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München, Circus Krone, 17.06.2001

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München, Circus Krone, 17.06.2001

Gestern hab ich mal wieder Status Quo "Live" aufgelegt. Ihr wisst schon, die legendäre Doppel-LP von 1976. Junior's Wailing, Backwater, Just Take Me, Is There A Better Way, In My Chair, Little Lady, Most Of The Time, Forty-Five Hundred Times, Roll Over Lay Down, Big Fat Mama, Caroline, Bye Bye Johnny, Rain, Don't Waste My Time, Roadhouse Blues. Und, man glaubt es kaum, es war wie immer. Grinst man anfänglich noch über die etwas schrammelige Gitarre, schnippt man nach 30 Sekunden automatisch mit den Fingern und nach spätestens 2 Minuten spielt man Luftgitarre.
Aber halt. Irgendwas ist doch anders gewesen gestern abend. Was war's? Genau. Ich bin gar nicht in meinem Wohnzimmer gesessen, sondern war mal wieder bei einem echten Konzert meiner Lieblings-3-Akkorde-Band. Und, man glaubt es kaum, es war wie immer (bis auf den Roadhouse Blues, den haben sie offenbar vergessen).

Eigentlich ist es müßig, über Status Quo im Jahr 2001 noch etwas zu sagen. Seit Urzeiten gehe ich Jahr für Jahr zum gleichen Konzert, niemals haben sie mich enttäuscht, immer gab es Vollbedienung. Auch bei dieser Tour das gleiche Bild. Trotzdem möchte ich ein paar Anmerkungen fallenlassen.

Status Quo Konzerte sind mittlerweile reine Mitklatsch- und Kultparty-Veranstaltungen. Die treuen Fans sind mit der Band älter geworden und eigentlich geht es gar nicht mehr um musikalische Inhalte. Man will einfach mitsingen, schunkeln, Bier trinken und die Big Fat Mama feiern. So weit so gut. Allerdings möchte ich an dieser Stelle behaupten, daß der eine oder andere Quo-Besucher sich auch schon mal auf ein Wolfgang Petry Konzert verirrt hat. Die notorischen Klatscher rings um mich lassen Böses ahnen. Hölle Hölle Hölle macht doch genauso viel Spaß wie Rockin' All Over The World. Oder?

Seit Jahren schon nervt mich die "Vermedleyisierung" der Quo Gigs. Klar, bei so vielen Klassikern tut man sich mit der Songauswahl schwer. Aber ich würde zu gerne mal wieder 4500 Times in Originallänge hören (oder zumindest annähernd) und nicht nach 4 Minuten jäh unterbrochen von Whatever You Want (oder was für ein Song auch immer).

Ein paar Veränderungen gibt es aber dennoch. Der Drummer Jeff Rich ist nicht mehr dabei und wird ersetzt von Matthew Letley. Damit haben Quo in 34 Jahren inzwischen den 3 Schlagzeuger. Das nimmt beinahe schon Spinal Tap-Züge an.
Außerdem ist Andy Bown auf dieser Tour nicht anwesend (seine Frau leidet an Krebs und er hat entschieden, dieses Jahr nicht auf Tour zu gehen). Seinen Part hat ein junger Keyboarder (Paul Hirsh?) eingenommen, der bei Gerdundula auch mal zur akustischen Gitarre greift. Überhaupt ist der alte Schinken (1970) eine echte Abwechslung im Programm. Rhino Edwards spielt nämlich die dritte Gitarre und sorgt für die ziemlich guten Soli.

Sonst ist natürlich alles wie jedes Jahr. Rick Parfitt ist immer noch der bessere Sänger. Parfitt und Rossi sind immer noch die besten Ausfallschritt-Poser der Welt. Maximal 3 Songs während der 90 Minuten sind keine Boogies (Gerdundula, In The Army Now und Living On An Island). Alle Songs, die jünger als von 1977 sind (da erschien die Rockin' All Over The World-LP), erscheinen gegenüber den älteren Stücken etwas fußlahm. Die 50ies Rock'n'Roll-Stücke (von Chuck Berry etc.) sind überflüssig. Und eine Nummer wie Old Time Rock And Roll sollten sie besser Bob Seger überlassen. Es klingt einfach zu blutleer.

Und doch macht ein Quo-Gig nach wie vor gute Laune. Das sollten sich die ewigen Besserwisser mal hinter die Ohren schreiben. Was gibt es schöneres, als bei einem Konzert einfach Spaß zu haben, die Boogie-Sau rauszulassen, nicht dauernd von irgendwelchen Breaks oder Rhythmuswechseln aus dem Takt gebracht zu werden, jeden Text mitsingen zu können, den (vielen erstaunlich jungen) Mädels beim hopsen zuzusehen? Ok, ich schweife ab...
Erstaunlich ist, daß Rossi und Parfitt, trotz diverser Zipperlein und Bypässe, immer noch völlig ungebrochen auf der Bühne rumkaspern und rocken. Man hat bei Quo immer den Eindruck, daß es den Herren wirklich Spaß macht. Vergleichbar ist das nur mit AC/DC. Trotz all der Jahre, x-tausenden von Konzerten, jedem Exzess dieser Welt und unglaublich oft gespielten Nummern (andere würden sagen "totgenudelt"), geht jedesmal die Post ab.
Status Quo kann man vermutlich auf jede Bühne der Welt stellen (und wenn's im Jugendheim ist) und sie werden das Haus anzünden. Die sind einfach Gewohnheitstäter, denn anders kann ich mir die never ending Tour der Band nicht erklären. Jedes Jahr Tournee, zwischendurch bei irgendwelchen Night of the Proms mitgemacht, dann wieder eine neue Platte aufgenommen. Verblüffend. Und vor allem zeigen sie vielen anderen Oldies, daß Rock'n'Roll auch noch im Alter Spaß machen kann.

Eines hat mich gestern allerdings sehr geärgert. DM 68,50 Eintritt ist eine Frechheit. Künstlersteuer hin oder her, das ist zu viel. Ich verlange nicht, wie 1978 mit 18 Mark bedient zu werden, aber für eine "Gebrauchsband" wie Status Quo müßte ein halbwegs normaler Preis machbar sein. An Geldmangel können sie doch nicht leiden?

Wer Quo bisher nicht mochte, wird sie auch nie mehr in sein hartes Herz schließen. Aber wer lieber Schweißperlen auf der Stirn, als Tränen in den Augen hat, sollte beim nächsten Konzert mal wieder hingehen. Sie spielen ganz sicher bald auch bei Dir um die Ecke.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.06.2001

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