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The Zombies

Köln, Kantine, 18.05.2004

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Köln, Kantine, 18.05.2004

Eine der wohl interessantesten und für mich am wenigsten kalkulierbaren Reunions in diesem Jahr sind Colin Blunstone und Rod Argent, seit Februar 2004 wieder als THE ZOMBIES unterwegs.
Lange Zeit hatte ich diese Namen ehrlich gesagt nicht beachtet bzw. nicht mehr gehört. Ein paar Worte zur Vergangenheitsbewältigung: Die Zombies veröffentlichten von Sommer 1964 bis Sommer 1968 nur 2 Alben und etliche Singles, danach gedankliche, vorläufige Trennungen und das endgültige Aus im Februar 1969. Argent und Blunstone versuchten es solo, allerdings teilweise mit mäßigem Erfolg. Die Formation ARGENT hatte mit dem hervorragenden Gitarristen Russ Ballard zwischen 1969 und 1974 etliche tolle Songs. Ich bin seit ca. 25 Jahren stolzer Besitzer der Live aufgenommenen Do-LP "Argent:Encore": Da hört man, wo die Stärken dieser Formation lagen. Nach der Trennung sah ich 1976 Russ Ballard im Vorprogramm von David Essex, auch Ballard's Soloerfolge waren nicht von Erfolg gekrönt. Es gab am 25.11.1997 ein Zombies-Mini-Comeback mit allen 5 Musikern (2 songs nach einem Blunstone-Konzert!) und in 2001 ein neues Album "Out of the shadows" (firmierte allerdings unter 'Blunstone/Argent') mit einer handvoll Auftritte, was hierzulande aber keine Beachtung fand. Von Colin Blunstone kenne ich lediglich "LIVE at BBC" (1971-1991), seine Soloplatten und Arbeiten mit Mike Batt und Alan Parsons sind mir verborgen geblieben.

Jetzt aber zum Konzert. Die Kölner 'Kantine' ist im Herbst 2003 aus einem ehemaligen Kantinengebäude des Bahnausbesserungswerkes Köln-Nippes noch weiter in die Außenbezirke gewandert und befindet sich jetzt auf einem ehemaligen Werksgelände. Ob es daran lag, dass sich am 18.5. nur rund 100 Leutchen vor der Bühne versammelten oder ob das Wetter zu schön war oder weil zu wenig annonciert wurde oder warum auch immer: Das ist peinlich und mehr als blamabel.
Die neue CD "As far as I can see" wurde bereits während des Konzerts verkauft, im Saturn gibt's die auch schon. Außer Blunstone und Argent war keiner der Originalmitglieder dabei (Paul Atkinson ist im April 2004 übrigens verstorben).

Ich gebe zu, Hammond B3-/C3-Artisten haben mich immer schon beeindruckt (Peter Bardens, Keith Emerson, Brian Auger, Jürgen Fritz, Dave Sinclair, Vincent Crane, Dave Greenslade, Billy Preston, Mike Ratledge, um nur einige zu nennen), gestern abend wurde ich von Rod Argent nicht enttäuscht. Seine Finger "wurden eins" mit den Tasten und zauberten wahre Klangberge: Das kleine Hammond XK-2 Keyboard hatte den Sound der alten B3 täuschend ähnlich drauf. Am Bass Argent's Cousin Jim Rodford (spielte auch bei der Band ARGENT mit), sein Sohn Steve Rodford an den Drums plus Gitarrist. Für mein Empfinden waren die Bandmitglieder aber reine Staffage für Rod Argent, vielleicht sehen wir bald die Auferstehung seiner Formation ARGENT!

Zum 110-minütigem Set: Ein Potpourri von Zombies-/Argent-/Blunstone-Titeln in Verbindung mit dem neuen Album. Es kam nie Langeweile auf: Die 4-minütigen alten ZOMBIE-Songs aus den 60ern, die Songs der neuen CD "As far as I can see" sowie die längeren ARGENT-Kracher hielten sich schön die Waage. Der Sound war bestens, alle Instrumente und die Vocals wurden sehr gut ausgesteuert.
Überwiegend war es Rod Argent, der durch den Abend führte, die Titel ankündigte und ein paar Histörchen zum Besten gab.
Als Opener Andorra von Blunstone, danach This will be our year und I love you. Von "Odyssee & Oracle" folgten A rose for Emily und Time of the seasons. Dann 3x "As far as.." und zwar I want to fly, die neue Single In my mind a miracle und Southside of the street (ein alberner Song, der einzige Tiefpunkt des Konzerts).
Dann endlich ARGENT-Songs und zwar Keep on rollin (Vocals: Rod) und Hold your head up (wow!!).
I want her she wants me (von "Odyssee...") und dann wieder was Neues, Time to move. Blunstone sang leicht weinerlich Tim Hardins Misty roses, danach Russ Ballards I don't believe in miracles (was neu aufgenommen auch auf "As far as..." drauf ist).

Rod Argent meinte, dass er insbesondere von Blunstones Stimme in Verbindung mit Streicherarrangements begeistert wäre: Ich bin genau anderer Meinung! Gerade bei den langsamen Stellen sind seine stimmlichen Schwächen zu bemerken, was bei den schnellen Sachen nicht auffällt. Sogar bei den ARGENT-Brüllern paßt seine Stimme, Ballard vermisse ich da nicht. Aber bei den ARGENT-Songs, wo er nicht singt und sich unauffällig im Hintergrund hält, wird es offensichtlich, dass man auf Blunstone eigentlich verzichten könnte (sorry, Colin!).

Da ich die LPs des ALAN PARSONS PROJEKT nach deren 2. LP nicht mehr gehört habe, kannte ich auch Old and lawyers nicht, was Blunstone vortrug. Am Schluß des regulären Sets dann noch 4 alte ZOMBIES-Songs, die in USA und UK damals Erfolg hatten: Care of cell 44, Indication (mein Favorit des Abends) mit toller Extraeinlage von Rod Argent und Tell her no. Als Pflicht folgte She's not there.
Der Zugabenblock brachte Just out of reach (von "Odyssee..."), dann ARGENTs God gave Rock'n'Roll to you, mit dem KISS großen Erfolg hatte. Zum Schluß George Gershwins Summertime ("das Lied, welches die Zombies als erstes geschrieben haben"), mit sehr schöner E-Piano Einlage auf dem Kawa-Keyboard.

Nach solch einem tollen Konzert und nachdem man sich oben geschilderte Historie hat durch den Kopf gehen hat lassen, drängt sich die Frage auf, warum die ZOMBIES und ARGENT neben der Hochachtung von vielen Musikerkollegen nie den Erfolg als Megaseller hatten: Das gehört zu den ungelösten Rätseln des Rock'n'Rolls. Bei den ZOMBIES fehlte vielleicht das letzte Quentchen Glück und die Cleverness, was die BEATLES, STONES, KINKS und BEACH BOYS hatten. Die Band ARGENT war musikalisch mindestens auf dem Niveau von E,L&P, den Bombast brachten sie auch mit auf die Bühne und die Plattenfirma (CBS) war auch ein dickes Kaliber. Es hat nicht sollen sein.
Wer das Konzert verpaßt hat, kann die ZOMBIES im November 2004 in den Niederlanden sehen!! Hörempfehlung: Oben genannte ARGENT "Encore", die mittlerweile auch als CD veröffentlicht wurde oder ARGENTs BBC-Aufnahmen: "In Concert" und "BBC Sessions". Von den ZOMBIES die 1997 auf 'Ace' veröffentlichte 4 CD-Box "Zombie heaven" mit all ihren Aufnahmen incl. raren Mono-Mixen, BBC-Auftritten und unveröffentlichten Sachen.

Jürgen Preuß, (Artikelliste), 19.05.2004

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