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| Verviers/B, Spirit of 66, 23.03.2004 |
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Gerade mal 4 Monate ist es her, daß Hackett mit seiner sehr gut eingespielten Band in Deutschland war: Ich hatte das Glück, ihn am 6. November 2003 in der Kölner Live Music Hall zu sehen und zu hören.
Ja, ich gebe es zu, ich hatte Hackett noch nie seit seinem Weggang von Genesis gesehen. Irgendwie wollte ich mir seine Gitarrenarbeit der miterlebten Konzerte (1974 und 1975) so in Erinnerung behalten und habe mich ihm solomäßig "glatt verweigert". Die erste Solo-LP gehört ("Voyage of theacolyte"), die Single Clocks, das war's dann auch.
Aber das Kölner Konzert war so phänomenal gut, dass ich jetzt einer der glücklichen 350
Ticketbesitzer für den Abend im belgischen Städtchen Verviers (100 KM von Köln entfernt) war.
Das 'Spirit of 66' ist sehr zu empfehlen: Der Besitzer Francis Geron schafft es irgendwie, in seinen kleinen Saal Bands wie Steve Howe, MOUNTAIN, CARAVAN, NEKTAR u.ä. zu verpflichten, die hier in Deutschland oft keinen Veranstalter gefunden haben. Der Saal ist eine größere Kneipe, verwinkelt, verräuchert, schlecht belüftet, Bierdunst. Trotzdem ist der Sound bei all den Konzerten, die ich dort besucht habe, erstaunlicherweise prima gewesen. So auch am 23. März: Ausverkauft, proppenvoll, wieder ein sehr unruhiges Publikum (lautes Gequatsche bei ruhigen
Passagen und andauerndes Hin- und Hergerenne zum Biertresen).
Ich war eigentlich nicht darauf vorbereitet, dass Hackett seine Setlist derartig umkrempelt, aber ich bin insbesondere in der ersten Hälfte des zweistündigen Konzertes doch ins Schleudern geraten, welche Songs er uns da gerade präsentiert.
Der Opener Valley of the kings war wieder neu im Set, dann folgte der Brutalokracher Mechanical bride. Dann über 'ne halbe Stunde leider mehr Beschauliches mit Sopransaxofon und E-Piano (u.a. auch Serpentine song) und dann auch noch das obligatorische "Acoustic Medley" von Hackett solo.
Es ist schön, wenn Künstler nicht am eingespielten Set festhalten und wieder was Neues ausprobieren, aber hier ging es eindeutig etwas durcheinander (Fehler Nr. 1). Erst nach 55 Minuten das erste GENESIS-Stück und zwar (lt. seiner Ankündigung) ein Lied von "Wind and
wuthering", was er für einen singenden Drummer geschrieben habe (er nannte nicht Brother Phil's Namen). Überraschung! Es war Blood on the rooftops und wäre der Hammer des Abends gewesen, hätte nicht Hackett's Drummer gesungen: Es war grauenvoll (Fehler Nr.2). Ohne die Vocals wäre es bestimmt toll gewesen. Bei Watcher of the skies (2002 und 2003 im Set, jetzt leider leider nicht mehr: Das war der 3. kapitale Fehler des Abends!) hatte man sich auch auf den Instrumentalpart beschränkt, warum nicht auch bei diesem Song?
Das dann folgende Fly on the windshield der "Lamb lies down"-LP war für mich der Wendepunkt des Abends und läutete die versöhnliche 2. Hälfte des Konzertes ein, in dem wummernde Synthesizer die Songs beherrschten.
Vor dem letzten Song Clocks (sehr gut und voller Energie) im regulären Set hörten wir die wirklichen Highlights, u.a. The steppes, Spectral mornings, Brand new (mein Favorit aus dem neueren Fundus von Hackett), Firth of the Fifth, The wall of knives, Camino royale, Riding the Colossus sowie ein ganz neues Stück Dark side in Toytown. Der Wiedererkennungswert war während der 2. Stunde plötzlich hoch gestiegen und versöhnte dann doch noch.
Leider mußte er uns zwischendurch noch seinen zweiten Brutalo-Rockkracher Darktown um die Ohren hauen: Das tat fast schon weh, so laut und hart spielte die Band das.
Das letze Stück des 15minüten Zugabenteils war dann Los endos und so schickte er uns dann in die belgische Kälte hinaus.
Das Konzert von November 2003 hat mich insgesamt mehr überzeugt, im neuen Set der 2004er-Tour fehlt zwischendurch doch noch die klare Linie.
Neugierig geworden? Dem empfehle ich folgende drei Do-CDs, die man entweder online bei Camino Records oder beim Merchandise-Stand auf den Konzerten kaufen kann: "Somewhere in South America: Live in Buenos Aires" (in Deutschland auch mit DVD erschienen) sowie "LIVE Archive: Nearfest, Trenton June 2002" (vom gleichen Festival gibt's tolle offizielle CDs von CARAVAN und NEKTAR), die von den Songs zu 85% identisch mit den Sets aus 2003 und 2004 sind. Und weiterhin "LIVE Archive Series 03", die auf der 2003er 'To watch the storms'-Tour in Holland, Deutschland und England aufgenommen wurde und die Abfolge der Songs der 2003er-Konzerte noch genauer mitbringt.
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