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Konzertbericht:

Wolfe

München, Hide-Out, 18.02.2003

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Fotos:
Adelina Schmidtlein

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Setlist Wolfe
Setlist Teil 1 - 46 KB
Setlist Wolfe
Setlist Teil 1 - 43 KB
Wolfe
Todd Wolfe - 45 KB
Wolfe
David Hollingsworth - 47 KB
München, Hide-Out, 18.02.2003

Wolfe

München leuchtet! Naja, zumindest die Gesichter der üppig anwesenden Münchner Zwölftakt-Mafia, ähm, Polizei, tschuldi, Elite, natürlich.
Dienstagabend und das Hide-Out ist voll. Da sieht man es wieder, das Publikum lebt noch (auch wenn manches Gesicht anderes besagt).
Todd Wolfe und Band sind auf Promotour zur neuen CD "Delaware Crossing". Die ist großartig (Review natürlich im Home of Rock) und wir sind gespannt, ob Todd die Spannung der CD auch live bestätigen kann.

Die Band: Neben Todd Wolfe sind da Drummer David Hollingsworth, der übrigens lange Jahre in München lebte, und Bassist Eric Massimino. Eric ist von den beiden ersten CDs der Wolfe Band bekannt, auf der neuen ist er nicht dabei, und er könnte dem einen oder anderen Leser mit der Band FIRE ANTS aufgefallen sein. Bei mir heißt er ab sofort nur noch "Eric der headbangende Blues-Pudel". Irre was der treibt. Eine Mischung aus jugendlichem Leo Lyons, UFOs Pete Way und dem Basser einer beliebigen Speed Metal Band. Photographenfreundlich ist das zwar nicht, aber dafür unheimlich unterhaltsam.

Wolfe

Zum Aufwärmen gibt es ein paar Bluesrocker, schön solide und recht kernig gerockt. Der Stranger Blues, sozusagen als Fingerübung, Light Of Day vom vorletzten Album, Crowded, als kleiner Shuffle hintendrein. Da fällt mir erstmals die stimmliche Ähnlichkeit Todds mit einem gewissen Clapton, Eric auf. Und plötzlich artet der brave Shuffle in einen langgezogenen Jam aus. Immer noch in ziemlicher Hochgeschwindigkeit, aber eben gejammt. Man kann sich vorstellen, dass die Nummer jeden Abend anders klingt. Die Band hebt regelrecht ab (außer Eric, der headbangt wie besessen) und entschwindet in einen kleinen Spielrausch.

Der Uralt-Blues-Kalauer Come On In My Kitchen kommt noch zwischendurch und dann greift Todd zur Resonator. Ein schönes Teil. Und ein wunderschönes Lied folgt. See What Love Can Do. Ich schwöre, ich kannte das Lied nicht. Während die Band noch spielt, sag ich zu meinen beiden Mädels (Am Dunklen Bier: Erika! Am Photoapparat: Adelina!), "wenn der Clapton den Song spielen würde, der hätte einen Riesenhit damit". Ein Blick ins CD-Cover und anschließend zum All Music Guide im Net verrät mir heute, dass der Autor Jerry Williams heißt und dass die Nummer erstmalig auf Claptons CD "Behind The Sun" von 1985 erschien. Wahrscheinlich HATTE Clapton damit einen Hit. Nur leider habe ich den Mann in den 80ern nicht mehr wahrgenommen. Die LP war damals von Phil Collins produziert. Ein absolutes Totschlageargument.
Und prompt, Joachim und Daniel sei Dank, habe ich sofort das Original zum Vergleich bekommen: Ein windelweiches Machwerk im typischen Collins-Stil. Da hat Todd wirklich eine verborgene Perle ausgegraben.

Wolfe

Noch ein "Special Event" gab es an diesem Abend. Todd bat für einige Songs eine junge Frau als Gastsängerin auf die Bühne. Die Frau heißt Erin Perry, kommt aus L.A. und ist normalerweise Sängerin ihrer eigenen Band. Mein lieber Schwan. So eine Röhre hört man selten. Nicht nur das, man sieht ihr regelrecht an, was für einen Spaß sie hat. T-O-L-L! Wenn Ihr Leser also irgendwann mal diesen Namen lest: Sofort hingehen!

Todd Wolfe ist ganz offensichtlich von Hendrix, Clapton, Warren Haynes und Rory Gallagher beeinflusst (das bestätigt er später auch mit einer tollen Version von Who's That Coming). Sein Vorteil ist, dass er nicht "fendert", sondern ein anständiges Brett spielt. Das tut dem Sound sooo gut.

Ein weiterer Resonator-Song ist One Lost Love. Gänsehaut! "One lost love is another man's gain".
Black Night kommt wie erwartet als fetter Bluesrocker und dann wieder ein "Ausreisser". Gates Of Heaven ist ein mächtiger Jamrocker, der nur eine Assoziation zulässt: GOV'T MULE!
Die Nummer ist zäh und heiß wie Lava, dröhnt unheimlich und schiebt sich groovend dahin. Meisterlich.

Pause, Smalltalk unter den Szenekennern, einhelliges Kopfnicken ("...toller Blueser...", "...ja, aber Rock und Roll kann er auch...", "du, aber Robert Johnson haben wir auch schon gespielt...", "...logisch, a bisserl was vom Muddy Waters könnt er noch bringen, oder vom Hooker..."). Ja, so spricht der wahre Kenner.
Ich will das hier mal ketzerisch sagen. WOLFE sind eine gute Blues Band. Und sie sind eine hervorragende Rock & Roll Band. Aber all das haben wir schon so oft gehört. Oder? Wirklich gut, wirklich großartig wird es immer dann, wenn er denn Schritt weg vom herkömmlichen Blues macht. Wenn er sich in den langen Jams ergeht, die aber nie zerrissen wirken, nicht von sinnlosen Soli zerstückelt werden, sondern immer als erkennbare Songs heranrauschen. Wenn Todd jenseits der allseits bekannten Banalitäten agiert und die Band sich massiv eingroovt.

Ich gebe zu, im zweiten Set musste ich zu Beginn ein paar mal gähnen. Zu viel Blues und Rock & Roll der herkömmlichen Sorte. Natürlich war das klasse. Aber man kennt das alles schon zur Genüge. Eigentlich.

Wolfe

Und dann plötzlich, wie Phönix aus der Asche, kommt er, der ultimative Song. Der Wolfe Jam. Liebe Güte, das ist Groove wie zu besten Little Feat-Zeiten. You know what i mean, Leser? Da zieht es dir direkt die Schuhe aus. Wenn eine Band 10 Minuten oder länger einfach nur rockt und groovt. Die Gitarre erhebt sich über alles und man ist für einige viele Minuten im siebten Allmans-Himmel.
Hmm, ja, für die etwas ratlosen Gesichter im Publikum kann ich nichts. Für mich ist das letzte Drittel des Konzertes mit das Beste, das ich in den letzten Jahren gesehen habe. Jenseits aller Blues-Schemata, losgelöst von Zwängen - wie dem Publikum gefallen zu müssen; die Sympathien haben sie sich schon vorher erspielt - rockt die Band WOLFE einfach nur faszinierend locker und trotzdem "heavy" ab.
Songs wie Tumblin' Down, mit, natürlich, Stones-Anleihen, passen genau in dieses Bild. Da wird ein Riff aufgenommen, satt gerockt, und dann wird ausgiebig darüber philosophiert. Das heißt, es wird gespielt, bis sich die Balken biegen. Mann, das ist so richtig schön.

Zimperlich sind die Jungs nicht und mit Zugaben geizt man auch nicht. Nach reichlich zweieinhalb Stunden ist erst Schluss. CDs unterschreiben (und mit einem dicken "Peace" versehen - so denkt der kluge Amerikaner), Smalltalk, Bierchen trinken. Nur abbauen können sie nicht so richtig. Auf der Bühne hat sich nämlich inzwischen ein riesiger Hund häuslich eingerichtet und macht keine Anstalten, seinen Schönheitsschlaf von irgendwelchen Musikern unterbrechen zu lassen.
Irgendwann muss es aber doch noch geklappt haben, das Konzert am nächsten Tag fand planmäßig statt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.02.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.02.2003

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