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Konzertbericht:

Uriah Heep

Blue Öyster Cult

München, Muffathalle, 11.12.2003

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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Uriah Heep - Mick Box
Mick Box
Uriah Heep - Trevor Bolder
Trevor Bolder
Uriah Heep - Bernie Shaw
Lady in black? Bernie Shaw!
München, Muffathalle, 11.12.2003

Es war mal wieder eine Woche der Dinosaurier in München und Urviecher faszinieren die Menschen nunmal. Bei MOTÖRHEAD am Tag zuvor waren sie alle da, die Steinzeitforscher, und zu URIAH HEEP und BLUE ÖYSTER CULT rannten sie (in altersgerechtem Tempo natürlich) auch in Scharen. Nur meine Freunde aus der Fascho-Abteilung kamen nicht, für die ist Lady In Black entweder zu kompliziert oder sie halten es für ein Statement gegen Apartheid. Ihr habt mir nicht gefehlt, Freunde.
Die Muffathalle - optisch und akustisch übrigens ein wunderbarer Saal - war gesteckt voll; ich wundere mich wirklich, warum so viele unserer alten Helden seit einigen Jahren wieder eine solche Renaissance erfahren. Klar, HEEP waren nie schlecht, PURPLE sind momentan wieder völlig obenauf und ganz viele andere sind nach wie vor Garanten für phantastischen Classic Rock. Es sei allen vergönnt, dass die Hallen voll sind. Aber ich wünsche mir inständig, dass all die Fans auch den kleinen, jungen und/oder unbekannten Bands in den Clubs wieder eine Chance geben. Hey, Ihr verpasst mächtig viel geniale Musik!

Genug gejammert, zum Thema. BLUE ÖYSTER CULT wurden vor 25 Jahren, in Ermangelung anderer Begriffe, als "intelligenteste Heavy Metal Band aller Zeiten", als "Science Fiction-Hardrocker" oder als "Progressive-Band mit infernalisch harten Gitarren" bezeichnet (Quellen: Sounds, Musik Express, Rolling Stone, Rock Musik Lexikon). Also, ich persönlich mochte die Band für ihre ziemlich genialen melodischen Boogie-Kracher, die grandiosen Gitarrenwände und für ihre ausgesprochen durchdachten Arrangements, die aber zum größten Teil immer auf gutem altem Hard Rock basierten und mit Sci-Fi und Gruselrock so viel zu tun hatten wie Elton John mit AC/DC. Heavy Rock mit Hirn und kompositorischem Geschick, amerikanisch und trotzdem mit Blick nach England (die BEATLES tauchen immer wieder als Einfluss auf), ausgefeilteste Gesangspassagen und herzerweichende und schmalzfreie Balladen waren das Markenzeichen. Und sind es bis heute. Darüber hinaus haben BÖC mit ihren beiden letzten Studioalben "Heaven Forbid" und "Curse Of The Hidden Mirror" zwei mehr als bemerkenswerte (und leider missachtete) Scheiben abgeliefert.

Seit einigen Jahren sind BÖC wieder in fester Besetzung unterwegs, aus Ur-Zeiten sind immerhin noch Eric Bloom (Vocals, Guitars, Keyboards), Donald "Buck Dharma" Roeser (Guitar) und Allen Lanier (Keyboards, Guitar) dabei, dazu kommt Schlagzeug-Legende Bobby Rondinelli (Black Sabbath, Rainbow, Doro u.v.a.) und der "Neue" am Bass, Danny Miranda, auch immerhin seit 8 Jahren dabei.
Diese Besetzung, tolles Licht, perfekter Sound, einen ganzen Arsch voller Klassiker und neue Klassesongs am Fließband, das sollte doch für eine gewaltiges Konzert reichen, oder?

Manko #1: Es gab ausschließlich alte Nummern. Nur ein Song aus den letzten Jahren (Dance Of Stilts).
Kein Zweifel an Knüllern wie Burnin' For You, Harvest Moon, Cities On Flame, Godzilla, (Don't Fear) The Reaper und all den anderen. Aber ein klein wenig Blutauffrischung täte gut. Zumindest für einen wie mich, der die Band mittlerweile doch mehr als dreimal gesehen hat. Und auch für die Fans, die sich ausschließlich Hits wünschen, täte der eine oder andere aktuelle Einschub gut. Der eine oder andere (Wiederholung - bewusst!) Mensch könnte sich die neuen CDs doch noch zulegen, wenn er sie denn wenigstens ansatzweise kennen würde.

Manko #2 (und entscheidend): BLUE ÖYSTER CULT wirkten an diesem Abend wie auf Valium. Es war laut, es war hart, es war druckvoll, perfekt und virtuos... Aber es war alles zu l-a-n-g-s-a-m, zu behäbig und zu großväterlich.
Mensch, wer solche Chöre und solche Gitarrenmonster aufbauen kann, der kann sie doch auch in Originalgeschwindigkeit singen und spielen! Nein, irgend jemand hielt den Finger auf die LP und hat sie von 33 auf 25 UPM reduziert. Wie anders kann es sein, dass sogar Rondinelli's Solo wie auf Schlaraffia-Matratzen klang?
3 Gitarren am Bühnenrand und sie rocken wie Hölle und es kommt trotzdem nur ein laues Lüftchen dabei heraus? Oh Mann, was ist nur passiert? Geiles Konzert, enttäuschendes Konzert!
Bilder gibt es aus technischen Gründen leider nicht.

Uriah Heep - Bernie Shaw

Wer seinen Gig mit einem Hammer a la Easy Livin' eröffnet, muss schon noch gewaltig was in der Hinterhand haben, um in den kommenden 90 Minuten nicht abzukacken.
Es ist natürlich so, dass URIAH HEEP Klassiker für gut 3 Stunden in petto haben und ein wirklich schwaches Konzert habe ich von dieser Band noch nie gesehen. Aber der Unterschied zwischen "gut", "exzellent" und "herausragend" definiert sich bei Mick Box & Co. immer anhand der Setlist. Dieses Konzert bewegte sich in der Kategorie "exzellragend".

Seit 1986 (!) ist der "neue" Sänger Bernie Shaw mittlerweile dabei. Trevor Bolder - vor seiner Heep-Zeit immerhin jahrelanger Bassist bei David Bowie - hatte 1977 mit "Firefly" seinen Einstand und Keyboarder Phil Lanzon (früher bei GRAND PRIX) hatte sein Debut 1989. Ach ja, Lee Kerslake ist ja auch noch dabei. Seit über 30 Jahren haut der Dicke für diese Band auf die Pauke. Mick Box hat also seit 14 Jahren die gleichen Leute um sich herum und damit auch das am längsten bestehende Line-Up in der Heep-History überhaupt.
Die Hit-Erfolge sind lange her, aber an der Live-Front sind die alten Herren nach wie vor bestens vertreten. Kaum ein Classic-Rock-Festival kommt ohne sie aus, kein Konzertjahr endet ohne eine weitere Tour.

Was will man also über URIAH HEEP noch schreiben? Nichts, was wirklich neu wäre. Bernie Shaw ist ein Sänger der absoluten Extraklasse, Mick Box hat sein Grinsen ganz offenbar einbetoniert und markenrechtlich schützen lassen - dass er diesmal nicht gerade extrovertiert auf der Bühne herumsprang sei ihm verziehen - und die etwas neueren Songs in der Setlist sind vielleicht nicht auf dem Niveau von Gypsy, Stealin' oder Look At Yourself, trotzdem astreine Rocker.
Leider kommt Lady In Black als Mitsingversion nicht wirklich aufregend (davon abgesehen kommt Bernie mit dieser Nummer stimmlich überhaupt nicht klar); wenn es die Fans nicht forderten, Mick Box würde dieses Ding sicher gerne weglassen.

Es bleibt eigentlich nur die Würdigung einer der sympathischsten, glaubwürdigsten und vor allem nach wie vor lebendigen Legende. Hat mal wieder großen Spaß gemacht!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.12.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.12.2003

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