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Samavayo
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Rodeo Queen
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| Lübbenau, Kulturhof, 07.10.2005 |
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Man muss ja immer wieder neuen Dingen gegenüber offen sein. Weshalb also nicht mal ein Konzert in Lübbenau, der Spreewaldgemeinde, die man im Hochsommer angesichts einfallender Touristenhorden tunlichst meiden sollte, die aber bisher nicht unbedingt als Rockhochburg auffällig geworden ist? Aber halt, da gibt es ja seit mittlerweile 10 Jahren den Kulturhof, ein auf dem Gelände unweit des Bahnhofs gelegenes multikulturelles Zentrum, das in guter Jugendhaustradition auch immer mal wieder Konzerte für die lokale junge oder junggebliebene Kundschaft veranstaltet. Um so wichtiger in einer Stadt, in der nach 19 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden (was eigentlich für die ganze Region gilt) und das Freizeitangebot ansonsten eher auf obengenannte Touristen, meist schon etwas älteren Baujahrs, zugeschnitten ist.
Leider verliert sich auch am heutigen Abend lediglich eine äußerst überschaubare Anzahl an Interessenten handgemachter Rockmusik (man könnte auch von einer Hand voll sprechen) in dem eigentlich, zumindest von außen, ganz schmucken Gebäude. Allerdings könnte man fast sagen: Außen hui, und so weiter, denn die Bühne finde ich doch ziemlich schmucklos, um nicht zu sagen hässlich.
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Mit einiger Verspätung (man wartet immer noch auf potentielle Zuschauer an diesem Freitagabend) beginnen dann SAMAVAYO dem etwas demotivierenden geringen Interesse zu trotzen. Liegt es vielleicht daran, dass die Berliner Stoner erst kurz zuvor in Cottbus spielten oder fehlte einfach die geeignete Promotion (schließlich stand das Konzert nicht einmal im nicht anders als übersichtlich zu nennenden Veranstaltungsblättchen "Hermann", das für Cottbus und Umgebung zuständig ist)? Egal, das Quartett ist dennoch mit einer lobenswerten Einstellung bei der Sache, gilt es doch auch die neuen Stücke des eben erst veröffentlichten Werkes "Death March Melodies" auf ihre Livetauglichkeit zu überprüfen. Und, was soll man sagen - das klingt alles sehr kompakt, riffbetont und runder, nicht mehr ganz so ausufernd wie noch früher, sondern aufs Wesentliche bedacht, ohne dabei an Spielfreude zu verlieren.
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Die wie immer gut geölte Rhythmusmaschine der Voland-Brothers (Stephan an den Drums und Andreas am Bass) legt einen fülligen, aber nicht zu engmaschigen Grooveteppich auf dem sich die feisten Bretter (alias Gitarren) von Marco Wirth und Behrang Alavi austoben können, indem sie Stein auf Stein für Monsterstoner wie Uneva oder Red End errichten oder knackige Smasher wie 5oh oder Nutso raushauen.
Und a propos Behrang Alavi: Hand aufs Herz, Ihr viel zu wenigen Stonerfreunde in dieser unserer Republik. Oftmals ist der Gesang doch eher lästiges Übel und wird von einem langhaarigen Zottelkopf möglichst unverständlich ins Mikro genuschelt, nach dem Motto "Egal, die Gitarren machen sowieso mehr Krach". Aber Behrang ist anders und einfach ein gnadenlos guter Sänger mit Ausdruck, Variabilität und Charisma, der sich in sanfteren Momenten genauso sicher zurechtfindet wie in Powerstücken.
Die clevere Setlist hält dann zum Abschluss noch ein echtes Bonbon bereit: Rollin' ist einfach unverschämt eingängig und hat absolut das Zeug zum Clubhit.
Ein wirklich guter Auftritt und eine sehr professionelle Einstellung angesichts des verlorenen Häufleins, das sich Publikum nannte.
Um es mal gleich auf den Punkt zu bringen: Die Jungs von RODEO QUEEN waren dann nicht mehr mein Ding. Die Band aus Jena, nunmehr mit Sven an den Drums, der sonst bei THE WINGNUTS spielt und den kürzlich ausgestiegenen bisherigen Drummer Jörg jedenfalls auf der Tour ersetzt, bringt so eine Art Stonercore auf die Bretter - oder besser daneben, denn Sänger Christian Walter twisted sich vor lauter Bewegungsdrang eigentlich ständig von der Bühne und auch Gitarrist Joachim Känel ist gut unterwegs.
Das Ganze ist sehr heftig und eher geeignet zum moshen als dem üblichen charakteristischen Stonertanz (zu deutsch: Kopf nicken). Außerdem ist es wirklich höllisch laut, und wenn ich so was schon erwähne... Tatsächlich lässt es sich vor dem Kulturhof ganz gut ertragen (das Gelände in der Güterbahnhofstraße ist ja zum Glück nicht besiedelt), nur drinnen vor der Bühne hält man es dank großzügigster Aussteuerung nicht aus. Die Mischung aus Kick Ass Rock, Heavy Rock mit Punkversatz und Stoner wirkt auf die Dauer auch ein wenig gleichförmig, jedenfalls fehlt mir so das Zwingende in den Kompositionen und der letzte Pfiff bei den Arrangements.
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Oder um es auf den Punkt zu bringen: RODEO QUEEN sind eine ziemlich brachiale, durchaus homogene Stonerband mit viel Energie, Härte und Kraft aber mit wenigen erinnerungswürdigen Songs. Grund genug für mich, vor dem Zapfenstreich das Weite zu suchen und die Gurkenstadt Lübbenau (kein Witz! Hier gibt es sogar ein Gurkenmuseum) wieder zu verlassen.
Fazit des Abends: Entweder kriegt die Jugend hier nichts mit, oder sie hat keinen Bock auf Rock. Aber SAMAVAYO haben trotz allem wieder sehr viel Spaß gemacht.
[P.S.: RODEO QUEEN geben inzwischen auf ihrer Homepage ihre baldige Auflösung bekannt; Red.]
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