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Steve Marriott Memorial Concert:

London, Astoria, 20.04.2001

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Marriott Plakat
Steve Marriott Memorial Concert Plakat - 70.982 Bytes, 1036x800
Astoria 01
London, Astoria - 72.337 Bytes, Höhe x Breite = 993x700
Astoria 02
London, Astoria - 74.676 Bytes, 993x666
Johns Children
Johns Children - 17.480 Bytes, 486x800
Noel und Paul
Noel Gallagher & Paul Weller - 55.604 Bytes, 368x800
Toby Marriott
Toby Marriott - 27.375 Bytes, 384x510
Humble Pie
Humble Pie - 31.362 Bytes, 364x607
London, Astoria, 20.04.2001

Auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte Steve Marriott, seines Zeichens Frontmann der SMALL FACES, dann von HUMBLE PIE und diversen Nachfolgebands, einen folgenschweren Fehler begangen.
Nach dem Rückflug von Sessions mit Peter Frampton in L. A. war er in seinem Wohnort Arkesden nochmals mit Frau Toni "eingekehrt", dann aber nachts alleine nach Hause gegangen. Im Bett hatte Steve sich noch 'ne Zigarette "gegönnt" und war fatalerweise darüber eingeschlafen, was letztlich sein Todesurteil bedeutete. Kurzerhand stand das Fachwerkhaus in Flammen, und Steve konnte dem Brand nicht mehr entkommen.

Dieses traurige Jubiläum nahmen seine Witwe und diverse Helfer, u. a. Chris France und John Hellier (Herausgeber des exzellenten fanzines: WAPPING WHARF) zum Anlass, ein großes Tribute-Konzert zu organisieren.
Schon im Februar war das "Memorial Event" ausverkauft. Denn es hatte sich herumgesprochen, dass mit zahlreichen Stars zu rechnen sein würde.

Nachmittags trafen sich im "Royal George", einem Pub in der Nähe des Veranstaltungsortes (unweit "Tottenham Court Road"), einige versprengte Fans. Ein ziemlich armseliges Meeting, und eine gewisse Enttäuschung machte sich bei mir und meinen Freunden breit, denn im Vorfeld war von einem großen Fantreffen gesprochen worden.
Gegen 18 Uhr trafen dann mehr und mehr Konzertbesucher vor den Eingängen zum "Astoria" ein. Eine ganze Reihe "inoffizieller" Ticket-Verkäufer hatte sich ebenfalls eingefunden; statt der 15 Pfund im Vorverkauf wurden nun Preise von bis zu 200 Pfund (!!!) verlangt.

Inzwischen machten auch Meldungen die Runde, wonach etliche Künstler bereits abgesagt hätten: WHO-Sänger Roger Daltrey befände sich in Kanada zu Filmaufnahmen, Chris Farlowe und Jim Leverton seien irgendwo in Europa auf Tour, Kevin DuBrow (QUIET RIOT) und Glen Matlock (Ex-SEX PISTOLS) hätten ebenfalls andere Verpflichtungen.
Das schien ja "gut" anzufangen! Derweil mussten wir verduzt feststellen, dass wir uns in einer falschen Reihe ("nur für geladene Gäste"!) angestellt hatten. Die richtige war um die Ecke herum und ca. 100 m lang! Nun ging's aber doch recht flott hinein, an bulligen, nicht gerade sehr sympathischen Security-Leuten vorbei.

Kurz nach 19 Uhr trat in die sich immer noch füllende Arena John Hellier ans Mikro und kündigte den ersten Act an: die von den SMALL FACES-Conventions bestens bekannten 17 BLACK, eine vitale Coverband, die den Anheizerpart souverän absolvierten (Highlight: ihre straighte Version von "Don't Burst My Bubble"). Es folgten JOHN'S CHILDREN, die Pre-T.REX-Band Marc Bolans mit Lead-Sänger Andy Ellison. Sie bretterten mit etwas überholt wirkenden Punkattitüden "It's Too Late" und "Lazy Sunday" herunter.

Dann kamen THE MODS, eine weitere Covertruppe, die aber durch einen hervorragend aufgelegten Gastsänger veredelt wurde. Steve Ellis (Ex-LOVE AFFAIR, Ex-ELLIS) verpasste mit seiner grandiosen Stimme weiteren SMALL FACES-Klassikern wie "Song Of The Baker" und "Afterglow" die nötige Schärfe. Er sollte später nochmals glänzen.

Schließlich der erste "richtige" Höhepunkt am frühen Abend. Die eigens für dieses Ereignis zusammengestellte HOUSE BAND betrat in hochkarätiger Besetzung die Bühne: Bob Tench (g, voc; Ex-HUMMINGBIRD, Ex-JEFF BECK GROUP, Ex-HUMBLE PIE II), Dave Colwell (Ex-BAD COMPANY), Rick Wills (b, voc; Ex-ROXY MUSIC, Ex-SMALL FACES II, Ex-FOREIGNER), Zak Starkey (dr; Ringos Sohnemann), 'Rabbit' (keyboards; Ex-WHO) und Dennis Greaves (voc, g; NINE BELOW ZERO).

Zur HOUSE BAND gesellten sich dann abwechselnd verschiedene Vokalisten: Neben Greaves und 60's-Legende Tony Rivers noch "Blondie" Debbie Bonham (Tochter des LED ZEPPELIN-Drummers), die ebenfalls als Sängerin überzeugte (tolle Version von "I Can't Stand The Rain" und "Groovy") - Maggie Bell & Janis Joplin ließen grüßen - und Steves Bandmate Simon Hickling, der als Blues Harp-Virtuose bereits Ruhm und Ehre erlangte und eine gepfefferte Fassung von "Big Train Stop At Memphis" ablieferte.

Die HOUSE BAND unterstützten hin und wieder backing vocalists, darunter Billy Nicholls und die Girlieband D2M feat. Molly Marriott (Steves 16jährige Tochter). Am Ende dieses Sets stießen (nochmals) Steve Ellis und der bis dato in England kaum bekannte Gitarrist Toby Marriott (Steves Sohn) hinzu. Toby wirkte etwas verklemmt und verblüffte das Publikum in erster Linie wegen seiner frappierenden Ähnlichkeit mit seinem Vater (ist doch auch schon was!).

Dann der nächste Höhepunkt für die inzwischen auf weit über 1000 Leute angewachsene Menge: John Hellier kündigte HUMBLE PIE an, die es zwar in einer Mark III-Besetzung schon seit gut einem Jahr gibt, doch für dieses Konzert war extra Peter Frampton (voc, g) eingeflogen, und er präsentierte sich mit seinem "Nachfolger" Clem Clempson (g, voc) sowie der klassischen Rhythm section mit Greg Ridley (b, voc) und Jerry Shirley (dr) in blendender Spiellaune. Vor allem die "duelling guitars" in "I Don't Need No Doctor" krönten das 5-pieces-set, wenngleich die "Jugend" im Publikum sich eher reserviert verhielt. Die PIE-Fans kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten.

Für einen angenehmen akustischen Kontrapunkt sorgte Ex-ULTRAVOX-Kopf Midge Ure. Er intonierte nur zur Gitarre eine beseelte, dabei locker vorgetragene Version von "My Mind's Eye".

Der Abend neigte sich nun dem großen Finale zu: Die ALL STAR BAND wurde von John Hellier aufgerufen, und beim Namen Paul Weller brach im Saal der totale Jubel aus.
Gleichwohl trügten diese Vorschlusslorbeeren nicht. Weller (voc, g, keyb) scharte mit Ian 'Mac' McLagan (keyb, voc) und Kenny Jones nicht nur die beiden verbliebenen Original-(SMALL) FACES um sich, sondern auch die halbe OASIS-Truppe mit Noel Gallagher (g, voc), Gem Archer (b) und Alan White (perc).
Das Sextett brillierte mit einem sich steigernden Set, dem semi-akustischen "Become Like You", der Power-Ballade "I'm Only Dreaming", dem schon zu JAM-Zeiten belieben Sing-along-Rocker "Get Yourseld Together" (gesungen von Mac) und dem Psychedelic-Beat-Hit "Here Come The Nice".

Zum guten Schluss durften (fast) alle nochmals auf die Bühne, und auch Steve Ellis ergriff erneut das Mikro.
Als "encores" gab es die wohl beliebtesten SMALL FACES-Songs, "Tin Soldier" und "All Or Nothing".

Jetzt war die Stimmung auf dem Siedepunkt, und ausgerechnet da wurde das Publikum aus allen Träumen gerissen. Das Licht geht an, Musik vom Band erklingt, aus, vorbei, Feierabend; "...geht nach Hause, Leute. Die nächste Veranstaltung wartet."
Die konsternierte Menge quittierte das abrupte Ende mit (letztlich unerhörten) Zugabe-Rufen, Trotz-Gesängen ("We are the mods"); die ganz Unzufriedenen warfen Bierdosen (leere wie volle) durch die Luft. Ein nicht gerade würdiger Abschluss für ein insgesamt denkwürdiges Konzertereignis.

Steve hätte auf jeden Fall seinen Spaß gehabt; wer weiß, vermutlich hat er ja mitgelauscht!

Auf Erden darf man gespannt sein auf den für Herbst 2001 angekündigten Mitschnitt als CD, DVD und Video.

Roland Schmitt (Artikelliste) April 2001

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