar, warum die Band im Jahr 2009 dort nochmals auftreten musste. Die Zeit der "Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren"-Rufer ist so lange vorbei, heute regt sich kein Student mehr über Studiengebühren und sonstigen bildungspolitischen Mist auf, und die Protagonisten von damals sind allesamt saturiert und grau. Viele sind erfolgreich (OK) und selbstgefällig (nicht i. O.) geworden, manche haben schlicht vergessen, für was sie einmal eingestanden haben, andere haben resigniert und mümmeln an ihrem geistigen Graubrot, die einen oder anderen haben sogar Nennenswertes geleistet und die Kulturszene in den letzten 40 Jahren bereichert. Trotzdem ist die Motivation der Band SAHARA immer noch nebulös, der unvoreingenommene Kritiker geht einfach davon aus, dass SAHARA mit ihrem "Kunst-Rock" der Welt Neues geben wollen - nach dem Motto: "Progressive Musik im Wandel der Zeit, SAHARA einst und jetzt, Stillstand ist Rückschritt etc. blabla". Doch es ward Stille…
Also SAHARA in der Akademie. Angemessen (?) gedämpft und von nicht zu grellem Licht begleitet - die Gobelins! - begannen die Herrschaften ihr Konzert mit vorsichtig tastenden Tönen aus der Steinzeit des progressiven Rock. Aha, das waren Töne aus der eigenen Steinzeit - und genau so klangen sie auch. Da standen nicht in Ehren ergraute Altrocker auf der Bühne, es war die Schülerband von damals, die mal wieder ein Konzert gab. Das klingt gut, ist es aber nicht, denn was 1968 Aufsehen erregend war, ist 2009 nicht zwangsläufig spannend. Carl Carlton, auch kein Jungspund, hat auf seiner neuen CD einen Song namens Keep On Swingin', nur geswingt hat in den ersten 45 Minuten von SAHARA nichts. Das war auch nie die Intension der Band, man wollte schon immer Intelligenzmusik machen, aber, siehe oben, was 1968…
Da waren PINK FLOYD zu Zeiten von Syd Barrett allgegenwärtig, SOFT MACHINE, KING CRIMSON, TULL-Geflöte und THE NICE spukten hinter den Wandteppichen hervor, aber von Progress, also Fortschritt, war nichts zu hören. Eine reine Nostalgieveranstaltung? In dieser wundervollen Aula, ausverkauft noch dazu?
Ja, denn die Band will mit ihren heutigen Auftritten ein Denkmal für vergangene Zeiten errichten. Es ist ein echtes Kunst-Projekt, man spielt mit gebührendem Abstand an historischen Münchener Orten ein weiteres Mal, so wie zuletzt vor einem knappen Jahr im Blow Up/Theater der Jugend/SchauBurg in Schwabing oder dem Theatron im Jahr 2006. Es ist Kunst, nicht Fortschritt, was uns SAHARA bieten wollen. Heureka.
Von 1972 bis '75 war Nick Woodland Leadgitarrist bei SAHARA, er ist es nun wieder. Der schon seit langer Zeit leicht zauselig aussehende Engländer war und ist in der Münchner Szene unverzichtbar, wäre als Rock'n'Roller bei Westernhagens besten Alben und Konzerten in den späten Siebzigern beinahe berühmt geworden, und wurde später als gottlob von der Welt vergessenes Talent von der Stadt München als Rhythm & Blues-Eigentum adoptiert. Seit vielen Jahren begleitet er Georg Ringsgwandl, den (früher) anarchistischen Liedermacher aus Garmisch. Bloß den Art Rock von SAHARA konnte und kann er nicht glaubwürdig spielen. Es klingt seltsam, wenn das Blues-Unikum zurückhaltende Prog-Tupfer spielt, ohne zu einem Höhepunkt zu kommen.
Neben dem unterforderten Zylinderträger Woodland gaben sich die Herren Hofmann de Boer (Vocals, Sax, Querflöte, Gitarre), Hering (Keyboards) und Pittwohn (Gitarren, Mundharmonika, Gesang) natürlich keine offensichtliche Blöße und spielten ernsthaft bemüht ihre Parts. Sehr ernsthaft und bemüht! Nur die Rhythmusabteilung mit Harry Rosenkind am Schlagzeug und Stephan Wissnet am Bass konnte als Rockband überzeugen, der Rest tönte, mit Verlaub, schlichterdings wie eine dieser Bands, die der junge Rocker einst als kopfgesteuerte Pseudointellektuelle abgetan hatte. Das war etwa 1975, als Rory Gallagher der wichtigste Gitarrist der Welt war.
Ein Intermezzo mit drei Gitarren und Westcoastsound konnte beinahe zum Tanz anregen, allerdings klang die Rickenbacker nicht nach Rickenbacker oder gar nach den BYRDS, sondern nach Übungsraum in München-Laim - und sorgte dennoch bei vielen Oldies für einen fetzigen Rock & Roll Ausfallschritt. Bis hierhin haben wir gelernt, dass echte Kunst unbedingt altmodisch sein muss.
Ebenfalls altmodisch, allerdings richtig schön war die psychedelische Licht-Blubber-Show an der Decke, nur guckt kaum jemand während einem Konzert hochwärts. Außer vielleicht Kunsthistoriker…
Nimmt man die Konzerte von SAHARA als Klassentreffen der etwas anderen Art, kann man die Sache akzeptieren. Versteht man sie als Kunst-Happening, sind vielleicht auch die nicht gerade jugendfreundlichen Eintrittspreise von 25 € verständlich. Erwartet man von der Band allerdings musikalische Innovation, dann ist man falsch gewickelt. Es ist ein Trip zurück in eine andere Zeit, auch in eine vollkommen andere Welt, bei dem sich SAHARA offensichtlich ganz bewusst jeder Weiterentwicklung verwehren. Für Nostalgiker ein Freudenfest, für einen ewigen Sucher ward es Stille.
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