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Hildesheim, Bischofsmühle, 05.05.2006

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Fotos: Lydia Bienias

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The Paperboys
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The Paperboys
Das ist schön
The Paperboys
Das ist die bittere Realität
Hildesheim, Bischofsmühle, 05.05.2006

Besetzung:
Tom Landa: Lead Vocals, Acoustic & Electric Guitars, Mandolin
Geoffrey Kelly: Flutes, Whistle, Percussion, Vocals
Kendel Carson: Fiddle, Vocals
Matt Brain: Drums, Percussion, Vocals
Brad Gillard: Bass, Banjo

The Paperboys
The Paperboys

Allen Trends zum Trotz ist die Bischofsmühle bis zum Bersten gefüllt. Grund ist nicht etwa ein feuchtfröhlicher Freibierabend mit einer abgehalfterten Oldiekapelle sondern ein kanadischer Konzertabend der besonderen Art.
Die PAPERBOYS, in Kanada inzwischen eine musikalische Institution, sind wieder zu Gast in Hildesheim, dem Vancouver Deutschlands, wie Frontman Tom Landa zu Beginn der Show witzelt. Hildesheim ist die vorletzte Station ihrer diesjährigen Deutschlandtour.

The Paperboys Mit 15 Minuten Verspätung betritt die Band die opulente Bühne der Mühle. Flötenmann Geoffrey Kelly, mit 50 der Senior der Band, entschuldigt die Verspätung mit einer Verzögerung im italienischen Restaurant um die Ecke.
Doch schon nach wenigen Minuten ist alles vergessen. Die PAPERBOYS und ihr Girl Kendel Carson starten sehr rockig und bringen den kleinen Saal schnell zum Kochen. Dabei kann die Band aus einer Menge Songs aus den letzten 10 Jahren wählen. Lieder wie Dilapidated Beauty, Molinos oder Crashing Down lassen den Funken beim Publikum schnell überspringen.

The Paperboys
The Paperboys

Der Mix aus Rock, Blues, Folk und spanischen Klängen verzaubert schnell auch gestandene Headbanger. Allerdings konnte ich davon nur ein halbes Dutzend ausmachen.
Die gekonnte Gratwanderung zwischen den verschieden Musikstilen ist ein Grund für den großen Erfolg der kanadischen Band, die allerorten als Celtic Rock Band angekündigt wird und doch so viel mehr zu bieten hat. Interessant ist das Instrumentarium der PAPERBOYS. Als Soloinstrumente agieren hier keine Gitarren, sondern Violine, Flute und Whistle. Dazu spielt Leadsänger Tom Landa eine starke Rhythmusgitarre.
The Paperboys Handwerklich sind die PAPERBOYS wahrlich nicht von schlechten Eltern. Oft im Mittelpunkt, nicht nur wegen ihres fantastischen Aussehens, die junge Geigerin Kendel Carson. Was sie aus ihrem Instrument zaubert, ist allererste Geigen-Liga. Vergleiche mit der legendären Scarlet Riviera drängen sich hier auf. Selbst Anne-Sophie Mutter dürfte technisch nicht viel mehr zu bieten haben.
Dezent aber effektiv im Hintergrund werkelt Basser Brad Gillard, der ab und zu auch am Banjo glänzen darf.
Von Flötenmeister Geoffrey Kelly kann auch Ian Anderson noch eine Menge lernen. Toll, wie er seine Soli und sein Zusammenspiel mit Tom Landa an der Gitarre präsentiert.
Enorm wichtig für den perfekten Rhythmus ist letztlich aber der starke Drummer Matt Brain, der mit ausgefallener Technik brilliert. Er ist die rockige Seele der Band und verleiht auch den leichten folkloristischen Songs die nötige Dynamik.
Tom Landas feiner Gesang wird wirkungsvoll von Kendel Carsons samtweicher Stimme beim Satzgesang ergänzt.

The Paperboys
The Paperboys

Und natürlich dürfen auch Songs aus ihrem aktuellen, starken Album "The Road To Ellenside" nicht fehlen. Allen voran natürlich das wunderschön melodische California und das kaum weniger starke Going Places. Und bei Fall Down With You darf Kendel Carson endlich auch als Solostimme glänzen.
Geoffrey Kelly kann sich wenig später beim instrumentalen Sheep's Ass, nicht zum letzten Mal an diesem Abend, austoben.
Die mexikanisch angehauchten Songs wie La Primavera (Tom Landa ist in Mexiko geboren) begeistern durch Mr. Landas authentischen akustischen Gitarrensound.

The Paperboys
The Paperboys

Wie schön manchmal Covern sein kann, zeigen die PAPERBOYS mit Jimis altem Dylan-Klassiker All Along The Watchtower. Statt deftiger E-Gitarre übernehmen den Solopart Geige, Whistle und eine halbakustische Gitarre. Das Fiddlesolo lässt das Bier im Glas überschäumen... Insofern kann man Kendel Carson ruhig als Jimi Hendrix an der Geige bezeichnen.
Neben ihrer musikalischen Klasse überzeugen die PAPERBOYS auch durch ihre bescheidene und sympathische Art. Sie haben noch Spaß an der Musik und animieren die Besucher des öfteren zum Mitsingen. Das wird natürlich dankend angenommen.

Und so wird aus den üblicherweise 90 Konzertminuten ein fast dreistündiger Stimmungsabend. Nach einem Zugabemarathon von knapp 45 Minuten wird die Band in den wohlverdienten Feierabend entlassen.
Und wenn die PAPERBOYS nächstes Jahr wieder auf Tour gehen, werden sie mit Sicherheit auch im Vancouver Deutschlands Halt machen. Hildesheim freut sich schon jetzt darauf.

The Paperboys

Joachim Domrath, (Impressum, Artikelliste), 15.05.2006

Fotos: Lydia Bienias, 05.05.2006

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