HoR Logo kl Konzertbericht:

Logo The Hollies

Feat.: Suzie Quatro, Sweet, Tremeloes, Rubettes, Dave Ashby

Münster, Halle Münsterland, 02.10.2004

Logo Home-of-Rock
Startseite > Konzertberichte > The Hollies > Münster, Halle Münsterland, 02.10.2004

The Hollies Tourposter 2004
Münster, Halle Münsterland, 02.10.2004

THE HOLLIES - Besetzung 2004:

Peter Howarth - Vocals
Tony Hicks & Alan Coates - Guitar
Ray Stiles - Bass
Ian Parker - Keyboards
Bobby Elliott - Drums

"70er Show" - das Motto hört sich einigermaßen schrecklich an. War es aber gar nicht: Die Halle Münsterland zeigte sich einfach nur ausverkauft, jedoch nicht von knallvollen Partyfans dominiert (man sah erst nach den Hollies einige beschwipste Hausfrauen mit Rot-Kreuz-Assistenz). Stattdessen überwog nettes Publikum, das zu Anfang die fröhlichen "Kiddies' Songs" der RUBETTES und der TREMELOES munter beklatschte, zu Recht bei deren durchaus sauberem Satzgesang.

Ob die HOLLIES solch einen ausgefeilten Chor auch zu Gehör bringen würden - nach wenigen Proben mit ihrem neuen Sänger Peter Howarth? Bisher war der vielbeschäftigte Studio- und Bühnen-Sänger (übrigens auch ein versierter Gitarrist) ein Backing Boy bei Cliff Richard, außerdem Musical Star bei der "Only The Lonely" Roy-Orbison-Story und dem mit 10CCs Rick Fenn eigens komponierten "Robin - Prince Of Sherwood".
Was hat der 42-Jährige den Hollies zu bieten? Kaum hatten die sich vom Ruhestand ihrer Markenstimme Allan Clarke 1999 erholt, verstarb vor gerade vier Wochen plötzlich und tragisch MOVE-Sänger Carl Wayne - Carl hatte die Band als Sixties-Veteran und großartiger Vokalist bereichert. Bereitwillig wurde seitdem akzeptiert, dass dies nun eigentlich Carl Wayne & The Hollies waren, mit ein paar Move-Songs und einer Stimme, die völlig eigenständig klang. Statt des alten weltbekannten Sounds bedeuteten die anders lautenden Hits ein Lebendigkeitszeichen - hier wurden die Sixties etwas allgemeiner abgefeiert. Das verdiente Respekt, und auch mit "Wayne's World" füllten die Hollies fast fünf Jahre lang die Hallen. Also was jetzt?

"He looks good and sounds good", so hatte Drummer Bob Elliott Peter Howarth angekündigt. Beides bewahrheitete sich in Sekunden. Peter lief auf die Bühne - sympathische Erscheinung: recht klein, schwarzes Haar, ein gewinnendes Lächeln. Kaum hatte er die Zeile "If you ever see a man with no heart" gesungen, war klar - Peter hat Kraft, Charisma und Klarheit, Allan Clarke zu ersetzen - er geht stimmlich als ein junger "Clarkey" durch, ohne das Original auch nur ansatzweise zu imitieren. Darüber hinaus: Beim ersten Refrain dieses Openers I'm Alive klangen die Hollies-Chorstimmen in der Kombination Howarth-Hicks-Coates sauberer und echter als irgendwann in den letzten 15 Jahren. Die Hollies "original", wo sie mit dem seligen Carl eher interessant und originell wirkten.

Das Hitprogramm wurde abgespult, als sei diese Besetzung seit Wochen unterwegs - und nicht bei der Premiere: Here I Go Again, Jennifer Eccles genau auf den Punkt, Hit-Versionen. On A Carousel dann mit Alan Coates, wie immer bestechend in der Rolle des Graham Nash.
Howarth übernahm bereits die meisten Ansagen, launig, aber bescheiden. Just One Look und Bus Stop - man konnte schwärmen von der Nähe zu den geliebten Singles. Bei Blowin' In The Wind dann beeindruckende "vocal gymnastics": hier wagte Howarth eigene Modulationen, führte so die Power-Reserven und Interpretations-Möglichkeiten vor, die in ihm stecken.
Nach Carrie Anne ließ Peter die Band erstmal eine Weile ekstatisch abrocken - wie sich später heraus stellte, musste er von Alan Coates schnell die erste Zeile von Long Cool Woman erfragen, aber dann ging es Saturday night I was downtown in Münster richtig zur Sache. Die Chef-Hollies Elliott und Hicks zeigten hier an Schlagzeug und Gitarre, dass sie diverse aus Jazz und R&B bekannte Tricks nach wie vor aus dem Ärmel ziehen können, locker und dabei lupenrein sauber. Ray Stiles und Ian Parker lieferten an Bass und diversen Keyboards plus Akkordeon ein federnd tragendes Fundament. Schon schnallte Tony sein Banjo um - und es wurde in Sachen Tempo weiter nachgelegt: Stop Stop Stop initiierte einen hübschen Hexenkessel.

Die beiden langsamen Klassiker He Ain't Heavy und Air That I Breathe machten noch einmal besonders deutlich: Dieser neue Sänger ist ein "heavy" Einkauf, und sein korrektes "breathing" gibt ihm eine vokale Bandbreite und Reserve, die solche Balladen zum reinen Genuss machen - in all ihrer Originaltreue und mit Raum für eigene kleine Additionen. Wie zu "Wayne's World"-Zeiten verknäulten sich die vier Fronthollies Peter, Tony, Alan und Ray Stiles schließlich an einem Mikro, um sich vor sinfonischem Backing von Ian Parker, und dirigiert von Bobby, mit dem träumerischen It's In Everyone Of Us zu verabschieden - für Howarth ein Heimspiel aus dem Cliff-Repertoire.

Diese Hollies können noch jahrelang so weitermachen, "The Long Road Home", so ihr CD-Boxentitel, ist noch lange nicht zu Ende.
"Well done Peter", und "God bless Carl", 'Charly' hatte die Jungs wenige Tage vor seinem Tod gebeten, nicht schlapp zu machen: "The show must go on", auch die Hollies sind ein Zirkus.

Setlist:
I'm Alive, Here I Go Again, Jennifer Eccles, On A Carousel, Just One Look, Bus Stop, Blowin' In The Wind, Carrie Anne, Long Cool Woman, Stop Stop Stop, He Ain't Heavy, He's My Brother, The Air That I Breathe

Uli Twelker, (Artikelliste), 10.10.2004

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > Konzertberichte > The Hollies > Münster, Halle Münsterland, 02.10.2004

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum